Korpusbasierte kontrastive Analyse von spanischen und italienischen Phraseologismen


Diplomarbeit, 2010
102 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Theoretischer Teil

1 Zielsetzung - Kontrastiver Vergleich

2 Phraseologismen - Definition
2.1 Polylexikalität
2.2 Festigkeit und Stabilität
2.3 Idiomatizität
2.4 Metaphorisierung
2.5 Pragmatischer Aspekt
2.6 Psycholinguistischer Aspekt
2.7 Kognitiver Aspekt Empirischer Teil

3 Phraseologismenkategorisierung

4 Polylexikalische Analyse
4.1 Kategorie körperliche Eigenschaften des Menschen
4.2 Kategorie geistige Fähigkeiten des Menschen

5 Analyse - Festigkeit und Stabilität
5.1 Fester Numerus
5.2 Fester Artikel
5.3 Festes Genus
5.4 Variierende Person
5.5 Feste Rektion
5.6 Kein festes Tempus
5.7 Lexikalische Kommutierbarkeit
5.8 Syntaktische Kommutierbarkeit
5.9 Eigennamen
5.10 Verben - feste Valenz
5.11 Negation und Affirmation

6 Idiomatische Äquivalenzanalyse
6.1 Volläquivalenz
6.2 Teiläquivalenz
6.3 Nulläquivalenz
6.4 Falsche Freunde
6.5 Idiomatizität - Nicht-Idiomatizität
6.6 Quantitative Ergebnisse der Äquivalenzanalyse
6.7 Übersetzungsvorgäne nach der Äquivalenzanalyse
6.8 Probleme bei der Übersetzung von Phraseologismen

7 Didaktischer Nutzen der durchgeführter Analyse

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Auf die Erforschung sprachlicher Phänomene, wie Phraseologismen, wird immer mehr Wert gelegt. Phraseologismen werden immer mehr studiert, dabei wird nicht nur die Syntax von Phraseologismen, sondern auch deren Semantik, Pragmatik, Etymologie und kognitive und psycholinguistische Aspekte in Betracht gezogen. Besonders wird in der Phraseologieforschung auf die Metapher, die vielen Phraseologismen zu Grunde liegt, beachtet.

Die kontrastive Phraseologie geht eben einen Sritt weiter und vergleicht die Phraseologismen aus zwei oder mehreren Sprachen miteinander, dabei stößt sie ständig an Grenzen und Ausnahmen, denn jede Sprache ist kulturspezifisch geprägt und verfügt über solche Metaphern, die in einer anderen Sprache vielleicht nicht vorhanden sind.

Die kontrastive Phraseologieforschung der spanischen und italienischen Sprache hat sich als relativ moderner Bereich der linguistischen Wissenschaft etabliert. Spanische und italienische Phraseologismen wurden schon mit anderen Sprachen verglichen, selten aber miteinander.

Eine Phraseologieforschung, wie die kontrastive, erweist sich als sehr nützlich und hilft dabei, eine Fremdsprache auf höherem Niveau zu beherrschen. Das Interesse an der Phraseologieforschung ist unmittelbar damit verbunden, die Natur der Phraseologismen zu begreifen, um die Ergebnisse, die beim Erlernen einer Fremdsprache verwendet werden, weiter zu vermitteln. Diese Natur der Phraseologismen einer Fremdsprache zu verstehen, ist eine große Herausforderung.

Theoretischer Teil

1 Zielsetzung - kontrastiver Vergleich

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, das Korpus von spanisch-italienischen Phraseologismen auf kontrastive Ebene zu analysieren.

Kontrastive Phraseologie hängt mit konfrontativer Linguistik zusammen. Ihr Ziel ist die Untersuchung der phraseologischen Systeme von zwei oder mehr Sprachen und Herausarbeitung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede. [Fleischer 1982: 30]

Die Arbeit wird in zwei Teile gegliedert - einen theoretischen Teil und einen praktischen Teil. Der theoretische Teil befasst sich mit den theoretischen Grundlagen und charakteristischen Merkmalen der Phraseologismen. Im praktischen Teil werden die Phraseologismen, die anhand von bestimmten Kriterien, wie körperlichen und geistigen Eigenschaften von Menschen, nach dem Prinzip des modernen Gebrauchs in einem Korpus zusammengefasst und kategorisiert sind, unter solchen Merkmalen, wie Polylexikalität, Festigkeit, Idiomatizität analysiert. Als Grundlage des Vergleichs - Tertium comparationis wird bei der Analyse eine Metaphorisierung genommen, weil Spanisch und Italienisch als romanische Sprachen nicht nur verwandt sind, sondern auch dem gleichen europäischen Raum und der gleichen europäischen Kultur angehören.

Die analysierten Phraseologismen werden nicht nur auf semantischer und syntaktischer Ebene und auf der Ebene der generativen Syntax verglichen, sondern auch unter pragmatischen, kognitiven und psycholinguistischen Gesichtspunkten untersucht, die für allgemeines Phraseologismusbild sehr wichtig sind.

Es wird eine ausführliche idiomatische Äquivalenzanalyse durchgeführt und Übersetzungsvorgänge für verschiedenen Äquivalenztypen werden ausgearbeitet. Die Phraseologismen werden auch auf Polylexikalität sowie Festigkeit und Stabilität untersucht. Dementsprechend wird es in der Arbeit auf die Übersetzung von Phraseologismen in Computerlinguistik ankommen und die entstehenden Probleme werden betonnt, dabei werden die wichtigsten Punkte der Zusammenarbeit von Computerlinguistik und Phraseologie hervorgehoben. Es werden anhand verschiedener Modelle eine Identifizierung von Phraseologismen bei der elektronischen Übersetzung und auch einige Übersetzungsverfahren vorgeschlagen. Schließlich wird ein gemeinsamer Überblick der durchgeführten Analyse erstellt, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, sowie die Interferenzen bei der Übersetzung dargestellt werden. Es wird auch darauf eingegangen, wie diese Interferenzen im didaktischen Verfahren genutzt werden können.

2 Phraseologismen - Definitionen

Phraseologie ist die Lehre von den Phrasemen (griech. phrasis ‚Rede‘ und logos ‚Lehre‘). [Donalies 2009: 3]

Die Phraseologie ist eine Teildisziplin der Sprachwissenschaft, die sich mit Phraseologismen beschäftigt. Die Phraseologie wird aus verschiedenen Teildisziplinen wie idiomatischen Ausdrücken, Modismen, phraseologischen Einheiten, Redensarten und Redewendungen in eine neue Disziplin zusammengefasst.

Die ersten Linguisten, die die Phraseologie als selbstständige Disziplin in den 70er- Jahren definiert hatten, waren die russischen Wissenschaftler Vinogradov, Reichstein, Mel'cuk u.a. und ihre deutschen Kollegen Rothkegel, Burger, Plakes, u.a.

Die Phraseologismen werden oft nicht nur durch ihre feste syntaktische Struktur und irreguläre semantische Verknüpfung, sondern auch durch ihre semantische Ganzheit charakterisiert.

Die Phraseologismen verfügen über eine Reihe von gemeinsamen Merkmalen, die sie als sondergestaltete Zeichen hervorheben. Diese Merkmale werden unter den Kategorien der Semantik, Syntaktik und Pragmatik gruppiert. [Segura García: 1998: 20]

Nach Segura García (Segura García, 1998, 24) charakterisiert man Phraseologismen mit verschiedenen Eigenschaften wie Bildhaftigkeit, Metaphorisierung, Motivation, Reproduzierbarkeit, Lexemäquivalenz, Nicht- Modellierbarkeit, Idiomatizität, Festigkeit, Polylexikalität oder Mehrgliedrigkeit. Die Vielfalt dieser Terminologie weist darauf hin, dass es sich um ein relativ kompliziertes und ein wenig erforschtes Gebiet handelt, trotz der intensiven Forschung in den letzten Jahren.

Bei dieser Arbeit wird nur auf Idiomatizität, Polylexikalität, Festigkeit und Stabilität eingegangen, denn das Korpus wird auf diesen Ebenen untersucht, dabei werden auch solche Aspekte wie pragmatische, kognitive und psycholinguistische beachtet.

2.1 Polylexikalität

Zu den wichtigsten Kriterien, welche die Phraseologismen bestimmen, gehört zweifelsohne die Polylexikalität. Nach Burger (Burger, 2007, 15) muss bei der Polylexikalität ein Phraseologismus aus mindestens zwei lexikalischen Einheiten bestehen. Es gibt auch die Meinung, dass ein Phraseologismus aus einer einzelnen lexikalischen Einheit bestehen kann. Für die deutsche Sprache ist es durchaus möglich, denn sie ist für ihre Zusammensetzung aus lexikalischen Einheiten bekannt.

Wörter werden im Deutschen praktischerweise zusammengeschrieben. So sehen wir sofort, dass Schwarzmarkt einzelnes Wort ist, Schwarzer Markt aber ist nicht ein Wort, sondern zwei. Tatsächlich kann im Deutschen ‚der orthografische Usus ausschlaggebend‘ sein (Topczewska, 2004, 24). [Donalies 2009: 7]

Nach Burger (id. 15) müssen Phraseologismen nicht unbedingt autosemantische Wörter beinhalten. Als autosemantisch werden solche Lexeme eingestuft, welche eine vom Kontext unabhängige und selbstständige lexikalische Bedeutung aufweisen. Das sind Substantive, Verben, Adjektive und Adverbien. Ein Phraseologismus kann auch aus zwei synsemantischen Wörtern bestehen. Als synsemantisch werden solche Lexeme eingestuft, die nur eine grammatische Funktion im Satz haben, aber keine eigene (lexikalische) Bedeutung, daher werden sie auch als Funktionswörter bezeichnet. Artikel, Konjunktion, Partikel, Pronomen, Präposition, Modalverb und Hilfsverb zählen zu den Funktionswörtern.

So gibt es solche Phraseologismen, auch ‚minimale Phraseologismen‘ genannt, die keine autosemantischen Wörter enthalten oder bei denen die ursprünglichen autosemantischen Wörter in ihrer Bedeutung verblasst sind. [Burger 2007: 16]

Für das analysierte Korpus tritt dieser Fall nicht zu, denn es enthält keine Phraseologismen, die nur aus synsemantischen Wörtern bestehen.

2.2 Festigkeit oder Stabilität

Phraseologismen unterscheiden sich von freien Wortverbindungen durch solche Kriterien wie Festigkeit oder Stabilität.

Phraseologismen unterscheiden sich von den freien Verbindungen, da die letztgenannten ‚frei‘ kombinierbar sind und ihre Bedeutung das Ergebnis der Summe einzelner Komponenten ist. Die Prinzipien der Kombinierbarkeit und Erkennbarkeit sind demnach den freien Verbindungen eigen, nicht aber Phraseologismen. Ihre Strukturen sind fest gebunden und die Bedeutung der ganzen Einheit ist nicht aus den einzelnen Komponenten ableitbar. [Segura García: 1998: 23]

Nach diesem Kriterium weist ein Phraseologismus verschiedene Formen der Festigkeit auf.

Die Festigkeit oder Stabilität der phraseologischen Verbindungen werden von verschiedenen Autoren hervorgehoben. So unterstreicht Häussermann (Segura García, 1998, 37) solche Typen von Festigkeit von Phraseologismen:

1) Die Festigkeit im Gebrauch (Phraseologismen als Einheiten der Sprache)
2) Die struktursemantische Festigkeit
3) Die morphologische Festigkeit (Phraseologismen besitzen ein eingeschränktes Flexionsparadigma ihrer Konstituenten)
4) Die syntaktische Festigkeit (geringere Bewegungsmöglichkeit der Konstituenten der Phraseologismen)
5) Die Festigkeit der Bedeutung und des lexikalischen Bestandes (geringere Kommutierbarkeit der Elemente der Phraseologismen durch Synonyme)
6) Pragmatische Festigkeit
7) Psycholinguistische Festigkeit

Bei den angedeuteten Typen von Festigkeit sieht man, dass die phraseologischen Verbindungen nicht modellierbar sind und auch den geringsten Synonymaustausch aufweisen.

Bei der Festigkeitsanalyse werden die spanischen und italienischen Phraseologismen auch auf der Ebene der generativen Grammatik verglichen. Bei der generativen Grammatik handelt es sich nach Chomsky (Müller, 1998, 12) um eine Grammatik, die alle grammatischen Sätze einer Sprache generiert und nur diese. Jeder Äußerung wird eine strukturelle Beschreibung zugewiesen, die die Bestandteile und ihre strukturellen Beziehungen anzeigt. Bei der Analyse von Phraseologismen auf der generativen Syntax wird auf die folgende Terminologie von Müller (id.13) zugegriffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Laut Müller (id. 10) unterscheidet man beim Aufbau der Phrasen eine lexikalische Ebene (Ebene der Wörter) und eine phrasale Ebene. Die lexialischen Kategorien sind N (Nomen), V (Verb), A (Adjektiv), P (Präposition), Adv (Adverb). Die phrasalen Kategorien sind NP (Nominalphrase), VP (Verbalphrase), AP (Adjektivphrase), PP (Präpositionalphrase). Die Regeln, mit denen sich die Phrasen bilden lassen, nennt man Phrasenstrukturregeln (PS-Regeln). Die Interaktion dieser Regeln untereinander ergibt ein Regelsystem, mit dem eine Satzstruktur generiert werden kann.

2.3 Idiomatizität

Zu den Hauptkriterien, die Phraseologismen beschreiben, gehört auch die Idiomatizität.

Der Begriff „Idiomatizität“ umfasst einerseits die strukturellen Anomalien, die einen Aspekt der Festigkeit ausmachen, anderseits die spezifisch semantischen Besonderheiten, die viele Phraseologismen von freien Wortverbindungen abheben. [Burger 1998: 31]

Bei der Idiomatizität findet die semantische Umdeutung einzelner Komponenten oder des ganzen Phraseologismus statt. Die Phraseologismen bestehen aus der Zusammensetzung von Elementen, die bei ihrer Interpretation „einen Umweg machen“ und von der tatsächlichen Bedeutung ablenken.

Die semantische Umsetzung, die bei jedem festen Ausdruck vermutet wird, wird durch die Darstellung der spezifischen und partikulären Einheit bestimmt, deren Sinn aus der Bedeutung ihrer Komponenten nicht hervorgehen kann. [Segura García: 1998: 20]

Die einzelnen Komponenten geben ihre freie Bedeutung zu Gunsten einer neuen Bedeutung auf.

Bei einem kontrastiven Vergleich von Phraseologismen spricht man von verschiedenen idiomatischen Äquivalenztypen.

Nach Dobrovols’kij (Dobrovols’kij, 1988, 58) betrachtet man die Phraseologismen einer Ausgangssprache und einer Zielsprache als Äquivalente, wenn es zwischen beiden eine ‚Übersetzungsbeziehung‘ gibt. Also bezieht sich die Äquivalenz sowohl auf die Ausdrucks- als auch auf die Inhaltsstruktur. Es lassen sich jedoch verschiedene Äquivalenzstufen bestimmen.

Die Äquivalenz der Idiomatik bezieht sich auf Äquivalenzen der Inhalts- und Ausdrucksstruktur. Dabei sind die verschieden Kriterien, die eine Äquivalenz bestimmen, wichtig. Als Kriterien gelten nicht nur die Denotation des Phraseologismus, sondern auch das Bild, die idiomatische Struktur und die Konnotationen. So unterscheidet Dobrovols’kij (id. 59) vier Grundtypen von Äquivalenzen. Das sind Volläquivalenz, partielle Äquivalenz, Nulläquivalenz und Scheinäquivalenz, auch Falsche Freunde genannt. Innerhalb der partiellen Äquivalenz lassen sich noch verschiedene Untertypen aufstellen, die nach den Kriterien der Bedeutung, des Bildes, der Konnotationen sowie der Valenzen zu unterscheiden sind.

Bei einer Volläquivalenz handelt es sich nach Dobrovols’kij (id. 59) um solche Phraseologismen, welche die gleiche idiomatische Struktur, die gleiche Bedeutung und das gleiche Bild besitzen.

Nach Dobrovols’kij (id. 59) müssen die Phraseologismen aus zwei verschiedenen Sprachen auf mindestens einer Ebene übereinstimmen: der idiomatischen Struktur, der Bedeutung oder des Bildes, um die Teiläquivalenz aufzuweisen.

