Die Syro-Aramäische Lesart des Koran

Zu den Thesen und Arbeitsmethoden Christoph Luxenbergs


Hausarbeit, 2011
20 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Zur Person Christoph Luxenberg

3. Das Buch „Die syro-aramäische Lesart des Koran“
3.1 Selbstverständnis und Arbeitsmethoden
3.2 Beispiele für abgeänderte Lesarten
3.2.1 Die Arabische Bezeichnung für den Koran
3.2.2 Jungfrauen oder Trauben?
3.3 Reaktionen auf das Buch Luxenbergs

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis
5.1 Sekundärliteratur
5.2 Quellen

Anhang: Übersetzung eines Ausschnitts aus dem Tafsīr aṭ-Ṭabarī

1. Einleitung

Mit Christoph Luxenbergs umstrittenem Buch „Die syro-aramäische Lesart des Koran“ behandelt die vorliegende Hausarbeit das derzeit wohl bekannteste Buch zum Koran bzw. der Sprache des heiligen Buches der Muslime.

Hierbei werde ich folgenden Fragen nachgehen: Welche Methoden wendet Luxenberg an, um den von ihm untersuchten Koranstellen einen logischeren Sinn zu geben? Sowie: Sind Luxenbergs Ausführungen wirklich nachvollziehbar und verifizierbar?

Ich greife dabei v.a. auf die englische Übersetzung des Buches von Luxenberg zurück, das 2007 erschien und hauptsächlich auf der deutschen Version von 2003 basiert. Zudem habe ich mich bemüht, möglichst aktuelle Reaktionen der Islamwissenschaft auf Luxenbergs Thesen zu Rate zu ziehen, um den aktuellen Forschungsstand in dieser Debatte wiedergeben zu können.

Ehe es hier jedoch um die Thesen des Autors geht, werden auch Informationen zur Person geliefert. Das Kernstück der Arbeit bilden aber freilich die Untersuchungen Luxenbergs, die ich an zwei Beispielen zu verdeutlichen Versuche. Dabei greife ich nicht nur auf das recht populäre Beispiel mit den Weintrauben und den Jungfrauen im Paradies zurück, sondern stelle auch Luxenbergs Thesen zur Herkunft des Wortes qur’ān und seinen daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen dar.

Weiterhin halte ich es für notwendig, in einem weiteren Kapitel auf die Reaktionen, die Luxenberg mit seinem Buch ausgelöst hat, einzugehen. Natürlich beachte ich dabei vor allem die Fachwelt, doch aufgrund der Reichweite der im Buch aufgeführten Thesen und dem Fakt, dass Luxenberg seine Forschung über die Grenzen der Islamwissenschaft hinaus bekannt gemacht hat, habe ich auch auf Reaktionen außerhalb der Islamwissenschaft zurückgegriffen.

Abschließend habe ich meine Übersetzung aus dem Korankommentar des aṭ-Ṭabarī beigefügt. Übersetzt habe ich eine der Erklärungen des berühmten Gelehrten zu einer Koranstelle, in der es u.a. ums Paradies geht.

2. Zur Person Christoph Luxenberg

Der Autor des dieser Arbeit zugrunde liegenden Buches schreibt unter dem Namen Christoph Luxenberg. Die Identität des Autors ist allerdings – obschon er sich bei

Vorträgen in der Öffentlichkeit zeigte – außer Teilen der Fachwelt unbekannt. Er bevorzugt es, unter dem Pseudonym Christoph Luxenberg zu schreiben. Nach eigenen Aussagen wählte er dieses Pseudonym nicht etwa aus Angst vor einer Verurteilung durch eine Fatwa, sondern viel mehr weil „jede wissenschaftliche Textkritik am Koran gleichzeitig eine Kritik an der in islamischen Ländern verwendeten politischen Sprache“ sei. Dies sei laut Luxenberg so, da sich insbesondere „Ideologien des politischen Islam aus Koranzitaten speisen“.[1]

Des Weiteren gab Luxenberg in einem Interview mit der „Zeit“ an, er würde auch auf Rat von arabischen Freunden seine Identität geheim halten.[2]

Ob aus diesen oder auch anderen Gründen; die Identität Luxenbergs ist der breiten Öffentlichkeit bisher unbekannt geblieben, was den Autor nicht nur für die Presse interessanter macht, sondern auch für erhebliche Spekulationen über seine Herkunft oder Kompetenz bezüglich semitischer Sprachen sorgt. In vielen Medien wird er als deutscher Semitist bezeichnet.[3],[4]

Auch in der wissenschaftlichen Fachwelt gibt sein Pseudonym in Verbindung mit seinen Thesen Anlass zu Theorien über den Autor. So äußerste sich der Arabist und Islamwissenschaftler Hans Jansen (Professor an der renommierten Universität von Leiden) zu Luxenberg dahingehend, dass er ein libanesischer Christ sei, da seine mangelhaften Arabischausführungen typisch für einen Sprecher der libanesischen Umgangssprache seien.[5]

3. Das Buch „Die syro-aramäische Lesart des Koran“

3.1 Selbstverständnis und Arbeitsmethoden

Luxenberg stellt seinem Buch klar voran, dass er mit seiner Studie nicht behaupten könne, alle Rätsel der Koransprache lösen zu können, sondern vielmehr möchte er den

Anstoß zur Diskussion über Methoden der Koraninterpretation geben.[6]

Vorab muss noch der Begriff „syro-aramäisch“ geklärt werden: Luxenberg meint damit die im Deutschen so missverständlich als „Syrisch“ bezeichnete Sprache. Das Englisch kennt – auch wenn der Übersetzer des Buches von Luxenberg „Syro- Aramaic“ übersetzt – als Begriff für diese Sprache „Syriac“, um „Syrisch“ von „Syrisch-Arabisch“ (also „Syrian(-Arabic)“) unterscheiden zu können. Jedenfalls handelt es sich beim Syro-Aramäischen um einen Zweig der aramäischen Sprache, der ursprünglich in Edessa und angrenzenden Gebieten in Nordwest-Mesopotamien gesprochen wurde und als Schriftsprache in weiten Teilen des Nahen Ostens bis zur Ausbreitung des Arabischen zu Beginn des 7. Jhdt. vorherrschte.[7]

Die Araber nutzten Syro-Aramäisch im Schriftverkehr, da Arabisch im 7. Jhdt. nur eine gesprochene Sprache war.[8] Die frühe Form des arabischen Schriftbildes legt laut Luxenberg zudem nahe, dass die syro-aramäische Kursivschrift der arabischen Schrift als Vorbild diente.[9]

Zudem war das Syro-Aramäische auch als Liturgiesprache der syrischen Christen sehr bedeutend. Daher kam es auch zu Transferierungen von v.a. religionsspezifischen Begriffen vom Syro-Aramäischen ins Arabische, was seinen Niederschlag auch in der Koransprache erfuhr.[10]

Sich mit syro-aramäischen Lehnworten im Kontext des Korans zu befassen, ist schon Wissenschaftlern vor Christoph Luxenberg in den Sinn gekommen. Luxenberg übt daher auch deutliche Kritik an der Forschung, weil z.B. das Buch des ostsyrischen Gelehrten Alfons Mingana (1927 erschienen), keine große Beachtung fand. Mingana untersuchte in seiner Studie die Koransprache auf arabische Dialektworte (spezielle solche aus dem Dialekt der Gegend von Mekka und Medina) und syrisch-aramäische Lehnworte und ihre ursprüngliche Bedeutung. Mingana kam zu dem Schluss, dass ca. 70% der Lehnworte im Koran (ob nun Eigennamen, religiöse Termini oder auch

Erscheinungen wie Orthographie und Satzkonstruktionen) syro-aramäischen Ursprungs sind. Dieser Ansatz Minganas wurde jedoch von der Forschung nicht mehr weiterbetrieben, weswegen Luxenberg kritisiert, dass man mit der kritischen Koranforschung heute viel weiter sein könnte.[11]

Luxenbergs Ziel ist es nun, für „dunkle“ (d.h. unklare) Stellen im Koran – besonders solche, die auch von großen Korankommentatoren wie aṭ-Ṭabarī als nicht eindeutig gedeutet wurden – unter Beachtung des jeweiligen Kontextes eine sinnvollere Bedeutung durch bis zu acht Arbeitsschritte zu finden. Diese Arbeitsmethoden laufen wie folgt ab: Zuerst schlägt Luxenberg im Korankommentar des aṭ-Ṭabarī nach, ob dieser nicht noch eine alternative Lesart angibt. Luxenberg erhofft sich dabei, dass die arabische Tradition noch die Erinnerung an einen früheren, passenderen aramäischen Ausdruck beibehalten hat.[12]

Führt das zu keinem Ergebnis, sieht Luxenberg im Lisān al-cArab nach einer weiteren Bedeutung des fraglichen Koranbegriffes nach.[13]

Dann kann ein dritter Schritt folgen, von dem Luxenberg behauptet, er würde besonders häufig zu sinnvolleren und logischeren Lesarten im Korantext führen: es wird nach Homonymen im Syro-Aramäischen gesucht, die in Arabisch gleich klingen aber eine andere Bedeutung haben. Beide Homonyme müssen dabei im gleichen Kontext vorkommen können.[14]

Wenn dieser Schritt ebenfalls nicht zum besseren Verständnis der „dunklen“ Stelle beigetragen hat, befreit Luxenberg den arabischen Schriftzug von allen (ohnehin erst nachträglich) gesetzten diakritischen Punkten und setzt diese diakritischen Punkte einfach anders.[15]

Fünftens könne man dann laut Luxenberg auch aus dem arabischen Konsonantenschriftzug ohne die besagten Punkte versuchen, eine syro-aramäische Wurzel herauszulesen.[16]

[...]


[1] Briefs, in: Deutsche Welle (26.08.20003).

[2] Lau, in: Die Zeit (15.05.2004).

[3] Ebd.

[4] Lerch, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (13.11.2002).

[5] Blois 2003, Review of "Christoph Luxenberg", S. 92-97.

[6] Luxenberg 2007, S. 9-10.

[7] Ebd., S. 9.

[8] Luxenberg stützt sich hierbei auf Nöldecke u.a. : Luxenberg 2007, S. 10-11.

[9] Luxenberg 2007, S. 30.

[10] Ebd., S. 11.

[11] Luxenberg 2007, S. 16-18

[12] Ebd. S. 25.

[13] Ebd.

[14] Ebd., S. 26.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Syro-Aramäische Lesart des Koran
Untertitel
Zu den Thesen und Arbeitsmethoden Christoph Luxenbergs
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Orientalisches Institut)
Veranstaltung
Seminar Koran und Prophetenbiographie
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V207427
ISBN (eBook)
9783656345756
ISBN (Buch)
9783656346456
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
syro-aramäische, lesart, koran, thesen, arbeitsmethoden, christoph, luxenbergs
Arbeit zitieren
Göran Janson (Autor), 2011, Die Syro-Aramäische Lesart des Koran, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207427

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