Funktion und Bedeutung der Migrationsliteratur im deutschsprachigen Raum


Diplomarbeit, 2003

78 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einführung

1. Vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland

2. Die multikulturelle Gesellschaft als gesellschaftlicher Rahmen für Migration

3. Die Entstehung der Migrationsliteratur

4. Begriffsbestimmung

5. Gattungen der Migrationsliteratur

6. Motivation zum Schreiben und Adressanten

7. In zwei Sprachen leben
7.1. Gastarbeiterdeutsch
7.2. Schreiben in der Fremdsprache?
7.3. Migrationsliteratur als Bereicherung für die deutsche Sprache und Literatur?

8. Identität in der Fremde
8.1. Zwischen Anpassung und Verteidigung der Andersartigkeit
8.2. Identitätsverlust durch die Sprache
8.3. Erfahrungen und Experimente mit der eigenen Identität in der Fremde
8.4. Identität und die ´zweite Generation´

9. Integration – Schein oder Realität?

10. ´Neue Heimat´ : Erwartungen und Realität
10.1. Ursachen der Emigration
10.2. Die Abfahrt ins Schlaraffenland
10.3. Die Vetreibung aus dem Paradies
10.4. Das hässliche Deutschland und das schöne Heimatland
10.5. Bilder
10.6. Rückkehr in die Heimat
10.7. Heimat und zweite Generation

Zusammenfassung

Shrnutí

Literaturverzeichnis

Einführung

Ziel der Arbeit ist es, die literarästhetische Gestaltung von Alltagserfahrungen in Texten professioneller und nicht professioneller AutorInnnen zu untersuchen und Möglichkeiten interkultureller Wirklichkeitsverarbeitung anhand von Berichten, Erzählungen und Gedichten aufzuzeigen. Dabei wird auf die Sprachdeformation als Gleichnis für Sozialisationsprozesse, auf den möglichen Sprachverlust/-gewinn als Gleichnis für Identitätssuche sowie auf die Sprachbeherrschung als Ausdruck für Selbstbewusstsein/-bestimmung hingewiesen.

In Kapitel 1, betitelt mit ´Von Auswanderungs- zum Einwanderungsland´, versuche ich die Migrationsgeschichte kurz zu beschreiben, mit dem Schwerpunkt auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts.

In Kapitel 2 beschäftige ich mich mit der heutigen Situation der Migranten in Deutschland. Unter anderen habe ich untersucht, in welchen deutschen Bundesländern sich die meisten Ausländer befinden, aus welchen Herkunftsländern die Migranten sind (was sich sehr stark in der Literatur widerspiegelt) und wie lange sie sich in Deutschland aufhalten (die Mehrheit länger als 10 Jahre). Dabei bin ich auch kurz auf die einzelnen Formen des Aufenthaltsstatus eingegangen, was für die Migranten von großer Bedeutung ist.

Im dritten Kapitel versuche ich die Entstehung und weitere Entwicklung der Migrationsliteratur näher zu bringen.

In darauf folgenden Kapitel habe ich mich mit der Begriffsbestimmung auseinandergesetzt. Die häufigsten Benennungen wie ‘Migrantenliteratur’, ´Migrationsliteratur´, ´Ausländerliteratur´, ´Gastarbeiterliteratur´ wurden dargelegt und deren wichtigsten Unterschiede beschrieben und erklärt.

In weiteren zwei Kapiteln habe ich versucht zu zeigen, wie vielfältig die Migrationsliteratur ist und die Fragen zu beantworten, warum die Migranten eigentlich schreiben und für welche Adressanten diese Literatur bestimmt ist.

Im Kapitel ´In zwei Sprachen leben´ habe ich den Schwerpunkt auf den Gebrauch der deutschen Sprache gelegt. Dabei habe ich mich mit der Sprachdeformation als Gleichnis für Sozialisationsprozesse, Sprachverlust/-gewinn als Gleichnis für Identitätsuche und der Sprachbeherrschung als Ausdruck für Selbstbewusstsein/-bestimmung beschäftigt. Meine Aufmerksamkeit habe ich auch einer speziellen Variante des Deutschen gewidmet und zwar dem ´Gastarbeiterdeutsch´. Weiter habe ich versucht zu erforschen, was eigentlich die Schriftsteller bewogen hat, die Muttersprache aufzugeben und eine neue Sprache zu wählen.

Das sechste Kapitel beinhaltet das Schlüsselthema der Migrationliteratur die Identität in der Fremde. Hier versuche ist den ständigen Kampf der Autoren mit der eigenen Identität in allen ihren Formen zu beschreiben.

Im nächsten Kapitel habe ich mich mit dem, in den letzten Jahren im Zusammenhang mit den Ausländern, immer öfters diskutiertem Problem der Integration beschäftigt. Anhand der Beispiele habe ich versucht den Unterschied zwischen der offiziellen Erklärungen und Realität zu zeigen.

Im achten Kapitel beschäftige ich mich mit dem Thema der Heimat. Sei es die alte verlassene Heimat oder das neue ´zu Hause´ in der Bundesrepublik. Der Schwerpunkt liegt auf dem Unterschied zwischen den oft trügerischen Erwartungen der Migranten und der realen Situation in Deutschland.

Wenn es möglich war, habe ich versucht ein Unterkapitel auch den Schriftstellern der zweiten Generation zu widmen. Diese zweite bzw. schon dritte Generation ist bestimmen für die zukünftige Entwicklung dieser Literatur.

