Selbstdarstellung politischer Akteure in den Medien

Eine Analyse des Falls von Karl-Theodor zu Guttenberg anhand Erving Goffmans "Techniken der Imagepflege"


Bachelorarbeit, 2012

43 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. (Massen)Medien und Mediengesellschaft
II.1 (Massen)Medien
II.2 Mediengesellschaft?!

III. Medien und Politik

IV. Prominenz in der Politik
IV.1 Was heißt Prominenz?
IV.2 Prominenz und Politiker
IV.3 Prominente Politiker und ihr Privatleben
IV.3.1 Funktionen des Privaten in der Politik- und Selbstdarstellung
IV.3.2 Prominente als Vorbilder

V. Der Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg
V.1 Kurzbiographie
V.2 Goffmans Techniken der Imagepflege
V.2.1 Die Chronik der Plagiatsaffäre
V.3 „Karl-Theodor zu Guttenberg: Der Herr der Bilder“

VI. Resümee und Fazit
VI.1 Resümee
VI.2 Fazit

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Die Entwicklung zur heutigen Gesellschaft ist ohne Bezug auf das Medien- oder Kommunikationssystem weder zu erklären noch zu begreifen“ (Merten, 2005: S. 21). Ein Blick auf die Entwicklung der durchschnittlichen Mediennutzungsdauer der Deutschen bestärkt diese These. Während in Deutschland im Jahr 1970 der tägliche Medienkonsum pro Person im Durchschnitt bei 3 Stunden und 40 Minuten lag, beanspruchen die Medien heute mit einem durchschnittlichen Nutzungswert von fast 10 Stunden pro Tag einen sehr großen Teil der Freizeitgestaltung.[1] Hierbei stellen der Fernseher, das Radio und das Internet mit etwas über 8 Stunden täglicher Nutzungsdauer die beliebtesten Medien dar. Im Gegensatz dazu werden Tageszeitungen, Zeitschriften, Bücher, CDs/MP3-Artikel oder Videos/DVDs gerade einmal 1,5 Stunden Nutzungsdauer pro Tag zuteil. Insgesamt betrachtet wird ersichtlich, dass die Mediennutzungsdauer von 1970 bis heute um mehr als das zweieinhalbfache gestiegen ist. Während die Frage früher wohl lautete ‚Wie viele Haushalte besitzen einen Fernseher?‘, stellt man heute eher die Frage: ‚Wie viele Fernseher besitzt der Durchschnittshaushalt?‘. Eine Antwort hierauf gibt es vom Statistischen Bundesamt.[2] Demnach sind 96% aller deutschen Haushalte mit mindestens einem Fernseher ausgestattet. Ferner gibt es Entwicklungen im Bereich der Internetnutzung. Im Jahr 2009 hatten 73% aller deutschen Haushalte einen Internetanschluss. Diese Zahl ist im Jahr 2010 um 4%, also auf 77%, gestiegen. Ein weiterer Anstieg ist zu erwarten. Zudem erlauben Smartphones den Menschen einen Zugang zum Internet ganz unabhängig von ihrem Aufenthaltsort.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Menschen im Vergleich zu früher viel mehr Zeit für den Medienkonsum investieren und technische Fortschritte den Zugang zu den Medien stark erleichtert haben. Die Medien stellen demzufolge einen wichtigen Bestandteil im Leben des modernen Menschen dar und ohne Miteinbeziehung dieser ist die heutige Gesellschaft – um auf Merten zurückzukommen – kaum zu erklären bzw. zu verstehen.

Die stärkere Gewichtung der Medien in unserem Alltag wirkt sich nicht nur auf das Leben des einzelnen Menschen aus, sondern dieser „Medienrausch“ machte bzw. macht es weiterhin notwendig, dass auch Teilbereiche des gesellschaftlichen Lebens mit diesen Veränderungen Schritt halten. Solch ein Teilbereich ist z.B. die Politik.

