Die 'Utopia' Thomas More's

Neuzeitliche utopische Literatur im englischen Humanismus


Essay, 2008
10 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Die „Utopia“ Thomas More’s Neuzeitliche utopische Literatur im englischen Humanismus

Mit der Herausgabe der „Utopia“[1] 1516 eröffnete Thomas More die vielschichtige utopische Literatur der europäischen Neuzeit.

Unabdingbare Grundlage für das Verständnis der Utopia sind dabei folgende drei Aspekte: der politische, der humanistische und der religiöse. Diese Elemente waren in jedem Lebensabschnitt Mores präsent, arbeitete der Humanist und katholische Christ More doch als Jurist und Politiker. Um 1516, dem Erscheinungsjahr der Utopia, nimmt die humanistische Komponente die dominierende Stellung ein. Da die geschichtlichen Bedingungen, die dem Ansatz Utopia s zugrunde liegen, sich in der Biographie Mores spiegeln, soll im Folgenden zunächst sein Lebenslauf geschildert werden.

Einem konzisen Überblick über Form und Inhalt des Romans schließt sich im Hauptteil die Analyse von „Utopia“ an, der oben bereits erwähnten Einteilung gemäß nach politischer, humanistischer und katholischer Tragweite.

Interpretationen verschiedenen geisteswissenschaftlichen Hintergrundes werden erwähnt. Die Betrachtung schließt mit einem Ausblick auf die später entstandene utopische Literatur und ihre Veränderung einschließlich der Veränderung des Begriffs der Utopie.

1. Biographie Thomas Mores

Als Sohn einer in den bürgerlichen Juristenstand aufgestiegenen Familie wurde Thomas More am 6. oder 7. Februar 1478 in London geboren. Er besuchte zunächst die Lateinschule, woraufhin sein Vater ihn als Page beim damaligen Lordkanzler, dem Erzbischof Morton, unterbrachte. Sein Vater machte ihn mit den materiellen Sorgen der Welt seiner Zeit vertraut, während er bei Morton die Mächte kennen lernte, die über die Welt bestimmten. „So wurden frühzeitig in ihm die Keime zu dem Verständnis der Gegenwart, vor allem ihrer materiellen Fragen, geweckt, das den Humanisten des Nordens, der Mehrzahl nach bloßen Schulgelehrten, in der Regel sehr mangelte.“ (Kautsky, S. 133)

Dank eines Stipendiums konnte er in Oxford die „artes“, also die freien Künste studieren und beschäftigte sich neben dem Griechischstudium mit den antiken Klassikern. Ab ca. 1494 trat er auf Wunsch seines Vaters die Ausbildung zum Jurist in einer der Londoner Juristenkorporationen an und wurde bald darauf ein erfolgreicher und gut verdienender Rechtsanwalt.

Als gelehrter Jurist und angesehener Bürger wuchs er in öffentliche Ämter hinein und war so ab 1504 Mitglied des House of Commons, ab 1510 „Undersherrif“ von London, das heißt Berater des Bürgermeisters in Angelegenheiten der Rechtsprechung. Im Jahre 1515 nahm er als Vertreter der Londoner Interessen an Gesandtschaft nach Flandern teil. Auf dieser Reise entstand die Utopia, die ein Jahr später in den Niederlanden zuerst veröffentlicht wurde.

More stieg zu Staatsämtern auf. 1517 trat er schließlich in den Dienst des Königs, was er eigentlich nicht wollte und dem er erst nach langem Schwanken zustimmte. Im Jahre 1529 bekleidete er das Amt des Lordchancellor und trat damit an die Spitze der königlichen Räte.[2]

Neben seines öffentlichen Wirkens zieht sich die humanistische Linie (vita contemplativa) durch Thomas Mores Leben: Wie erwähnt, lernte More Griechisch, seit 1501 hielt er öffentliche Vorlesungen. Er verfasste eine Reihe von Schriften, darunter auch einige Übersetzungen aus dem Griechischen und Lateinischen. Außerdem pflegte er eine enge Freundschaft mit Erasmus von Rotterdam. Dass der Humanismus bei ihm nicht nur Denkgestalt, sondern auch Lebensform war, ist daran ersichtlich, dass er sein ländliches Haus zum Ort der Bildung, der Kunst, des humanistischen Gesprächs und der Geselligkeit machte und seine Kinder, Töchter wie Söhne gleichberechtigt, unterrichtete und unterrichten ließ. Bis 1505 rang More mit dem Gedanken, ins Kloster einzutreten, hatte er doch lange in Verbindung mit den Londoner Kartäusern gelebt. Mores christlicher Humanismus ist jedoch kirchenkritisch: er verfasste einige Schriften gegen Luther und englische Lutheraner (z.B. Tyndale) und war sehr gegen die Trennung der Kirche. Ferner verurteilte er gängige Praktiken wie den Ablasshandel oder die Selbstgeißelung, sowie die unchristliche Habgier von Vertretern des Klerus.

Thomas More legte 1532 sein Kanzleramt nieder, da er im Konflikt Heinrichs VIII. mit dem Papst um die Scheidung seiner Ehe nicht auf der Seite des Königs stand und More sich von der beginnenden Loslösung der englischen Kirche von Rom distanzierte. Er verweigerte auch 1534 den Eid auf die Suprematsakte, die den Bruch mit Rom symbolisierte und begründete seine Entscheidung mit der Freiheit des Gewissens. Daraufhin wird er eingekerkert, aufgrund falscher Anklage zum Tode verurteilt und am 6. Juli 1535 hingerichtet. Er starb also für die Einheit der Kirche, nicht für das Papsttum als Institution oder für ein Dogma.

[...]


[1] Der Titel der Originalausgabe lautete: „Libellus vere aureus nec minus salutaris quam festivus de optimo reipublicae statu deque nova insula Utopia“ (Ein wahrhaft herrliches, nicht weniger heilsames denn kurzweiliges Büchlein von der besten Verfassung des Staates und von der neuen Insel Utopia.)

[2] Diese Karriere wird als charakteristisch für die vom englischen Königtum geförderte und durch gelehrte Bildung vermittelte Mobilität zwischen höherem Bürgertum, niederem Adel und hohen Staatsämtern beschrieben.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die 'Utopia' Thomas More's
Untertitel
Neuzeitliche utopische Literatur im englischen Humanismus
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Proseminar Literatur der frühen Neuzeit (Humanismus/Reformation)
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
10
Katalognummer
V207093
ISBN (eBook)
9783656341680
ISBN (Buch)
9783656342540
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Utopie, Utopia, Thomas More, Thomas Morus, Humanismus, Reformation, Hythlodeus, Katholizismus, Politeia
Arbeit zitieren
Veronika Seitz (Autor), 2008, Die 'Utopia' Thomas More's, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207093

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