Mit der Migrationsliteratur als Untersuchungsobjekt haben sich die literarischen Wissenschaftler erst in den 80er und 90er Jahren anfangen zu beschäftigen. Diese wissenschaftliche Tätigkeit machen aber nicht nur sie deutschen Literaten, sondern auch die Migranten selbst.[1]

Einige der Exponenten der Migrationsliteratur haben Mehrfachrollen übernommen, wodurch ihr Status als Stellvertreter sich noch verstärkt. Neben der Herausgebertätigkeit, dem Übersetzen, der Kritik und der eigenen literarischen Produktion versuchen einige Autoren gleichzeitig auch noch, die Geschichte der Migrationsliteratur zu schreiben, wobei oft zum Konflikt des ´Ichs´ als Autor und des ´Ichs´ als Literaturhistoriker vorkommt.[2]

Die Menge der Sekundärliteratur zu dieser Problematik ist in den letzten Jahren wesentlich angestiegen. Trotzdem gibt es noch viele Bereiche in dieser Literatur, die noch weitere Erforschung erfordern. Ich hoffe, dass ich mit der vorliegenden Arbeit zum besseren Kenntnis dieser Literatur auch in Tschechien beiträgt.

1. Vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland

Heutzutage können wir in Deutschland 7 318 628 Ausländer finden.[3] Das heißt: etwa jeder 11. Einwohner ist Ausländer. Das war aber nicht immer so.

Wenn wir kurz in die Geschichte blicken, können wir feststellen, dass im 19. Jahrhundert das Deutsche Reich ein typisches Auswanderungsland war. Rund 5,5 Millionen Deutsche sind zwischen Wiener Kongress (1815) und Erstem Weltkrieg ausgewandert.[4] Das Hauptziel waren die Vereinigten Staaten. Es war eine so große Zahl, dass im Jahre 1973 9,9 Prozent der US-Gesamtbevölkerung von sich sagten, sie seien deutscher Abstammung.[5]

Als Folge der steigenden Industrialisierung und Zunahme internationaler wirtschaftlicher Verflechtungen stieg aber die Ausländerzahl stetig an. Bei der Volkszählung gaben fast 1,3 Mio. oder 2 Prozent aller Einwohner des deutschen Reiches an, keine deutsche Staatsangehörigkeit zu besitzen.[6] Das war die Zunahme um mehr als 1 Mio. Menschen im Vergleich zu dem Jahr 1871, als auf diesem Gebiet rund 207 000 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lebten. Diese Entwicklung wurde durch den 1. Weltkrieg unterbrochen.[7]

Die Nachkriegsverhältnisse, vor allem die ungünstige Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage verursachten den Rückgang der Zahl ausländischer Einwohner. „Die menschenverachtende Politik Nazi-Deutschlands ist bekannt. Zu keiner Zeit waren mehr Ausländer in Deutschland beschäftigt als unter dem Nazi-Terror.“[8] Es waren vor allem die sog. ´Zwangsarbeiter´ und die russischen Kriegsgefangenen, die unter den oft unmenschlichen Bedingungen in der deutschen Industrie und Landwirtschaft arbeiteten.[9]

Gegen Ende des 2. Weltkriegs flohen aus den ehemaligen Ostgebieten vor der Roten Armee Millionen Deutsche in die Bundesrepublik. Bis 1963 waren es insgesamt 12,6 Mio. Auf dem Arbeitsmarkt entstand in dieser Zeit ein Überangebot an Arbeitskräften. Kein Wunder, dass im Oktober 1951 im früheren Bundesgebiet 506 000 Ausländer lebten, was nur 1 Prozent der Gesamtbevölkerung war.[10]

Aber die wirtschaftliche Konjunktur der 50er Jahre verlangte immer mehr und mehr Arbeitskräfte. Diese Arbeitskräftenachfrage wurde lange Jahre von den Kriegsheimkehrern und Flüchtlingen gedeckt. Aber schon im Jahre 1955 entstand ein Mangel an Arbeitern vor allem im Südwesten Deutschlands. Die Bundesregierung löste dieses Problem mit dem Abschluss einer bilateralen Anwerbevereinbarung mit Italien im Dezember 1955. Das Jahr 1960 war das Jahr der Vollbeschäftigung und markiert den Beginn der Gastarbeiterpolitik, weil auch ein Jahr später der Flüchtlingsstrom aus dem Osten durch den Bau der Mauer gestoppt wurde. Die deutsche Regierung reagierte auf diese Situation mit dem Abschluss weiterer Anwerbeverträge. Im Jahre 1960 kam es zum Vertrag mit Spanien und Griechenland, 1961 folgte der Vertrag mit der Türkei, dann 1963 mit Marokko, 1964 mit Portugal, 1965 mit Tunesien und zuletzt 1968 mit Jugoslawien. 1961 waren nur 686 000 Ausländer in der Bundesrepublik beschäftigt, im Jahre 1971 waren es schon 3,4 Mio. Das Rotationsprinzip, mit dem die Bundesregierung rechnete, d.h. dass diese Arbeiter mit ihrem verdienten Geld nach einem gewissen Zeitraum wieder in ihre Heimat zurückkehren und dort ihre neue Existenz aufbauen, setzte sich nicht durch. Die meisten Angeworbenen wollten nicht zurück in ihre Heimat, wo die Arbeitslosigkeit noch anstieg. Trotzdem kehrten elf Millionen ausländische Arbeiter zurück. Durch den 1973 erlasennen Aufnahmestopp[11] sank in den Jahren 1975/77 die Zahl der ausländischen Beschäftigten.[12]