Die Politik des 21. Jahrhunderts ist auf die Medien angewiesen.

„Aus der Sicht der politischen Akteure zählt die Fernsehpräsenz zu einem wesentlichen Erfolgskriterium im politischen Handeln, da nicht in den Medien vermittelte Ereignisse scheinbar nicht stattgefunden haben“ (Hambückers, 2006: S. 37).

Vielleicht ist diese Aussage Martin Hambückers etwas überzogen, dennoch kann nicht geleugnet werden, dass ein Zusammenhang zwischen politischem Erfolg und Medienpräsenz existiert. Dessen sind sich auch die politischen Akteure[3] bewusst und nutzen die Medien immer mehr als ein Mittel zur Selbstinszenierung und erhoffen sich dadurch (größeren) Erfolg, auch auf politischer Ebene.

Im Folgenden werde ich zunächst die Beziehung Medien und Politik genauer betrachten und dabei auch auf Wege der Prominenzierung in der Politik eingehen. Im letzten Abschnitt werde ich Erving Goffmans „Techniken der Imagepflege“ aufgreifen und anhand des aktuellen Falls von Karl-Theodor zu Guttenberg, Selbstinszenierung und Imageaufbau in den Medien betrachten und nach Goffman analysieren.

II. (Massen)Medien und Mediengesellschaft

II.1 (Massen)Medien

Zunächst einmal ist der Begriff des Mediums bzw. der Medien zu klären. Laut dem Lexikon stammt das Wort Medium aus dem Lateinischen und bedeutet Mitte (Brockhaus, 2006: S. 131). Diese ursprüngliche Bedeutung ist auch weiterhin adäquat, wenn man folgende fernere Definition betrachtet:

„Medien: […] Sammelbezeichnung für alle technischen Mittel zur Verbreitung von Informationen, d.h. für Kommunikationsmittel (z.B. Zeitung, Zeitschrift, Buch, Plakat, Hörfunk, Fernsehen, Film, Internet); oft synonym für Massenmedien gebraucht. […]“ (Brockhaus, 2006: S. 112).

Kurz gesagt heißt das, dass Medien Kommunikationsmittel sind, die von Sendern Informationen zu Rezipienten leiten und somit in der Tat in deren Mitte fungieren.[4] Ferner, werden im obigen Enzyklopädie-Ausschnitt Medien mit Massenmedien gleichgesetzt. Diese Gleichsetzung ist ebenfalls rechtmäßig, da Medien tatsächlich in der Lage sind, Massen zu erreichen. Gerhard Maletzke, der sich ausgehend mit dem Thema Massenmedien bzw. -kommunikation befasste, schreibt der Masse, welche für ihn ein „disperses Publikum“ (Maletzke, 1978: S. 28) darstellt, in diesem Zusammenhang drei essentielle Merkmale zu. Erstens konstituiert sich die Masse, also das disperse Publikum, „durch die gemeinsame Zuwendung […] vieler Menschen zu einem gemeinsamen Gegenstand, nämlich zu den Aussagen der Massenkommunikation“ (Maletzke, 1978: S. 28). Besonders hierbei ist, dass die Masse sich von Fall zu Fall immer ganz neu zusammensetzt, abhängig von der Anzahl der Menschen, die sich dieser Aussage der Massenmedien zuwenden. Das disperse Publikum stellt also kein „überdauernde[s] soziale[s] Gebilde“ (ebd.) dar, sondern ist flüchtiger Natur. Zweitens werden diese Aussagen „nicht in direkter persönlicher Kommunikation vermittelt“ (ebd.), sondern über Massenmedien. Drittens, „die Glieder eines dispersen Publikums stellen in ihrer Gesamtheit ein Aggregat von räumlich voneinander getrennten Individuen oder von relativ kleinen, an einem Ort versammelten Gruppen dar“ (ebd.: S.29). Mit den relativ kleinen Gruppen meint Maletzke z.B. ein Ehepaar, eine größere Familie bis hin zu den Zuschauern eines Kinos oder – um ein eigenes Beispiel zu nennen – die Menschenmasse am Times Square, z.B. an Silvester, wenn tausende von Menschen auf einen Bildschirm schauen und hierüber „Aussagen“ von Massenmedien erhalten. Zusammengefasst und vereinfacht heißt das, dass zunächst eine mediale Übermittlung von Informationen erfolgen muss, woraufhin sich unmittelbar ein „disperses Publikum“, also eines, wessen Individuen räumlich getrennt und unabhängig voneinander sind, bildet. Wenn diese drei Elemente zusammen kommen, kann von einer Masse im Sinne der Massenmedien gesprochen werden.[5]

