Die Funktion von Konflikten in ehelichen Beziehungen

Aus der Perspektive von Simmels Konflikttheorie


Hausarbeit, 2004

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Problemformulierung
1.1 Themenwahl und kurzer Überblick über die Arbeit

Hauptteil

2. Was ist das Besondere an einer Zweierbeziehung

wie der Ehe?

3. Wieso kommt es bei vertrauten Menschen zu Konflikten?

4. Funktionen eines Konflikts für die Ehe

Schlussteil

5. Zusammenfassung und kritische Reflexion

Literatur

1. Problemformulierung

1.1 Themenwahl und kurzer Überblick über die Arbeit

In dieser Arbeit möchte ich das Thema „Die Funktion von Konflikten in ehelichen Beziehungen aus der Perspektive von Simmels Konflikttheorie“ bearbeiten.

In erster Linie wollte ich mich näher mit den verschiedenen Aspekten eines Konfliktes, besonders in Bezug auf die Ehe, beschäftigen.

Bei der Literaturrecherche bin ich auf Georg Simmel (1858-1918) gestoßen, denn „jede soziologische Beschäftigung mit dem sozialen Konflikt, das heisst mit dem Konflikt innerhalb gesellschaftlicher Beziehungen, greift auf Simmel zurück.“[1]. Dadurch konnte ich zusätzlich Wissen über einen bedeutenden Soziologen erlangen und Simmels Aussage, dass „die Konfliktaustragung zur Identitätsbestimmung beiträgt“, genauer beleuchten.

Besonders in seinem Essay „Der Streit“ von 1908 beschäftigt er sich mit den sozialen Konflikten. Für Simmel hat der Streit nicht nur eine zerstörende Wirkung, sondern auch eine vergesellschaftende[2].

In der vorliegenden Arbeit möchte ich als Erstes die Besonderheiten einer Zweierbeziehung beschreiben und werde dann versuchen die Frage, wieso es gerade bei vertrauten Menschen zu Konflikten kommt, zu beantworten. Später werde ich dann den Konflikt- und Ehebegriff aus Sicht von Georg Simmel erläutern, wobei ich mich überwiegend auf Aufsätze aus dem Gesamtband „Soziologie“[3] beziehe. Im nächsten Teil beschäftige ich mich dann mit den Funktionen eines Konfliktes bzw. Streits, speziell für die Institution Ehe. Zum Schluss folgen eine kurze Zusammenfassung und eine kritische Reflexion.

2. Was ist das Besondere an einer Zweierbeziehung wie der Ehe?

Im Folgenden werde ich die Aussagen Simmels in seinem Aufsatz „Die Gesellschaft zu zweien“[4] zu diesem Aspekt näher betrachten und versuchen zu analysieren.

Als Ausgangspunkt seiner Betrachtungen zu den Zweierbeziehungen, weist Simmel darauf hin, dass das Wesen des Menschen durch andere Menschen bestimmt und geprägt wird. Um eine Entwicklung zu erleben, ist es notwendig, dass der Mensch mit anderen Menschen zusammentrifft.

Für Simmel zählen besonders die kleinen, „feineren, flüchtigeren“[5] Beziehungen im Leben. Dabei werden viele dieser Beziehungen ein Leben lang aufrechterhalten, andere sind nur von kurzer Dauer und wieder andere sind in ihrem Bestehen sehr wechselhaft.

Laut Simmel binden sich Menschen durch bestimmte gemeinsam erlebte Ereignisse und Erfahrungen aneinander. Ein sehr bedeutendes Merkmal für Beziehungen ist, dass die Partner Geheimnisse miteinander teilen. Die Bewahrung von Geheimnissen sei am besten in Zweierbeziehungen möglich, denn hier bestehe im Verhältnis zu anderen Gruppen mit mehreren Teilnehmern eine „höhere Einheit“[6].

„Das Sozialgebilde ruht unmittelbar auf dem einen und auf dem andern.“[7], dies ist ein weiteres Merkmal von Beziehungen zwischen zwei Menschen. Sobald einer dieses Gebilde verlässt, zerbricht es. So entsteht zwischen den beiden Teilnehmern einer Zweierbeziehung eine besondere Verpflichtung bzw. Abhängigkeit.

Bei einer Gruppe mit mehreren Teilnehmern ist es für den Weiterbestand der Gruppe nicht wichtig, ob ein Mitglied austritt oder nicht. Ab einer Mitgliederzahl von drei Leuten, würde die Gruppe weiterhin bestehen bleiben, wenn eine Person diese verlässt, denn „jede vielgliedrige Gruppe kann ihrer Idee nach unsterblich sein…“[8].

Laut Simmel ist das Vorhandensein von Gleichartigkeit das, was die Zweierbeziehung ausmacht. Gerade in diesen Beziehungen sind „gleiche Inhalte, Situationen, Erregungen innerhalb des Verhältnis selbst…“[9] bedeutend. Dennoch muss man aufpassen, dass die Gemeinsamkeiten nicht die Beziehung zerstören. Denn Simmel sagt, dass in „Verhältnissen zu zweien, der Liebe, der Ehe, der Freundschaft…“[10] die Gefahr besteht, dass „der Ton der Trivialität oft zur Verzweiflung und zum Verhängnis wird…“[11].