Aber die Zahl der Ausländer in Deutschland stieg weiter. Es lag daran, dass immer mehr Gastarbeiter ihre Familien nachholten, was auch gefördert wurde. Aus den Gastarbeitern wurden Einwanderer, die rechtlich vom Staat nicht anerkannt wurden. Die Bundesrepublik wollte sich lange Jahre auf keinen Fall als Einwanderungsland erklären. Auch wegen der stetig zunehmenden Einreise der Asylsuchenden lebten im September 1982 in Deutschland 4,7 Mio. Ausländer. In den Jahren 1983/84 ging die Zahl der Ausländer zurück. Die Ursachen waren eine deutliche Abnahme der Asylsuchenden, wesentlich weniger Familienzusammenführungen und auch das Rückkehrshilfsgesetz, das einige Ausländer zur Rückkehr nutzten. Bis in die 90er Jahre kam es zu einem wesentlichen Anstieg von Asylsuchenden, der sich aber mit der Änderung des Asylrechts verringerte. In den letzten Jahren ist die Zahl der Ausländer in Deutschland nur minimal angestiegen und die Bundesregierung versucht die auf deutschem Bundesgebiet dauerhaft lebenden Ausländer zu integrieren.[13]

2. Die multikulturelle Gesellschaft als gesellschaftlicher Rahmen für Migration

Die ausländische Bevölkerung ist nicht gleichmäßig über das Bundesgebiet verteilt. Fast drei Viertel aller Ausländer leben in vier Bundesländern. Die meisten leben in Nordrhein-Westfalen, sehr viele dann auch im Baden-Württemberg gefolgt von Bayern und Hessen. In den neuen sind die Ausländeranteile vergleichsweise sehr gering. Das ist u.a. auch davon abhängig, dass es in der ehemaligen DDR keine Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer gegeben hat, die man mit den Verhältnissen im früheren Bundesgebiet vergleichen konnte. Wichtig ist selbstverständlich auch die finanzielle Seite, weil die Löhne in den alten Bundesländern höher sind.[14]

Wenn man die Staatsangehörigkeit der Ausländer im Deutschen Reich mit der in der Bundesrepublik Deutschland vergleicht, zeigen sich klare Veränderungen. Während die Hälfte aller Ausländer bis zum 1. Weltkrieg die österreichische Staatsangehörigkeit besaß und im Jahre 1925 50 Prozent aller Ausländer aus Polen und der Tschechoslowakei stammten, sieht die Situation heutzutage ganz anders aus. Obwohl auch heute rund 81 Prozent aller Ausländer Staatsangehörige europäischer Länder sind, können wir in Deutschland auch eine starke asiatische Minderheit finden (11 Prozent). Selbstverständlich sind in Deutschland mehr oder webiger auch andere Kontinente vertreten.

In der Migrantenliteraturforschung bilden das Herkunftsland bzw. die Herkunftsregion eine wichtige Zugangskategorie. Unter diesem Untersuchungsaspekt wurden schon mehrere Studien veröffentlicht. Auch heute noch sind die Menschen aus den sog. ´Anwerbeländern´ am stärksten vertreten. So bilden die Türken mit fast 2 Mio. Menschen die stärkste Minderheit in Deutschland und deswegen steht auch die Literatur der türkischen Migranten im Zentrum des Interesses. Unter anderem sind es die Werke von Frederking[15] oder Wirschke,[16] aber zu Wort meldet sich auch die Gruppe der Forscher mit biographischem Bezug zur Türkei wie Göktürk,[17] Kurayazici[18] oder Yesilada[19]. Den zweiten und dritten Platz nehmen Staatsangehörige des ehemaligen Jugoslawiens bzw. Italiens ein. Ein Buch, das sich der Literatur italienischer Autoren widmet, hat Gino Chiellino verfasst.[20] Was aber die Zuwanderung nach Deutschland seit Mitte der 90er betrifft, bilden die größte Gruppe der Zuwanderer Personen aus den Ost- bzw. Südosteuropäischen Staaten.[21]

Auch die Aufenthaltsdauer und der Aufenthaltstatus der Migranten ist für die Literatur von Bedeutung. Einerseits können Ausländer, die in der BRD schon länger wohnen und einen relativ sicheren Aufenthaltsstatus haben, die Situation mit Abstand und besserer Erfahrung beschreiben, anderseits diese Unsicherheit und der erste Kontakt mit der fremden Kultur zeichnen am besten aus, die Gefühle und die Situation eines Menschen in einem fremden Land. Ende 2000 lebte ein Drittel aller Ausländer schon 20 Jahre und länger in Deutschland. Es handelt sich vor allem um Menschen aus den ehemaligen `´ ´Anwerbestaaten´, die in Deutschland schon sesshaft sind. Zu diesen ´Dauermigranten´ gehören auch die relativ kleinen Gruppen der Österreicher und Niederländer, die aufgrund der gleichen Sprache (bei österreichischen Staatsangehörigen), der vielen verwandtschaftlichen Beziehungen und der engen Verflechtungen über die Grenze hinweg länger in Deutschland ihren Wohnsitz haben.[22]

