Zu Vor- und Nachteilen von Fernsehdebatten

Werden Fernsehdebatten ihrem Informationsanspruch gerecht?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Vorteile von TV-Debatten

3. Nachteile von TV-Debatten

4. Die spezielle Situation in Deutschland

5. Werden TV-Duelle ihrem Informationsanspruch gerecht?

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Aufgrund der zunehmenden Komplexität politischer Entscheidungsprozesse kann man davon ausgehen, dass die Bürger ihre politischen Entscheidungen nicht mehr nur aufgrund von rationalen, differenzierten Betrachtungen treffen können, weil sie dafür ein sehr großes Wissen benötigten. Sie entscheiden also auch beeinflusst durch „emotionale oder affektive Faktoren“ (Pöhls 1989: 1).

Diese Faktoren werden maßgeblich von der heutigen Mediengesellschaft geprägt. Sarcinelli geht von einer sogenannten Scherenthese aus. Nach dieser These geht die „Schere“ zwischen wirklichen politischen Entscheidungsprozessen und der Darstellung dieser in der Öffentlichkeit zunehmend weiter auseinander (vgl. Sarcinelli 1994: 36, zit. nach Jarren 1996: 10). Besondere Bedeutung gewinnt die Berichterstattung der Medien auch dadurch, dass die Verbreitung stetig zunimmt und besonders die Anzahl der Fernsehsender fortwährend steigt (vgl. Jarren 1994: 24f.). Andere Untersuchungen zeigen zudem, dass sogar ein direkter Zusammenhang zwischen der Politikverdrossenheit der Bürger und der Fernsehpräsenz der Politik besteht (vgl. Holtz-Bacha 1994: 123f.).

Für Politiker und für die Demokratie haben Wahlen besondere Bedeutung, da hier die Macht des Volkes auf Vertreter übertragen wird. Wahlkampfpolitiker müssen aus oben genannten Gründen also vor Wahlen verstärkt mediale Präsenz zeigen.

Inzwischen kann man kaum noch davon ausgehen, dass auf Fernsehdebatten im Wahlkampf verzichtet wird. Die Gründe hierfür liegen einerseits in der oben erläuterten steigenden Wichtigkeit medialer Präsenz der Politiker im Wahlkampf, die ein Auftreten im Fernsehen und eine Auseinandersetzung mit seinem Kontrahenten unabdingbar macht. Andererseits käme durch die fortschreitende Institutionalisierung der Debatten ein Verzicht darauf einem Rückzug aus Angst gleich. So würde derjenige Kandidat, der nicht zur Debatte antreten will, aus welchem Grund auch immer, im Vergleich zu seinem Konkurrenten als Verlierer erscheinen, der die Konfrontation scheut und sich unterlegen einschätzt. Sie stecken also im „prisoners dilemma“, wissen sie doch nicht, wie der andere entscheidet, und müssen sich somit für eine Debatte aussprechen. Selbst wenn beide Kandidaten auf die Fernsehdebatte verzichten sollten, besteht die Gefahr, dass die Medien beide gleichermaßen zu Verlierern erklären und ihnen vorwerfen, das Volk nicht über wahre Ziele informieren zu wollen.

So groß die Bedeutung von TV-Debatten heutzutage ist, so um stritten sind sie auch. Im Folgenden werde ich daher gängig diskutierte Vor- und Nachteile von TV-Debatten darlegen und exemplarisch untersuchen, ob diese empirisch haltbar sind.

2. Vorteile von TV-Debatten

Wenn man davon ausgeht, dass die Demokratie davon profitiert, dass viele Menschen politisch partizipieren - und das nicht nur in Form von Wahlen, sondern sich auch informieren und auf politische Inhalte Einfluss ausüben - dann kommt man zu dem Schluss, dass das Fernsehen, als Medium mit einem fast hundertprozentigen Verbreitungsgrad (vgl. Pöhls 1989: 2), eine sehr große Zielgruppe erreicht. Denn die meistgenutzte Quelle, um sich politisch zu informieren, ist das Fernsehen (vgl. Coleman 2000: 9). Dies hat zur Folge, dass Präsenz im Fernsehen nicht nur für Parteien oder Kandidaten, sondern auch für die Demokratie selbst sehr wichtig ist. Diese Tatsache allein spricht freilich lediglich für eine Präsenz in den Medien, jedoch nicht zwingend für TV-Duelle.

