Alte und neue Medien in der Wissensgesellschaft – Ein Vergleich


Hausarbeit, 2012

26 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Medien
1.1 Begriffsbestimmungen, Funktionen und Klassifizierung

2. Alte und neue Medien
2.1 Unterscheidung aus pädagogischer Perspektive
2.2 Leben in der Wissensgesellschaft – Bedeutung für den Umgang mit alten und neuen Medien
2.3 Lernen mit neuen Medien in institutionellen Kontexten
2.3.1 Schule und neue Medien
2.3.2 eLearning in der Berufsbildung

3. Fazit und Ausblick

Literatur-/Quellenverzeichnis

Eidesstattliche Versicherung.

Einleitung

„In unserem Bildungswesen wurden und werden immer verschiedene Medien integriert und für Lehr- und Lernzwecke genutzt. Prominente Beispiele sind hier etwa Bücher, vor und nach Einführung des Buchdrucks, das Bildungsfernsehen, Tageslichtprojektoren oder eben Computertechnologien“ (Zumbach 2010, S. 11). Während noch Ende des 19. Jahrhunderts „unter den sich (…) weiter ausdifferenzierenden Bildungs- und Erziehungsmöglichkeiten (…) Bücher, Zeitungen und Filme eine zunehmend bedeutende Rolle (spielten)“ (Büchter 2007, S. 135) und sich beispielsweise in der betrieblichen Bildung der Großindustrie bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hinein eine rasante Entwicklung der drei Medienbereiche ‚Werkbibliothek‘, ‚Werkzeitung‘ und ‚Werkfilm‘ bzw. ‚Industriefilm‘ – als „industrielle Reaktion auf die Innovationsbeschleunigung in der Medienentwicklung im Kaiserreich“ (ebd.) – belegen lässt (vgl. ebd.), „hat der kompetente Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien“ (Eickelmann 2010, S. 11) mit dem gesellschaftlichen Wandel von einer Industrie- hin zu einer Informations- und Dienstleistungsgesellschaft (vgl. Friedrich/Mandl, 1997, S. 237 ff.) – manche Autorengruppen sprechen darüber hinaus von einem Wandel der Informations- zur Wissensgesellschaft (vgl. Jörissen/Marotzki, 2009, S. 27; vgl. Kubicek et al., 1998) – den „Stellenwert einer Kulturtechnik erlangt“ (Eickelmann 2010, S. 11; vgl. Enquete-Kommission, 2007); die Bedeutung der neuen Medien – auch und vor allem für das Bildungswesen – steigt kontinuierlich: „Die Technologien stehen zur Verfügung und werden genutzt; die Verbreitung von Informationen über Datennetze erfolgt mit einer Geschwindigkeit, die vor etwa 20 Jahren noch nahezu undenkbar schien“ (Zumbach 2010, S. 11). Nach dem Bildungsbericht 2008 für Deutschland, der den digitalen Medien eine Schlüsselrolle für die Weiterbildungsteilhabe in Form informellen beruflichen Lernens zukommen lässt (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2008), wurden beispielsweise computergestützte Anwendungen zum Erhalt und zur Erweiterung beruflicher Kompetenzen (z.B. Selbstlernprogramme oder internetbasierte Angebote) im Jahr 2007 doppelt so oft genutzt als 2003 (vgl. ebd., S. 146). Die Anfänge der „neuen“ Lernwelt liegen mit dem Aufkommen von Lernmaschinen und Computern im Unterricht bereits in den 1960er und 1970er Jahren. Nach Flechsig (1970, S. 244) sollten „Lehrtechniken, deren aktueller Vollzug in den traditionellen Unterrichtssystemen an die physische Anwesenheit eines menschlichen Lehrers gebunden ist, von eben dieser physischen Präsenz abgelöst, objektiviert und einem Medium übertragen werden“; der Gedanke, dass Technologie nicht nur Lernende ersetzen, sondern das Lernen insgesamt effizienter machen kann, ist bis heute präsent, aber auch umstritten (vgl. Issing/Klimsa, 2009, S. 13). In den 1980er Jahren wurden Medien im Unterricht zwar vielfach genutzt, jedoch wissenschaftlich kaum reflektiert, sodass der Diskurs erst Anfang der 90er Jahre durch die Entwicklung neuer Konzepte des Lehrens und Lernens mit Hilfe digitaler Medien und mit Personalcomputern nachdrücklich belebt wurde (vgl. ebd.). Es „zeigte sich, dass digitale Medien neue, kreative Lernszenarien ermöglichen und damit situatives, authentisches und problembezogenes Lernen fördern können“ (ebd.). Mitte der 1990er Jahre entwickelte sich das Internet bzw. der Dienst „World Wide Web“ so rasant, dass „das Internet zu einer treibenden Kraft für Innovationen in allen Bereichen des Lehrens und Lernens (wurde)“ (ebd.). Im Zuge dieser Entwicklung etablierte sich seit Mitte der 1990er Jahre der Begriff „eLearning“, welcher bis heute in der Fachdiskussion über die methodische Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien dominiert (vgl. Euler et al., 2006, S. 432; vgl. Kapitel 2.3.2 dieser Arbeit, S. 14 ff. ) Durch die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Initiativen „Neue Medien in der Bildung“, „Notebook-Universität“ und „Schulen ans Netz“[1] wurde eLearning bereits in vielen Bildungsbereichen verwirklicht (vgl. Issing/Klimsa, 2009, S. 14). Fakt ist, dass „digitale Medien als Grundlage der Produktion, des Einsatzes und der Distribution von Information und Kommunikation (…) an Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen mittlerweile zum Alltag (gehören)“ (ebd.). Medien und vor allem die neuen Medien sind in der Wissensgesellschaft zu einem festen Bestandteil des alltäglichen Lebens geworden. In diesem Kontext setzt sich die vorliegende Arbeit mit einem Vergleich alter und neuer Medien in der Wissensgesellschaft auseinander, wobei weniger die historische Entwicklung im Vordergrund stehen soll. Im ersten Teil wird der Begriff Medium klassifiziert und näher bestimmt, auch hinsichtlich seiner Funktionen (vgl. Kapitel 1; 1.1 dieser Arbeit), bevor im zweiten Teil der Vergleich klassischer und moderner Bildungsmedien dahingehend vorbereitet wird, als dass zunächst eine Differenzierung aus pädagogischer Sicht erfolgt (vgl. Kapitel 2.1). Der Tatsache geschuldet, dass die heutigen Entwicklungen der Medien, insbesondere der neuen Medien – wie im obigen Teil der Einleitung bereits angedeutet – alle Bereiche unseres individuellen und gesellschaftlichen Lebens in hohem Maße beeinflussen, soll der Fokus im Folgenden auf die neuen Medien gelegt werden, jedoch nicht ohne fortlaufend einen Vergleich mit „alten“ Medien heranzuziehen. So werden mit Blick auf die Herausforderungen und Anforderungen der Wissensgesellschaft und der damit verbunden „Wissensexplosion“ (Zumbach 2010, S. 12) die Grenzen traditioneller Medien aufgezeigt und die Potenziale der neuen Medien erörtert (vgl. Kapitel 2.2), bevor im Anschluss das Lernen mit neuen Medien im Hinblick auf Schule und Berufsbildung betrachtet werden soll (vgl. Kapitel 2.3; 2.3.1; 2.3.2). Schließlich wird unter Abwägung der Vor- und Nachteile alter und neuer Medien und unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Wandels hin zur Wissensgesellschaft (vgl. Jörissen/Marotzki, 2009, S. 27) ein Fazit gezogen und ein kurzer Ausblick bezüglich der Implementierung neuer Medien in schulische und berufsbildende Lehr-/Lernkontexte gegeben (vgl. Fazit und Ausblick).

1. Medien

1.1 Begriffsbestimmungen, Funktionen und Klassifizierung

„Medien werden als Mittler verstanden, durch die in kommunikativen Zusammenhängen potenzielle Zeichen mit technischer Unterstützung übertragen, gespeichert, wiedergegeben oder verarbeitet und in abbildhafter oder symbolischer Form präsentiert werden. Im Vorgang der Kommunikation werden potenziellen Zeichen Bedeutungen von den an der Kommunikation beteiligten Personen zugewiesen“ (Tulodziecki/Herzig 2002, S. 64). Zwar kann der Medienbegriff aufgrund einer Vielzahl verschiedener Auslegungen nicht eindeutig bzw. einheitlich definiert werden, jedoch dienen Medien häufig als Träger und/oder Vermittler von Informationen. Demnach ist ein Medium nicht nur von der Wortbedeutung her ein „Mittleres“ (Hoffmann 2002), sondern als funktionaler Begriff dahingehend zu verstehen, dass Medien Wissen oder Informationen – jedenfalls aber Daten – vermitteln (vgl. Hartmann, 2002, S. 1 f.[2] ). Auch nach Kron können Medien „mithin als Dinge, Instrumente und symbolische Ausdrucksformen angesehen werden, die zwischen Mensch und Welt etwas vermitteln“ (Kron 1994, S. 323). In ähnlicher Weise konstatieren Schwalbe und Meyer (2010, S. 30), dass dem Begriff Medium als das „Dazwischen“ die Funktion als Träger und Übermittler innewohnt. Der Begriff „Unterrichtsmedien“ bezeichnet hingegen Medien, die vor allem, jedoch nicht ausschließlich in (schulischen) Lehr-/Lernkontexten zum Einsatz kommen: „Unterrichtsmedien werden (…) als Medien betrachtet, die mit einem didaktischen Hintergrund entwickelt wurden, mit Konzepten für ihre Einbindung in den Lehr-/Lernprozess. Aber auch Medien – beispielsweise Tageszeitungen, Nachrichtensendungen oder auch Lexika – die nicht originär für den Unterricht bestimmt sind, können für ihn genutzt werden. Diese Verwendung ist durch didaktisch begründete Kriterien zur Auswahl, zur Einführung und zum Gebrauch durch Lehrer/-innen und Schüler/-innen zu legitimieren“ (Meschenmoser 2002, S. 73). Im Lehr-/Lernprozess kann ein Medium die Funktion der Wissensrepräsentation (Darstellung und Organisation von Wissen) oder Wissensvermittlung (Steuerung und Regelung des Lernprozesses), aber auch die Funktion eines Wissenswerkzeuges (Konstruktion und Kommunikation von Wissen) einnehmen (vgl. Kerres, 2001). Ist in dieser Arbeit von ‚neuen Medien‘ die Rede, so bezeichnen diese moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, die nach Norbert Lang durch insgesamt sechs Merkmale gekennzeichnet sind (vgl. Lang, 2003, S. 29). So sind sie in erster Linie computerbasiert (vgl. ebd.); der Computer gilt als das „zentrale Integrationselement“ (Stadtfeldt 2004, S. 36) der neuen Medien. Zweitens sind sie multimedial (vgl. Lang, 2003, S. 29), was eine „kombinierte und integrierte Darstellung, Speicherung und Verarbeitung unterschiedlicher digitaler Medientypen (Texte, Grafiken, Bilder, Filme und Animationen) in einem Mediensystem, dem Computer“ (Mader/Stöckl 1999, S. 81), bedeutet. Weiterhin sind neue Medien nach Lang durch Hyperstrukturierung und Interaktivität gekennzeichnet (vgl. Lang, 2003, S. 29). Zuletzt betont er den kommunikativen und multifunktionalen Charakter der neuen Medien (vgl. ebd.). In der heutigen wissenschaftlichen Fachdiskussion über die methodische Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien wird zunehmend von dem Begriff „eLearning“ gesprochen, der die Bezeichnung „Multimediales Lernen“ ersetzt hat (vgl. Euler et al., 2006, S. 432). Grundsätzlich können Medien, was eine Klassifizierung anbetrifft, nach ihrer Funktion und Komplexität in Primär- (körpernahe Ausdrucksmittel: „Menschmedien“), Sekundär- (Druckmedien), Tertiär- (Elektronische Medien) (vgl. Rüschoff/Schmitz, 1996, S. 13) und Quartärmedien (Digitale Medien) (vgl. Faulstich, 2004) unterschieden und den vier „sich ablösenden Medienepochen“ (Manski 2008, S. 70) zugeordnet werden, die zwar nicht immer eindeutig bzw. trennscharf sind, jedoch sei „dieses Vierstadienmodell (..) Konsens im wissenschaftlichen Diskurs“ (ebd.): Epoche der menschlichen Sprache, Epoche der Schrift, Epoche des Buchdrucks, Epoche der elektronischen/digitalen Medien (vgl. ebd.). In Bezug auf Kontexte, die Lehr-/Lernsituationen bzw. den Unterricht betreffen, kann man ebenfalls eine Differenzierung vornehmen, indem man die „didaktischen“ Medien (technische Hilfsmittel zur Verbesserung der Lehr-/Lernprozesse), welche den „publizistischen“ Medien (z.B. Massenmedien) konträr gegenüberstehen, in „klassische“ Medien (z.B. Sprache, Buch) und „neuere“ Medien (z.B. Fernsehen, Computer) klassifiziert (vgl. Wittpoth, 2001).

2. Alte und neue Medien

„Die neuen Medien verhalten sich zu den alten Medien wie der Buchdruck zur handschriftlichen Vervielfältigung von Texten im Mittelalter“ (Scherer 2002). Durch die Erfindung des Buchdrucks, ohne welche sowohl die Reformation als auch die Herausbildung einer öffentlichen Meinung als bedeutender Bestandteil der Massendemokratien undenkbar wären, wurde (das) Wissen der Welt verfügbar gemacht (vgl. Wolf/Peuke, 2003, S. 20). Während der Buchdruck „die Speerspitze der alten Medien, der Medien, die wenigen gehören, aber viele mit ihrer Botschaft erreichen“ (ebd.; vgl. Scherer 2002), darstelle, ermöglichten es die neuen Medien dagegen jedem – neben der Funktion als passiver Empfänger von Botschaften, die andere verbreiten – „sich einerseits Informationen aktiv anzueignen, im unerhörten Fundus des weltweiten Wissens zu stöbern und andererseits selbst als Sender aufzutreten, die eigene Sicht der Dinge hemmungslos und kaum gehindert nicht nur in der Speakers Corner im Hyde Park sondern in einem weltweit zugänglichen Medium zu verbreiten“ (Wolf/Peuke 2003, S.21; vgl. Scherer 2002). Nach Wolf und Peuke würde es einer Verkennung der wirklich innovativen Möglichkeiten der neuen Medien gleichkommen, Multimedia (vgl. Kapitel 1.1 dieser Arbeit, S. 6) lediglich als „technische Plattform“ (Wolf/Peuke 2003, S. 21) zu verstehen, „die das Sammelsurium alter Medien bedienerfreundlich vereinigt und Medienkompetenz auf die Fähigkeit zur Informationsbeschaffung reduziert“ (ebd.). Das „Neue an den neuen Medien“ (ebd., S. 22) sei „gerade ihr direktes Abzielen auf eine partizipativ angelegte Gesellschaft“ (ebd.), weshalb es bedenklich erscheine, dass dem demokratischen bzw. partizipativen Charakter der Medien in bildungspolitischen Veröffentlichungen vielfach keine Beachtung geschenkt und somit nicht Rechnung getragen wird (vgl. ebd.; vgl. z.B. Schröder 2000).

2.1 Unterscheidung aus pädagogischer Perspektive

Zwar wird in dieser Arbeit vielfach zwischen ‚alten‘ und ‚neuen‘ Medien unterschieden, aus pädagogischer Sicht ist diese Differenzierung jedoch weniger bedeutsam: So sollte bei allen (Bildungs-)Medien nicht das Medium selbst, sondern vielmehr die mit dem Medium verbundene Qualitätssteigerung im Vordergrund stehen (vgl. Henrichwark et al., 2002). Eine solche Erhöhung der Qualität drückt sich in der Berufsbildung beispielsweise in einem „effektiven Aufbau beruflicher Handlungskompetenzen in einzelnen Unterrichts- bzw. Ausbildungsbereichen“ (Euler et al. 2006, S. 433) aus, wobei zu klären sei, „ob über die Förderung von Sachkompetenzen hinaus auch andere Kompetenzdimensionen angesprochen werden sollen (z.B. Förderung der Selbstlern- oder Sozialkompetenzen)“ (ebd.). Grundsätzlich sind neue Medien, welche die traditionellen Bildungsmedien (z.B. Bilder, Bücher, Texte) nicht „ausgestochen“ haben, sondern vielmehr in Lehr-/Lernkontexte (z.B. schulischer Unterricht) integriert wurden und häufig eine ergänzende Funktion darstellen (vgl. Vollbrecht, 2000a), im Hinblick auf die Lehr-/Lerneffizienz auch nicht zwangsläufig „besser“ als alte Medien. So soll eLearning (in der Berufsbildung) mit Bedacht auf bestehende methodische Ansätze der Lehrpersonen „anschlussfähig“ (Euler et al., 2006, S. 434) sein sowie als „eine Erweiterung bestehender Lernmethoden“ (ebd.) begriffen werden. Lang (2003) hält daher einen „Medienmix“ für geeignet. Auf diese Weise könnten die alten und neuen Medien bezüglich der Wissensvermittlung jeweils am effektivsten zum Einsatz kommen (vgl. ebd.; vgl. ‚blended learning‘ in Kapitel 2.3.2 dieser Arbeit, S. 16 f.). Eine hohe Lerneffizienz ist gerade vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels hin zu einer Wissensgesellschaft, auf welche im folgenden Kapitel explizit eingegangen wird, von enormem Wert.

2.2 Leben in der Wissensgesellschaft – Bedeutung für den Umgang mit alten und neuen Medien

Obwohl im wissenschaftlichen Diskurs kein homogenes Konzept einer Wissensgesellschaft existiert, dient dieser Begriff seit Ende der 90er Jahre dazu, gegenwärtige Gesellschaftsentwicklungen darzustellen (vgl. Müller/Stravoravdis, 2007; vgl. Kempter/Meusenburger, 2005). Nach Stehr findet die Bezeichnung ‚Wissensgesellschaft‘ gerade dadurch ihre Berechtigung, dass „wissenschaftliches Wissen auf fast allen Gebieten des Lebens eine einflussreichere Rolle spielt“ (Stehr 1994, S. 16). Zwar wussten die Menschen seit jeher, dass Wissen bedeutend ist („Wissen ist Macht“), jedoch ist der Einfluss von Wissenschaft und Technik derart gestiegen, dass Wissen neben Kapital, Arbeit und Natur inzwischen als vierter und darüber hinaus als bedeutendster Produktionsfaktor gilt, was nicht nur in sozialen und demografischen Veränderungen, sondern vor allem auch in den wissenschaftlichen und technologischen Veränderungen begründet liegt (vgl. Jörissen/Marotzki, 2009, S. 27). So sind in diesem Zusammenhang als verantwortliche Faktoren „die wachsende wirtschaftliche Bedeutung des Informationssektors, die Zunahme nicht zuletzt naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und vor allem deren Geschwindigkeit, die Explosion von über elektronische Netze zugänglicher Information, die Entwicklung zur ‚Mediamatik‘ – d.h. zu integrierten Multimedia-Universaldiensten –, die Notwendigkeit, breiten Bevölkerungsschichten zumindest Basisqualifikationen zur Beschaffung und Nutzung der neuen Informationsvielfalt zu vermitteln und deren Aktualisierung zu gewährleisten, sowie die Informatisierung und zunehmende Wissensbasierung aller Berufe“ (Kaase 1999, S. 535) von Bedeutung. All dies zieht Folgen für ganz verschiedene Lebensbereiche der Gesellschaft und Wirtschaft nach sich, betrifft aber insbesondere das Bildungswesen und damit einhergehend die Formen des Wissens und die Formen des Wissenserwerbs bzw. der Wissensvermittlung in den traditionellen institutionalisierten Lernfeldern, wie z.B. Schule sowie die außerschulische Jugendbildung in Jugendarbeit, Peergroups und Medien (vgl. Jörissen/Marotzki, 2009, S. 27). Der „Weg in die Wissensgesellschaft“ (ebd.) bringt das Phänomen der „Wissensexplosion“ (Zumbach 2010, S. 12) mit sich: „Unter diesem Sammelbegriff verbergen sich verschiedene Phänomene, welche alle zu dem Bedarf hinführen, Informationen nicht nur in gedruckter Form, sondern auch digital und möglichst online vorzuhalten. Eine Ursache für die Wissensexplosion ist die Vermehrung des gesellschaftlichen Wissens, also der Summe all dessen, was die Menschheit erfahren, erkundet, erfunden oder entwickelt hat“ (ebd.). Verschiedenen Schätzungen zufolge verdoppelt sich das gesellschaftliche Wissen heutzutage alle fünf bis sieben Jahre (vgl. z.B. Marx & Gramm, 2002[3] ). Alte, traditionelle Medien werden dieser Masse an Wissen und Informationen vielfach nicht mehr gerecht (vgl. Zumbach, 2010, S. 13 ff.). So gewinnen die Formen des unmittelbaren Lernens – z.B. ‚Just-in-Time-Learning‘, ‚Learning on Demand‘ oder ‚Learning on the Job‘ (vgl. z.B. Schütt, 2000) -, die zwar nicht notwendigerweise aus dem Umgang mit neuen Medien resultieren müssen, „aber durch diese unmittelbar gefördert (werden)“ (Zumbach 2010, S. 13), an Bedeutung, „z.B. um kurzfristig ein Problem zu lösen oder um mittel- und längerfristig die eigenen Kompetenzen und damit die eigene Wettbewerbsfähigkeit am Berufsmarkt aufrechtzuerhalten“ (ebd.). Informationen über das ‚World Wide Web‘ können je nach unmittelbarem Bedarf abgerufen werden (vgl. ebd., S. 14). Bei diesen vorrangig selbstgesteuerten Formen des Lernens ergreift der Lernende selbst die Initiative, mit dem Ziel der Wissensvermehrung (vgl. ebd., S. 13). Augenscheinlich ist das Lernen mit neuen Medien (z.B. digitales eBook) im Vergleich zum Lernen mit alten Medien (z.B. gedrucktes Buch) von Ort und Zeit wesentlich unabhängiger (vgl. ebd.). So können Vorträge oder Vorlesungen beispielsweise teilweise mittels Handheld-Technologien auch auf Mobiltelefonen oder portablen Videoplayern angesehen werden, sodass dann ein direkter Besuch der Veranstaltung nicht unbedingt erforderlich ist (vgl. ebd., S. 14). Nach Zumbach ermöglicht das Lernen mit neuen Medien Lernerfahrungen, „die mit traditionellen Medien und herkömmlicher Lehre so nicht möglich sind“ (ebd., S. 13). So könne man „mit Informations- und Kommunikationstechnologien 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr auf Lernressourcen zurückgreifen“ (ebd.) und sei „nicht mehr von den Öffnungszeiten der Bibliotheken abhängig und kann jederzeit – soweit verfügbar – Online-Kurse belegen“ (ebd.). Weiterhin macht Zumbach den Kostenaspekt geltend: In wirtschaftlicher Hinsicht könnte man mit Online-Kursen nicht nur zahlreiche Lernende erreichen, sondern darüber hinaus Kosten für Präsenzseminare sparen oder reduzieren – z.B. bei ‚blended learning‘-Angeboten (vgl. ebd., S. 13 f.; vgl. ‚blended learning‘ in Kapitel 2.3.2 dieser Arbeit, S. 16 f.). Auch sind bestimmte Anwendungen der neuen Medien für die berufliche Ausbildung insofern von Vorteil, als dass sie den Umgang mit Ressourcen ermöglichen (vgl. ebd.), „die in traditioneller Form so gar nicht zur Verfügung stehen“ (ebd., S. 14). Hier sind beispielsweise der Flugsimulator oder simulierte Experimente anzuführen, die in der Realität, auch aus Kostengründen, undenkbar sind (vgl. ebd.). Ebenso lassen es Computertechnologien zu, „Gefahrensituationen gezielt zu üben, ohne dass tatsächliche Konsequenzen bei fehlerhaftem Verhalten resultieren“ (ebd.). Dadurch, dass etwa Universitäten z.T. Online-Programme anbieten, die Aus-, Fort- und Weiterbildungen mit zugehörigen Zertifizierungsprogrammen weltweit ermöglichen (vgl. ebd.), bleibe das Lernen außerdem „nicht auf einen eingrenzbaren Kulturkreis beschränkt“ (ebd.). Ein weiterer Vorteil neuer Medien gegenüber traditionellen Medien liegt nach Zumbach in der Darstellung von Phänomenen: „Verschiedenste Vorgänge lassen sich nicht mit traditionellen Medien erschließen, weil etwa deren direkte Beobachtung nicht möglich ist“ (ebd.). So ließe sich „mittels Animationen eine Kamerafahrt durch unser Sonnensystem darstellen, was mit Hilfe herkömmlicher Filmmedien unmöglich ist“ (ebd.). Zuletzt hebt Zumbach hervor, dass neue Medien einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen ermöglichen (vgl. ebd., S. 15). So sei es beispielsweise bei der naturwissenschaftlichen Lernsoftware ‚FrogGuts‘[4] die Aufgabe der Lernenden, eine Frosch-Sektion durchzuführen, wobei man durch geleitetes Üben so mehr über die Vorgehensweise bei einer Sektion und über die Anatomie der Frösche lernen könne (vgl. ebd.). Dabei entfiele außerdem ein „etwaiger logistischer Aufwand wie bei der Sektion echter Frösche“ (ebd.). All diese Aspekte machen im Lichte der heutigen Wissensgesellschaft das große Lernpotenzial vor allem der neuen Medien deutlich, weshalb das Lernen mit neuen Medien sowohl im Schul- als auch im Kontext der Berufsbildung nachfolgend einer genaueren Betrachtung bedarf.

[...]


[1] ‚Schulen ans Netz‘ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Deutschen Telekom AG mit dem Gründungsjahr 1996.

[2] Online im Internet: http://www.medienphilosophie.net/texte/wissensgesellschaft.pdf (Stand: 25.05.2012)

[3] Online im Internet: http://www2.fkf.mpg.de/ivs/literaturflut.html (Stand: 25.05.2012)

[4] Online im Internet: http://www.froguts.com (Stand: 25.05.2012)

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Alte und neue Medien in der Wissensgesellschaft – Ein Vergleich
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich I: Pädagogik (Weiterbildung) )
Veranstaltung
Methoden der Wissensvermittlung im Kontext beruflicher Weiterbildung
Note
2,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
26
Katalognummer
V207512
ISBN (eBook)
9783656345626
ISBN (Buch)
9783656346265
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit einem Vergleich alter und neuer Medien in der Wissensgesellschaft (WGS). So werden mit Blick auf die Herausforderungen und Anforderungen der WGS und der damit verbundenen „Wissensexplosion“ die Grenzen traditioneller Medien aufgezeigt und die Potenziale der neuen Medien erörtert. Unter Abwägung der Vor- und Nachteile alter und neuer Medien und unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Wandels hin zur WGS wird ein Fazit gezogen und ein kurzer Ausblick bezüglich der Implementierung neuer Medien in schulische und berufsbildende Lehr-/Lernkontexte gegeben.
Schlagworte
alte, medien, wissensgesellschaft, vergleich
Arbeit zitieren
Timo Fent (Autor), 2012, Alte und neue Medien in der Wissensgesellschaft – Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207512

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