Hintergrund: Reviews (Ponniah & Hollon, 2009; Roberts et al., 2010) zur psychologischen Behandlung der Akuten Belastungsstörung (ASD) belegen eine gute Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie. Allerdings liegt nur eine sehr geringe Anzahl von Studien vor, die teilweise mit Patienten durchgeführt wurden, welche die geforderten diagnostischen Kriterien der Störung nicht vollständig erfüllen.
Fragestellung: Welche Ergebnisse können mit einer neueren Recherche und mit einer Auswertung nach dem „Modell der besten Vergleiche“ erzielt werden?
Methoden: Recherche via “Medline”, “PsyINFO”, and “PSYNDEX” im Sommer 2012 und Anwendung verschiedener Analysemethoden: a) “Konventionelle” Analyse mit Einschluss aller randomisierten Studien unabhängig von methodischen Kriterien. b) “Modell der besten Vergleiche“, welches nur jene direkten Vergleiche zwischen Behandlungsmethoden einbezieht, welche methodischen Qualitätskriterien am besten entsprechen.
Ergebnisse: Die Recherche ergab nur 3 Studien, in denen alle Patienten eine vollständige ASD aufweisen, und zusätzliche 3 Studien mit Patienten mit vollständiger ASD sowie mit ASD mit unvollständiger dissoziativer Symptomatik. Die konventionelle Analyse (a) ergab wiederum eine gute Evidenz für die kognitive Verhaltenstherapie. Das Modell der besten Vergleiche (b) zeigte, dass bei der Behandlung der Akuten Belastungsstörung die kognitive Verhaltenstherapie und die Exposition zu empfehlen und die Warteliste, eine unterstützende Beratung und eine kognitives Umstrukturieren als alleinige Maßnahmen abzulehnen sind.
Schlussfolgerungen: Nach dem gegenwärtigen Stand der Evidenz müssen kognitive Verhaltenstherapie und Exposition als beste verfügbare Behandlungen angesehen und daher als Standardbehandlungen der Akuten Belastungsstörung empfohlen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Hintergrund
2. Fragestellungen
3. Methoden
3.1 Recherche
3.2 Primäre Selektionskriterien
3.3 Gruppierung der Behandlungsmethoden
3.4 Die Standardisierung und Zusammenfassung von Ergebnissen
3.5 Anwendung von Methoden nach Roberts et al. (2010)
3.6 Anwendung eines Modells der besten Vergleiche
3.6.1 Zielvariablen
3.6.2 Sekundäre Selektionskriterien
3.6.3 Homogenitätsprüfungen, Subgruppenanalysen
3.6.4 Entscheidungskriterien
4. Ergebnisse
4.1 Eingeschlossene Studien
4.2 Behandlungsmethoden und Behandlungsvergleiche
4.3 Ergebnisse bei Anwendung von Methoden nach Roberts et al. (2010)
4.4 Ergebnisse bei Anwendung des Modells der besten Vergleiche
5. Diskussion und Schlussfolgerungen
6. Zusammenfassung
7. Abstract
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Stand der empirischen Evidenz zur psychologischen Behandlung der Akuten Belastungsstörung (ASD). Ziel ist es, durch eine systematische Recherche und die Anwendung eines „Modells der besten Vergleiche“ – bei dem nur methodisch hochwertige, direkte Behandlungsvergleiche berücksichtigt werden – fundierte Empfehlungen für die therapeutische Praxis abzuleiten und bestehende Forschungslücken zu identifizieren.
- Evidenzbasierte Bewertung psychologischer Interventionen bei ASD
- Vergleich von kognitiver Verhaltenstherapie, Exposition und anderen Methoden
- Methodische Analyse der Qualitätskriterien randomisierter Vergleichsstudien
- Entwicklung von Entscheidungsgrundlagen für die therapeutische Praxis
- Kritische Diskussion der Forschungslage und der Validität bisheriger Meta-Analysen
Auszug aus dem Buch
1. Hintergrund
Gemäß DSM-IV-TR (Saß et al., 2003) unterscheidet sich die Akute Belastungsstörung (Acute Stress Disorder: ASD) von der sehr viel häufiger untersuchten Posttraumatischen Belastungsstörung (Posttraumatic Stress Disorder: PTSD) in dreierlei Hinsicht: Erstens wird bei der ASD ein Beginn innerhalb von vier Wochen nach dem Trauma verlangt, während bei der PTSD durch die Möglichkeit eines verzögerten Beginns keine Begrenzung des Zeitraumes zwischen Trauma und Beginn der Störung gesetzt wird. Zweitens wird bei der ASD die Dauer der Störung auf vier Wochen begrenzt, während bei der PTSD eine Mindestdauer von einem Monat für die akute Form und von drei Monaten für die chronische Form gefordert wird. Und drittens werden bei der ASD zusätzlich zu den Symptomen des Wiedererlebens, der Vermeidung und des Hyperarousals auch dissoziative Symptome verlangt, nämlich mindestens drei unter den folgenden fünf Symptomen „(1) subjektives Gefühl von emotionaler Taubheit, von Losgelöstsein oder Fehlen emotionaler Reaktionsfähigkeit, (2) Beeinträchtigung der bewußten Wahrnehmung der Umwelt (z. B. ‚wie betäubt sein‘, (3) Derealisationserleben, (4) Depersonalisationserleben, (5) dissoziative Amnesie (z. B. Unfähigkeit, sich an einen wichtigen Aspekt des Traumas zu erinnern)“ (Saß et al., 2003, S. 524).