Gemessen an der langen Zeit des Aufenthaltes und der Tatsache, dass die meisten Ausländer in Deutschland eine neue Heimat suchen, sind die Wünsche nach einem sicheren Aufenthaltsstatus nicht erfüllt worden.[23] Die Aufenthaltsberechtigung, was im Rahmen des Ausländergesetzes der sicherste Aufenthaltsstatus ist, besaßen Ende 2000 von den insgesamt fast 2 Mio. Türken nur 465 100. Bei Personen aus Tunesien, Marokko und dem ehemaligen Jugoslawien ist die Zahl der Aufenthaltsberechtigten noch wesentlich geringer. Der sichere Aufenthaltsstatus ist auch eine der wichtigsten Voraussetzungen für die erfolgreiche Integration und in Hinblick auf dieses Problem hat die Bundesregierung noch viel Arbeit vor sich.[24]

Sehr treffend hat den richtigen Ton in seinem Gedicht ´Veränderung´ der italienische Schriftsteller Gino Chiellino getroffen:

Ein Gastarbeiter

besteht aus vier Teilen

dem Ausländergesetz

der Aufenthaltserlaubnis

der Arbeitserlaubnis

und

einem Ausländer[25]

3. Die Entstehung der Migrationsliteratur

In der deutschen Literaturlandschaft sind die Schriftsteller anderer Kulturen und Sprachen auch heute noch eher ein Exotikum als eine natürliche Bereicherung. In vielen anderen Ländern hat die Migrationsliteratur schon lange Tradition. Staaten mit Kolonialvergangenheit wie Frankreich, Großbritannien oder die USA als klassisches Einwanderungsland „haben Anregungen erfahren, die prägende Spuren hinterlassen haben“[26].

So gehört z.B. die maghrebinische Literatur schon lange Jahre zu der französischen literarischen Tradition, genauso wie die Literatur der Antillen, die einen festen Platz in der englischen Literatur hat. So zeigte der Ire Samuel Beckett der französischen Literatur eine neue Richtung und der Pole Joseph Konrad zum Kanon der englischen Literatur gehört.

Der deutschen Literatur fehlten diese Farbe und Anregungen von außen bis in die jüngste Vergangenheit. Für die Anfänge müssen wir in die 50er Jahre, in die Zeit der ersten Anwerbeverträge, zurückgehen. Schon in diesen Jahren erschienen Romane, Gedichte, Briefe, Erzählungen von italienischen Arbeitsmigranten. Aber diese unterschiedlichen literarischen Erscheinungen wurden noch nicht auf einen Nenner gebracht. Die Bemühungen, einen festen Standort dieser Literatur zu schaffen, zeigten sich erst gegen Ende der 70er Jahre. Das erste Programm wurde von Franco Biondi und Rafik Schami im Jahre 1979 unter dem Titel ´Literatur der Betroffenheit. Bemerkungen zur Gastarbeiterliteratur´ veröffentlicht. Als Hauptaufgaben für diese Literatur wurden die Beseitigung der aufgezwungenen Trennung untereinander und zwischen ihnen und den deutschen Arbeitern, Multikulturalität und Ermöglichung eines kulturellen Austausches aufgestellt. Auch von den Begriffen wie ´Autonomie gegenüber der Literatur des Ursprungs und der neuen Heimat´ und ´Selbsthilfe zur Verteidigung der Identität´ war die Rede.[27]

Ein Jahr später gründeten die beiden gemeinsam mit dem Libanesen Jusuf Naoum und Syren Suleman Taufiq die Gruppe ´Südwind gastarbeiterdeutsch´, die in einem kleinen Verlag in Bremen[28] eine gleichnamige Buchreihe herausgab.[29] Noch in demselben Jahr wurde von den ausländischen Autoren eine weitere Gruppe mit dem Namen ´PoLiKunst´[30] gegründet. Es wurden Lesungen, Ausstellungen, Diskussionen auf dem ganzen Bundesgebiet organisiert, um die neue Literatur vorzustellen und zu fördern.

Anfang der 80er Jahre wurde auch von deutscher Seite aus Schritte unternommen, die deutsche Öffentlichkeit mit der neuen ´deutschen´ Literatur bekannt zu machen. Der ´Deutsche Taschenbuchverlag´ und das Institut für Deutsch als Fremdsprache an der Universität München veröffentlichten unter der Leitung von Irmgard Ackermann eine Reihe von Anthologien, die sich mit der Problematik der Migration und des ´Fremdseins´ auseinandersetzten.[31] Aber trotz dieser sehr verdienstvollen Reihe hatte immer noch keiner von den Großverlagen den Mut, die Werke einzelner Autoren zu publizieren und die ausländischen Schriftsteller waren immer noch auf Kleinverlage angewiesen Mit den Anfängen der Migrationsliteratur sind auch sehr eng die Namen des türkischen Schriftstellers resp. Verlegers Yüksel Pazarkaya und Achmed Dogan verbunden. Yüksel Pazarkaya stand bei den Anfängen der Literaturzeitschrift Anadil und dem Achmed Dogan gehören die Verdienste für die Gründung des Ararat-Verlags. Dank dieser beiden ´Wegbereiter´ wurde die türkische Literatur der deutschen Umgebung vorgestellt.[32]

