Auch die Rezeption Claus Stauffenbergs stellt in dieser Hinsicht
keine Ausnahme dar. Die Bewertung seiner Person bewegt sich
zwischen persönlicher Heroisierung und der moralisch-ethischen
Abwertung der Motive des konservativen Widerstands, dessen
Galionsfigur er als Attentäter auf das Leben Hitlers wurde.
Aber wo ist der ihm angemessene Platz und welche Würdigung oder
Sichtweise wird dem 20. Juli gerecht? Diese Fragen beantworten zu helfen, ist die zentrale Aufgabe der
vorliegenden Arbeit, wobei dies allerdings nicht im direkten Sinne
einer möglichst neutralen und umfassenden Auswertung der Fakten
und Begleitumstände des Ereignisses geschehen soll. Die folgende Darstellung kann und soll nicht in ein weiteres, trennscharf zu
greifendes Urteil über die Tat des 20. Juli münden. Vielmehr soll
durch den Entwurf eines Porträts der Ereignisse und vor allem der
Person Stauffenbergs im Kontext der damaligen Zeit versucht
werden, einen möglichst breit angelegten Blick auf das Ereignis des
20. Juli frei zu geben.
Peter Steinbach verweist in der Einleitung seines Buches
“Widerstand im Widerstreit” unter der Überschrift `Die Notwendigkeit,
Vielfältigkeit auszuhalten´ auf die Relevanz der “vergangenen
Wirklichkeit”, die als notwendige Voraussetzung dafür gilt, trotz der
natürlichen Disparität der Voraussetzungen das zu Untersuchende
zu verstehen.1 Dieser Verweis auf die Bedeutsamkeit von innerer
Dynamik, biographischer Elemente oder anderen zeitbezogenen
Variablen, die für eine bestimmte Qualität der Rezeption wichtig
erscheinen, soll in der vorliegenden Arbeit ausdrücklich
berücksichtigt werden. Gleichzeitig ist aber bereits einleitend darauf
hinzuweisen, dass im Rahmen einer solchen Arbeit sicherlich auch
nur eine bewusst gewählte, subjektive Perspektive eingenommen
werden kann und auch die scheinbar neutrale Schilderung eines
Lebenslaufes immer in den Grenzen be
Neben der Zielsetzung, die Thematik des 20. Juli 1944 primär
anhand der biographischen Auseinandersetzung mit der Person
Stauffenbergs und seinem historischen Umfeld zu untersuchen, ist
ein weiteres Bestreben dieser Arbeit, für die Vielfältigkeit, die ein
Thema wie der deutsche Widerstand zulässt aber auch einfordert, zu
sensibilisieren und als exemplarisches Beispiel dafür zu stehen, dass
jede Episode der Geschichte ihre eigenen Voraussetzungen,
Umstände und spezifische Dynamik hat, die, will man sich
angemessen mit ihr beschäftigen, Berücksichtigung verlangen. [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Entwicklung und Motive des nationa-konservativen Widerstandes
- Claus Stauffenbergs Weg zum 20. Juli 1944
- Kindheit und Jugend
- Die Reichswehr
- Stauffenbergs Militärzeit
- Das Jahr 1933
- Die Reichswehr wird zur Wehrmacht (1934-1938)
- Stauffenberg und der Nationalsozialismus
- Die Feldzüge in Polen und Frankreich (1939-1940)
- Der Krieg in Russland
- Stauffenberg und die Konspiration
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit analysiert den Weg Claus Graf Schenk Stauffenbergs zum 20. Juli 1944 und untersucht seine Motive und die Entwicklung des nationa-konservativen Widerstandes. Die Arbeit strebt danach, ein vielschichtiges Bild des Ereignisses und seiner zentralen Person zu zeichnen und dabei die zeitgeschichtlichen Zusammenhänge und die biographischen Besonderheiten Stauffenbergs zu berücksichtigen.
- Die Entwicklung des nationa-konservativen Widerstandes und seine Motivationen.
- Claus Stauffenbergs Lebensweg und sein Weg zum Widerstand gegen das NS-Regime.
- Die Bedeutung des Attentats vom 20. Juli 1944 für die deutsche Geschichte.
- Die unterschiedlichen Perspektiven auf das Attentat und die Person Stauffenbergs.
- Die Rolle der historischen Kontexte und der individuellen Lebensläufe für die Interpretation des Ereignisses.
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung beleuchtet die Vielschichtigkeit der deutschen Widerstandsgeschichte und die unterschiedlichen Perspektiven auf das Attentat vom 20. Juli 1944. Sie stellt die zentrale Frage nach der angemessenen Bewertung des Ereignisses und der Person Stauffenbergs in den Vordergrund.
- Das zweite Kapitel befasst sich mit der Entwicklung und den Motiven des nationa-konservativen Widerstandes gegen das NS-Regime. Es werden die unterschiedlichen Strömungen innerhalb des Widerstandes und ihre jeweiligen Beweggründe untersucht.
- Das dritte Kapitel zeichnet Claus Stauffenbergs Lebensweg nach und analysiert seine Entwicklung vom jungen Offizier zum Widerstandskämpfer. Es beschreibt seine Stationen in der Reichswehr, seine Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg und seine zunehmend kritische Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf die Schlüsselbegriffe des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, insbesondere den konservativen Widerstand, das Attentat vom 20. Juli 1944, die Person Claus Graf Schenk Stauffenberg, sowie die Motive und die Entwicklung des Widerstandes im Kontext des Zweiten Weltkriegs.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Ziel dieser Arbeit über Claus Stauffenberg?
Die Arbeit entwirft ein Porträt Stauffenbergs, um seinen Weg zum Attentat vom 20. Juli 1944 im Kontext seiner Zeit und persönlichen Entwicklung zu verstehen.
Welche Motive hatte der national-konservative Widerstand?
Die Arbeit untersucht die moralischen, ethischen und politischen Beweggründe der konservativen Kreise, die sich gegen Hitler stellten.
Wie entwickelte sich Stauffenbergs Haltung zum Nationalsozialismus?
Anhand seiner Stationen in der Reichswehr und den Feldzügen (Polen, Frankreich, Russland) wird aufgezeigt, wie er zunehmend kritisch wurde und schließlich zur Konspiration fand.
Warum ist eine biographische Auseinandersetzung wichtig für das Verständnis des 20. Juli?
Biographische Elemente und die innere Dynamik der Person helfen dabei, die Tat jenseits einer rein neutralen Faktenauswertung zu begreifen.
Welche Rolle spielte Stauffenbergs Militärzeit für seinen Weg?
Seine Erfahrungen als Offizier und die Erlebnisse an den Fronten waren entscheidend für seine Erkenntnis der Notwendigkeit des Widerstands.
Wie wird Stauffenberg in der Forschung heute bewertet?
Die Bewertung schwankt oft zwischen persönlicher Heroisierung und einer kritischen Abwertung der Motive des konservativen Widerstands.
- Quote paper
- Dirk Mempel (Author), 2003, Claus Graf Schenk Stauffenberg und sein Weg zum 20. Juli 1944, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20690