Analyse der zentralen Vampirgestalt in Nikolai Gogols Wij


Referat / Aufsatz (Schule), 2012
6 Seiten

Leseprobe

Analyse der zentralen Vampirgestalt in Nikolai Gogols Wij

Die folgende Arbeit befasst sich mit der Erzählung Der Wij von Nikolai Gogol, die 1835 im Sammelband Mirgorod veröffentlicht wurde.

Diese beinhaltet, um den Anschein einer volkstümlichen Überlieferung zu erwecken, folkloristische und mythologische Elemente. Besonders in der Gestalt der namenlosen Hexe manifestieren sich volkstümliche Vorstellungen. Auf eine inhaltliche Zusammenfassung soll verzichtet werden, Kenntnis des Primärtextes von daher erforderlich.

Auffällig ist, dass Choma Brut bei Eindringen der Hexe in den Stall sofort sexuelles Interesse ihrerseits vorausahnt, obgleich diese nur mit ausgestreckten Armen auf ihn zugeht:

„'Ach so!' dachte sich der Philosoph. 'Nein, meine Liebe, du bist mir zu alt!' Er rückte etwas von ihr weg, aber die Alte ging ohne Umstände auf ihn los. 'Hör einmal, Großmutter!' sagte der Philosoph. 'Jetzt ist's Fastenzeit, und ich bin ein Mensch, der sich um diese Zeit auch nicht für Tausend Dukaten versündigt!'“[1]

Kurz darauf folgt jedoch das erste eindeutige Anzeichen auf die übernatürlichen Kräfte der alten Frau, ein seltsamer Glanz in ihren Augen.[2] Der darauffolgende Ritt der Hexe auf Choma lässt großen Spielraum für Interpretationen. Grundlegend findet sich darin das Mythologem der Verwandlung vom Menschen zum Tier, insbesondere zum Reittier Natürlich findet keine tatsächliche Transformation zu derartigem statt, jedoch übernimmt der Philosoph dessen Funktion, einhergehend mit einem „schmerzhaften Verlust seiner Handlungsautonomie“[3]:

„Er griff sich mit beiden Händen an die Knie, um seine Beine festzuhalten, aber die Beine bewegten sich, zu seinem größten Erstaunen, gegen seinen Willen und machten Sprünge schneller als ein tscherkessisches Rennpferd.“[4]

Darüber hinaus wird die sexuelle Dimension des Ereignisses – zumindest für damalige Zeit – explizit dargestellt. Angefangen bei dem „quälende[n], unangenehme[n] und zugleich süße[n] Gefühl“[5], dass „sich immer mehr seines Herzens [bemächtigte]“[6], bis hin zum paraphrasierten Orgasmus: „Es klingt und klingt, es steigt empor, kommt immer näher heran und dringt ihm in die Seele wie ein unerträglich scharfer Triller.“[7]

[...]


[1] Gogol, Nikolai Wassiljewitsch: Der Wij. Aus dem Russischen von Alexander Eliasberg. In: Sturm, Dieter/ Völker, Klaus (Hrsg.): Von denen Vampiren oder Menschensaugern. Dichtungen und Dokumente. Augsburg: Weltbild, 1997, S. 154.

[2] vgl. Gogol, S. 154.

[3] Institut für Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin (Hrsg., 2012): Identität in der Verwandlung. Figuren von Metamorphose und Konversion in der Literatur der Antike, des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. URL: http://www.sfb-antike.de/index.php?id=328 (abgerufen am 31. August 2012).

[4] Gogol, S. 155.

[5] Gogol, S. 155.

[6] Gogol, S. 155.

[7] Gogol, S. 156.

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Analyse der zentralen Vampirgestalt in Nikolai Gogols Wij
Autor
Jahr
2012
Seiten
6
Katalognummer
V207000
ISBN (eBook)
9783656344155
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wij, Gogol, Vampir
Arbeit zitieren
Sebastian Kern (Autor), 2012, Analyse der zentralen Vampirgestalt in Nikolai Gogols Wij, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207000

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