Dass die Bezeichnung ´Gastarbeiterliteratur´ nicht ganz treffend war und die Gruppe der schreibenden Autoren streng abgrenzte, wurde bei den osteuropäischen und den nicht europäischen Schriftstellern, die aus ganz anderen Gründen nach Deutschland gekommen waren, sichtbar. Erwähnenswert ist die literarische Bewegung der lateinamerikanischen Schriftsteller, die im Gegensatz zu den Arbeitsmigranten meist politische Exilanten waren.[33]

4. Begriffsbestimmung

´Gastarbeiterliteratur´, ´Gastliteratur´, ´Literatur der Ausländer´, ´Ausländerliteratur´, ´Migrantenliteratur´, ´Migrationsliteratur´, ´interkulturelle Literatur´. Sind alle diese Bezeichnungen synonym, oder gibt es doch Unterschiede. Alle diese Begriffe bezeichnen die Literatur, die von den ausländischen Autoren geschaffen wurde. Die Begriffsvielfalt beweist, dass die Definition dieser Literatur sehr problematisch ist. Die einzelnen Benennungen spiegeln die historische Entwicklung dieser Literatur wider.

„Der Begriff ´Gastarbeiter´ bezeichnet die ausländischen Arbeitskräfte, die seit dem Wirtschaftsboom in den 50er Jahren in die Bundesrepublik Deutschland geholt wurden.“[34]

Die Benennung ´Gastarbeiterliteratur´ oder euphemistisch ´Gastliteratur´ - entstand gleichzeitig mit den ersten literarischen Versuchen der ´Gastarbeiter´. Die anderen ausländischen Autoren wurden in diese Bezeichnung nicht miteinbezogen und obwohl auch viele in der Anfangszeit als ´Gastarbeiter´ ihr Geld verdient haben, kehrten die meisten nach einiger Zeit zu ihrem ursprünglichen Beruf zurück. Man kann unter ihnen Lehrer (wie z.B. Giambuso oder Abate), Philologen (wie Pazarkaya und Chiellino) oder Psychologen (wie Biondi oder Madjderey) finden. Einige sind als Journalisten tätig oder leben als freie Schriftsteller. So wurde der neue Begriff ´Literatur von Ausländern´ bzw. ´Ausländerliteratur´ eingeführt. Semantisch sind diese beiden Begriffe neutral. Im Unterschied zum ersten Begriff zählen zu dieser Literatur auch die im Ausland schreibenden Autoren, die Deutsch als Fremdsprache verwenden.[35]

Ein anderer Versuch einer einheitlichen Benennung ist mit dem Namen des französischen Dichters Louis Charles Adélaïde Chamisso de Boncourt verbunden, der schon Ende des 18. Jahrhunderts als junger Mann nach Deutschland flüchten musste und auf Deutsch zu dichten begann. Er war eigentlich der Vorgänger der heutigen Ausländer, die heute genauso wie er zwischen zwei Sprachen und zwischen zwei Kulturen leben. Und aus diesem Grund schlägt Harald Weinrich vor:

Und wenn wir manchmal im Zweifel sind, wie wir diese halb ausländischen, halb inländischen Autoren nennen sollen, die manchmal keinen deutschen Pass, aber eine deutsche Feder haben, so sind wir augenblicklich aller Wortverlegenheiten enthoben, wenn wir sie Chamissos Enkel nennen.[36]

Weinrichs Versuch, diese Autoren in die Tradition der deutschen Literatur einzuordnen (sie sollten eigentlich als deutsche, nicht nur als deutschsprachige Schriftsteller verstanden werden), ist leider misslungen und die Bezeichnung ´Chamissos Enkel´ wurde abgelehnt. Aber mit dem Namen des Grafen Adalbert von Chamisso ist noch etwas andere verbunden und zwar der Adalbert von Chamisso Preis. Dieser Preis wird jährlich seit 1985 von der Stuttgarter Robert-Bosch-Stiftung, zusammen mit dem Institut Deutsch als Fremdsprache der Universität München und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, an die Autoren nichtdeutscher Herkunft und Muttersprache für wichtige Beiträge zur deutschen Literatur verliehen. Die Initiatoren dieses Preises fungieren auch als Herausgeber von Anthologien oder Diskussionsbänden, in denen die Beiträge der Preisträger publiziert werden. Dieser Preis sollte ein Zeichen dafür sein, schreibt Harald Weinrich, einer der Initiatoren dieses Preises, „daß uns diese Literatur, die von außen kommt, willkommen ist und daß wir sie als Bereicherung unserer eigenen Literatur und als ein konkretes Stück Weltliteratur zu schätzen wissen“[37]. Sehr interessant ist auch, welche Texte nach den Statuten des Preises als ´deutschsprachige´ gelten. Der Preis wurde für solche Werke verliehen, „die von Autoren nichtdeutscher Muttersprache in deutscher Sprache geschrieben oder im unmittelbaren Zusammenhang mit ihrem Entstehungsprozess übertragen worden sind.“[38] Konkret bedeutet das, dass auch Autoren die heute in Deutschland leben und ausschließlich in ihrer Muttersprache schreiben, mit diesem Preis ausgezeichnet werden können.[39] Der zweite Faktor war, dass es den Initiatoren dieses Preises anfängs vor allem darum ging, die Ausländer zum Schreiben zu bringen und möglichst vielen Deutschen bewusst zu machen, dass sich die Ausländer, die unter ihnen leben, literarisch ausdrücken können und oft der Gesellschaft eigentlich den Spiegel vorhalten. Deshalb wurden diese Texte auch nicht nach ästhetischen oder literaturwissenschaftlichen Kriterien beurteilt, sondern als Dokumente autobiographischer Erfahrung betrachtet.[40]