Nach Erläuterung der Begriffe Medien, Masse bzw. Massenmedien, ist es nun notwendig diese auch in einen Zusammenhang zu bringen. Dieser Zusammenhang kann mit einem Wort ausgedrückt werden, nämlich mit Massenkommunikation. „Massenkommunikation ist Kommunikation, die massenhaft stattfindet“ (Reinhardt, 2005: S.38). Ermöglicht wird eine Kommunikation dieser Größenordnung durch fortgeschrittene Technik, die „die Erreichbarkeit von Empfängern […] in sozialer, räumlicher und zeitlicher Hinsicht drastisch gesteigert“ (ebd.) hat.

Die folgende Definition Maletzkes kann als eine Zusammenfassung von all dem bisher Eingeführten angesehen werden. Er schreibt: Massenkommunikation ist eine

„Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich (also ohne begrenzte und personell definierte Empfängerschaft) durch technische Verbreitungsmittel (Medien) indirekt (also bei räumlicher oder zeitlicher oder raumzeitlicher Distanz zwischen den Kommunikationspartnern) und einseitig (also ohne Rollenwechsel zwischen den Aussagendem und Aufnehmendem) an ein disperses Publikum […] vermittelt werden“ (Maletzke, 1978: S. 32).

II.2 Mediengesellschaft?!

„In der Soziologie und im deutschen Feuilleton wird an breiter Front seit längerer Zeit die Mediengesellschaft heraufbeschworen, teils kritisch, teils affirmativ besprochen; aber grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass es sie gibt“ (Ziemann, 2011: S. 206).

Diese ‚Heraufbeschwörung an breiter Front‘ macht es erforderlich, dass der Begriff der Mediengesellschaft hier (in aller Kürze) aufgegriffen wird.

Mediengesellschaft meint ganz allgemein und vereinfacht ausgedrückt, dass sich in unserer heutigen Gesellschaft alles um Medien und Kommunikation dreht. ‚So ist es doch auch‘, würden hierauf viele Menschen spontan antworten. Doch bei genauer Betrachtung erweist sich dies als ein Trugschluss. Es ist zwar tatsächlich nicht zu leugnen, dass in der heutigen Gesellschaft die Relevanz der Medien höher ist denn je, dennoch geht mit der Behauptung, dass wir in einer Mediengesellschaft leben, eine Reduktion des Gesellschaftsbegriffs auf ein bestimmtes Merkmal, nämlich die Medien(nutzung), einher. Nach Richard Münch führt solch „eine spezifische Sicht auf die soziale Welt“, die dann „fälschlicherweise für das Ganze gehalten wird“, zu einer „Verarmung des soziologischen Wissens“ (Münch, 2002: S. 9). Wenn man von Mediengesellschaft spricht, dann beschränkt man den Gesellschaftsbegriff auf die Medien und vernachlässigt alle anderen wichtigen Aspekte der Gesellschaft. Manfred Faßler sagt diesbezüglich: „ Gesellschaft ist nicht als Ganze beschreibbar, weil wir sie als solche gar nicht wahrnehmen können“ (Faßler, 1997: S. 338). Anlehnend an diese Argumentation distanziere auch ich mich von dem Begriff der Mediengesellschaft und werde ihn im Folgenden nicht verwenden.

