Prekäre Lebenslagen von Mehrkindfamilien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Die Faktoren der prekären Lebenslagen von Mehrkindfamilien

1 Definition
1.1 Definition prekäre Lebenslage
1.2 Begriffsklärung Mehrkindfamilie
1.3 Mehrkindfamilien in Deutschland

2 Bildung / Berufsqualifikation der Eltern
2.1 Bildung / Berufsqualifikation der Mutter
2.1.1 Alter der Mutter bei der Erstgeburt
2.1.2 Folgerung für die Qualifikation der Mutter
2.2 Partnerwahl

3 Wertehaltung
3.1 Das traditionelle Rollenverständnis
3.2 Auswirkungen auf die Berufswahl

4 Finanzielle Lage

5 Die Eigenlogik der heutigen Dienstleistungsgesellschaft bezogen auf die Gestaltung der Familie
5.1 Zum Unverständnis der Eigenlogik von Mehrkindfamilien

6 Die Auswirkungen aller Faktoren auf die Kinder in Mehrkindfamilien
6.1 Das Bildungsniveau der Eltern
6.2 Das Konfliktpotenzial von der Ungleichheit der Wertevorstellungen - eine Interpretation

Einleitung

Seit einiger Zeit werden aus demographischer Sicht die Ursachen des Geburtenrückganges inDeutschland diskutiert. Im Allgemeinen werden die Individualisierung und die einhergehendezunehmende Kinderlosigkeit verantwortlich gemacht. Neuere Erkenntnisse ergaben jedoch, dass derRückgang der Mehrkinderfamilien in diesem Zusammenhang von wesentlicher Bedeutung ist.1 Kinderreiche Familien machen nur noch einen geringen Teil aller Familien in Deutschland aus:

Von den 20,7 Millionen in Deutschland lebenden minderjährigen Kindern, wuchsen im Jahr 2005 -laut Berechnungen des statistischen Bundesamtes aus dem Mikrozensus- 17 Prozent mit mindestens zwei Geschwistern und 46 Prozent mit einem Geschwister auf. 31Prozent in Deutschland waren 2005 Einzelkinder.2

Kinder mit zwei und mehr Geschwistern leben häufiger in Familien, in denen die Eltern verheiratet sind, als Kinder ohne Geschwister: 86 Prozent der Eltern von drei und mehr Kindern sind verheiratet, 10 Prozent leben bei einem alleinerziehenden Elternteil, meist der Mutter.3

Mehrkindfamilien stellen jedoch keine heterogene Gruppe dar: Laut Bierschock gibt es bei Kinderreichen einen Trend zu wirtschaftlicher Deprivation, aber auch Familien mit einem weit überdurchschnittlichen Einkommen.4

Hieraus ergibt sich die Fragestellung: Welche Faktoren tragen zu einer ungünstigen Lebenssituation von Mehrkindfamilien bei?

Um diese Frage zu erörtern, habe ich Literatur mit unterschiedlichen Perspektiven zu Mehrkindfamilien miteinander verglichen, und im Hinblick auf die Faktoren der prekären Lebenslagen und deren Wechselwirkung ausgewertet.

Zuerst definiere ich die relevanten Begriffe der Abschlussarbeit. Dann beschreibe ich die verschiedenenFaktoren der prekären Lebenslagen und setzte sie in Beziehung zueinander. Anschließend versuche ichdie wechselseitigen Einfluss und dessen Bedeutung zu interpretieren. Das Fazit bildet den Schluss derAbschlussarbeit.

1 Definition

1.1 Definition prekäre Lebenslage

Weisser definiert Lebenslagen als "Spielraum, den einem Menschen (einer Gruppe von Menschen) dieäußeren Umstände nachhaltig für die Befriedigung der Interessen bieten, die den Sinn seines Lebensbestimmen". (..) Aspekte der Lebenslagen werden von Nahnsen unterschieden: Versorgungs- undEinkommensspielraum, der Kontakt und Kooperationsspielraum, der Lern- und Erfahrungsspielraum,der Muße und Regenartionsspielraum, der Dispositions- und Partizipations-spielraum. Theoretisch wirdin allen Fällen davon ausgegangen, dass vorgegebene soziale Struk-turen die Handlungsspielräume derIndividuen bestimmen.5

Der Begriff prekäre Lebenslage meint hier eine typische Konstellation von Lebensbedingungen, die insgesamt als schwierig eingestuft wird.6

1.2 Begriffsklärung Mehrkindfamilie

In der heutigen Zeit wird Familie primär über das Vorhandensein von Kindern und nicht mehr über dieEhe definiert. Das Vorhandensein von Kindern dient zur Grundlage der Familienbildung, ist aber bzgl.der Elternschaft und ihrer Strukturierung zunehmend unverbindlich gestaltet.7 In dieser Arbeit wird voneinem direkten biologischen Nachkommenschaftsverhältnis von drei und mehr Kindern8 mindestens zurMutter ausgegangen. Der Begriff "große Familie" oder "viele Kinder / Geschwister" wird synonymverwendet.

1.3 Mehrkindfamilien in Deutschland

2 Bildung / Berufsqualifikation der Eltern

Zwischen Kinderreichtum und Bildung gibt es einen Zusammenhang, sowohl im unterdurchschnittlichen als auch im überdurchschnittlichen Bildungsniveau.9

Das Bildungsniveau bei Drei-Kind-Familien ist U-förmig aufgeteilt: Im Verhältnis zu anderenKinderzahlen haben die Eltern überdurchschnittlich oft eine außerordentliche Qualifikation, ebensoüberdurchschnittlich ist die Anzahl derer, die keine abgeschlossene Berufsausbildung nachweisenkönnen. Zudem kann ein markantes Absinken des Bildungsniveaus ab dem vierten Kind festgestelltwerden: Bei vier und mehr Kindern haben 15 Prozent der Eltern keinen Schulabschluss, wobei derDurchschnitt aller Eltern ohne Abschluss bei vier Prozent liegt. Zudemist die Anzahl der überdurchschnittlich qualifizierten Eltern mit 23 Prozent geringer als im Gesamtdurchschnitt (26 Prozent).10

2.1 Bildung / Berufsqualifikation der Mutter

2.1.1 Alter der Mutter bei der Erstgeburt

Das Alter der Mutter bei der Erstgeburt sowie der Abstand der Geburtenfolge wirken sich sehr stark aufdie Bildung und die berufliche Qualifikation der Mutter11 und entsprechend auf die Erwerbstätigkeit aus.Das Alter der Mutter bei der Erstgeburt spielt eine entscheidende Rolle für die Nachfolge weitererKinder. Umso früher das erste Kind geboren wird, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit auf weitereKinder.12 Oder anders ausgedrückt: Kinderreiche beginnen früher mit der Familienplanung als Familienmit einem Kind. Die Entscheidung für eine größere Familie und damit für viele Kinder fällt also sehrfrüh in einer Partnerschaft.13 Die Berechnungen von Bertram aus dem Mikrozensus 2004 ergeben dasdurchschnittliche Alter von 23 - 25 Jahren einer Mutter mit drei oder mehr Kindern bei der Erstgeburt.Im Vergleich hierzu ist eine Mutter mit nur einem Kind durchschnittlich 28 Jahre.14

Das Alter der Mutter bei der Erstgeburt hat ebenfalls Auswirkungen auf den Abstand der Geburten: InKinderreichen Familien beträgt die durchschnittliche Geburtenfolge drei Jahre, während bei einer Zwei - Kind - Familie die Geschwister durchschnittlich einen Altersunterschied von vier Jahren aufweisen.15

2.1.2 Folgerung für die Qualifikation der Mutter

Eine frühe Entscheidung für Kinder hat meist ein geringes Qualifikationsprofil vor allem der Frauen zurFolge.16

Der typische Lebensverlauf ist in Deutschland durch Ausbildung, Beruftätigkeit und Rente drei-geteilt. Lange Ausbildungswege in der heutigen Zeit führen dazu, dass der Berufseinstieg erst nach dem ersten Drittel des Lebens stattfindet.17 Der zeitliche Ablauf von Qualifikation und Bildung läuft also in unserer Gesellschaft konträr zur Familiengründung, sodass eine qualifizierte Ausbildung mit drei und mehr Kindern zeitlich kaum möglich ist.18 Eine frühe Familiengründung bedeutet für die Frauen somit meist eine geringe Investition in Bildung und in ihre beruflichen Qualifikationen. Im Vergleich hierzu steigt das Erstgeburtalter der Frauen mit hochqualifizierten Bildungsabschlüssen und führt entsprechend zu einer sinkenden Fertilität.19 Höhere Berufsausbildungen eröffnen Chancen für berufliche Karrieren und höhere Einnahmen. Deshalb verzichten viele gut ausgebildete Frauen auf (mehrere) Kinder, da die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein zentrales Problem darstellt.20

[...]


1 Vgl. Monitor Familienforschung, 2008, S. 13

2 vgl. Monitor Familienforschung, 2008, S. 14

3 Eggen u.a., 2006, S. 50 f

4 vgl. Bierschock, 2004, S. 3

5 Glatzer, u.a., 2007, S. 607

6 vgl. Glatzer, u.a., 2007, S. 607

7 vgl. Grzanna u.a., 2007, S. 310

8 vgl. Bierschock, 2004, S. 1

9 vgl. Bierschock, 2004, S. 7

10 Ergebnisse des MZ 2005 in Monitor Familienforschung 10, vgl. Eggen u.a., 2006, S. 56 f

11 vgl. Bertram 2008, S. 26 f

12 vgl. Monitor Familienforschung 10, S. 16; vgl. Bertram, 2008, S. 74

13 vgl. Bertram, 2008, S. 34, 47

14 Berechn. auf der Basis von MZ 2004 (SUF) in Bertram 2008, S. 2615 vgl. ebd., 2008, S. 26,

16 vgl. Bertram, 2008, S. 82

17 vgl. Eggen, u.a., 2006, S. 50

18 vgl. Bertram, 2008, S. 74 ff

19 vgl. ebd., 2008, S. 34 f, S. 73

20 vgl. Eggen, u.a., 2006, S. 58

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Prekäre Lebenslagen von Mehrkindfamilien
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
14
Katalognummer
V207550
ISBN (eBook)
9783656347088
ISBN (Buch)
9783656347811
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
prekäre, lebenslagen, mehrkindfamilien
Arbeit zitieren
Britta Iwwerks (Autor), 2008, Prekäre Lebenslagen von Mehrkindfamilien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207550

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