Über die Behandlung dieser Störung liegen nur wenige Arbeiten vor. In einem Review von Ponniah & Hollon (2009) finden sich lediglich 2 randomisierte Studien, bei denen bei Patienten mit einer ASD die Effekte einer psychologischen Behandlung mit denen einer alternativen Behandlung verglichen wurden. Diese Studien zeigen eine Überlegenheit einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung gegenüber einer unterstützenden Beratung (Bryant et al., 2005, mit Katamnesedaten bei Bryant et al., 2006) sowie einer Expositionsbehandlung gegenüber einem kognitiven Umstrukturieren und einer Warteliste (Bryant et al., 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hintergrund: Dieses Kapitel definiert die Akute Belastungsstörung (ASD) gemäß DSM-IV-TR, grenzt sie von der PTSD ab und gibt einen Überblick über die bisherige Studienlage zur Behandlung.
2. Fragestellungen: Hier werden die zentralen Forschungsfragen definiert, insbesondere die Ergänzung bestehender Reviews durch neuere Arbeiten sowie die Anwendung eines methodisch spezifischen Vergleichsmodells.
3. Methoden: Dieser Abschnitt beschreibt das systematische Vorgehen bei der Literatursuche, die Selektionskriterien für Studien sowie die detaillierten Standards zur statistischen Auswertung und Beurteilung der methodischen Qualität.
4. Ergebnisse: In diesem Hauptteil werden die analysierten Studien präsentiert und die Wirksamkeit der verschiedenen Behandlungsmethoden anhand der gewählten Qualitätskriterien und Effektstärken gegenübergestellt.
5. Diskussion und Schlussfolgerungen: Dieses Kapitel interpretiert die Ergebnisse, bewertet die Limitationen der aktuellen Studienlage und leitet Empfehlungen für die therapeutische Standardbehandlung ab.
6. Zusammenfassung: Eine komprimierte Darstellung der Ziele, Methoden, zentralen Befunde und Schlussfolgerungen der Untersuchung.
7. Abstract: Eine englischsprachige Zusammenfassung der gesamten Arbeit für die wissenschaftliche Einordnung.
Schlüsselwörter
Akute Belastungsstörung, ASD, Psychologische Behandlung, Kognitive Verhaltenstherapie, Exposition, Meta-Analyse, Evidenzbasierung, Trauma, Psychotherapie, Therapieentscheidung, Randomisierte Vergleichsstudien, PTSD, Methodische Qualität, Behandlungsvergleich, Klinische Psychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der empirischen Wirksamkeit verschiedener psychologischer Behandlungsansätze für die Akute Belastungsstörung (ASD) und evaluiert diese auf Basis aktueller Studienlage.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die differenzierte Abgrenzung der ASD zur PTSD, die kritische Analyse der methodischen Qualität klinischer Studien sowie der Vergleich verschiedener Therapieformen wie kognitive Verhaltenstherapie und Expositionsbehandlung.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, basierend auf einem speziellen „Modell der besten Vergleiche“, belastbare Aussagen darüber zu treffen, welche Behandlungsmethoden bei ASD wissenschaftlich am besten belegt und somit zu empfehlen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine meta-analytische Auswertung durchgeführt, wobei ein „entscheidungsorientiertes Modell der besten Vergleiche“ angewandt wird, welches direkte Behandlungsvergleiche und methodische Qualitätskriterien in den Fokus stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beinhaltet die detaillierte Darstellung der Literaturrecherche, die Einordnung der eingeschlossenen Studien nach methodischen Gütekriterien sowie die tabellarische und inhaltliche Auswertung der Behandlungseffekte auf verschiedene Zielvariablen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Akute Belastungsstörung (ASD), Kognitive Verhaltenstherapie, Exposition, Evidenzbasierung, Meta-Analyse und methodische Qualität.
Warum ist das "Modell der besten Vergleiche" in dieser Arbeit so wichtig?
Das Modell ist entscheidend, um methodisch weniger fundierte Ergebnisse auszugrenzen und nur jene Daten heranzuziehen, die hohen Qualitätsstandards entsprechen, um so verlässlichere Therapieempfehlungen geben zu können.
Welche Empfehlung spricht der Autor für die therapeutische Praxis aus?
Auf Basis der analysierten Daten empfiehlt der Autor primär die Exposition und die Kognitive Verhaltenstherapie als Standardbehandlungen, während Wartelisten oder rein unterstützende Beratungen als alleinige Maßnahmen abgelehnt werden sollten.
- Quote paper
- Dr. Oswald Klingler (Author), 2012, Psychologische Behandlung der Akuten Belastungsstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207075