III. Medien und Politik

Die „Verfasstheit moderner Gesellschaften [ist] mit der Existenz von Massenmedien und –kommunikation eng verflochten“ (Jäckel, 2005: S. 10). Eine moderne Gesellschaft ist – unter anderem – eine Gesellschaft, die sich in funktionale Teilsysteme ausdifferenziert. Um die modernen gesellschaftlichen Ansprüche erfüllen zu können, ist solch eine Ausdifferenzierung notwendig. (vgl. Sarcinelli, 2011: S.33)

„Funktionale Differenzierung meint die Differenzierung einer Gesellschaft in verschiedenartige Teilsysteme, die jeweils eine andere Sinnorientierung und Struktur aufweisen und auf verschiedene Bezugsprobleme der Gesellschaft spezialisiert sind. Wirtschaft, Wissenschaft, Familie, Erziehungssystem, Recht, Politik, Kunst und Gesundheit werden zu autonomen Teilsystemen der Gesellschaft, sie erfüllen jeweils spezifische Funktionen […], und sie sind autonom in dem Sinne, dass sich die Handlungen im System in erster Linie an den systemeigenen Kriterien orientieren und nicht an der Rationalität anderer Systeme“ (Gerhards & Neidhardt, 1990: S. 7).

Während Gerhards und Neidhardt, 1990, die Medien in ihrer Aufzählung gar nicht als Teilsystem der Gesellschaft erwähnen, schreibt Sarcinelli, 2011, neben der Politik auch den Medien wichtige Funktionen als Teilsystem zu:

„Beide erfüllen für das Gesamtsystem jeweils spezifische Funktionen: die Politik, indem sie – und nur sie – kollektiv verbindliche Entscheidungen herbeiführen kann; die Medien, indem sie – und nur sie – die Voraussetzungen für die Herstellung von Öffentlichkeit und damit angesichts zunehmender Komplexität erst die Möglichkeit für Wirklichkeitsvermittlung und -wahrnehmung schaffen“ (Sarcinelli, 2011: S.33).

Die Aufgabe der Politik ist es also kollektiv verbindliche Entscheidungen zu bestimmen; die der Medien ist es eine Öffentlichkeit herzustellen, durch welche eine Wirklichkeitsvermittlung sowie eine Wirklichkeitswahrnehmung ermöglicht wird. Bezogen auf die Politik bedeutet Öffentlichkeit nicht nur ein Publikum, welches Zugang zu Diskursen allgemeinen (‚öffentlichen‘) Interesses hat oder sonstige allgemeine Transparenz in öffentlichen Angelegenheiten (vgl. Kopp & Schäfers, 2010: S. 218), sondern es stellt ein Strukturprinzip dar, ein „Strukturprinzip moderner Demokratien und damit ein Medium der Kontrolle von Herrschaft“ (ebd.: S. 218). Somit können auch die Medien (indirekt) als Mittel der Kontrolle von Herrschaft angesehen werden, da sie es sind, die diese Öffentlichkeit erst ermöglichen. Schon hieran wird deutlich, dass es einen Zusammenhang zwischen Medien und Politik gibt bzw. geben muss.[6] Diesen möchte ich an einem aktuellen Beispiel veranschaulichen:

Am 07. September 2011 wurde das erste Mal in den Medien von der geplanten Zuschussrente berichtet, die ab 2013 in Kraft treten soll. Diese soll aus Steuergeldern finanziert werden und Geringverdiener vor Altersarmut schützen. (vgl. ARD Tagesthemen, 07. Sept. 2011, 22:15 Uhr auf www.tagesschau.de)[7]

Diese Regelung kann als eine kollektiv verbindliche Entscheidung, wie sie oben angeführt ist, angesehen werden. Das betroffene Kollektiv in diesem Fall besteht in erster Linie aus den Menschen, die eine niedrige Pension erhaltenen oder erhalten werden, da sie nicht ausreichend Beiträge in das Rentensystem eingezahlt haben.