Was spricht also für TV-Duelle im Wahlkampf? Untersuchungen haben ergeben, dass Nicht­Wähler eher zu Wählern bei der nächsten Wahl werden, wenn sie die TV-Duelle anschauen (vgl. Coleman 2000: 10). Doch nicht nur wahlscheue Bürger werden motiviert, wählen zu gehen, auch politisch schlecht informierte Menschen schauen sich am ehesten eine TV- Debatte an. Das heißt im Wahlkampf, dass diese Wähler eher ein TV-Duell anschauen als andere Wahlkampfveranstaltungen und allgemein, dass sie kaum andere Quellen zu ihrer Information gebrauchen (vgl. Coleman 2000: 10).

Nach Coleman haben TV-Debatten außerdem einen erzieherischen Wert. Dieser besteht laut Coleman darin, dass vielen Untersuchungen zufolge TV-Debatten zwar nicht unbedingt bei der Wahlentscheidung helfen, jedoch erste Informationen über politische Sachverhalte geben. In den Debatten werden zwar politische Problemstellungen nicht bis aufs kleinste diskutiert, sondern bleiben eher an der Oberfläche, doch geben sie Anstoß sich näher mit den Themen auseinanderzusetzen - nicht zuletzt, weil man mitreden können will, wenn Freunde und Bekannte über die Themen des Duells sprechen, was seinerseits durch die große Verbreitung gegeben ist (vgl. Coleman 2000: 10).

Des Weiteren bieten TV-Debatten den Kandidaten und Parteien gleiche Chancen auf Präsenz in den Medien.[1] Dies ist unter dem Gesichtspunkt wichtig, dass der Amtsinhaber tendenziell über mehr mediale Präsenz verfügt als der Herausforderer, weil seine politischen Handlungen stärker dokumentiert werden. Außerdem bekommen kleinere Parteien dieselbe Plattform wie größere und ärmere Parteien - in Ländern mit eigenfinanziertem Wahlkampf - dieselbe Präsenz wie reichere (vgl. Coleman 2000: 10).

Für die Wähler bieten TV-Debatten die beste Möglichkeit, den Kandidaten nahe zu sein und sie besser kennenzulernen. Denn im Gegensatz zu anderen Wahlveranstaltungen, „treffen“ sie die Kandidaten bei sich zu Hause und verbringen relativ viel Zeit mit ihnen. Aus demokratischer Sicht, wo ja eben die Macht vom Volk ausgeht, ist es sehr wichtig und richtig, dass die Wähler „direkten“ Kontakt haben mit ihren potenziellen Vertretern (vgl. Coleman 2000: 10f.). Außerdem kann man es als Vorteil betrachten, dass die Wähler unterschiedliche „Köpfe“ wählen können, die leichter auseinanderzuhalten und zu bewerten sind als komplexe Parteiprogramme, die sich zudem bei den Volksparteien nicht mehr sonderlich unterscheiden (vgl. Müller 2001: 103f.).

Die Kandidaten müssen sich außerdem mit den Programmen und Ideen der Konkurrenten auseinandersetzen, was für sie selbst und für die Demokratie förderlich ist. So lernt jeder andere Sichtweisen kennen und versteift sich nicht allzu sehr auf die eigenen (vgl. Coleman 2000: 11). Aber auch die eigenen Ideen können dem Publikum besser als sonst in Abgrenzung zum Programm des Kontrahenten dargestellt werden, was sowohl für die Selbstdarstellung wichtig ist, als auch für die Wähler, die dadurch die Unterschiede zwischen den Kandidaten genauer wahrnehmen können.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass TV-Debatten viele Vorteile bieten - für die Kandidaten, die Wähler und die Demokratie. Natürlich gibt es aber auch Kritik an ihnen. Diese will ich im nächsten Kapitel darstellen und Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen.

[...]


[1] Hier muss man anmerken, dass diese Gleichheit nur gegeben ist, wenn alle Kandidaten an den Debatten teilnehmen dürfen, was z. B. in Deutschland nicht immer der Fall war. Näheres hierzu unter 3.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Zu Vor- und Nachteilen von Fernsehdebatten
Untertitel
Werden Fernsehdebatten ihrem Informationsanspruch gerecht?
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Medienwirkung: Wahrnehmung und Wirkung von Fernsehdebatten
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
13
Katalognummer
V207171
ISBN (eBook)
9783656342717
ISBN (Buch)
9783656450290
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
TV-Debatten, TV-Duell, Fernsehduell, Kanzler, Kanzlerin, Merkel, Präsident, USA, Deutschland, TV, Fernsehen, Medien, Politik, Medienwirkung
Arbeit zitieren
Konrad Rupp (Autor:in), 2009, Zu Vor- und Nachteilen von Fernsehdebatten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207171

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