Politökonomische Ansätze zur Lösung des Klimawandelproblems: Cap-and-Trade ökologischer Knappheiten


Bachelorarbeit, 2010
50 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Externe Effekte
2.1. Wirkung der externen Effekte
2.2. Internalisierung externer Effekte, Coase-Theorem

3. Umweltgüter - öffentliche Güter

4. Instrumente der Umweltpolitik
4.1. Emissionssteuer
4.2. Emissionszertifikate
4.3. Emissionszertifikate vs. Emissionssteuer - Zwischenfazit

5. Cap-and-Trade
5.1. Das Cap-and-Trade System als Ausgestaltung des Zertifikathandels
5.2. Cap-and-Trade am Beispiel der USA

6. Globale Umweltpolitik
6.1. Das Kyoto-Protokoll
6.2. Europäischer Emissionshandel
6.3. Ergebnisse der internationalen Umweltpolitik
6.4. Probleme der globalen Klimapolitik

7. Lösungsalternativen
7.1. Intensitätsbasierte Emissionsziele
7.2. Bottom-up Ansatz zur Erreichung globaler klimapolitischer Ziele

8. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Globaler Temperaturanstieg

Abbildung 2: Entwicklung der CO2-Konzentration

Abbildung 3: Internalisierung externer Effekte durch Verhandlungen

Abbildung 4: Funktionsweise der Pigou-Steuer

Abbildung 5: Funktionsweise der Emissionszertifikate

Abbildung 6: Handel mit EUAs in der ersten Handelsperiode

Abbildung 7: Preisentwicklung der EUAs 2008-2010

Abbildung 8: Das gehandelte Volumen von EUAs 2005-2010

Abbildung 9: Preis,- und Volumenentwicklung von EUAs 2010

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: CO2-Emissionen der EU 15 und EU 27, 1990-2008

Tabelle 2: CO2-Emissionen in China

Tabelle 3: CO2-Emissionen ausgewählter Staaten und Staatengruppen

1. Einleitung

Es gibt mittlerweile eine Reihe wissenschaftlicher Befunde, die die Klimaerwärmung als ein brennendes und nicht von der Hand zu weisendes Umweltproblem beschreiben. Verwiesen wird im Kern auf den bestehenden Zusammenhang zwischen der CO2-Konzentration und dem Treibhauseffekt.[1] Innerhalb der letzten 150 Jahre sind der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre von 280 ppm auf etwas über 380 ppm und die Temperatur um ca. +1 °C gestiegen. Bemerkenswert ist dabei, dass die beiden Elemente in immer kürzeren Zeitabständen immer schneller gewachsen sind. Die Abbildungen 1 und 2 können es veranschaulichen.[2] Den BAU Szenarien zufolge wird sich der Gehalt der kohlendioxidäquivalenten Treibhausgase in der Luft von heutigen 380 ppm bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln. Auch die Temperatur wird bereits 2030 einen Rekordwert von durchschnittlich +15,3 °C betragen.[3] Die entscheidende Bedeutung kommt hierbei dem Bevölkerungswachstum und der Globalisierung zu. Eine wachsende Weltbevölkerung und steigender Wohlstand können dazu führen, dass die Erderwärmung durch einen immer intensiv werdenden Verbrauch von fossilen Brennstoffen immer schneller voranschreiten wird. Bis 2100 könnte die Erde 6 °C wärmer werden als in der vorindustriellen Zeit. Das ist eine Entwicklung, welche die Erde in den letzten 18 000 Jahren durchgemacht hat. Was das für die Menschheit bedeutet, kann schwer erahnt werden. Schmelzende Eisberge, steigender Meeresspiegel und extreme Wetterumschwünge sind nur die Vorboten der möglichen Ausmaße der Klimakatastrophe.[4] Soll das ein Ende des wirtschaftlichen Wachstums bedeuten? Wird es gelingen einen Mittelweg zu gehen ohne das wirtschaftliche Wachstum und die Umwelt zu gefährden?

„Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.“[5]

Aus der ökonomischen Sicht ist vor allem die Frage der Quantifizierung der möglichen Schäden und Kosten der Klimaänderung interessant. Eine Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration auf dem Niveau von 550 ppm bis 2050 sollte die Welt etwa 1,1 % des jährlichen Weltsozialproduktes kosten. Anderenfalls könnte der Klimawandel mit jährlich mindestens 5 % des Weltsozialprodukts pro Kopf zu Buche schlagen.[6]

Im Rahmen dieser Bachelor-Arbeit wird untersucht, welche Möglichkeiten es gibt, um den globalen Klimawandel möglichst effizient zu bewältigen und welche politökonomischen Probleme es dabei zu überwinden gilt.

Es lässt sich vermuten, dass der unkontrollierte menschliche Umgang mit knappen Ressourcen nicht immer effizient ist. Dieser Umstand führt zu einer Reihe ökonomischer Probleme und zur Belastung der Umwelt. Warum der Markt versagt und wie durch die Berücksichtigung der Umweltkomponente im Kalkül der Wirtschaftssubjekte der Normalzustand hergestellt werden kann, wird im Abschnitt 1 untersucht. Da aber die Umweltgüter besondere Eigenschaften aufweisen, die im Abschnitt 2 angesprochen werden, erscheint der Eingriff des Staates in das Wirtschaftsgeschehen unabdingbar. Zwei umweltpolitische Instrumente: Emissionssteuer und Emissionshandel, werden abwägend im Abschnitt 3 thematisiert.

Beide Instrumente spielen eine dominante Rolle in den umweltpolitischen Handlungsmöglichkeiten. Insbesondere der Emissionshandel, in seiner besonderen Ausprägung als Cap-and-Trade System, überzeugt die internationale Gemeinschaft durch seine Potentiale. Wie Cap-and-Trade funktioniert und welche Beispiele des erfolgreichen Einsatzes dieses Mittels es gibt, ist das Thema des Abschnitts 4. Das Kyoto-Protokoll und seine Beschlüsse, sowie die Ergebnisse des größten international koordinierten Mechanismus zur Reduktion des Kohlendioxidgehaltes in der Atmosphäre als Ursache des Klimawandels, werden im Abschnitt 5 problematisiert. Der Teilabschnitt 5.3. fasst die aus den vorangehenden Abschnitten ergebenden politökonomischen Probleme zusammen. Abschließend werden im letzten Kapitel einige defizitäre Punkte angesprochen und mögliche Lösungsalternativen, sowie die aktuellen Entwicklungen im Umgang mit Klimawandel vorgestellt.

2. Externe Effekte

2.1. Wirkung der externen Effekte

Die Wirtschaftswissenschaft befasst sich im Grunde mit Knappheitsproblemen. Die Knappheit der Ressourcen kann leider nicht beseitigt werden, was eines effizienten Umgangs mit ihrer Nutzung und einer gerechten Verteilung bedarf.[7] „Befindet sich eine Ökonomie in einem Preis-Gleichgewicht, bei dem alle Märkte geräumt sind, so ist die dabei realisierte Allokation unter gewissen Voraussetzungen in dem Sinne effizient, als durch Reallokation kein Individuum besser gestellt werden kann, ohne ein anderes schlechter zu stellen.“[8]

Wären die Umweltgüter effizient alloziert, so gäbe es auch keine Umweltprobleme. Mit anderen Worten, wenn sich ein Markt in einem Pareto- Optimum befindet, so ist das Kosten-Nutzen-Maximierungsproblem gelöst. Eine der dafür notwendigen Voraussetzungen, von der die Rede ist, ist der sog. externe Effekt.

„Beeinflussungen, die gewissermaßen am Preissystem vorbei den direkten Nutzen betreffen, und die deshalb durch den Preismechanismus auch nicht koordiniert werden können, nennt man externe Effekte oder Externalitäten.“[9]

Man unterschiedet zwischen 4 Formen externer Effekte: Konsumextemalitäten - also eine direkte Abhängigkeit des Nutzens eines Individuums von der Konsumaktivität eines anderen Individuums, Produktionsexternalitäten - die Beeinflussung der Produktionsfunktion eines anderen Produzenten, und zwei weitere Mischformen. Außerdem können externe Effekte positiv - die Beeinflussung erhöht den Nutzen bzw. senkt die Kosten, und negativ - der umgekehrte Fall tritt ein, sein.[10] Interessant sind vor allem die negativen Effekte, die Nutzen/Kosten des betroffenen Individuums/Unternehmens negativ beeinflussen.

Ein vereinfachtes Beispiel verdeutlicht die effizienzschädigende Bedeutung externer Effekte. Ein Fischer und ein Papierproduzent produzieren jeweils Fisch und Papier und nutzen gleichzeitig die gemeinsame Ressource „Fluss“. Das gemeinsam genutzte Gewässer nutzt der Papierproduzent zum Abführen giftiger Abwassermengen. Übermäßige Flussbelastung führt dazu, dass der Fischbestand im Gewässer zurückgeht, sodass der Fang und somit der Gewinn des Fischers geschmälert wird.

Die Gewinnfunktion des Papierproduzenten sieht wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei: Xp - Papiereinheiten, l1 - Verwendung der Arbeitseinheiten und w - Preis für die Arbeitseinheit bedeuten.

Die Gewinnfunktion des Fischers:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

wobei: XF - Menge Fisch, l2 - Arbeitsmenge und a(Xp) - Abwasserbelastung des Flusses sind.

Die aggregierte Gewinnfunktion:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn man das Maximierungsproblem im individuellen und aggregierten (sozialen) Fall löst und geeignet umformt, erhält man:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man erkennt, dass unter Berücksichtigung der Wasserverschmutzung höhere Faktorkosten entstehen, die nicht in das Kalkül des Papierproduzenten einfließen. Das führt folglich dazu, dass die privaten Produktionskosten des Papierherstellers kleiner als die volkswirtschaftlichen Kosten sind und seine gewinnmaximale Papiermenge höher ausfällt, vgl. (4), als die, wenn alle verursachten Kosten in der Produktion mitberücksichtigt gewesen wären, vgl. (5).[11] Daraus resultiert sich eine ineffiziente Faktorallokation und verzerrte Güterstruktur, so dass in diesem Fall von Marktversagen gesprochen werden kann, weil Güter- und Arbeitsmärkte nicht in der Lage sind, den Schutz der Umwelt zu gewährleisten.[12]

2.2. Internalisierung externer Effekte, Coase-Theorem

Es existieren mehrere Möglichkeiten und Theorien, wie man entstandene externe Effekte, wie im Beispiel davor, beseitigen bzw. internalisieren kann. Es werden sowohl staatliche Eingriffe, als auch marktbasierte Instrumente zur Internalisierung externer Effekte diskutiert.

Eine Möglichkeit dem Externalitätenproblem vorzubeugen hat Ronald Coase mit seinem als Coase-Theorem bekannten Ansatz vorgestellt.[13] Dabei soll externer Effekt durch Verhandlungen zwischen dem Verursacher und dem Geschädigten beseitigt werden. Die Aufgabe des Staates besteht in diesem Fall lediglich darin die Eigentumsrechte den Akteuren eindeutig zuzuweisen, so dass diese zu einem Übereinkommen kommen können. Es kommt aus der effizienztheoretischen Sicht
überhaupt nicht darauf an, wie die Eigentumsrechte gestaltet sind. Wichtig ist nur, dass Eigentumsrechte definiert sind. [14] Man unterscheidet weiterhin zwischen der sog. Laissez-fair-Regel und der Verursacherregel. Erhält der Verursacher des externen Effektes das Eigentumsrecht an der Umweltressource, so kann er ohne Berücksichtigung des Geschädigten seine gewinnmaximale Produktion betreiben. Will aber der Geschädigte den externen Effekt reduzieren, so muss er einen Unterlassungsbeitrag entrichten. Die Verursacherregel funktioniert reziproke zur Laissez-fair-Regel. In diesem Fall kann der Geschädigte, der über die Eigentumsrechte verfügt, das absolute Einstellen der Aktivitäten des Verursachers fordern.[15]

Das vorherige Beispiel mit dem Fischer und dem Papierproduzenten kann diesen Zusammenhang verdeutlichen. Die Abbildung 3 zeigt eine Möglichkeit der Internalisierung durch Verhandlungen.[16] Dabei kennzeichnet die X-Achse die Abwassermenge des Papierproduzenten bei der Papierproduktion, die Y-Achse seinen Grenzvorteil bzw. Grenznachteil des Fischers von der Flussverschmutzung. Die Grenzkosten der Schadstoffverringerung sind diejenigen Kosten, mit denen der Papierproduzent bei der Abwassermengenverringerung zu rechnen hat. Die marginale Schadensfunktion bildet den Grenzschaden ab, den der Fischer bei einer zusätzlich abgeführten Abwassereinheit erleiden wird. Der Punkt Em zeigt eine private gewinnmaximale Abwassermenge des Papierproduzenten. In diesem Beispiel wird eine Situation simuliert, der nach die Eigentumsrechte beim Papierproduzenten liegen. Der Fischer wird dem Papierproduzenten ein Angebot unterbreiten, seine Abwassermenge auf das Niveau von E* zu reduzieren. Die Verhandlung führt zum positiven Ergebnis, wenn der Schädiger für den Verlust, in der Abb. durch die Fläche OE*Em gekennzeichnet, kompensiert wird. Das wird auch so geschehen, denn der Wert der Schadensminderung für den Fischer ist größer als der Gewinnverlust des Papierproduzenten.

Damit allerdings eine private Lösung funktioniert, soll eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein. Die Eigentumsrechte sollen eindeutig definiert sein, es sollen keine Transaktionskosten der Verhandlung vorliegen und die verhandelnden Parteien sollen vollständig über die jeweilige Kostenstruktur informiert sein.[17] In der Realität ist es sehr selten der Fall, dass alle Voraussetzungen für die Anwendung des Coase-Theorems erfüllt sind und die Beseitigung der Ineffizienz der Allokation den Marktakteuren überlassen werden kann.

3. Umweltgüter - öffentliche Güter

Die in den vorangegangenen Kapiteln diskutierte Problematik der Entstehung und Wirkung externer Effekte wurde ganz allgemein aus effizienz,- und allokationstheoretischer Sicht dargestellt. Das Beispiel der Wasserverschmutzung durch den Papierproduzenten ist nur eine Möglichkeit die Allokationsverzerrung durch Externalitäten aufzuzeigen. Die Umweltverschmutzung und die damit einhergehende Klimaveränderung, sowie der Schaden für die Natur und Mensch, der daraus erwachsen kann, wie es in der Einleitung überblicksmäßig vorgestellt wurde, wurde bisher nicht explizit näher erläutert. Es ist allerdings grundsätzlich wichtig, sich an dieser Stelle dem Umweltproblem näher zuzuwenden, um die umweltpolitischen Maßnahmen und Instrumente richtig einordnen und beurteilen zu können. Die meisten Umweltgüter wie Weltozeane aber auch die Luft befinden sich nicht in privatem Eigentum, sondern werden als öffentliche Güter bezeichnet. Es gelten dabei das Prinzip der sog. Nichtrivalität im Konsum und das Nichtausschlussprinzip.[18] Da von dem Konsum öffentlicher Güter niemand ausgeschlossen werden und diese auch jeder unbegrenzt konsumieren kann, ohne für deren Bereitstellung bezahlen zu müssen, liegt es nahe, dass diese Güter im besonderen Maße einer Gefährdung in ihrer Qualität ausgesetzt sind. Die verschlechterte Umweltqualität fügt dem globalen bzw. lokalen Ökosystem und nicht zuletzt dem Menschen einen gewissen Schaden zu.

Also nicht nur die Emissionen, wie etwa die Abwassermenge im vorigen Beispiel, sondern vielmehr ihre schädliche Konzentration und den Diffusionsprozess, sowie den verursachten Schaden gilt es bei der richtigen Wahl von umweltpolitischen Instrumenten zu berücksichtigen.[19] Denn je nach Eigenschaften und

Auswirkungen eines bestimmten Schadstoffes auf die Umwelt müssen nicht nur die mengenmäßige Emissionssteuerung, sondern auch die räumliche und zeitliche Differenzierung berücksichtigt werden.[20] Vor allem im Falle der sog. Oberflächenschadstoffe spielt die räumliche Differenzierung sowie

Emissionskonzentration und ihre schädigende Wirkung bei der Anwendung der umweltpolitischen Instrumente eine erhebliche Rolle. Es kann unter Umständen zu einer starken lokalen Schadstoffkonzentration und einer dramatischen Umweltgefährdung kommen. In der wissenschaftlichen Literatur werden solche Orte „hot spots“ genannt. Aber auch Globalschadstoffe wie u.a. CO2, können vor allem durch ihre zeitliche Konzentration zu der Entstehung von „hot

spots“ führen.[21]

In der breiten Öffentlichkeit findet seit Jahren eine intensive Diskussion darüber statt, wie man dieses Problem lösen kann. Dabei ist es einleuchtend, dass der Eingriff des Staates hinsichtlich der Probleme mit den kollektiven Gütern notwendig ist. Dem Staat stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung. Einerseits Steuern wie z.B. die sog. Pigou-Steuer, andererseits Mengenbesteuerung, wie z.B. Zertifikate. Es gibt auch andere Instrumente deren sich der Staat bedienen kann, wie z.B. erzwungene Abgaben und Auflagen, die zwar auch als Alternative eingesetzt werden können, aber am

unwahrscheinlichsten zu einer effizienten Lösung führen und daher nicht weiter vertiefend diskutiert werden.[22]

4. Instrumente der Umweltpolitik

4.1. Emissionssteuer

Die Überlegung, Fehlallokationen, die aus der Divergenz von privaten und sozialen Kosten entstehen, durch staatliche Eingriffe zu beseitigen, geht auf das Werk von A.C. Pigou zurück.[23] Er schlug vor, dass der Staat den Verursacher von negativen externen Effekten mit Steuern „bestrafen“ soll. Die Steuer, die gemeint ist, ist in der umweltökonomischen Literatur als Pigou-Steuer bekannt. Der Gedanke von der Pigou-Steuer besteht darin, den Verursacher mit einem Steuersatz zu belasten, dessen Höhe den Grenzkosten entspricht, die im sozialen Optimum entstehen würden.[24]

Zur Verdeutlichung kann man die Abbildung 4 heranziehen.[25] Sie ist ähnlich der Abbildung 3, außer, dass auf der Ordinate t** als Steuersatz abgetragen wird, der den externen Grenzkosten im sozialen Optimum GS(E*) entspricht. Solange die Schadstoffemissionsmenge der Verursacher firma zwischen E*und Em liegt, wird sie mit zusätzlichen Kosten in Höhe von t** * Em belastet. Daraus lässt sich ableiten, dass ein auf Gewinnmaximierung ausgerichteter Verursacher solange seine Emissionen reduzieren wird, bis seine Grenzvermeidungskosten die Höhe des Steuersatzes erreicht haben.[26] Die Voraussetzung der Funktionsfähigkeit dieses Ansatzes ist, dass der Staat bzw. die Umweltbehörde die Schadens,- und Vermeidungskostenfunktionen jeweiliger Unternehmen kennt, damit ein zielorientiertes Umweltniveau im Sinnen der statischen Allokationstheorie erreicht werden kann.[27]

Auch eine andere Modifikation der Abgabenpolitik des Staates, wie der sog. Standard-Preis-Ansatz, wird diskutiert. Hierbei wird insbesondere die

Umweltkomponente in den Fokus gestellt, denn jede Emission kann durch räumliche und zeitliche Verteilung zu unterschiedlichen Schäden führen.[28]

„Um den Zusammenhang zwischen Emission und Immission in der Schadensfunktion zu erfassen, werden sogenannte Diffusionskoeffizienten verwendet, die angeben, um wie viel das Immissionsniveau an einem bestimmten Meßpunkt steigt, wenn die Emissionen einer Quelle um eine Einheit wachsen.“[29]

Mit Hilfe der Information über den Grenzschaden und die Diffusionskoeffizienten kann der soziale Planer ohne die Kenntnis der Grenzkostenverläufe effiziente Steuersätze festlegen, was einen gewichtigen Vorteil gegenüber einer allgemeinen Pigou-Steuer bietet.[30] In der Literatur wird der Steueransatz der Internalisierung als „first-best“ Lösung bezeichnet, weil man mit Hilfe dieses umweltpolitischen Instrumentes das Effizienzziel tatsächlich erreichen kann.[31]

4.2. Emissionszertifikate

Eine zweite und gegenwärtig kontrovers diskutierte Alternative zu der Emissionsbesteuerung stellen sog. Umweltzertifikate bzw. Emissionsrechte dar. Schon 1968 präsentierte J.H. Dales das Konzept des Zertifikathandels.[32] Dabei werden nicht die Eigentumsrechte an den Umweltgütern wie z.B. der Luft entsprechenden Individuen staatlicherseits zugewiesen, sondern vielmehr die „Verschmutzungsrechte“ in Form von handelbaren Zertifikaten vom Hoheitssubjekt ersteigert bzw. verteilt.[33] Der Emittent ist somit verpflichtet seine Schadstoffe nur in Höhe der in den Zertifikaten verbrieften Emissionsmengen, auszustoßen.

Der Handel mit den Umweltzertifikaten gehört zu den sog. marktbasierten umweltpolitischen Instrumenten. Die Rolle des Staates besteht zunächst nur darin ein bestimmtes Umweltqualitätsziel vorzugeben, z.B. die Reduktion der CO2-

Emissionen bis zum Jahr 2012 um 8 %. Die Zielerreichung wird dann lediglich den Marktkräften überlassen. Der Gedanke besteht darin, für einen Schadstoff in einer begrenzten Region ein zulässiges Emissionsvolumen festzusetzen.[34]

Die Abbildung 5 zeigt wie das festgelegte Emissionsniveau der regionalen Emissionen mit Hilfe der Versteigerung der Emissionszertifikate erreicht werden kann.[35] Angenommen sei, dass die Umweltbehörde als Ziel die Halbierung der Emissionen in der betreffenden Region festlegt. Es werden [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] Emissionseinheiten verbrieft in handelbaren Emissionsberechtigungen ausgegeben. Der Verlauf der Angebotskurve für Emissionsberechtigungen ist senkrecht, weil die Angebotsmenge exogen ist. Die Emissionsberechtigungen werden gehandelt, so dass die Nachfragekurve der Unternehmen von ihren Grenzvermeidungskosten GVK und dem Preis P für die Emissionsberechtigung bestimmt wird. Es wird ein Wettbewerbsmarkt unterstellt, d.h. der Zertifikatpreis ist ein Datum und wird von der Nachfrage eines einzelnen Unternehmens nicht beeinflusst. Für jeden beliebigen Zertifikatkurs ist es für das Unternehmen also vorteilhaft seine Emissionen so weit zu vermeiden, bis seine GVK gleich dem Zertifikatkurs sind. Für eine zusätzliche Emissionsmenge benötigt das Unternehmen die Emissionsberechtigungen.[36]

Die Zuteilung der Emissionsberechtigungen kann auf zwei Wegen geschehen: über die freie Vergabe oder die Versteigerung.[37] Gegenwärtig kursieren verschiedene Meinungen welche Methode für die Erreichung der ökologischen Ziele geeigneter erscheint. Einerseits bieten die Versteigerungserlöse dem Fiskus zusätzliche Einnahmen, die anderweitig verwendet werden können,[38] andererseits soll die freie Zertifikatvergabe nach dem „Grandfathering Prinzip“ auf der Seite der Emittenten zusätzliche Planungsunsicherheiten aus dem Weg räumen und für die Umweltbehörde leichter handhabbar sein.[39]

Es erscheint plausibel, dass die Emissionsrechte unter den Emittenten gehandelt werden dürfen. Wenn beispielsweise ein Unternehmen nicht alle in seinen Zertifikaten verbriefte Verschmutzungsrechte wahrnimmt, so kann es diese an potentielle Nachfrager verkaufen, was zu der Entstehung eines Marktes für Emissionen mit einem Gleichgewichtspreis führt.[40] Das Unternehmen, das im Besitz der Emissionszertifikate ist, wird solange die Emissionsvermeidung betreiben und die „eingesparten“ Zertifikate verkaufen, bis die Emissionsmenge erreicht ist, bei der die Grenzvermeidungskosten einer Emissionseinheit gleich dem Marktpreis der Umwelt/Emissionszertifikate sind.[41] So werden potentielle Zertifikatnachfrager bestrebt sein, nach schadstoffärmeren Technologien zu suchen, um langfristig Zertifikatkosten zu sparen.[42]

Es ist einleuchtend, dass beide umweltpolitische Instrumente, sowohl der Emissionshandel, als auch die Besteuerung von Emissionen, nicht nur zur kosteneffizienten Realisierung des vorgegebenen Umweltstandards führen, sondern auch wirksam im Hinblick auf die Förderung des technischen Fortschritts sind.[43]

4.3. Emissionszertifikate vs. Emissionssteuer - Zwischenfazit

Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Instrumenten liegt in der Tatsache, dass die Zertifikatlösung den sozialen Planer von der Suche nach der richtigen Information über die Vermeidungskosten aller Unternehmen zur Festlegung des richtigen Steuersatzes entbindet und gleichzeitig massive Anreize schafft, um in die Entwicklung sauberer Technologien zu investieren.

[...]


[1] Sinn, Hans-Werner (2009): Das grüne Paradoxon, 2. Auflage, Berlin, S.38

[2] Abbildung 1; Abbildung 2

[3] Stern, Nicholas (2007): The Economics of Climate Change - The Stern Review, in: Cambridge University Press, UK 2007, S. 4

[4] Sinn, Hans-Werner, S. 52

[5] Meadows, D., Zahn, E., Milling, P. (1972): Die Grenzen des Wachstums, Bericht des Club of Rome zur Lage der Menschheit, Stuttgart, S.17

[6] Sinn, Hans-Werner, S. 55

[7] Weimann, Joachim (1991): Umweltökonomie: eine theorieorientierte Einführung, 2. Auflage, Berlin, S.16

[8] Weimann, Joachim, S.18

[9] Weimann, Joachim, S.19

[10] Weimann, Joachim, S.20

[11] Weimann, Joachim, S.21 -26

[12] Sinn, Hans-Werner, S.114

[13] Coase, H.R. (1960): The Problem of Social Cost, in: Journal of Law and Economics, Volume 3, pp. 1-44

[14] Weimann, Joachim, S.28

[15] Enders, Alfred (2007): Umweltökonomie, 3. Auflage, Stuttgart, S.35-36

[16] Abbildung 3

[17] Brümmerhoff, Dieter (2007): Finanzwissenschaft, 9. Auflage, München, S.68; Weimann, Joachim, S.28-31

[18] Brümmerhoff, Dieter, S.79

[19] Weimann, Joachim, S.132

[20] Cansier, Dieter (1993): Umweltökonomie, Jena, S.181

[21] Weimann, Joachim, S.135

[22] Weimann, Joachim, S.103

[23] Pigou, Arthur C. (1932): The Economics of Welfare, 4th Edition, London: Macmillan and Co.

[24] Enders, Alfred, S.94

[25] Abbildung 4

[26] Enders, Alfred, S.96

[27] Cansier, Dieter, S.178

[28] Cansier, Dieter, S.179

[29] Weimann, Joachim, S.138

[30] Weimann, Joachim, S.139

[31] Weimann, Joachim, S.109

[32] Cansier, Dieter, S.192

[33] Weimann, Joachim, S.173

[34] Zwingmann, Katja (2001): Ökonomische Analyse der EU-Emissionshandelsrichtlinie, 1. Auflage, Wiesbaden, S.95-96

[35] Abblidung 5

[36] Enders, Alfred, S.127-130

[37] Cansier, Dieter, S.192

[38] Sinn, Hans-Werner, S.101

[39] Weimann, Joachim, S.161

[40] Weimann, Joachim (2009): Die Klimapolitik - Katastrophe: Deutschland im Dunkel der Energiesparlampe, 2. Auflage, Marburg, S.167

[41] Weimann, Joachim, S.157-158

[42] Enders, Alfred, S.113

[43] Weimann, Joachim, die Klimapolitik-Katastrophe, S.169

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Politökonomische Ansätze zur Lösung des Klimawandelproblems: Cap-and-Trade ökologischer Knappheiten
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Wirtschaftspolitik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
50
Katalognummer
V207236
ISBN (eBook)
9783656368052
ISBN (Buch)
9783656369349
Dateigröße
998 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cap and Trade, Umweltökonomik, Kyoto Protokoll, Emissionshandel, Emissionszertifikate, Klimapolitik
Arbeit zitieren
Leonid Borin (Autor), 2010, Politökonomische Ansätze zur Lösung des Klimawandelproblems: Cap-and-Trade ökologischer Knappheiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207236

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Politökonomische Ansätze zur Lösung des Klimawandelproblems: Cap-and-Trade ökologischer Knappheiten


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden