Peter Weiss und sein Verleger Siegfried Unseld

Eine Untersuchung der Autor- und Verleger-Beziehung anhand ihrer brieflichen Korrespondenz


Hausarbeit, 2011
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

0. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Worte

2. Überblick über das Leben von Peter Weiss

3. Autor- und Verleger- Beziehung
3.1. Peter Suhrkamp und Peter Weiss – Die Erste Kontaktaufnahme
3.2. Siegfried Unseld und Peter Weiss

4. Untersuchung der Briefe anhand des Theaterstückes: Die Ermittlung – ein Oratorium in elf Gesängen
4.1 Titelsuche und Ausstattung
4.2 Verwirklichung für die Öffentlichkeit
4.3 Kleine und große Probleme: Telefonkosten Verhaltensempfehlungen, rechtliche Prüfung, Urheberrechte und Finanzen

5. Resümee

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitende Worte

Diese Hausarbeit mit dem Titel Peter Weiss und sein Verleger Siegfried Unseld – Eine Untersuchung der Autor- und Verleger-Beziehung anhand ihrer brieflichen Korrespondenz beschreibt und analysiert den deutschen Literaturbetrieb und vertiefend die geschäftliche sowie persönliche Beziehung beider Parteien.[1]

Der augenscheinliche an öffentlicher Präsenz verlorene Autor und Künstler sowie Autor Peter Weiss und sein Suhrkamp-Traditionsverleger Siegfried Unseld vermitteln anhand ihrer verfassten Briefe einen spannenden Einblick – bis hin zur Dramatik – in ihre Freundschaft bzw. Arbeitsbeziehung.

Diese Hausarbeit beginnt mit einem einführenden Kapitel über das Leben und Werk von Peter Weiss, dabei erfolgt eine Skizzierung auf seinen künstlerischen Werdegang und literarisches Werk. Im nachfolgenden Kapitel 3. Autor- und Verleger-Beziehung wird der erste Verlegerkontakt zwischen Peter Weiss und Peter Suhrkamp und dessen Folgen für sein Schreiben ausführlicher besprochen, wobei auch der Bezug zum damaligen Literaturbetrieb im Nachkriegsdeutschland skizziert werden soll.

Das Kapitel 3.2 bezieht sich auf die Entwicklung der freundschaftlichen sowie hauptsächlich geschäftlichen Beziehung von Suhrkamp-Nachfolger sowie Kulturverleger Siegfried Unseld und Peter Weiss. Reibereien und unterschiedliche Einstellungen, sowie das politische Engagement von Peter Weiss stehen dabei im Mittelpunkt, diese sollen anhand des Briefwechsels erläutert werden.

Die Analyse ausgewählter Briefpassagen des Jahres 1965 in Bezug auf die Bearbeitung, Ausstattung, sowie den Vertrieb des Theaterstückes Die Ermittlung wird im vierten Kapitel ausführlich dargestellt. Im Hinblick auf die Auswahl des Theaterstücks, als Zentrum der Analyse, die damalige Situation ausschlaggebend, der historische Bezug. Ebenfalls zeigt es, die Entwicklung des Autors hin zu einer politisch radikalen Positionierung und den daraus resultierende Verlust an öffentlicher Zuwendung.

Im abschließenden Resümee wird die Wichtigkeit der Korrespondenz als Quelle hervorgehoben und die Entwicklung, wirkende Faktoren und Geschehnisse zusammenfassend betrachtet.

2. Überblick über das Leben von Peter Weiss

„Etwas, was mir ganz wichtig zu sein scheint […], ist die Tatsache, daß [sic.] Peter Weiss keineswegs der ist, wie er in der heutigen Rezeption meist auftaucht, nur als Leidender, nur als Zerrissener, als Leidenschaftlicher, als Getriebener, als einer der vielen Verkörperungen des Ahasver [Ewiger Jude; Anmerkung der Autorin]. Er ist auch jemand, der lachen konnte, der Scherze machte, der Streiche spielte […].“[2]

Mit diesem Zitat aus einer Rede, vom 12. November 1988, von Robert Jungk[3] über seine Freundschaft mit Peter Weiss, wird verdeutlicht – in welche Richtung mit welcher Intention – sich die Rezeption von Peter Weiss in der vergangenen Zeit verfestigt hat. Diese vorgegebene Richtung des Heimatsuchenden Ermittlers ist eindimensional gedacht und zeigt in keinster Weise eine adäquate Reflexion von Peter Weiss und seinem Gesamtkunstwerk.

Diese Hausarbeit muss sich auf eine Skizzierung der wichtigsten Aspekte der Biografie von Peter Weiss beschränken und bezieht sich vornehmlich auf sein literarisches Werk. Dabei steht das Theaterstück Die Ermittlung im Mittelpunkt der Analyse und Erläuterung in Hinsicht auf die Thematik: Autor-Verleger-Beziehung.

Am 8. November 1916 gebar Frieda Weiss[4] ihren Sohn mit Vater Eugen Weiss: Peter Ulrich Weiss; im damaligen Nowawes (heute: ein Stadtteil von Babelsberg, Potsdam). Der Vater arbeitet als Textilfabrikant und stammt aus dem ehemaligen Österreich-Ungarnischen Gebiet. Seinen jüdischen Glauben verheimlicht er seinen in Bremen und Berlin aufwachsenden Kindern[5], bis der Zwang zur Emigration im Jahre 1934 keine andere Möglichkeit zuließ und die Familie über England in die Tschechoslowakei übersiedeln musste. Peter Weiss beschrieb im Laufe der Jahre oftmals die nicht vorhandene Kenntnis über seine jüdische Abstammung und die daraus resultierende Ausgrenzung, Isolation und Entfremdung, welche er als Kind nicht verstehen bzw. nachvollziehen konnte, sondern nur erfahren musste.[6]

Seinen bis dato größter Wunsch, Maler zu werden verwirklichte er an der Prager Kunstakademie. Erste Unterstützung sowie die Vermittlung nach Prag, übernahm nach brieflicher Kontaktaufnahme seitens Weiss, sein Vorbild Hermann Hesse[7].[8]

Aufgrund der Präsenz der deutschen Wehrmacht, musste Peter Weiss im Januar 1939 seiner Familie nach Schweden folgen, dabei war die Emigration für ihn „nur die Bestätigung der Unzugehörigkeit, die ich von frühester Kindheit an erfahren hatte. Einen heimischen Boden hatte ich nie besessen.“[9].[10]

Der neue Aufenthaltsort wurde mehr als nur Exil für Peter Weiss. Im Jahr 1946 wurde er schwedischer Staatsbürger und arbeitete im Kunst- und Filmbereich, komplementär dazu beginnt er in schwedischer Sprache zu schreiben.

Rainer Gerlach systematisiert das Werk von Peter Weiss wie folgt: Zwischen den Jahren 1930 und 1960 steht die Malerei im Zentrum, jedoch zeigen die 50iger Jahre eine Hinwendung zum Medium (Avantgarde-)Film auf. Ab 1959 rückt seine schriftstellerische Arbeit rückt ins Zentrum aufgrund der finanziellen Absicherung anhand seiner Verlagsbindung.[11]

Aktuelle Forschungsliteratur benennt Peter Weiss spezifisch als frühen Grenzgänger zwischen den Künsten, sein Gesamtwerk zeigt „die Durchdringung verschiedener Medien und Kunstformen in der Kultur der Moderne“[12] und fokussiert die Intermedialität der Künste. Peter Weiss findet eine Differenzierung der unterschiedlichen Kunstformen ein bzw. beschränkend, er definiert in einem Interview für die Erstaustrahlung der Sendung Berlin stellt vor: Peter Weiss aus dem Jahr 1961, künstlerische Medien als Instrumente einer Komposition, wobei Übergänge fließend sind und die Nutzung sich komplimentiert. Die Benutzung dieser Instrumente verfolge er bis hin zu den Grenzen jener.[13]

Der erste Verlegerkontakt zu Peter Suhrkamp, wieder vermittelt durch Hermann Hesse, blieb publikationslos, jedoch entdeckt später der Suhrkamps Nachfolger Siegfried Unseld das Talent Peter Weiss. Die erste Veröffentlichung[14] wurde der Mikroroman Schatten des Körpers des Kutschers.