In den wissenschaftlichen Diskussionen und in der Sekundärliteratur wurde seit 1984 sehr oft der Begriff ´Migrationsliteratur´ bzw. ´Migrantenliteratur´ verwendet.[41] Hier kommt anstelle des Wortes ´Ausländer´ erstmals das Wort ´Migrant´ vor. Mit diesem Terminus sollte eigentlich definitiv darauf hingewiesen werden, dass Deutschland ein Einwanderungsland geworden und die Anwesenheit der Ausländer auf dem Bundesgebiet definitiv verankert ist. Unter dem Oberbegriff ´Migrationsliteratur´ versteht man auch die nicht auf Deutsch verfasste Literatur von den in Deutschland lebenden Ausländern. Die ´Migrationsliteratur´ kann aber auch im engeren und eher veralteten Sinne insofern verstanden werden, als diese Bezeichnung eine ganz klare, stoffliche und thematische Ausrichtung beinhaltet, welche bereits in den Enzyklopädien oder Schulbüchern definiert ist. So lehrt z.B. Brockhaus, dass die ´zentralen Themen´ der ´Migrantenliteratur´ Arbeitsmigration, Verlust der Heimat, Kulturschock, Einsamkeit und Entfremdung, Kommunikationsschwierigkeiten, besondere Lebensbedingungen von Frauen und Diskriminierung sind. Die sog. ´zweite Generation´ stellt zudem Forderungen nach Möglichkeiten der interkulturellen ´Identitätsentwicklung´ und einer ´Integration ohne Selbstaufgabe´.[42] Aber die Themenbereiche der jungen Autoren ausländischer Herkunft, der sog. ´zweiten Generation´, sind durchaus umfassender. Man kann nicht sagen, dass sie sich nicht mehr mit der Bewältigung der Realität in der Fremde beschäftigen, aber es kommen immer öfter auch solche Themen wie Liebe oder zwischenmenschliche Beziehungen vor.[43]

Man kann sich also auch die Frage stellen, ob es eigentlich nötig ist, zwischen der deutschen und nichtdeutschen Literatur zu unterscheiden. Die Themen, mit denen sich die Autoren der sog. ´Migrationsliteratur´ heutzutage beschäftigen sind weitgehend ähnlich wie bei den deutschen Autoren und es gibt auch deutsche Autoren, die über die Migration schreiben. Viele Autoren äußerten ihren Zweifel an dieser Unterscheidung. Die japanische Schriftstellerin Yoko Tawada sagte dazu:

Man spricht von der „Konjunktur des exotischen Blicks“. Ein Autor muss allerdings nicht unbedingt Ausländer sein, um einen „exotischen Blick“ zu haben. Aber wenn man zufällig Ausländer ist, so kann man diesen Vorteil im Leben und im Schreiben ausnutzen.[44]

Die Debatte um die angemessene Terminologie verläuft immer noch. Der genaue Verlauf der komplexen Geschichte der ´Migrationsliteratur´ sowie der Debatte um derer Katalogisierung ist mittlerweile bereits Gegenstand von Literaturgeschichten und man kann in den einzelnen Lexika nachschlagen, um sich über einzelne Autoren und Werke der ´Migrationsliteratur´ zu informieren.[45]

5. Gattungen der Migrationsliteratur

Am Anfang stand im Mittelpunkt der Migrationsliteratur das Gedicht. Es wurde mehrmals Versucht den Ausgleich zu schaffen, indem z.B. einige reine Prosawettbewerbe vernastaltet wurden, trotzdem hatte die Dichtung lange Zeit den Vorrang. Es gibt zwei wichtige Faktoren, die es beinfusst haben:

Ein themengebundenes Gedicht zu schreiben, verlangt nur eine kurzfristige Erfahrung, die im kurzen Zeitraum gebracht werden kann. Das Gedicht ermöglicht schnell auf das soziopolitische Geschehen zu reagieren, entweder als kritische Aufzählung oder als konstruktiver Einwurf und das ist für die Autoren besonders wichtig. Bei der Erzählung dagegen, ist das schnelle Einmischen komplizierter und sie setzt eher eine langfristige Erfahrung voraus, um die Erzählperspektive zu entwickeln. Besser geeignet, um die aufklärenden Handlungen zu zeigen, ist das Theater. Mehrere Autoren haben versucht, Theaterstücke zu schreiben, leider wurden diese nur selten aufgeführt. Das Prosaschreiben ist auch auf größere und kontunuierliche Zeitabschnitte angewiesen. Da aber die Migranten keine profesionellen Schriftsteller waren, konnten sie diese Zeit nur schwer finden.

Auch der Grund, dass die meisten nach Deutschland gekommenen Migranten vorher keine Literarische Erfahrungen hatten konnte für den Wahl der kurzen literarischen Form entscheidend sein:.

Längere Prosastücke stellen höhere Anforderungen an die Gestaltungsweise. Die Konzeption von vergleichweise längeren Handlungsabläufen, Personeninventar, zeitlichen Bezügen und vielem mehr, verlangt ein nicht unbeträchtlichen Mass an Technik und mehr Schreibübung, als sie bei den meisten Autoren vorausgesetzt werden kann.[46]

Die oben zitierte Äußerung, dass die Prosa höhere Anforderungen als das Gedicht auf den Autor stellt, finde ich eher problematisch. Man könnte es auch umgekehrt sagen.