Ich denke, er meint damit, dass es zwischen manchen Personen in Beziehungen einen immer gleich bleibenden Ablauf gibt. Durch diese Routine werden meist nicht nur wichtige Dinge banalisiert, sondern das Paar erlebt auch nichts Neues mehr. Dadurch droht die Beziehung langweilig und uninteressant zu werden.

Beispielsweise berichten geschiedene Ehepaare oft, dass ihre Ehe keinen Reiz mehr hatte, der Alltag Überhand genommen und der Beziehung zwischen beiden geschadet hat.

Als Lösung für dieses Problem sieht Simmel die „Forderung eines individuellen Wertes“[12]. Das bedeutet, dass Paare darauf achten sollten, dass ihre Beziehung etwas Individuelles, was nur die beiden Partner betrifft, erhalte. Ihre Partnerschaft sollten sie möglichst abwechslungsreich gestalten. Dabei ist es wichtig, dass die Partner auf die Gefühle und Bedürfnisse des Anderen eingehen.

Das Spannende und Interessante müsse auch im Alltag aufrechterhalten werden, um somit die Lebendigkeit der Beziehung zu erreichen.

Die Partnerschaft dürfe nicht an einem Punkt stehen bleiben, sondern es müsse eine Entwicklung erkennbar sein. Denn gerade das Individuelle in einer Beziehung macht laut Simmel ihren Wert aus. Als einen weiteren wichtigen und für eine gute Basis notwendigen Punkt in einer Zweierbeziehung sieht er den intimen Umgang miteinander.

Wie schon erwähnt teilen die Partner Geheimnisse und möchten sicher gehen, dass diese kein Anderer erfährt. Aber als Intimität zählt für Simmel vor allem, dass die Teilnehmer einer Zweierbeziehung bestimmte Dinge „nur diesem einzigen anderen und niemand sonst gibt oder zeigt“[13]. Simmel gesteht zwar ein, dass ein Mensch einige Dinge auch noch mit Anderen, als mit dem Partner, teilt, dennoch erscheint es ihm außerordentlich wichtig, dass „das ganz Spezifische ihrer Inhalte, das ihre Teilnehmer nur miteinander, aber mit niemand außerhalb dieser Gemeinschaft teilen, zum Zentrum und zur eigentlichen Erfüllung dieser Gemeinschaft“[14] wird.

3. Wieso kommt bei vertrauten Menschen zu Konflikten?

Normalerweise könnte man glauben, dass zwischen einander vertrauten Menschen keine Konflikte auftreten, weil sie sich gut kennen und wissen, wie sie miteinander umgehen müssen, damit Auseinandersetzungen möglichst nicht auftreten.

Dennoch habe ich folgende Aussage bei Simmel entdeckt:

„Menschen, die viel Gemeinsames haben, tun sich oft schlimmeres, ungerechteres Unrecht als ganz Fremde.“[15]

Dies begründet er damit, dass bei vertrauten Menschen sehr viele Gemeinsamkeiten vorliegen und das manchmal eine kleine Differenz zwischen den Beziehungspartnern, wie die Diskussion über das abendliche Fernsehprogramm, ausreicht, um einen Konflikt auszulösen.

Weiterhin sagt er, dass Fremde auf Konflikte mit einer anderen fremden Person vorbereitet sind. Wenn wir einen uns unbekannten Menschen treffen, dann wissen wir, dass es zu Meinungsverschiedenheiten kommen kann.

[...]


[1] Bonacker, Thorsten. Konflikttheorien, Bd. 2. Opladen: Leske und Budrich, 1996, S. 55

[2] Der Begriff „Vergesellschaftung“ ist im Gliederungspunkt 4 erklärt.

[3] Simmel, Georg. Gesamtausgabe II Soziologie. Hg. Otthein Rammstedt. Frankfurt

am Main. Suhrkamp, 1992

[4] Simmel, Georg. Die Gesellschaft zu zweien, 1908

[5] ebd.

[6] ebd.

[7] ebd.

[8] vgl. ebd.

[9] vgl. ebd.

[10] vgl. ebd.

[11] vgl. ebd.

[12] vgl. ebd.

[13] vgl. ebd.

[14] vgl. ebd.

[15] Simmel, Georg. Gesamtausgabe II Soziologie. Hg. Otthein Rammstedt. Frankfurt am

Main. Suhrkamp, 1992, S. 312 Main. Suhrkamp, 1992, S. 312

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Funktion von Konflikten in ehelichen Beziehungen
Untertitel
Aus der Perspektive von Simmels Konflikttheorie
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Autor
Jahr
2004
Seiten
15
Katalognummer
V207501
ISBN (eBook)
9783656348528
ISBN (Buch)
9783656350057
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Georg Simmel, Ehe, Konflikte, Beziehungen, Konflikttheorie, Funktion von Konflikten
Arbeit zitieren
Dipl. Sozialwiss. Kathrin Puhl (Autor:in), 2004, Die Funktion von Konflikten in ehelichen Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207501

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