Die Inszenierung der Kontroverse um Peter Sloterdijks 'Regeln für den Menschenpark'


Essay, 2009

5 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Die Inszenierung der Kontroverse um Peter Sloterdijks

„Regeln für den Menschenpark“

„Auf welche Weise lässt sich dem Wort Humanismus ein Sinn zurückgeben?“[1] Diese Frage Jean Beaufrets wollte Martin Heidegger 1946 in seinem Brief über den Humanismus beantworten. Doch zu seinem Brief gab es ein weiteres Antwortschreiben: „Regeln für den Menschenpark“ von Peter Sloterdijk, woraufhin wiederum die hier erläuterte Debatte um diese Rede eine Antwort war. Im Folgenden soll herausgearbeitet werden, warum eben jene Debatte zustande kam und ob sich Beweise für die Inszenierung der Rede durch Sloterdijk selbst und die Inszenierung der Diskussion durch einige Kritiker finden lassen. Dazu sollen die markantesten Stellen des Antwortschreibens vorgestellt werden.

Der Titel „Regeln für den Menschenpark“ geht auf Steven Spielbergs Film „Jurassic Park“ zurück. Wie in diesem Park Dinosaurier durch die Gentechnik kreiert wurden, werden nach Sloterdijks Meinung bald gentechnische Menschen in der Welt, die „unser Park“ ist, gemacht.[2] Doch auch wie es im Film gezeigt wird, können solche künstlich entwickelten Welten über kurz oder lang nicht funktionieren, da unvorhergesehene Probleme auftreten können.

Peter Sloterdijk hielt seine Rede im Juli 1999 auf einer Heidegger- Tagung in Schloß Elmau (Bayern) vor einem ausgewählten Publikum aus Philosophen. Während auf die gleiche Rede, die er zwei Jahre zuvor in Basel gehalten hatte, zu dieser Zeit keine Reaktionen zu bemerken waren, entwickelte sich unter den Journalisten 1999 eine große Debatte.[3]

Die Diskussion ergab sich vor allem aus dem Grund, dass viele Journalisten, Philosophen und sogar Politiker sich von Sloterdijks Rede persönlich angesprochen fühlten. In seine Rede wurde „faschistoides Denken [...] [hineininterpretiert], obwohl sich in seinem Redetext keine festen Anhaltspunkte dafür finden, sondern allenfalls sogenannte Reizwörter“[4]. Daher kann die Kontroverse selbst schon als eine Art Inszenierung angesehen werden. In diesem Fall ist es eine „zu vernachlässigende Medieninszenierung“[5]. Dass Sloterdijk den Faschismus aber keinesfalls befürwortet, lässt sich sogar an einigen Stellen seines Essays beweisen. Wenn er geschichtliche Zusammenhänge untersucht, um daraus Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen, beschäftigt er sich oft mit der Gesellschaft des Nationalsozialismus. In diesen Textstellen lässt sich eindeutig erkennen, dass er dagegen sein muss. Zum Beispiel, wenn er andeutet, dass er nicht glaube, eine neue „Goethe- Jugend“, die durch Klassiker erzogen wird, würde die vorhergehende „Hitler- Jugend“ ausgleichen können. In einer Nachbemerkung, die nach der Debatte entstand, weist er selbst auf das Streitgespräch unter den Kritikern hin und zeigt sein Verständnis für das Missverstehen und die Vorwürfe, nicht an diese Möglichkeit gedacht zu haben.[6] Sloterdijk wird sogar unterstellt, er habe das Desaster absichtlich in Szene gesetzt und durch Ironie inszeniert.[7] Schließlich legte man ihm sogar in den Mund, er wolle Menschen oder gar Übermenschen züchten.[8]

[...]


[1] Martin Heidegger, Über den Humanismus, Frankfurt am Main, Vittorio Klostermann GmbH, 1949, S. 35

[2] vgl. Wolfram Hogrebe, The real unknown: ein Rückblick auf die Moraldebatte der letzten Jahre, Erlangen, Palm und Enke, 2002, S. 2

[3] vgl. ebd., S. 1 und Holger von Dobeneck, Das Sloterdijk- Alphabet: eine lexikalische Einführung in Sloterdijks Ideenkosmos, Würzburg, Königshausen und Neumann, 2006, S. 221

[4] ebd.

[5] Heinz- Ulrich Nennen, Philosophie in Echtzeit: die Sloterdijk- Debatte: Chronik einer Inszenierung. Über Metaphernabfolgeschätzung, die Kunst des Zuschauers und die Pathologie der Diskurse, Würzburg, Königshausen und Neumann, 2003, S. 337

[6] vgl. Peter Sloterdijk, Regeln für den Menschenpark, S. 57 (Nachwort von Peter Sloterdijk)

[7] vgl. Heinz- Ulrich Nennen, Philosophie in Echtzeit: die Sloterdijk- Debatte, S. 187

[8] vgl. ebd., S. 192

Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Die Inszenierung der Kontroverse um Peter Sloterdijks 'Regeln für den Menschenpark'
Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,3
Jahr
2009
Seiten
5
Katalognummer
V207692
ISBN (eBook)
9783656349204
ISBN (Buch)
9783656349631
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inszenierung, kontroverse, peter, sloterdijks, regeln, menschenpark
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Die Inszenierung der Kontroverse um Peter Sloterdijks 'Regeln für den Menschenpark', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207692

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