Ich spreche nur ein bisschen Deutsch

Eine Gegenüberstellung des Für und Wider von Muttersprachenförderung in Schulen


Essay, 2011

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

„Ich spreche nur ein bisschen Deutsch“

Eine Gegenüberstellung des Für und Wider von Muttersprachenförderung in Schulen

„Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen.“ Diese Behauptung äußerte der türkische Premier Erdogan während seiner Rede in Düsseldorf am 27. Februar 2011 und schnitt damit ein kontroverses Thema an: die Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Kontrovers ist das Thema deshalb, weil einerseits die Wichtigkeit des Erwerbs der Sprache des Aufnahmelandes für die schulische und berufliche Zukunft der Kinder unbestritten ist, es aber andererseits immer wieder Debatten darüber gibt, inwieweit sowohl die Erstsprache als auch die Zweitsprache gefördert werden sollten.

Im Münchner Haslberg-Kindergarten sprechen von den aus 23 Nationen stammenden Kindern nur 60 Prozent Deutsch (Süddeutsche Zeitung). In der Jens-Nydahl-Grundschule in Berlin-Kreuzberg haben 98 Prozent der Schüler ausländische Wurzeln, die Schule wird deshalb mit einer Zusatzförderung durch das Land Berlin unterstützt (FAZ). Die Berliner Herbert-Hoover-Realschule, bei der die Quote von Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache ebenfalls bei über 90 Prozent liegt, verpflichtet ihre Schüler, auf dem Schulhof und bei Schulveranstaltungen nur Deutsch zu sprechen (NTV). Mit solchen und ähnlichen Meldungen wird man sehr häufig durch die Medien versorgt. Dass Interesse an Nachrichten dieser Art besteht, ist verständlich, denn die Sprache ist nicht nur ein Medium der Kommunikation und damit ein Mittel sozialer Integration, sondern auch eine Ressource, die wichtig für das Erlangen von Bildung und den damit verbundenen Chancen in der späteren Erwerbsarbeit ist. Grund zur Sorge besteht, weil insgesamt die Deutschkenntnisse von Kindern mit Migrationshintergrund als problematisch zu beurteilen sind. Nach einer Studie des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge liegt vor allem die Lesekompetenz weit unter dem Durchschnitt. Bei Sprachuntersuchungen im Vorschulalter zeigen sich außerdem Defizite bei mündlichen Sprachfertigkeiten wie Sprachverstehen und Wortschatz (vgl. Haug in: RAM-Report, 2008, S. 5).

Bezieht sich die insgesamt schlechtere Sprachfähigkeit nur auf die deutsche Sprache und ist stattdessen die Kompetenz der Muttersprache hoch, so spricht man von einer L1-Segmentation (vgl. Esser, 2008, S.204). Häufig ist es jedoch auch so, dass bei Kindern von Migranten auch die Muttersprache nicht ausreichend alphabetisiert wird. Dadurch entstehen mangelnde Kompetenzen in der Muttersprache. In Verbindung mit einer niedrigen Kompetenz der Landessprache kommt es dann zur sprachlichen Marginalität (vgl. Esser, 2008, S. 204), das heißt, das Kind weist sowohl niedrige Kompetenzen in der Muttersprache als auch in der Sprache des Aufnahmelandes auf. Zeigen sich dagegen hohe Kompetenzen in beiden Sprachen, so spricht man von Bilingualität. Dies gilt in Zeiten der Globalisierung als wünschenswert, da sich daraus ein großer gesellschaftlicher und individueller Wert für kulturelle und ökonomische Verhältnisse entwickelt (vgl. Esser, 2008, S. 202f.). Wie es zu der Ausprägung von Bilingualität kommen kann und ob dies für das Individuum sinnvoll ist, darüber sind sich Wissenschaftler und Pädagogen uneinig.

Es stellt sich die Frage, ob und inwieweit es hilfreich ist, die Alphabetisierung der Muttersprache von Kindern mit Migrationshintergrund in pädagogischen Einrichtungen zu fördern, um dadurch eine allgemeine Verbesserung des Spracherwerbs und damit auch eine Verbesserung der Deutschkenntnisse zu erreichen. Im Folgenden sollen dazu verschiedene Sichtweisen näher betrachtet werden.

Das Erlernen der Erstsprache geschieht in der frühen Kindheit. Für das Kind sind hierbei keine speziellen Hilfestellungen erforderlich. Voraussetzung ist nur, dass jemand mit dem Kind spricht und es die Sprache hören kann. Dadurch entsteht eine Sprachkompetenz; die wesentlichen Elemente der Sprache wie Wortschatz, Grammatik und Rechtschreibung werden jedoch erst im schulischen Rahmen hinzugefügt und erweitert bzw. vervollständigt.

Für den Erwerb von individueller Bilingualität, also Zweisprachigkeit in einer einsprachigen Gesellschaft, gibt es die Möglichkeit der simultanen Bilingualität, das heißt, dass beide Sprachen gleichzeitig erworben werden, sowie die Möglichkeit, dass die zweite Sprache sukzessiv bzw. sekundär nach dem Erwerb der Herkunftssprache angeeignet wird. Falls also beide Elternteile aus unterschiedlichen Herkunftsländern stammen, und das Kind deshalb frühzeitig den simultanen Umgang mit unterschiedlichen Sprachen erlernt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich eine kompetente Bilingualität ausprägt. In Fällen, bei denen die Muttersprache von beiden Elternteilen gesprochen wird, wird in der Regel durch die Sozialisation im Elternhaus zuerst die Herkunftssprache erlernt. Die Zweitsprache, in dem Fall Deutsch, eignet sich das Kind sukzessiv durch außerethnische Kontakte an.

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Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Ich spreche nur ein bisschen Deutsch
Untertitel
Eine Gegenüberstellung des Für und Wider von Muttersprachenförderung in Schulen
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Soziologie)
Veranstaltung
Integrationspolitik
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
10
Katalognummer
V207666
ISBN (eBook)
9783656349532
ISBN (Buch)
9783656850199
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutsch, eine, gegenüberstellung, wider, muttersprachenförderung, schulen
Arbeit zitieren
Andrea Beckert (Autor), 2011, Ich spreche nur ein bisschen Deutsch , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207666

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