Es gab einige Gruppen von Ausländern in der DDR, doch bei keiner kann man von einer erfolgreichen Integration sprechen. Trotz der SED-Propaganda der „weltweiten Verbrüderung“ war im Alltag von einem Internationalismus nichts zu spüren. Dies lässt sich an einigen Beispielen festmachen, die im Folgenden erörtert werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Fremdheitsgefühl, Abneigung und sogar Rassismus gegenüber den Sowjetischen Soldaten
2. DDR-Aufenthalt der ausländischen Studenten geprägt von Segregation und Misstrauen
3. Neid gegenüber Asylsuchenden und pol. Emigranten und fehlende Integration
4. Isolation und Kontrolle der Vertragsarbeiter
5. Keine Auswanderung aus der DDR möglich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem offiziell propagierten proletarischen Internationalismus der SED und der tatsächlichen gesellschaftlichen Realität der DDR. Dabei wird analysiert, wie staatliche Maßnahmen, institutionelle Segregation und Misstrauen das Zusammenleben zwischen DDR-Bürgern und verschiedenen Ausländergruppen prägten und zu einer verordneten Provinzialität führten.
- Beziehungen zwischen sowjetischen Streitkräften und der DDR-Bevölkerung
- Soziale Segregation und Misstrauen gegenüber ausländischen Studierenden
- Integration und staatliche Steuerung bei Asylsuchenden und Emigranten
- Kontrollmechanismen und Isolationsstrategien bei Vertragsarbeitern
- Systemische Barrieren und staatliche Repression bei der Migration
Auszug aus dem Buch
Fremdheitsgefühl, Abneigung und sogar Rassismus gegenüber den Sowjetischen Soldaten
Die sowjetischen Soldaten stellten mit ca. 500 000 Personen die größte Ausländergruppe in der DDR dar. Sie lebten allerdings abgeschottet in ihren Kasernen und so gab es relativ wenig Kontakt zur DDR-Bevölkerung (MÜLLER 2005: 22). Die sowjetischen Streitkräfte hatten eine Vormachtstellung inne, nicht nur am Anfang als Besatzungsmacht, sondern auch noch später, trotz der formalen Souveränität der DDR seit 1954 (MÜLLER 2005: 17). Dies führte zu einer Bevormundung der DDR-Bevölkerung und einer faktischen Einschränkung ihrer Interessen. Das SED-Regime war quasi abhängig von den sowjetischen Truppen, was den sowjetischen Soldaten und Zivilisten einige Vorteile brachte, welche nicht selten missbraucht wurden. Dies alles führte zu einem Gefühl der Unterdrückung, Neid und Abneigung der DDR-Bevölkerung gegen die Sowjets in der DDR, und es kann nicht von wirklicher Akzeptanz gesprochen werden (MÜLLER 2005: 18). Die von der SED nach außen proklamierte Freundschaft mit den Sowjets war reine „Imagepflege“, in der Bevölkerung war von Freundschaft nichts zu spüren. Die DDR-Bevölkerung begann sich eher abzuschotten, auch aus Angst vor Überfremdung, da es relativ viele russische Soldaten waren, die teilweise auch mit ihren Familien in der DDR lebten. Durch diese Abschottung ergab sich auch wiederum für die Sowjets keine Möglichkeit zum Austausch oder um den DDR-Alltag kennen zu lernen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fremdheitsgefühl, Abneigung und sogar Rassismus gegenüber den Sowjetischen Soldaten: Das Kapitel beleuchtet das belastete Verhältnis zur größten Ausländergruppe in der DDR, das durch Abschottung, Neid und historisch gewachsene Negativstereotypen geprägt war.
2. DDR-Aufenthalt der ausländischen Studenten geprägt von Segregation und Misstrauen: Hier wird beschrieben, wie ausländische Studierende durch staatliches Misstrauen und Verbote von der DDR-Gesellschaft isoliert wurden, um eine kulturelle Beeinflussung zu verhindern.
3. Neid gegenüber Asylsuchenden und pol. Emigranten und fehlende Integration: Die Analyse zeigt auf, dass Asyl nur aus ideologischen Gründen gewährt wurde und die Betroffenen durch Privilegien sowie starke Segregationsmaßnahmen in eine Außenseiterrolle gedrängt wurden.
4. Isolation und Kontrolle der Vertragsarbeiter: Dieses Kapitel thematisiert die strikte zeitliche Befristung und gesellschaftliche Isolation der Vertragsarbeiter, deren Aufenthalt primär arbeitsmarktpolitischen, aber nicht integrationsorientierten Zwecken diente.
5. Keine Auswanderung aus der DDR möglich: Der Abschnitt verdeutlicht die gewaltsame staatliche Unterbindung von Auswanderung und die daraus resultierende faktische Isolierung der DDR-Bevölkerung vom internationalen Austausch.
Schlüsselwörter
DDR, SED-Propaganda, Internationalismus, Segregation, Rassismus, Sowjetische Soldaten, Vertragsarbeiter, Ausländische Studenten, Asylpolitik, Isolation, Migration, DDR-Gesellschaft, Fremdheitsgefühl, Kontrolle, Sozialismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Diskrepanz zwischen der offiziellen DDR-Ideologie des „proletarischen Internationalismus“ und der alltäglichen Ausgrenzung und Isolation von Ausländern in der DDR.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis zu sowjetischen Besatzungstruppen, die Situation ausländischer Studierender, die Behandlung von Asylsuchenden sowie das Leben von Vertragsarbeitern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, dass die DDR keine erfolgreiche Integration ausländischer Gruppen vollzog, sondern durch eine Politik der Abschottung eine „verordnete Provinzialität“ erzeugte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur und historischen Studien zur Migrationsgeschichte und zum Alltag in der DDR-Gesellschaft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Fallgruppen der Ausländerpolitik (Soldaten, Studenten, Asylsuchende, Vertragsarbeiter) und diskutiert jeweils die Mechanismen der staatlichen Kontrolle und gesellschaftlichen Abgrenzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Segregation, Isolation, DDR-Alltag, staatliche Kontrolle, Rassismus und Scheinintegration.
Warum war eine Integration sowjetischer Soldaten kaum möglich?
Dies lag an der bewussten Abschottung der Kasernen, der Vormachtstellung der Truppen und den fortbestehenden negativen Stereotypen bei der DDR-Bevölkerung.
Wie wurde die Integration von Vertragsarbeitern verhindert?
Die Integration wurde durch strikte zeitliche Befristung der Aufenthaltsgenehmigungen, untersagte private Beziehungen und das Verbot von Schwangerschaften gezielt unterbunden.
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- Judith Bernet (Autor), 2007, Verordnete Provinzialität in der DDR, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206933