Diese Reform stellte zunächst nur eine von Politikern intern getroffene Entscheidung dar, die aber in einem nächsten Schritt auch nach außen hin kommuniziert werden musste. Diese Aufgabe übernahm die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, unter anderem indem sie am 07. September 2011 diesbezüglich ein Interview in der ARD Nachrichten-Sendung gab. Ferner trat sie z.B. ein paar Tage später bei der ZDF-Sendung Maybrit Illner auf, um ausführlichere Informationen zum Thema geben zu können und um Fragen zu klären; sie gab auch einige Interviews bei renommierten Zeitschriften und Zeitungen. Um es in Sarcinellis Worten zu sagen: hier erfolgte eine Wirklichkeitsvermittlung. Die geplante Reform stellt(e) die politische Wirklichkeit dar, die über die Medien an das Volk weiter vermittelt wurde. Darauf folgend, wurde diese Wirklichkeit von den Menschen, die mit diesen Medien in Kontakt kamen, wahrgenommen, d.h. eine Wirklichkeitswahrnehmung fand statt. Wichtig an dieser Stelle ist es zwischen Wahrheit und Wirklichkeit zu differenzieren. Eine über Medien übermittelte ‚Wirklichkeit‘ muss nicht immer ‚wahr‘ sein. Wenn z.B. Herr X etwas öffentlich über Frau Y erzählt und die Medien diese News unmittelbar weiterverbreiten, dann ist das Erzählte zwar eine Wirklichkeit – im Sinne von X hat es tatsächlich erzählt und man konnte es hören/sehen – aber nicht unbedingt auch eine Wahrheit, sondern vielleicht nur ein Gerücht, eine Scheinwirklichkeit. Diese Art von ‚öffentliches übereinander Herziehen‘ kommt jedoch eher in der Musik- und Schauspielbranche vor und ist in der deutschen Politik eher eine Seltenheit.

Anschließend an den Vermittlungs- und Wahrnehmungsprozess hat der Rezipient nun die Möglichkeit sich eine Meinung zu dem Übermittelten zu bilden. Hierbei geht es natürlich nicht nur um einen Rezipienten, sondern um eine Rezipienten-Masse, deren kollektive Ansichten die öffentliche Meinung, die Öffentlichkeit repräsentieren.

„Politik, zumal demokratische Politik, die zustimmungsabhängig und deshalb auch öffentlich begründungspflichtig ist, braucht selbst Publizität und muss deshalb mangels eigener Medien die allgemein zugänglichen Massenmedien als Resonanzboden und Bühne zur ‚Politikdarstellung‘ nutzen“ (Sarcinelli, 2011: S.33).

Um am Beispiel zu bleiben: Durch ihre diversen Auftritte und Interviews in den allgemein zugänglichen Massenmedien – mangels eigener Medien der Politik – hat die Bundesarbeitsministerin genau das, was Sarcinelli beschreibt, nämlich Politikdarstellung betrieben. Diese ist auch notwendig, denn Deutschland ist ein demokratisches Land, in dem neue Ideen der Zustimmung des Volkes bedürfen und demnach auch öffentlich gerechtfertigt werden müssen. Genau diesen Pflichten hat sich Frau von der Leyen z.B. gestellt, als sie in einer Diskussionsrunde bei der Talkshow Maybrit Illner versucht hat das Konzept der Zuschussrente gegen andere Standpunkte zu rechtfertigen. Öffentliche Rückmeldung gab es z.B. von den Sozialverbänden, die sich für die Interessen bestimmter Menschengruppen einsetzen, in diesem Fall für die Rentner: „Sozialverbände halten Zuschussrente für Mogelpackung“ lautete ein Titel der Focus Online[8].