Peter Weiss prägte mit seinem Stil und seiner öffentlichen Rezeption, die Veränderung im deutschen Literaturbetrieb der 1960iger Jahre mit, die Entwicklung hin zur detaillierten Beschreibungsliteratur und weg von der Erzählliteratur der Nachkriegszeit.[15]

Seine ersten Veröffentlichungen beinhalten Elemente persönlicher Erfahrungen und Gefühlswelten von Peter Weiss, die daraus resultierende Rezeption, bezieht sich vorrangig auf den interessanten Um- bzw. Aufbruch der deutschen Literatur.

Ab Mitte der 1960iger Jahre vollzieht Peter Weiss in seinem Schreiben und Leben einen Wandel hin zur Politisierung. Er nutzt die Kraft seiner Worte und bringt diese anhand von Theaterstücken auf die europäischen Bühnen.

Laut Peter Weiss können die Missstände nur in einer sozialistischen Gesellschaftsordnung überwunden werden, wenn eine Loslösung vom kapitalistischen System sowie die Hinführung zum Sozialismus stattfindet.[16] Sein politisch zurückhaltender Verleger Siegfried Unseld kritisiert die öffentliche Politisierung von Peter Weiss scharf. Anhand der Briefwechsel wird die Empfehlung von Seiten Siegfried Unseld nachvollziehbar:

„Die Aufgabe eines Schriftstellers ist eben doch die, zu schreiben, und er wirkt politisch nicht durch das, was er sagt, sondern nur durch das, was er schreibt; ich meine, an seinen Arbeiten schreibt und nicht an Verlautbarungen, Statements und Bulletins. Du manövrierst Dich in eine Situation hinein, die eine unheilvolle für Dich sein wird. Es geht nicht darum, daß [sic.] Du den Mund halten sollst, um eines schönen Friedens willen, sondern es geht darum, daß [sic.] Du Dir Deine Autorität als Schriftsteller mit solchen Äußerungen schmälerst.“[17]

Dem gegenüber steht die linksorientierte Meinung Peter Weiss’:

„Du magst Recht haben, dass ich mir durch meine politische Äusserungen [sic.] selbst schade, und dass es klüger wäre zu schreiben und die Politik anderen zu überlassen. Weisst [sic.] Du, das ist eine Gewissensfrage. Natürlich wäre es vorteilhafter für mich, ich hielte den Mund und schöpfte den Rahm ab und liesse [sic.] die Aussenwelt [sic.] wie sie ist. Aber ich glaube, sie ist eben weitgehend so, wie sie ist, weil viel zu wenige von uns an den Auseinandersetzungen teilnehmen.“[18]

[...]


[1] Aus Gründen der politischen Korrektheit und Freiheit für alle Leser_innen, verwende ich in dieser Hausarbeit eine Schreibweise die sowohl das weibliche, das neutrale und das männliche Geschlecht mit einbezieht.

[2] Vgl. Beat Mazenauer (Hrsg.): Briefe an Hermann Levin Goldschmidt und Robert Jungk. 1938 – 1980. 1. Auflage. Leipzig: Reclam-Verlag 1992. S. 193

[3] Robert Jungk ist 1913 in Berlin geboren und arbeitet als Journalist, Mahner und Utopist (heute genannt Zukunftsforscher), Weiss und Jungk verbindet die jüdische Abstammung, Jungk emigrierte im Jahre 1933, lebte ab 1945 in Salzburg und verstarb am 14. Juli 1994. Vgl. Ebd. S. 191f.

[4] Peter Weiss’ Mutter Frieda stammt ursprünglich aus der Schweiz und war bislang als Schauspielerin bei Max Reinhardt im Deutschen Theater Berlin engagiert. Vgl. Vogt, Jochen: Peter Weiss. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Jochen Vogt. 1. Auflage. Reinbek: Rowohlt 1987. S.11f.

[5] Peter Weiss’ Geschwister zählen zwei Halbbrüder namens Arwed (1905–1991) und Hans (1907–1977), sowie die nachfolgenden Kinder der gemeinsamen Eltern: Irene (* 1920), Margit Beatrice (1922–1934) und Gerhard Alexander (1924–1987). Vgl. Ebd. S. 12f.

[6] Vgl. Reich-Ranicki, Marcel: Peter Weiss. Poet und Ermittler. 1916-1982. In: Gerlach, Rainer (Hrsg.): Peter Weiss. Suhrkamp Taschenbuch Materialien. 1. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984. S. 7-15.

[7] Hermann Hesse ist am 2. Juli 1877 in Calw geboren und war ein Schriftsteller und Maler. Zeitlebens unterstützte er, wie exemplarisch Peter Weiss, junge Talente und förderte diese. Er verstarb am 9. August 1962 in Montagnola, Schweiz. Vgl. Seidel, Rebecca: Handout. Hermann Hesse und Peter Suhrkamp. Leipzig: Universität Leipzig, Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft, Handout, 23. Juni 2011.

[8] Vgl. Deutsche Welle: Zeitreise: Schriftsteller im Gespräch. Peter Weiss. URL: http://www.podcast.de/episode/1879050/Interview_mit_Peter_Weiss/ (1. August 2011)

[9] Reich-Ranicki, Marcel: Peter Weiss. Poet und Ermittler. 1916-1982. In: Gerlach, Rainer (Hrsg.): Peter Weiss. Suhrkamp Taschenbuch Materialien. 1. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984. S. 7.

[10] Vogt, Jochen: Peter Weiss. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Jochen Vogt. 1. Auflage. Reinbek: Rowohlt 1987. S. 38.

[11] Gerlach, Rainer (Hrsg.): Peter Weiss. Suhrkamp Taschenbuch Materialien. 1. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984. S. 157.

[12] Müllender, Yannick; Schutte, Jürgen; Weymann, Ulrike: Peter Weiss. Grenzgänger zwischen den Künsten. Bild – Collage – Text – Film. 1. Auflage. Frankfurt am Main: Internationaler Verlag der Wissenschaften 2007. S. 8.

[13] Vgl. Sender Freies Berlin: Teil 2: Berlin stellt vor: Peter Weiss (1961) URL: http://www.youtube.com/user/literaturarchiv#p/u/2/bJ_T-IPEgrQ (Letzter Zugriff: 1. August 2011)

[14] Weitere Publikationen in Prosa waren: Abschied von den Eltern, Fluchtpunkt, Das Gespräch der drei Gehenden und Rapporte. Vgl. Reiser, Andrej: Peter Weiss. URL: http://www.suhrkamp.de/autoren/peter_weiss_5247.html (letzter Zugriff: 19. Juli 2011)

[15] Vgl. Vogt, Jochen: Peter Weiss. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Jochen Vogt. 1. Auflage. Reinbek: Rowohlt 1987. S. 66-68.

[16] Anmerkung: „Mit der Programmschrift Zehn Arbeitspunkte eines Autors in einer geteilten Welt liefert Peter Weiss 1965 sein Bekenntnis zum Sozialismus: "Jedes Wort, das ich niederschreibe und der Öffentlichkeit übergebe, ist politisch, d.h. es zielt auf einen Kontakt mit größeren Bevölkerungsgruppen hin, um dort eine bestimmte Wirkung zu erlangen." Vgl. Ramponi, Patrick: Zu Peter Weiss‘ 20.Todestag. URL: http://www.vsp-vernetzt.de/soz/020719.htm (Letzter Zugriff: 21. Juli 2011)

[17] Gerlach, Rainer (Hrsg.): Siegfried Unseld – Peter Weiss. Der Briefwechsel. 1. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007. S.517.

[18] Gerlach, Rainer (Hrsg.): Siegfried Unseld – Peter Weiss. Der Briefwechsel. 1. Auflage. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007. S.513.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Peter Weiss und sein Verleger Siegfried Unseld
Untertitel
Eine Untersuchung der Autor- und Verleger-Beziehung anhand ihrer brieflichen Korrespondenz
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikation- und Medienwissenschaften)
Veranstaltung
Einfürhung in die Buchwissenschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V207318
ISBN (eBook)
9783656343844
ISBN (Buch)
9783656344780
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Siegfried Unseld, Peter Weiss, Briefwechsel, Autor-Verleger-Beziehung
Arbeit zitieren
Kerstin Schmitt (Autor), 2011, Peter Weiss und sein Verleger Siegfried Unseld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207318

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Peter Weiss und sein Verleger Siegfried Unseld


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden