Die Beziehung und Trennung von Christentum und Judentum bei Justin: Interreligiöser oder intrareligiöser Dialog?


Hausarbeit, 2012
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Christentum und Judentum im 2. Jahrhundert

3. Justin

4. Die Schrift „Der Dialog mit dem Juden Tryphon“

5. Die Beziehung und Trennung von Christentum und Judentum bei Justin: Interreligiöser oder intrareligiöser Dialog?

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1 Quellen:
7.2 Literatur:

1. Einleitung

Das Christentum war im 2. Jahrhundert n. Chr. noch nicht so etabliert, wie es beispielsweise heutzutage der Fall ist. Die Christen befanden sich in einem Prozess der Selbstfindung, wozu auch und vor allem die Auseinandersetzung mit dem jüdischem Glauben zählte. Anfangs wurde der christliche Glaube als eine jüdische Sekte angesehen, die Entwicklung zeigt jedoch, dass das Christentum sich als eigenständige Religion verstand und sich immer mehr von seinen jüdischen Wurzeln entfremdete, ohne sie jemals ganz zu verlieren. Innerhalb dieser Arbeit soll die Frage beantwortet werden, wie die Beziehung und Trennung zwischen Judentum und Christentum in Justins Apologie „Dialog mit dem Juden Tryphon“ anhand der Kapitel 8,3-43,2 dargestellt wird. Die Fragestellung wird um die Frage erweitert, ob es sich um einen inter- oder intrareligiösen Dialog handelt. Dabei wird zuerst die Situation des Christentums im 2. Jahrhundert skizziert, vor allem auch im Hinblick auf die Stellung zum Judentum. Weiterhin wird die Person Justin charakterisiert, um seine Beweggründe für diese Schrift darzulegen, aber auch, um seinen Weg zum Christentum zu zeigen. Daraufhin wird der „Dialog mit dem Juden Tryphon“ dargestellt, zum Einen bezüglich seines Inhaltes, zum Anderen bezüglich der äußeren Quellenkritik. Daraufhin werden die Ergebnisse zusammengefasst und bezüglich der Fragestellung analysiert. Schließlich wird im Fazit die eingangs gestellte Frage beantwortet.

2. Das Christentum und Judentum im 2. Jahrhundert

Jesus ist die bedeutendste Person, wenn es um die Beziehungen zwischen Judentum und Christentum geht. Jesus war keineswegs mit der Mission ausgezogen, eine neue Religion zu gründen, sondern mit der Absicht das Judentum zu reformieren. Er stellte sich gegen die von Eliten geführte Religionsform und wollte eine egalitäre Struktur innerhalb des Judentums schaffen. Er zeigte sich offen gegenüber jedem, der sich für die neue Religionsform interessierte und schloss niemanden aus. Gleichzeitig verließ er nie Palästina, was darauf hindeutet, dass seine Botschaft primär dem jüdischen Volk dienen sollte.[1]

Das Christentum war demnach genuin als eine eigene Religion gedacht, was dazu führte, dass die Trennung von Judentum und Christentum keineswegs eine Sache war, die schnell ablief, sondern ein Prozess, der sich erst langsam heraus kristallisieren musste. Die ersten Christen waren zu einem sehr großen Teil Judenchristen, es handelte sich hierbei um Juden, die Christus folgten, aber an ihren jüdischen Geboten festhielten. Neben den Judenchristen etablierten sich auch früh die Heidenchristen, die aus einem heidnischen Glauben heraus konvertierten.[2] Gleichzeitig muss deutlich gemacht werden, dass das Judentum zu der Zeit Christi und danach keineswegs klar strukturiert war, sondern in verschiedene religiöse und politische Gruppierungen unterteilt war. Das frühe Judentum zeigte nur wenig Interesse am Christentum, dieses sah den neuen Glauben an Jesus Christus als eine Abspaltung des Judentums, wie sie zu dieser Zeit normal waren. Mit zunehmendem Wachstum der Christen verkehrte sich das Ignorieren jedoch in eine Missbilligung, wie sie ab dem Jahre 70 in einer Ergänzung des Schema Israel,[3] dem sogenannten Baraita [4] zu finden sein könnten.[5] Bereits hier wird deutlich, dass die Trennung zwischen Judentum und Christentum eine Problematik in sich birgt, die nicht leicht zu beantworten ist. Für die Juden waren die Christen anfangs eine Sekte, die sich gegen ihren Glauben gestellt hatten und einer Irrlehre folgten,[6] später war für die Juden klar, dass das von Heidenchristen dominierte Christentum nichts mehr mit dem Judentum zu tun hat und sich klar von dieser Glaubensform abgrenzte.[7] Die „Christen“[8] selbst sahen sich anfangs als Teil des Judentums, jedoch wurde diese Sicht gegen Endes des 1. Jahrhunderts zunehmend obsolet, sodass das Christentum langsam aus dem Schatten des Judentums heraus trat.[9]

[...]


[1] Daniel Marguerat: Art. Einleitung: Jesus von Nazaret, in: Luce Pietri (Hg.): Die Geschichte des Christentums. Religion, Politik, Kultur. Altertum. Die Zeit des Anfangs (bis 250), Band 1, Freiburg im Breisgau 2005, S. 35f.

[2] Karen Piepenbrink: Antike und Christentum, Darmstadt 22010, S. 1f, im Folgenden zitiert als: Piepenbrink: Antike.

[3] Diese Ergänzung lautet nach der Übersetzung von F. Vouga: „Und die Nôserîm n die Mînîm mögen augenblicklich vergehen, getilgt werden aus dem Buche des Lebens und nicht mit den Gerechten verzeichnet werden“. Gleichzeitig stellt F. Vouga die Kontroverse dar, inwiefern diese, durch die von den Rabbinern durchgeführten Neuordnung, sich explizit nur auf die Christen beschränkt und nicht allgemein auf Häretiker. Weiterhin wurde dieser Zusatz nicht überall gebetet, sondern nur dort, wo es Juden „nötig“ erschien, ab dem 2. Jahrhundert fühlten sich Christen davon angegriffen, wie es in Justins „Dialog mit dem Juden Tryphon“ aufgegriffen wird, vgl. F. Vouga: Geschichte des frühen Christentums, Tübingen 1994, S. 167-171 und Justin: Dialog mit dem Juden Tryphon, 16,4; 17,1).

[4] Daniel Marguerat: Art. Juden und Christen: Die Trennung, in: Luce Pietri (Hg.): Die Geschichte des Christentums. Religion, Politik, Kultur. Altertum. Die Zeit des Anfangs (bis 250), Band 1, Freiburg im Breisgau 2005, S. 216, im Folgenden zitiert als: Marguerat: Trennung.

[5] Friedhelm Winkelmann: Geschichte des frühen Christentums, München 1996, S. 34ff, im Folgenden zitiert als: Winkelmann: Geschichte.

[6] Marguerat: Trennung, S. 189.

[7] Piepenbrink: Antike, S. 2.

[8] Der Begriff des „Christen“ kam zum ersten Mal bei Ignatius von Antiochia belegt, wo er als Eigenbezeichnung dient, um sich von den Juden abzugrenzen, vgl.: Frank R. Trombley: Art. Christentum. B1. Kulturelle Adaption, in: DNP Online, Brill 2012, Brill Online.

[9] Genau zu beantworten ist die Frage nach der Selbstsicht der Christen bezüglich der Juden nicht, da es sich nicht um eine spontane Entwicklung handelt, sondern um einen langwierigen Prozess. Gleichzeitig gibt es verschiedene Perspektiven, die berücksichtigt werden müssen innerhalb der verschiedenen Strömungen von Judentum und Christentum. Innerhalb des Christentums war es zu anfangs klar, dass sie selbst dem Judentum zugehörig seien, während sich ab etwa dem Jahre 70 die christliche Identität zu festigen begann und sich vom seinem Ursprung, dem Judentum, abspaltete, vgl. hierzu: Marguerat: Trennung, S. 203-205.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Beziehung und Trennung von Christentum und Judentum bei Justin: Interreligiöser oder intrareligiöser Dialog?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V207422
ISBN (eBook)
9783656345770
ISBN (Buch)
9783656346739
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christentum, Judentum
Arbeit zitieren
Christoph Kohls (Autor), 2012, Die Beziehung und Trennung von Christentum und Judentum bei Justin: Interreligiöser oder intrareligiöser Dialog?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207422

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