Die Projektmethode, die im Schulalltag zunehmend in der Form von Projektwochen, aber auch im Fachunterricht, vorkommt ist seit den Versuchen einer Schulreform in den Sechziger und Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts „die am häufigsten diskutierte Unterrichtsmethode“. (Knoll: 300 Jahre lernen am Projekt, S. 62) Obwohl die Bereitschaft zur Anwendung der Methode gewachsen ist liegt gerade darin auch die Gefahr einer „Ausbreitung bei gleichzeitiger Reduzierung des Konzepts“. (Bastian/Gudjons: Über die Projektwoche hinaus…, S. 8)
Hier setzt die vorliegende Hausarbeit an mit dem Versuch, Herkunft und Entwicklung der Methode sowie die besonderen Aspekte ihrer Anwendung vorzustellen.
Grundsätzlich weißt ein Projekt drei Aspekte auf: Es orientiert sich an den Interessen der Lernenden, ist also schülerorientiert, es behandelt ein tatsächliches Problem, ist also wirklichkeitsorientiert und es hat ein bestimmtes Ziel, ist also produktorientiert.
Am Beginn steht ein historischer Überblick, denn auch wenn die Grundlagen des heutigen Projektverständnisses überwiegend auf den Ideen beruhen, die John Dewey und William H. Killpatrick Anfang des 20. Jahrhunderts formuliert haben, so greift dies „historische gesehen immer schon zu kurz“(Duncker: Handeln im Dienste von Aufklärung und Demokratie, S. 67), denn Vorläufer und Grundideen finden sich bereits wesentlich früher. Daran schließ sich eine kurze Bemerkung zum Problem der Definition des Projektbegriffs an. Hierauf aufbauend erfolgt ein Blick auf die Merkmale, die Projektunterricht heute erfüllen soll und muss, um als solcher zu gelten, auf seinen Bezug zum alltäglichen Fachunterricht, auf die besonderen Aufgaben des Lehrers sowie lernpsychologische Aspekte der Methode. Zum Abschluss folgt ein kurzer Ausblick auf die Form von Projektunterricht in seiner bekanntesten und weitesten Ausführung, die Projektwoche.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Projektmethode
2.1 Historische Vorläufer
2.2 Die Methode des praktischen Problemlösens
2.3 Die Entwicklung der Projektmethode Anfang des 20. Jahrhunderts
2.3.1 Die Orientierung an den Interessen des Kindes: William H. Killpatrick
2.3.2 Die Methode der denkenden Erfahrung: John Dewey
2.4 Zur Problematik der Definition
3. Projektunterricht
3.1 Merkmale des Projektunterrichts
3.2 Das Verhältnis zum Fachunterricht
3.3 Lehreraufgaben
3.4 Lernpsychologische Aspekte
4. Projektwochen
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Projektmethode sowie ihre theoretischen Grundlagen und praktische Anwendung im schulischen Kontext. Dabei steht die Klärung der Kernaspekte von Projektunterricht, seine Abgrenzung zum klassischen Fachunterricht sowie die Rolle der Lehrkräfte im Fokus der Analyse.
- Historische Herleitung der Projektmethode
- Differenzierung der Projekt-Grundprinzipien (Schüler-, Wirklichkeits- und Produktorientierung)
- Vergleich zwischen Projektunterricht und Fachunterricht
- Pädagogische Anforderungen an Lehrkräfte
- Lernpsychologische Vorteile des Projektunterrichts
Auszug aus dem Buch
3.1 Merkmale des Projektunterrichts
Grundsätzlich orientiert sich Projektunterricht an den hier bereits mehrfach genannten drei Prinzipien der Wirklichkeitsorientierung, der Schülerorientierung und der Produktorientierung. Diese sollen hier weiter ausdifferenziert und erläutert werden.
Im Hinblick auf die Wirklichkeitsorientierung ist Gegenstand des Projektes eine Aufgabe oder ein Problem des täglichen Lebens, die im Projekt „besser als dies in Schule und Gesellschaft üblicherweise geschieht“ gelöst werden. Dabei orientiert sich das Thema bzw. die Aufgabe in der Regel nicht am Fächerkanon der Schule sondern erfordert viel mehr die Einbeziehung von Elementen verschiedener Fächer. Diese besondere Problemstellung schließt auch ein, dass Projektunterricht nicht nur die Aktivitäten normalen Unterrichts kennt, sondern viel stärker auf praktische Arbeit, auf Ausprobieren und auf sinnliche Erfahrung hinausläuft.
Der Bezug zur Wirklichkeit schließt auch ein, dass dem Projektthema eine Relevanz für die Praxis zukommt. Das heißt, Gesellschaft und Schule stehen miteinander in Bezug und Schule kann verändernd eingreifen. Es geht nicht nur darum, sich Wissen anzueignen, sondern durch dieses Wissen und seine Anwendung gleichzeitig Veränderungen herbeizuführen. Dies kann ganz konkret im unmittelbaren Umfeld geschehen, sei es durch neue Geräte für einen Spielplatz, einen Plan für einen Fahrradweg der umgesetzt wird oder aber die Ausstellung über die Geschichte eines Stadtteils. Auch wenn dieses hohe Ziel nicht immer erreicht werden kann, so darf Projektunterricht in keinem Fall „zur Bastelarbeit, Freizeitbeschäftigung oder Hobbythek degeneriert“ werden, da er sonst in völlige „Beliebigkeit und Zufälligkeit verfallen“ kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung der Projektmethode im Schulalltag und steckt den Rahmen für die historische und inhaltliche Untersuchung der Arbeit ab.
2. Die Entwicklung der Projektmethode: Dieses Kapitel zeichnet die Ursprünge der Methode von der Architekturlehre bis hin zu den reformpädagogischen Ansätzen von Killpatrick und Dewey nach.
3. Projektunterricht: Hier werden die Kernmerkmale, das Verhältnis zum Fachunterricht, die Lehreraufgaben sowie die psychologischen Grundlagen des Projektunterrichts analysiert.
4. Projektwochen: Das Kapitel beschreibt Projektwochen als die konsequenteste und weitest verbreitete Umsetzung alternativen Lernens in der Regelschule.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Gratwanderung zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung im schulischen Alltag.
Schlüsselwörter
Projektmethode, Projektunterricht, Projektwoche, Schülerorientierung, Wirklichkeitsorientierung, Produktorientierung, Reformpädagogik, Lehrrolle, soziales Lernen, handlungsorientierter Unterricht, interdisziplinäres Lernen, Lernmotivation, John Dewey, William H. Killpatrick, Schulreform.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen der Arbeit?
Die Arbeit analysiert Herkunft, Entwicklung und die spezifischen Merkmale der Projektmethode, um ein fundiertes Verständnis für die Anwendung im Schulalltag zu schaffen.
Welche drei Prinzipien charakterisieren ein Projekt?
Ein Projekt zeichnet sich durch drei Säulen aus: Schülerorientierung, Wirklichkeitsorientierung und Produktorientierung.
Was ist das primäre Ziel des Projektunterrichts?
Das Ziel ist die Verbindung von Theorie und Praxis durch die eigenständige Bearbeitung eines realen Problems, wobei Wissen durch Anwendung aktiv erworben wird.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die führende Theoretiker wie John Dewey und William H. Killpatrick sowie moderne Didaktiker wie Bastian und Gudjons einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Definition des Projektbegriffs, die Merkmale des Projektunterrichts und eine didaktische Betrachtung der Lehrerrolle.
Welche Keywords beschreiben diese Arbeit am besten?
Wichtige Schlagworte sind Projektmethode, Schülerorientierung, Interdisziplinarität, Handlungsfähigkeit und Reformpädagogik.
Warum ist das Verhältnis zum Fachunterricht ein zentrales Thema?
Weil der Projektunterricht durch seine interdisziplinäre Anlage das klassische, in Fächern organisierte System der Schule herausfordert und als "Grenzform" fungiert.
Warum sind Projektwochen für die Umsetzung so bedeutend?
Projektwochen heben zeitliche und organisatorische Zwänge des normalen Stundenplans auf, was ein kontinuierliches und praxisnahes Arbeiten jenseits fachspezifischer Barrieren ermöglicht.
- Citation du texte
- Sascha Schmitt (Auteur), 2003, Herkunft, Entwicklung und Anwendung der Projektmethode im Unterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20677