Vereinfacht und zusammenfassend betrachtet kann man sagen, dass zunächst intern eine poltische Entscheidung erfolgt, diese dann über Massenmedien nach außen hin kommuniziert wird, woraufhin das angesprochene Publikum die Chance zur Meinungsbildung erhält.[9] Diese wird dann, in einem nächsten Schritt, als öffentliche Meinung zurückreflektiert. Diese ‚Reflexion‘ geht selten von einem einzelnen Individuum aus, nicht zuletzt, weil die Wahrscheinlichkeit, dass dieser einen einzigen Meinung Achtung geschenkt wird, sehr klein ist, sondern für gewöhnlich von Interessenverbänden, wie z.B. die Gewerkschaften oder Sozialverbände, die sich organisiert für kollektive Meinungen einsetzen. Trotzdem ist natürlich jede einzige Ansichtsweise wichtig. Das wird besonders deutlich bei Meinungsumfragen, die meines Erachtens als eine Art ‚direkte öffentliche Rückmeldung‘ angesehen werden können. Hierzu gehören auch politische Wahlen. Durch die Wahl einer bestimmten Partei, eines bestimmten Politikers erfolgt eine kollektive Zustimmung, ein gemeinsames Einverständnis des Volkes, welche das Handeln des Erwählten legitimiert. Dieses kollektive Einvernehmen des Volkes ist für eine funktionierende Demokratie unentbehrlich.

IV. Prominenz in der Politik

IV.1 Was heißt Prominenz?

„Unter Prominenz […] [versteht man] die generalisierte Fähigkeit eines Akteurs, öffentliche Aufmerksamkeit zu finden“ (Gerhards & Neidhardt, 1990: S. 36). Es ist, ferner, ein zugeschriebener Status, „wobei die Zuschreibung im Falle von allgemeiner, nationaler Prominenz durch das breite (Laien)-Publikum vorgenommen wird“ (Peters, 1996: S. 196).

Insgesamt kann man drei Instanzen benennen, die an der Konstitution von Prominenz beteiligt sind: erstens, die einzelnen Gesellschaftsbereiche selbst, denen die Personen entstammen; zweitens, die Medien und drittens, das Publikum (vgl. Peters, 1996: S. 89f.). Der erste Punkt ist so zu erklären, dass „in jedem Gesellschaftsbereich […] durch interne Selektionsmechanismen ausgewählte Personen an die ‚Oberfläche‘“ (Peters, 1996: S. 98) gelangen. Diese „ausgewählten Personen“ sind in der Regel Personen, die aufgrund einer Besonderheit – ganz egal welcher Art – im Vergleich zu den anderen stärker auffallen. Die Person(en) oder Informationen über diese werden dann – zweitens – von den Gesellschaftsbereichen an die Medien weitergeleitet, welche erneut selektieren und dann vermitteln. Jedoch stellen die Medien nur die „notwendige Voraussetzung für die Erlangung des Prominentenstatus“ (Peters, 1996: S. 99) dar, die hinreichende Bedingung – drittens – liegt in den Händen des Publikums, denn letzten Endes ist es das Publikum, welches „definiert, wer zur Prominenz zu zählen ist“ (Peters, 1996: S. 99) und wer nicht. (vgl. Peters, 1996: S. 89ff)

IV.2 Prominenz und Politiker

Mehr noch als die Medien auf die Politik, ist die Politik auf die Medien angewiesen. Öffentlichkeit, eine der wichtigsten Bedingungen einer demokratischen Politik, wird im Wesentlichen von den Massenmedien geschaffen. Um etwas über die aktuellen politischen Geschehnisse zu erfahren, „werden überwiegend die Medien genutzt“ (Hambückers, 2006: S. 37). Nicht zuletzt aus diesem Grund ist „Politik ohne Medien […] nicht mehr vorstellbar. […] Die Massenmedien [sind] das Sprachrohr der Regierenden und gleichzeitig die Informationsquelle für die Regierten […]“ (Hambückers, 2006: S. 37). Doch auch die Nutzung der Medien als Sprachrohr, also die „Politikdarstellung“ (Sarcinelli), muss gekonnt sein. Lothar Bisky, der selbst schon seit vielen Jahren politisch aktiv ist, schreibt diesbezüglich:

„Medienkompetenz ist heute […] eine ganz entscheidende Bedingung der Teilnahme an politischer Kommunikation überhaupt, wenn man wirksam werden will. […] Es gibt hervorragende Politiker, die das, was sie zu sagen haben, schlecht ausdrücken können und sie werden damit medial zunächst einmal aussortiert“ (Bisky, 2007: S. 17/18).

[...]


[1] Die Zahlen sind entnommen aus der Infografik der Zeitung DIE ZEIT vom 14.07.2011. Sie entstammen Forschungen von der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation, ARD-Marktanalyse 2011, von Untersuchungen des Statistischen Bundesamts und der AGF.
URL: http://images.zeit.de/wissen/2011-07/Infografik-Medien-30.pdf (letzter Zugriff: 09.11.2011)

[2] URL für folgende Zahlenangaben: www.destatis.de: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/zdw/2010/PD10__036__p002,templateId=renderPrint.psml (letzter Zugriff: 09.11.2011) und
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Querschnittsveroeffentlichungen/WirtschaftStatistik/Informationsgesellschaft/InternetnutzungHaushalte__82011.psml (letzter Zugriff: 09.11.2011)

[3] Ich verwende hier und auch im Folgenden aus Einfachheitsgründen nur die grammatikalisch männliche Form, meine damit aber selbstverständlich beide Geschlechter.

[4] Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle erwähnt, dass das Wort Medium neben der hier beschriebenen, auch weitere Bedeutungen haben kann. Auch soziologisch betrachtet ist der Medien-Begriff weiter gefasst. Da umfasst jener „alle symbolisch generalisierten Medien“ (Jäckel, 2005: S. 10), worunter z.B. Geld, Sprache oder Macht fallen. Doch in dieser Arbeit wird der Medien-Begriff allein im Sinne eines technischen Verbreitungsmittels, wie eben beschrieben, verwendet.

[5] Einfachheitshalber werde ich im Folgenden meistens das Wort Medien statt Massenmedien verwenden.

[6] Hier und auch im Folgenden beziehe ich mich nur auf demokratische Politiksysteme.

[7] Weitere Details zu der Rentenreform werden nicht angeführt, da sie für die folgenden Erläuterungen nicht von Relevanz sind.

[8] http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/geplante-rentenreform-sozialverbaende-halten-zuschuss-rente-fuer-mogelpackung_aid_663201.html (letzter Zugriff: 09.11.2011)

[9] Der hier dargestellte „Medien-Politik-Kreislauf“ ist natürlich vereinfacht und umfasst folglich nicht jede Einzelheit. Zu nennen wäre z.B. eine politische Entscheidung, die nicht intern, sondern öffentlich getroffen wird und über eine Live-Übertragung im Fernseher/Internet zu sehen ist. Ein kürzliches Ereignis dieser Art war das Votum zum Euro-Rettungsschirm Ende September im Bundestag. Dieses wurde in voller Länge und live in das Fernsehen übertragen.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Selbstdarstellung politischer Akteure in den Medien
Untertitel
Eine Analyse des Falls von Karl-Theodor zu Guttenberg anhand Erving Goffmans "Techniken der Imagepflege"
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
43
Katalognummer
V206998
ISBN (eBook)
9783656357865
ISBN (Buch)
9783656359524
Dateigröße
1671 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Eine ausgezeichnete Arbeit!"
Schlagworte
Mediensoziologe, Guttenberg, Plagiatsaffäre, Politiker und Selbstdarstellung, Goffman, Techniken der Imagepflege
Arbeit zitieren
Yasemin Ayanoglu (Autor), 2012, Selbstdarstellung politischer Akteure in den Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206998

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