Obwohl die Lyrik bis heute immer noch Vorrang hat, schon in den 80er Jahren könnten die Autoren auf längere Erfahrung aufbauen und so sind auch mehrere Romane entstanden. In der heutigen Zeit sind die Migrationsliteraturautoren überwiegend als professionelle Schriftsteller tätig und auch oft in die Zeitungen und Zeitschriften schreiben (Zaimoglu, Chiellino). Zu einem Lieblingsgattung ist auch die Reportage geworden (z.B. Lisa Mazzi-Spiegelberg: ´Der Kern und die Schale´ oder Feridun Zaimoglu: ´Deutschland im Winter - Kanakistan. Eine Rap-Reportage´).

[...]


[1] Anm.: Der wichtigste ist ohne Zweifel Gino Chiellino der mit seinen Werken

[2] Vgl. Klaus Briegleb / Sigrid Weigel (Hrsgg.) : Gegenwartsliteratur seit 1968. In: Rolf Grimmer (Hrsg.): Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Band 12, München: Carl Hanser Verlag 1992, S. 216.

[3] Vgl. Bericht des Statistischen Bundesamtes über die ausländische Bevölkerung nach der Staatsangehörigkeit am 31.12.2001 in Deutschland.

[4] Anm.: Die wichtigsten Gründe waren schlechte wirtschaftliche und soziale Bedingungen der Kleinbauer, Bevölkerungsvermehrung und dadurch auch steigende Arbeitslosigkeit.

[5] Vgl. Horst Hamm.: Fremdgegangen – freigeschrieben. Einführung in die deutschsprachige Gastarbeiterliteratur. Würzburg: Könighausen & Neumann 1988, S. 14. Im Flogenden zitiert: HFF.

[6] Anm.: Dabei wurden die hohe Anzahl der illegal Zugewanderten sowie rund 1 Million ausländische Wanderarbeiter nicht erfasst.

[7] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) : Ausländische Bevölkerung in Deutschland. Wiesbaden: Metzler-Poeschel 2001, S.10.

[8] HFF, S. 21f.

[9] Vgl. ebda, S. 21f.

[10] Vgl. HFF, S. 22 und Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Ausländische Bevölkerung in Deutschland, S. 11.

[11] Anm.: Dem Gastarbeiterzustrom setzte vor allem die Energiekrise und Sorgen um Vollbeschäftigung ein Ende.

[12] Vgl. Pimonmas Photong-Wollmann: Literarische Integration in der Migrationsliteratur anhand der Beispiele von Franco Biondis Werken. Phil. Diss. Chiang Mai 1996, S. 25f und Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Ausländische Bevölkerung in Deutschland, S. 11 und HFF, S. 23f.

[13] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Ausländische Bevölkerung in Deutschland, S. 11f.

[14] Vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen (Hrsg.): Daten und Fakten zur Ausländersituation. Berlin 2002. S.12 und Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Ausländische Bevölkerung in Deutschland, S. 12f.

[15] Vgl. Monika Frederking: Schreiben gegen Vorurteile. Literatur türkischer Migranten in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin: Express Edition 1985.

[16] Vgl. Annette Wierschke.: Schreiben als Selbstbehauptung. Kulturkonflikt und Identität in den Werken von Aysel Özakin, Alev Tekinay und Emine Sevgi Özdamar. Frankfurt am Main: Verlag für Interkulturelle Kommunikation 1996.

[17] Vgl. Deniz Göktürk: Multikulturelle Zungenbrecher: Literatürken aus Deutschlands Nischen. In: Sirene. Zeitschrift für Literatur 12-13 / 1994, S. 77-93.

[18] Vgl. Nülifer Kurayazici: Emine Sevgi Özdamars Das Leben ist eine Karawanserei im Prozess der interkulturellen Kommunikation. In: Howard, Mary (Hrsg.): Interkulturelle Konfigurationen. Zur deutschsprachigen Erzählliteratur von Autoren nichtdeutscher Herkunft. München: Iudicium 1997, S. 179-188.

[19] Vgl. Karin Yesilada: Die geschundene Suleika. Das Eigenbild der Türkin in der deutschsprachigen Literatur türkischer Autorinnen. In: Howard, Mary (Hrsg.): Interkulturelle Konfigurationen. Zur deutschsprachigen Erzählliteratur von Autoren nichtdeutscher Herkunft. München: Iudicium 1997, S. 95-114.

[20] Vgl. Gino Chiellino .: Literatur und Identität in der Fremde. Zur Literatur italienischer Autoren in der Bundesrepublik. Augsburg 1985.

[21] Vgl. Heidi Rösch : Migrationsliteratur im interkulturellen Diskurs. Der Text basiert auf dem Vortrag zur Tagung: Wanderer- Auswanderer – Flüchtlinge. Dresden 1998, S. 1f und Beaftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen (Hrsg.): Migrationsbericht der Ausländerbeauftragten. Bonn 2001, S. 9f. Die EU ist in diesem Zusammenhang nicht als Gesamtheit zu betrachten.

[22] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Ausländische Bevölkerung in Deutschland, S. 16-18.

[23] Anm.: Das Ausländergesetz definiert den Aufenthaltsstatus entsprechend den Zweck des jeweiligen Aufenthalts. Man unterscheidet unter Aufenthaltsbewilligung, befristeter Aufenthaltserlaubnis, unbefristeter Aufenthaltserlaubnis, Aufenthaltsberechtigung, Aufenthaltsbefugnis, Aufenthaltsgestattung und Duldung. Zu näheren Infos s.: Bundesregierung für Ausländerfragen (Hrsg.): Daten und Fakten, S. 20.

[24] Vgl. Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen (Hrsg.), Daten und Fakten, S. 11f.

[25] Gino Chiellino: Mein fremder Alltag. Kiel: Malik 1984, S. 13.

[26] Lerke von Saalfeld (Hrsg.): Ich habe eine fremde Sprache gewählt. Ausländische Schriftsteller schreiben deutsch. Gerlingen : Bleicher 1998, S. 10.

[27] Vgl. Carmine Chiellino: Am Ufer der Fremde. Literatur und Arbeitsmigration 1870-1991. Stuttgart-Weimar: Metzler 1995, S. 289-291.

[28] Anm.: Dieser Verlag trug den Namen NOC - Verlag

[29] Anm.: Beim Wechsel zum Neuen Malik Verlag in Kiel im Jahre 1983 wurde auf den problematischen Zusatz Gastarbeiterdeutsch verzichtet und die Reihe nannte sich von dieser Zeit „Südwind-Literatur“

[30] Anm.: Abkürzung für Polinationaler Literatur- und Kunstverein

[31] Anm.: Einige von diesen Anthologien sind z.B. Irmgard Ackermann (Hrsg.): Als Fremder in Deutschland. Berichte, Erzählungen, Gedichte von Ausländern. München: dtv 1982. (= dtv. 1770.) und Dies. (Hrsg.): In zwei Sprachen leben. Berichte, Erzählungen, Gedichte von Ausländern. München: dtv 1983. (= dtv. 10189.)

[32] Vgl. Photong-Wollmann, Literarische Integration in der Migrationsliteratur, S. 26f.

[33] Vgl. ebda, S. 28f.

[34] Ebda, S. 29. Aber in dem offiziellen Sprachgebrauch der Arbeitgeber und der Gewerkschaften wurde der Terminus ´ausländischer Arbeitnehmer´ verwendet.

[35] Vgl. ebda, S. 29-38.

[36] Harald Weinrich: „Der Adalbert von Chamisso Preis“. In: Heinz Friedrich: Chamissos Enkel: Zur Literatur von Ausländern in Deutschland. München: dtv 1986, S. 11. (= dtv. 10533.) Hervorhebung vom Verfasser.

[37] Ebda, S. 11.

[38] Ebda, S. 12.

[39] Anm.: Das ist auch mehrmals geschehen. Z.B. wurde dem türkischer Schriftsteller Aras Ören und der japanischen Schriftstellerin Yoko Tawada der Chamisso-Preis verliehen.

[40] Vgl. Florian Gelzer: „Worte von Gedanken trennen“. Schreibweise und Sprachprogrammatik bei Yoko Tawada. Lizenziatsarbeit. Basel 1998, S. 13f.

[41] Vgl. Heimke Schierloh: Das alles für ein Stück Brot. Migranteliteratur als Objektivierung des „Gastarbeitersdaseins“. Mit einer Textsammlung. Frankfurt am Main: Lang 1984; Frederking, Schreiben gegen Vorurteile oder Hartmut Heinze: Migrantenliteratur in der Bundesrepublik Deutschland. Bestandaufnahme und Entwicklungstendenzen zu einer multikulturellen Literatursynthese. Berlin: Express Edition 1986.

[42] Vgl. „Migrantenliteratur“Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden, 20. Auflage, Bd. 14, Leipzig-Mannheim: Brockhaus Verlag 1996, S. 616f. Leider gerade die Texte, die im Umkreis des Adalbert Chamisso Preises veröffentlicht wurden, entsprechen oft dieser vereinfachten Interpretation.

[43] Vgl. Gelzer, Worte von Gedanken trennen, S. 11.

[44] Nach ebda, S. 9f.

[45] Ebda, S. 12.

[46] Jana Kloepschová: Migrationsliteratur in der Bundesrepublik Deutschland. Phil. Dipl. Ústí nad Labem 1999, S. 22.

Ende der Leseprobe aus 78 Seiten

Details

Titel
Funktion und Bedeutung der Migrationsliteratur im deutschsprachigen Raum
Hochschule
Univerzita Karlova v Praze  (Fremdspracheninstitut - Germanistik)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
78
Katalognummer
V20695
ISBN (eBook)
9783638245135
ISBN (Buch)
9783638731515
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die ersten Kapiteln beinhalten die Migrationsgeschichte, derzeitige Situation der Migranten in Deutschland, Entstehung und Entwicklung der Migrationsliteratur, Begriffsbestimmung, Gattungen der Migrationsliteratur und Motivation zum Schreiben mit Adressanten. Im weiteren Kapiteln werden dann die wichtigsten Themen der Migrationsliteratur ausführlicher untersucht. Es handelt sich um die Sprache, Identität, Integration und Heimat.
Schlagworte
Funktion, Bedeutung, Migrationsliteratur, Raum
Arbeit zitieren
Karel Brezina (Autor), 2003, Funktion und Bedeutung der Migrationsliteratur im deutschsprachigen Raum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20695

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Funktion und Bedeutung der Migrationsliteratur im deutschsprachigen Raum



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden