Wahrnehmung und ihre Veränderung durch die technische Reproduzierbarkeit

In der Beschreibung von Walter Benjamin


Hausarbeit, 2010

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begrifflichkeiten
2.1. Das Kunstwerk
2.2. Die Aura eines Kunstwerks
2.3. Die (technische) Reproduzierbarkeit des Kunstwerks
2.4. Die Medien der Reproduktion: Photographie und Film

3. Die Veränderung der Wahrnehmung
3.1. Ausgangspunkte der Veränderung der Wahrnehmung
3.2. Traditionelle Wahrnehmungsformen
3.3. Äußere/äußerliche Veränderungen
3.4. Die veränderte Wahrnehmung

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis.

1. Einleitung

Walter Benjamin bezeichnet seinen Aufsatz „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ als ein Kompendium von „Thesen über die Entwicklungstendenzen der Kunst unter den gegenwärtigen Produktions-bedingungen“ (S.352), aufgestellt unter dem Ausgangspunkt der Wahrnehmung und der Veränderungen der Wahrnehmungsformen (vgl. Lindner, S.18). Er mutmaßt, dass neue Medien einen Bruch in traditionellen Mustern der menschlichen Wahrnehmung bewirken.

Der Aspekt der Wahrnehmung scheint mir interessant. Deswegen soll im Folgenden der „Kunstwerkaufsatz“ unter diesem Aspekt analysiert werden. Was hat es mit der Wahrnehmungsveränderung nach Benjamin auf sich?

Zunächst werden die für den Wahrnehmungsbegriff relevanten Benjaminschen Begriffe Kunstwerk, Aura, technische Reproduzierbarkeit, sowie Photographie und Film erläutert, um im zweiten Teil der Arbeit auf die Wahrnehmung und ihre Veränderung, die Walter Benjamin v.a. durch den Film gegeben sieht, auszuleuchten.

2. Begrifflichkeiten

Ein Kunstwerk, sei es ein Gemälde oder ein Film, beruht auf Wahrnehmung. Durch die technische Reproduzierbarkeit verändert sich die künstlerische Abbildung und damit die Wahrnehmung. Photographie und Film beruhen auf Reproduktion. Annäherung an einige Benjaminsche Begrifflichkeiten.

2.1. Das Kunstwerk

Ursprüngliche, also sog. auratische Kunstwerke entstanden „im Dienst eines Rituals“ (S.358). Diese auratische Daseinsweise des Kunstwerks löse sich niemals von seiner Ritualfunktion (vgl. ebd.): „Der einzigartige Wert des › echten ‹ Kunstwerks hat seine Fundierung im Ritual, in dem es seinen originären und ersten Gebrauchswert hatte.“ (ebd.) Frühe Kunstwerke sind gekennzeichnet durch „Einmaligkeit [bzw. Einzigkeit, was identisch sei mit dem Eingebettetsein in den Traditionszusammenhang] und Dauer“ (S.357).

Je mehr sich die Kunst aber von ihrem Ritualdasein emanzipiert, was in der Moderne der Fall sei, desto mehr steigt ihre Ausstellbarkeit. Die Funktion und der Charakter der Kunst verändern sich also. Der Ausstellungswert der reproduzierbaren, auf Reproduktion angelegten und damit nicht mehr auratischen Kunstwerke steigt gegenüber ihrem Kultwert. Da das absolute Gewicht zunehmend auf dem Ausstellungswert des Kunstwerks liegt, kommen ihm neue (veränderliche) Funktionen zu (vgl. S.361).

2.2. Die Aura eines Kunstwerks

Den Begriff der Aura umschreibt Benjamin zunächst mit dem „einmaligen Dasein[…] an einem Orte“ (S.354) bzw. „Echtheit“[1], die beide im Zuge des Zeitalters der Reproduzierbarkeit verkümmern bzw. ausfallen. (vgl. S.355)

„Die Definition der Aura als ›einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag‹ stellt nichts anderes dar als die Formulierung des Kultwerts des Kunstwerks in Kategorien der raum-zeitlichen Wahrnehmung. Ferne ist das Gegenteil von Nähe. Das wesentlich Ferne ist das Unnahbare. In der Tat ist Unnahbarkeit eine Hauptqualität des Kultbildes. Es bleibt seiner Natur nach ›Ferne so nah es sein mag‹. Die Nähe, die man seiner Materie abzugewinnen vermag, tut der Ferne nicht Abbruch, die es nach seiner Erscheinung bewahrt.“ (S.358)

Der Verfall der Aura ist ein Symptom der Moderne. „Die Wahrnehmung der Aura geht [aber erst] aus ihrem Verlust hervor.“ (Geulen, S.598) Das heißt, dass die Aura als die Besonderheit der traditionellen Kunst sich erst dann zeigen konnte, als sie ausfiel bzw. diesen Charakter verlor.

Für Elo ist „der Verfall der Aura“ „einer der Namen für den modernen Erfahrungsverlust“ (Elo, S.118), der auch eine neue, erst in der Moderne mögliche Dimension der Erfahrung zulässt.

2.3. Die (technische) Reproduzierbarkeit des Kunstwerks

Die Geschichte der Reproduktion beginnt (nach Benjamin) mit der Bronze/Münzen-Produktion. Später wird durch den Buchdruck die Schrift reproduzierbar, dann durch die Lithographie die Graphik. Mit der danach sich verbreitenden Photographie wird schließlich das Kunstwerk identisch kopierbar. In ihr „beginnt der Ausstellungswert den Kultwert auf der ganzen Linie zurückzudrängen“ (S.362). Der Tonfilm, der am gegenwärtigen Höhepunkt dieser Entwicklung stehe, sei bereits virtuell in der Photographie enthalten gewesen.

[...]


[1] „Der gesamte Bereich der Echtheit entzieht sich der technischen Reproduzierbarkeit“, da 1. die technische Reproduktion dem Original gegenüber selbstständiger ist und 2. die technische Reproduktion das Abbild in Kontexte bringen kann, die dem Original unmöglich sind. Z.B.: eine Kathedrale wandert ins Studio (vgl. S.354f.)

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Wahrnehmung und ihre Veränderung durch die technische Reproduzierbarkeit
Untertitel
In der Beschreibung von Walter Benjamin
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar "Kritische Medientheorien"
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
10
Katalognummer
V207250
ISBN (eBook)
9783656343929
ISBN (Buch)
9783656345008
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walter Benjamin, Aura, Kunstwerk, Kunstwerkaufsatz, Reproduzierbarkeit
Arbeit zitieren
Veronika Seitz (Autor), 2010, Wahrnehmung und ihre Veränderung durch die technische Reproduzierbarkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207250

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