Unter Nulläquivalenz werden laut Dobrovols’kij (id. 59) kulturspezifische Phraseologismen behandelt, die keinen äquivalenten Phraseologismus in der Zielsprache haben. Sie lassen sich mit Einzellexemen oder Umschreibungen weitergeben.

Unter Falschen Freunden bzw. Scheinäquivalenz versteht man nach Dobrovols’kij (id. 59) ein phraseologisches Paar aus zwei verschiedenen Sprachen (AS und ZS), das eine ähnliche Struktur bzw. ein ähnliches Bild besitzt. Dabei haben beide Phraseologismen unterschiedliche Bedeutungen.

2.4 Metaphorisierung

Metapher kommt aus dem Griechischen und bedeutet ‚übertragen‘, ‚anderswohin tragen‘. Ein Wort oder ein Ausdruck ist dann eine Metapher, wenn eine Übertragung von einem oder mehreren Merkmalen eines Elementes (A) auf ein anderes (B) stattfindet. [Segura García: 1998: 25]

In diesem Prozess wird ein Wort nach Segura García (Segura García, 1998, 25) nicht in seiner wörtlichen, sondern in einer übertragenen Bedeutung gebraucht und zwar so, dass zwischen der wörtlich bezeichneten Sache und der im übertragenen Sinne eine Beziehung der Ähnlichkeit besteht.

Jede Sprache besitzt eine bestimmte Struktur und Regeln, die auf verschiedenen Ebenen wie semantische, morphosyntaktische, oder lexikalische beruht die ihrerseits immer wieder in Kontakt treten, wenn sich eine Sprache in ihrer komplexen Form realisieren lässt.

Man könnte die Sprache auch als eine Art Zeichensystem ohne Struktur und Regel betrachten. In diesem Fall wäre es möglich, die Zeichen willkürlich miteinander zu kombinieren. Wäre so was geschehen, könnte man die Sprache gar nicht verstehen und wenn auf die Regeln nur teilweise geachtet wird - z.B. achtet man nur auf Syntax und nicht auf Semantik -, gibt es in jedem Fall Verständigungsprobleme.

Sprache ist also ein komplexer Mechanismus, bei dessen Realisierung viele Aspekte berücksichtigt werden müssen. Phraseologismen gehören zu diesen besonderen Aspekten der Sprache, denn ohne Metaphorisierung ergeben sie keinen Sinn. Ansonsten könnten sich wie die oben genannten Zeichen benehmen, die auf keine Regel und Struktur achten müssen. Für die Bildung von Phraseologismen ist der Metaphorisierungsprozess sehr wichtig. Die metaphorische Bedeutung wird durch Assoziationen vermittelt. Dabei ist nach Segura García (id. 26) die vertiefte Beherrschung der Sprache von Bedeutung, denn es muss eine Verbindung zwischen der tatsächlichen Bedeutung des Wortes außerhalb des Phraseologismus und der metaphorischen Bedeutung des Wortes in diesem Prozess festgestellt werden oder anders gesagt: zwischen tatsächlicher und übertragener Bedeutung. Damit dieser komplizierte Prozess erfolgreich funktioniert, muss zwischen tatsächlicher und übertragener Bedeutung des Wortes eine Art der Beziehung der Ähnlichkeit oder eine so genannte Konnektivität bestehen. Andersfalls könnte man nicht so schnell die gesuchte Bedeutung des Phraseologismus entziffern Nr. 1: Übertragene Bedeutung Konnektiviät Tatsächliche Bedeutung Nach Segura García (id. 28) beruht die große Teile des idiomatischen Bestandes auf einer metaphorischen Bildung. Nur in wenigen Fällen trifft diese Regel nicht zu.

Eine idiomatische Verbindung entsteht auch ‚durch die Spezialisierung nichtübertragener Sememe‘ (Fleischer, 1982, 38). Zahlwörter, Eigennamen und bestimmte Verben tragen auch zu Bildung von Idiomen bei. [Segura García 1998: 29]

Die Metaphorizität kann nach Segura García (id. 28) in Laufe der Zeit durch ständige Wiederholung verloren gehen, so dass man in manchen Fällen Bild und Bedeutung nicht mehr unterscheiden kann, wie z. B. bei solchen spanischen und italienischen Phraseologismen, wie Ser un pan de Dios (span.) - Essere un pezzo di pane (it) - Ein Seele von Mensch sein (dt.). Die Methaphorizität dieser Idiome ist verloren gegangen, Bild und Bedeutung hängen aber noch zusammen, auch wenn das Bild nicht mehr anschaulich ist.

2.5 Pragmatische Festigkeit

Phraseologismen verfügen auch über solche Eigenschaften wie pragmatische Festigkeit, die besagt, dass die Phraseologismen an bestimmte Alltagssituationen und Gewohnheiten gebunden sein können.

Was die pragmatischen Funktionen von Phraselogismen angeht, versteht man die speziellen Wirkungsmöglichkeiten darunter, die zur Unterstützung der Intention des Senders dienen. [Fleischer 1982: 221]

Nach Fleischer (Fleischer, 1982, 221) können Phraseologismen als Indikatoren des sozialen Verhältnisses zwischen den Kommunikationspartnern gelten. Die Wahl der entsprechenden phraseologischen Konstruktion kann z. B. bei Herstellung von Kontakten dazu beitragen, eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen oder eine soziale Zusammengehörigkeit zu betonen. Ein emotionaler Zustand, sowohl ein positiver als auch negativer, kann vom Sender auf den Empfänger durch Phraseologismen übertragen werden. Es kann auch Kritik ausgeübt oder zu aufrichtigem Verhalten aufgefordert werden. Die Phraseologismen des analysierten Korpus werden auch durch pragmatische Festigkeit markiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus dem Beispiel geht hervor, dass sowohl die spanischen als auch die italienischen Phraseologismen im pragmatischen Sinn benutzt werden können. Das phraseologische Paar wie Decir cosas sin orden ni concierto (span.) - Dare i numeri (it.) und No tener ni pies ni cabeza (span.) - Non avere n é capo n é coda (it.) kann zur Ausübung der Kritik verwendet werden, während das phraseologische Paar wie Ponerse de todos los colores (span.) - Diventare di tutti i colori (it.) einen emotionalen Zustand ausdrücken.

2.6 Psycholinguistischer Aspekt

Seit den 1970er-Jahren betrachten Autoren wie Burger die Phraseologie unter psycholinguistischem Aspekt (Burger, 1982, 9). Nach dieser Theorie weisen die Phraseologismen solche Arten der Festigkeit auf wie die psycholinguistische. Es geht bei der Psycholinguistik angesichts von Phraseologismen darum, wie feste Wortverbindungen gespeichert und dann beim Hören verarbeitet und schließlich beim Sprechen verwendet werden (Burger, 2007, 17). Die psycholinguistische Festigkeit besagt, dass Phraseologismen im mentalen Lexikon fest verfügbar sind und reproduziert werden können. Der psycholinguistischer Prozess ist sehr komplex und verantwortlich für die Produktion der Rede.

Dieser Prozess der Phraseologieforschung überschneidet sich auch mit dem Ansatz nach Chomsky (Chomsky, 1981, 101). Laut diesem Ansatz können Phraseologismen auf D-Strukturebene (Tiefenstruktur, deep structure) und nicht auf der S- Strukturebene (syntaktische Ebene) erfasst werden. Chomsky (id. 102) unterscheidet zwischen „Oberflächenstrukturen“ und „Tiefenstrukturen“, die man mit der „äußeren“ und „inneren“ Form des Satzes erklärt. Bei der Tiefenstruktur geht es nach Chomsky (id. 103) darum, dass sie die semantische Interpretation der Sprache bestimmt. Bei der Oberflächenstruktur geht es dagegen um die Darstellung der Syntax eines Satzes. Dabei liegt jeder Oberflächenstruktur eine Tiefenstruktur zu Grunde. Bevor die Tiefenstruktur zu Oberflächenstruktur wird, läuft sie mehrere Transformationsphasen durch.

Die Bildung von Phraseologismen ist also mit dem psycholinguistischen Prozess verbunden. Die tiefen Gedanken, die sich auf der Tiefenstrukturebene befinden, können bei der Reproduktion der Rede mithilfe verschiedener Wörter formuliert werden, bevor sie die äußere Form annehmen. Weil die Phraseologismen zur Tiefenstrukturebene gehören, kann dann das Endergebnis, das die äußere Form des Satzes darstellt, verschiedene syntaktische Formen annehmen. Das folgende Diagramm zeigt die Verhältnisse von Tiefen- und Oberflächenstrukturen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhand des analysierten Korpus können die spanischen und die ihnen entsprechenden italienischen Phraseologismen der Kategorie Inteligencia (span.) - Intelligenz (dt.) gemäß diesem Diagramm so dargestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhand des Beispiels kann man sehen, dass die Phraseologismen bei ihrer Bildung verschiedene Phasen durchlaufen. Man geht von der Bedeutung aus, die jedem Phraseologismus zu Grunde liegt, um an das Endergebnis zu kommen. Das Beispiel zeigt, wie die Formation vom spanischen Ser un lince (span.) - sehr klug sein (dt.) und dem entsprechenden italienischen Phraseologismus Essere un'aquila (it.) - sehr klug sein (dt.) abläuft. Der spanische Phraseologismus hat mehr Synonyme als der entsprechende italienische (das betrifft nur das analysierte Korpus), deswegen hat man bei der Transformationsphase eine größere Auswahl an Phraseologismen, wenn man von der gleichen Bedeutung ausgeht. In diesem Fall schwanken aber die Bedeutungen sowohl der spanischen als auch der italienischen Synonyme. Ein Phraseologismus kann in diesem Fall schlau sein bedeuten, während anderer seine Bedeutung erweitert und klug und schlau sein bedeutet. Schon bei der Bedeutungsanalyse wird es differenziert und nach genauer Bedeutungsentsprechung gesucht.

2.7 Kognitiver Aspekt

Neben dem psycholinguistischen ist der kognitive Aspekt von Phraseologismen von großer Bedeutung. So ist Dobrovol’skij (Dobrovol’skij, 1995, 20) mit solchen Autoren wie Fillmore, Kay und O’Connor einverstanden, dass der kognitiven Basis von Phraseologismen ihre Irregularität und „Abnormalität“ zu Grunde liegen.

We think of a locution or manner of speaking as idiomatic if it assigned an interpretation by the speech community but if somebody who merely knew the grammar and the vocabulary of the language could not, by virtue of that knowledge alone, know (i) how to say it, or (ii) what it means, or (iii) whether it is a conventional thing to say. Put differently, an idiomatic expression or construction is something a language user could fail to know while knowing everything else in the language. [Dobrovol’skij 1995: 20]

Dobrovol’skij (id. 21) meint, dass die traditionelle Phraseologieforschung oft zu wenig klassenbildende Kriterien anbietet, um die Phraseologismen zu definieren. Oft werden in diesen Fällen relevante Merkmale einer phraseologischen Einheit aufgrund der Kriterien der Stabilität und Reproduzierbarkeit aufgezählt und als Folgen der strukturell-semantischen Irregularität bezeichnet. Dabei werden die Phraseologismen, die surrealistische Erklärung benötigen, ausgeschlossen.

Nach Dobrovol’skij (id. 22) gibt es solche Phraseologismen, die keine wörtliche Lesart zulassen, was bedeutet, dass sie der Realität nicht entsprechen. Sie haben also keine übertragene Bedeutung. Eine semantische Entität kann nach Dobrovol’skij (id. 22) aber nur dann als „übertragen“ interpretiert werden, wenn der „wörtliche“ Hintergrund vorhanden ist. Ohne die Möglichkeit, eine Lexikoneinheit (d.h. mit Referenz auf Begebenheiten der aktuellen Welt) zu interpretieren, kann man nicht von ihrer übertragenen Lesart sprechen. Solche Phraseologismen kann man als surrealistisch einstufen. Übertragen gelten solche Einheiten, die wirklich zwei Lesarten zulassen. Im analysierten Korpus findet man zahlreiche Phraseologismen sowohl mit der surrealistischen, als auch mit der übertragenen Lesart.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

An diesem Beispiel sieht man, dass die Phraseologismen mit der übertragenen Bedeutung tatsächlich zwei Lesarten zulassen. La oveja negra (span.) - la pecora nera (it.) - das schwarze Schaf (dt.) kann in Wirklichkeit ein schwarzes Schaf sein. In diesem Fall handelt es sich um die wörtliche Lesart. Es kann aber ein Mensch oder ein Tier bezeichnet werden, das durch ein ungewöhnliches Verhalten oder Aussehen gekennzeichnet ist. In diesem Fall geht es um die übertragene Lesart.

Wenn man aber nur die Phraseologismen, die beide Lesarten darbieten - sowohl die wörtliche als auch übertragene - als Phraseologismen einstuft, werden die surrealistischen ausgeschlossen, weil sie eben über die übertragene Lesart nicht verfügen. Ein solcher Phraseologismus wie Tener nervios de acero (span.) - Avere nervi d'acciaio (it.) - Nerven wie Drahtseile haben (dt.), lässt keine übertragene Lesart zu, denn in Wirklichkeit kann man keine Nerven aus Stahl haben, weil das eben nicht der Realität entspricht.

Doch kann man solche Phraseologismen auf keinem Fall unbeachtet lassen nur deswegen, weil sie den wenigen klassenbildenden Kriterien der traditionellen Phraseologieforschung nicht entsprechen. Dazu bietet Dobrovol’skij (id. 22) semantische Ambiguität als das potenzielle klassenbildende Kriterium an, denn das kann die Phraseologismen, deren wörtliche Lesart als sehr unwahrscheinlich erscheint, identifizieren und erklären.

Für die Bildung von Phraseologismen sind kognitive Prozesse verantwortlich, denn oft kann man manche Phraseologismen keiner Struktur oder Klassifikation unterordnen.

Der Standpunkt der kognitiven Linguistik überschneidet sich mit dem der Psycholinguistik, was den phraseologischen Prozess angeht. Beide gehen davon aus, dass der Bildungsprozess von Phraseologismen eng mit tiefen mentalen Prozessen verbunden ist und es wäre einfach nicht genug, diesen Prozess nur auf strukturelle Ebene zu reduzieren.

Empirischer Teil

3 Phraseologismenkategorisierung

Neben der Festlegung phraseologischer Merkmale stellen auch die verschiedenen Klassifikationsversuche bei Phraseologismen ein Problem dar. Das liegt an der Komplexität der Phraseologismen als sprachliche Zeichen. Die Klassifikationskriterien stoßen ständig an Grenzen und Ausnahmen.

Die spanischen Phraseologismen werden den italienischen im Korpus gegenübergestellt und auf Ähnlichkeiten und Unterschiede untersucht. Die Bedeutungserklärung von untersuchten Phraseologismen trägt dazu bei, die Phraseologismen genauer zu kategorisieren. Dabei werden im Korpus Haupt- und Nebenkategorien und seltene Kategorien hervorgehoben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein tausend spanische und ein tausend italienische Phraseologismen werden anhand solcher Kriterien wie festen Eigenschaften und Merkmalen von Personen und Sachen ausgewählt und in Kategorien eingeteilt. Die Phraseologismen werden in beiden Sprachen äquivalent dargestellt. Das Korpus baut auf dem unilateralen Prinzip auf, nur in eine Richtung: vom Spanischen ins Italienische, wobei jedem spanischen Phraseologismus ein italienischer entspricht.

Um die Interferenzen von semantischen, syntaktischen und idiomatischen Strukturen zu vermeiden, wurde bei der Erstellung des Korpus mit Synonymen gearbeitet. Das geschieht nur in den Fällen, in denen im Spanischen Synonyme vorkommen, die ins Italienische nur mit dem gleichen bzw. dem wiederholten Phraseologismus übersetzt werden können. In diesen Fällen kommt der spanische Phraseologismus nur einmal in seiner syntaktischen Form vor und der italienische kann sich wiederholen, was natürlich das Korpus nicht umdrehen kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 102 Seiten

Details

Titel
Korpusbasierte kontrastive Analyse von spanischen und italienischen Phraseologismen
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Romanische Sprach- und Literaturwissenschaften
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
102
Katalognummer
V207407
ISBN (eBook)
9783656346876
ISBN (Buch)
9783656348900
Dateigröße
6151 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Korpuslinguistik, Phraseologie, Idiomatik
Arbeit zitieren
Marina Balybina (Autor), 2010, Korpusbasierte kontrastive Analyse von spanischen und italienischen Phraseologismen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207407

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Korpusbasierte kontrastive Analyse von spanischen und italienischen Phraseologismen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden