Warum Politikwissenschaft eine Wissenschaft ist


Hausarbeit, 2012
23 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Wissenschaft?

3. Was ist Politik?
3.1 Begriff und Gegenstand der Politik
3.2 Dimensionen der Politik
3.3 Gesellschaftliche Funktionen von Politik

4. Entwicklung der Politikwissenschaft
4.1 Anfänge der Politikwissenschaft
4.2 Political Sciences in den USA
4.3 Politikwissenschaft in Deutschland nach 1945

5. Warum Politikwissenschaft eine Wissenschaft ist!
5.1 Problemstellung und Forschungsbestand
5.2 Das INGE-Gesetz
5.3 Fragestellung und Hypothesen
5.4 Auswertung der Umfragewerte
5.5 Schlussbetrachtung
5.6 Schlussfolgerungen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Politik ist allgegenwärtig, egal ob in den Medien, Tagesgeschehen, ja sogar im Sport. Politikwissenschaft jedoch ist nur wenigen ein Begriff und bei anderen Wissenschaften nicht vollständig akzeptiert. Aber wie kommt es, dass sich Geistes- und Sozialwissenschaften täglich um Ihre Anerkennung bemühen? Ist etwas “unwissenschaftlich“ nur weil es theoretisch und nicht greifbar ist? Wie kommt es jedoch das Aristoteles bei Politikwissenschaft von “Königswissenschaften“ redet?

Es gilt zu klären ob Politikwissenschaft überhaupt eine Wissenschaft ist und wenn ja, eine für sich allein stehend oder nur eine “halbe“ Wissenschaft, die mit einer anderen interagieren muss um eine Vollständige Wissenschaft darzustellen.

Schon bei der Fakultätseinteilung der Politikwissenschaften treten die ersten Komplikationen und Uneinigkeiten auf. So wird in Bonn oder Freiburg beispielsweise die Politikwissenschaft an der Philosophischen Fakultät angesiedelt, während Sie in Münster zur Rechts- und Staatwissenschaftlichen Fakultät angehört. In Rostock und Kiel wiederum gehört Sie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät an. Andere Universitäten teilen die Politikwissenschaft gar in mehrere Fakultäten gleichzeitig ein (z.B. München).[1] Es stellt sich also nicht nur die Frage: ob Politikwissenschaft eine Wissenschaft ist, sondern auch wo Sie sich einordnet?

Um diese Fragen zu erörtern muss man sich mit der Entstehung des Faches auseinandersetzten, um anschließend einen Bezug zur Praxis zu finden. In diesen Zusammenhang kann aufgezeigt werden, ob und wie die Politikwissenschaft als praktische Wissenschaft betrieben werden kann um somit die Legitimation darzulegen.

Gegenstadt der Darstellung in meiner Hausarbeit wird also sein, nach einer kurzen Auseinandersetzung mit dem Begriffen Wissenschaft und Politik, einer kurzen Schilderung der Entwicklung der Politikwissenschaft, nach und nach an einer Fallstudie zu erläutern was Politikwissenschaft ist und was sie zu einer Wissenschaft macht.

2. Was ist Wissenschaft?

Über den Begriff Wissenschaft streiten sich seit Jahrtausenden die Geister. Wie wird Wissenschaft definiert? Es gibt viele Definition und zu sagen welche richtig oder falsch ist vermag ich nicht. Ich habe mich jedoch, als Diskussionsbasis, für die Definition von Manfred Mols entschieden, der Wissenschaft wie folgt schildert :

„Wissenschaft nennt man die in ihren Aussagen überprüfbare und systematische Beschäftigung mit nahezu beliebigen Bereichen der Natur, des menschlichen Denkens und des menschlichen Zusammenlebens und seiner Gestaltungsformen. Die Beschäftigung kann extrem abstrakt (Mathematik, theoretische Physik), verbunden mit anschaulich handfesten und im allgemeinen wiederholbaren Experimenten (Zoologie) bzw. experimentähnlichen wiederkehrenden Situationen (Teile der Wirtschaftswissenschaften oder der sozialwissenschaftlichen Verhaltensforschung) erfolgen. Es kann auch die Auswertung konkreter und nicht selten einmaliger Erfahrungen den Kern der wissenschaftlichen Arbeit bestimmen (die teilnehmende Beobachtung des Ethnologen oder des Politikwissenschaftlers, der konkrete Entscheidungsprozesse studiert).“[2]

Mit dieser Voraussetzung kann man ein bestimmtes System der Abhängigkeit erkennen, nämlich das Dreiecksverhältnis, der wichtigsten Faktoren: Wissenschaftler, Wissenschaft und die Wirklichkeit. Um dies kurz zu erläutern: Der Wissenschaftler, der nach neuem Wissen strebt, muss sich darüber im Klaren sein, was er erforschen will. Das bedeutet er braucht als allererstes eine genaue Formulierung des Problems, oder des Sachbestandes. Hier ist jedoch nicht nur die Frage nach dem “Was“ wichtig, sondern auch vor allem nach dem “Wie“, nach der Suche eines Weges (Methode) das Problem zu lösen. Ist dies getan, muss der Wissenschaftler eine Theorie aufstellen, um sie dann anhand von Beobachtungen der Wirklichkeit zu unterziehen, dem sogenannten „test of reality“.[3]

Auch im Urteil des Bundesverfassungsgerichts spiegelt sich das Dreiecksverhältnis wider:

„Wissenschaftliche Tätigkeit ist alles, was nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist“.[4] Zur Forschung äußert sich das Bundesverfassungsgericht ebenfalls, so wird sie als „geistige Tätigkeit mit dem Ziele, in methodischer, systematischer und nachprüfbarer Weise neue Erkenntnisse zu gewinnen“ definiert.[5]

Wenn man sich jetzt Stück für Stück mit diesen Definitionen auseinander setzt, erscheinen einige Aussagen unklar. Denn wer entscheidet was die Wahrheit ist? Und was ist ernsthaft und planmäßig? Sucht nicht auch ein katholischer Pfarrer ernsthaft und planmäßig die Wahrheit? Die Forschungsdefinition verändert die Ansichtsweise ein weinig. Während bei der wissenschaftlichen Tätigkeit noch die Wahrheit das Ziel ist, ist man bei der Forschung auf der Suche nach neuen Erkenntnissen und auch die Verfahrensweise wird näher erläutert (systematisch und nachprüfbar). So ist erkennbar, dass hier zwei Wissenschaftsbegriffe geprägt werden, zum einen der theologische, der als Ziel die Wahrheit hat und zum anderen der heuristisch-methodische, der nach neuen Erkenntnissen sucht. Wenn man nun mehrere Definitionen vergleicht kommt man zu der Erkenntnis, dass sich die meisten Definitionen über Wissenschaft punktuell in vier Grundaussagen einig sind. Sie setzen alle voraus, dass Wissenschaft:

1. eine überprüfbare und systematische Beschäftigung ist;
2. auf die Wirklichkeit gerichtet (Empire) ist;
3. mit Hilfe von Hypothesen, Theorien und anderen Mitteln arbeitet;
4. generelle Aussagen erwirken will.

Es kann also abschließen gesagt wird, dass Wissenschaft eine überprüfbare und systematische Beschäftigung, die sich auf die Wirklichkeit bezieht und mit Hilfen von Hypothesen, Theorien und anderen Mitteln zu generellen Aussagen gelangen will, ist.[6]

3. Was ist Politik?

Da in Politikwissenschaft der Begriff Politik verankert ist, muss dieser auch definiert werden, um später die Politikwissenschaft besser zu veranschaulichen. Außerdem werde ich noch die Dimensionen der Politik erläutern und welche gesellschaftliche Funktion Politik einnehmen kann.

3.1 Begriff und Gegenstand der Politik

Um sich dem Begriff nach und nach zu nähern, fange ich mit einer Annäherungsdefinition von Thomas Meyer an.

„Politik ist die Gesamtheit der Aktivitäten zur Vorbereitung und zur Herstellung gesamtgesellschaftlich verbindlicher und/oder am Gemeinwohl orientierter und der ganzen Gesellschaft zugute kommender Entscheidungen.“[7]

Hierbei lassen sich schon erste Charakteristika herauskristallisieren, die die Politik stets kennzeichnet. Dazu gehört unter anderem der offene Charakter politischer Entscheidungen, indem immer Spielraum für Alternativen herrscht. Es besteht immer mehr als eine Möglichkeit, wie die politischen Entscheidungen zur Form und Geltung kommen und wie ihre Inhalte beschaffen sind. Immer geht es um Entscheidungen, die im jeweiligen Handlungsfeld allen zugute kommen soll oder alle zu binden. Dieses Doppelgesicht, einerseits im Entstehungsprozess für alle Alternativen offen zu sein und andererseits in seinen Ergebnissen für alle verbindlich, ist eine der wesentlichen Besonderheiten der Politik. Diese Einstiegsdefinition kann als erste Orientierung dienen, um jedoch verlässlich zu sein bedarf sie vielfältigen Präzisierung und Einschränkungen. Beides wird im Verlauf der Darstellung erarbeitet.[8]

Über die Jahre heraus haben sich viele Definitionen in einer verwirrenden Fülle angesammelt. Um nur einige zu nennen habe ich in dem Buch von C. Böhret, W. Jann und E. Kronenwett eine informative Liste gefunden:

- „Politik ist die Summe der Mittel, die nötig sind, um zur Macht zu kommen und sich an der Macht zu halten und um von der Macht den nützlichsten Gebrauch zu machen,… Politik ist also der durch die Umstände gebotene und von den Vermögen (virtú) des Herrschers oder des Volkes sowie von der spezifischen Art der Zeitumstände abhängige Umgang mit der Macht (Machiavelli, um 1515)“
- „Politik ist die Kunst des Staatslebens, die Bewegung des öffentlichen Lebens, die auf Ziele ausgerichtet ist. Politik bestimmt, was geschehen soll und wie es geschehen sol. Sie bezeichnet die Aufgaben des Staatslebens und ihre Lösung (Blunschli1864)“
- „Politik ist der Kampf um die rechte Ordnung (Suhr/ v.d. Gablenz 1950/1965)“
- „Politik (ist) gesellschaftliches Handeln, … welches darauf gerichtet ist, gesellschaftliche Konflikte über Werte verbindlich zu regeln (Lehmbruch 1968)“
- „Politik (ist) der Kampf um die Veränderung oder Bewahrung bestehender Verhältnisse (Graf von Krockow 1976).“[9]

Wenn man diese Definitionen mit der Annäherungsdefinition am Anfang des Kapitels vergleicht, wird sie keinesfalls falsifiziert. Auffällig jedoch ist die Verteilung des Fokus in den jeweiligen Definitionen. Einerseits wird die Rolle des Gemeinwohls für die Politik hervorgehoben, andererseits rückt die Rolle der Macht in den Mittelpunkt. Es versteht sich von selbst, dass diese beiden Begriffe nicht unbedingt Gegensätze sind, denn für eine politische Verwirklichung von Entscheidungen, die dem Gemeinwohl dienen sollen, braucht man in der Regel eine Macht, die die Durchsetzung dieser Verbindlichkeit gewährleistet. Die Begriffe des Gemeinwohls und der Macht haben anscheinend eine instruktive Gemeinsamkeit, die sie für die Bezeichnung des politischen besonders kennzeichnet. Bei beiden geht es um die Darstellung oder um die Durchsetzung von Handlungen, die für alle Mitglieder der Gesellschaft Gültigkeit erlangen, ohne ihnen den Spielraum für individuelle Ausweichmöglichkeiten zu geben. Es handelt sich bei beiden also um die Gültigkeit von Entscheidungen für alle Gesellschaftsmitglieder, die dem einzelnen Individuum keine Wahlmöglichkeit mehr offen lässt und ihn darum unbedingt betrifft.[10]

Die Suche nach einer „Wahren“ Definition von Politik wäre utopisch. Wichtiger ist zu klären womit Politik sich beschäftigt, also ihre Dimensionen aufzuzeigen. Denn wie hat einst J. W. M. Mackenzie so provokativ gesagt:

[...]


[1] Vgl. Alemann, Ulrich von/ Forndran, Erhard: Methodik der Politikwissenschaften. Eine Einführung in Arbeitstechnik und Forschungspraxis, Stuttgart 2005. S.18.

[2] Mols, Manfred: Politik als Wissenschaft. Zur Definition, Entwicklung und Standortbestimmung einer Disziplin, in: Lauth, Hans-Joachim/ Wagner, Christian (Hrsg.): Politikwissenschaft. Eine Einführung, Paderborn 2009, S. 24.

[3] Vgl. Konegen, Norbert: Politikwissenschaft und Wissenschaftstheorie, in: Bellers, Jürgen/ Robert, Rüdiger (Hrsg.): Politikwissenschaft I. Grundkurs, Münster 1992, S. 99f.

[4] BVerfG 29. Mai 1973 - 1 BvR 424/71 und 325/72.

[5] Bundesbericht Forschung III BT Drucks. V/4335 S. 4.

[6] Vgl. Alemann, Ulrich von/ Forndran, Erhard: Methodik der Politikwissenschaften. Eine Einführung in Arbeitstechnik und Forschungspraxis, Stuttgart 2005. S.43f.

[7] Meyer, Thomas: Was ist Politik, Stuttgart 2003, S.41.

[8] Vgl. ebd.

[9] Böhret, Carl/ Jann, Werner/ Kronenwett, Eva: Innenpolitik und politische Theorie. Ein Studienbuch, Opladen 1988, S.3.

[10] Vgl. Meyer, Thomas: Was ist Politik, Stuttgart 2003, S.43f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Warum Politikwissenschaft eine Wissenschaft ist
Hochschule
Universität Rostock
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
23
Katalognummer
V207364
ISBN (eBook)
9783656345251
ISBN (Buch)
9783656345459
Dateigröße
1295 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wissenschaft, Politik, Politikwissenschaft
Arbeit zitieren
Jesse Bochert (Autor), 2012, Warum Politikwissenschaft eine Wissenschaft ist, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207364

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