In dieser Arbeit wird untersucht, wie systemisch orientierte Berater von ihren Kunden wahrgenommen werden, insbesondere welche Interventionen und Irritationen der Berater als nützlich und welche als störend erlebt werden. Bei der Untersuchung handelt es sich um eine qualitative Einzelfallstudie und es wurden dafür sieben Leitfadeninterviews mit Kunden eines Beratungsprojektes durchgeführt. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse. Die Ergebnisse lassen sich so interpretieren, dass von den Beratern initiierte Veränderungen der Kommunikationen, der Zirkularitäten und des Kontextes von den Kunden als überwiegend nützlich erlebt werden. Als störend lassen sich mangelnde Ankoppelung auf mehreren Ebenen, insbesondere beim Arbeitstempo, der Sprache und einem anderen Weltbild, erkennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Hintergrund und Zielsetzung
1.1. Anregungen zum Forschungsgegenstand
1.2. Zielsetzung
1.3. Die Rolle des Autors
2. Die Systeme
2.1. Das Kundensystem - die Media-Analyse
2.1.1. Hintergrund
2.1.2. Besonderheiten der Media Analyse
2.1.3. Der MA – Erneuerungsdialog 10
2.2. Das Beratersystem
2.2.1. Hintergrund
2.2.2. Zugangshinweise für systemische Orientierung :
2.3. Das Beratungssystem
2.3.1. Die Prozessarchitektur
2.3.2. Erste Ergebnisse
3. Systemisch orientierte Beratung
3.1. Quellen systemisch orientierter Beratung
3.2. Theoriegeleitete Denkmodelle
3.2.1. Autopoiesis
3.2.2. Rekursivität
3.2.3. Blinde Flecken
3.2.4. Blinde Flecken verkleinern
3.2.5. Feedback und Feedback-Arten
3.3. Arbeitsmodelle
3.3.1. Zirkularität
3.3.2. Kommunikation
3.3.3. Kontext
3.4. Interventionen
3.4.1. Interventionsverständnis
3.4.2. Irritationen
3.4.3. Ankoppelung
3.5. Weitere Aspekte
3.5.1. Neutralität und Allparteilichkeit
3.6. Abgrenzung zur klassischen Beratung
3.7. Beratung – ein schwieriges Unterfangen
4. Methodik
4.1. Beschreibung der Untersuchungsinstrumente
4.1.1. Leitfaden-Interviews als wissenschaftliche Technik
4.1.2. Durchführung der Leitfaden-Interviews
4.1.3. Die Auswahl der Interviewpartner
4.1.4. Der Gesprächsleitfaden
4.1.5. Vorbereitung der Auswertung
4.2. Auswertungsmethode
4.2.1. Die qualitative Inhaltsanalyse
4.2.2. Strukturierung
4.2.3. Zusammenfassung
4.2.4. Darstellung der qualitativen Inhaltsanalyse
5. Ergebnisse: Die Kunden-Wahrnehmungen
5.1. Darstellung der Ergebnisse
5.1.1. Eingangshaltungen der Kunden
5.1.2. Externe bringen Neutralität ein
5.1.3. Arbeitstechniken
5.1.4. Sicht auf die Berater
5.1.5. Positiv wahrgenommene Interventionen
5.1.6. Verstörende Irritationen
5.1.7. Andere Erfolgsfaktoren
5.1.8. (Zwischen)Resultate des Erneuerungsdialoges
5.2. Zusammenfassung der Ergebnisse der Untersuchung
5.3. Diskussion der Ergebnisse
5.3.1. Kommunikation – Zirkularität – Kontext
5.3.2. Intervention – Irritation – Verstörung
5.3.3. Ankoppelung
5.3.4. Autopoiesis – Rekursivität
5.3.5. Beobachtung – blinder Fleck
6. Ausblick und Schlussfolgerungen
7. Quellenverzeichnis
7.1. Verzeichnis Internetquellen, Zeitungen und sonstige Quellen
7.2. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die bislang wenig erforschte Perspektive der Kunden auf systemisch orientierte Beratung zu untersuchen. Anhand einer qualitativen Einzelfallstudie des „Erneuerungsdialoges 10“ der Media-Analyse wird analysiert, welche Interventionen der Berater als nützlich oder störend wahrgenommen werden, um daraus Erkenntnisse für die beraterische Praxis und zukünftige Forschung zu gewinnen.
- Wahrnehmung systemisch orientierter Berater durch Kunden
- Analyse produktiver und unproduktiver Irritationen
- Qualitative Auswertung von Leitfadeninterviews
- Diskussion theoretischer Modelle im Kontext der empirischen Ergebnisse
Auszug aus dem Buch
1.1. Anregungen zum Forschungsgegenstand
In der theoretischen Literatur sowie in den Praxishandbüchern zur systemischen Beratung nehmen das Thema der Beobachtungen – insbesondere 1. und 2. Ordnung – sowie der Themenkreis der blinden Flecken von Systemen einen prominenten Platz ein. Sie werden aus vielen unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen theoretischen Bezügen diskutiert und beleuchtet. Stellvertretend für die Fülle an Artikeln und Beiträgen zu diesen beiden Themen sei an dieser Stelle das von Falko von Ameln herausgegebene Buch „Organisationsberatung beobachtet – Hidden Agendas und blinde Flecken“ (Ameln, 2009) angeführt, das sowohl die Beobachtung als auch die blinden Flecken programmatisch im Titel trägt und in dem sich allein 6 Beiträge von Autoren wie von Ameln, Kühl, Mohe, Wimmer und Moldaschl explizit zu den Fragen der Beobachtung und blinden Flecken finden.
Der Verein Media-Analysen gab im Jahr 2008 systemisch orientierten Mediatoren den Auftrag, einen sogenannten „Erneuerungsdialog 10“ zu begleiten. Der Autor dieser Untersuchung konnte an einer der Großveranstaltungen dieses Erneuerungsdialoges als Gast und somit als Beobachter teilnehmen. Der Autor war abgesehen vom Besuch dieser Großveranstaltung in keiner Weise in den „Erneuerungsdialog 10“ involviert.
Im Zuge dieser Veranstaltung konnte der Autor einige Beobachtungen von nonverbalen Äußerungen der Teilnehmer (wie Seufzen, Sesselscharren und nahezu kollektive gleichzeitige Versenkung in mobile Kommunikationsmittel) als Reaktionen auf Handlungen, Aussagen, Interventionen und Interventionsversuchen der Berater machen, die ihn zur vorliegenden Arbeit angeregt haben.
Eine weitere Inspiration zur Findung der Fragestellung war das Buch „Every Day Gets a Little Closer“ von Irvin D. Yalom und Ginny Elkin. Darin wird ein halbes Jahr jede Sitzung der psychoanalytischen Therapie der Klienten Elkin aus zwei Perspektiven beschrieben – aus der des Therapeuten und der der Klientin. Der Therapeut zeichnet nach jeder Sitzung seine Vermutungen über die Wirksamkeit und Nützlichkeit seiner Interventionen und seiner psychoanalytischen Deutungen auf. Parallel schreibt die Klientin nach jeder einzelnen Sitzung dieses Zeitraumes ihre Wahrnehmungen und Beobachtungen auf: was sie als hilfreich und förderlich, aber auch als hinderlich und störend erlebt hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hintergrund und Zielsetzung: Einführung in die Thematik der Beobachtung und blinder Flecken sowie Darlegung der Forschungsziele und der Rolle des Autors.
2. Die Systeme: Vorstellung der untersuchten Organisation (Media-Analyse) sowie des beauftragten Beratersystems und der Prozessarchitektur.
3. Systemisch orientierte Beratung: Theoretischer Diskurs über systemische Modelle, Arbeitsweisen und Interventionen, wie sie in der Literatur diskutiert werden.
4. Methodik: Beschreibung des Forschungsdesigns, insbesondere der Durchführung und Auswertung von Leitfadeninterviews mit den Kunden.
5. Ergebnisse: Die Kunden-Wahrnehmungen: Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse bezüglich der Wahrnehmung der Berater durch die Kunden.
6. Ausblick und Schlussfolgerungen: Fazit der Arbeit mit Anregungen für zukünftige Forschungsprojekte zur Wirksamkeit systemischer Beratung.
Schlüsselwörter
Systemische Beratung, Kundenwahrnehmung, Erneuerungsdialog, Media-Analyse, Qualitative Inhaltsanalyse, Interventionen, Irritationen, Blinde Flecken, Prozessarchitektur, Feedback, Ankoppelung, Organisationsberatung, Empirische Forschung, Interaktionsanalyse, Beratungspraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Kunden systemisch orientierte Berater wahrnehmen, insbesondere welche ihrer Interventionen als nützlich oder störend empfunden werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Interaktion zwischen Berater- und Kundensystem, der Umgang mit Irritationen, die Qualität der Prozessberatung sowie die methodische Reflexion systemischer Beratung in der Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, bislang verborgene Wahrnehmungsmöglichkeiten der Kunden in einem Beratungsprozess offenzulegen, um die beraterische Praxis zu reflektieren und Anregungen für weitere Forschung zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Einzelfallstudie, bei der Leitfadeninterviews geführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Fundierung systemischer Konzepte, die methodische Vorgehensweise sowie die detaillierte Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse aus den Kundeninterviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Systemische Beratung, Kundenwahrnehmung, Irritationen, Prozessberatung, Ankoppelung und qualitative Sozialforschung.
Wie wird das Konzept des „Erneuerungsdialogs 10“ in der Studie bewertet?
Der Prozess wird als ein für die Organisation notwendiger Schritt wahrgenommen, bei dem die Kunden besonders die strukturierte Vorgehensweise schätzten, während die „Entschleunigung“ teilweise als irritierend empfunden wurde.
Welche spezifische Rolle spielt der Begriff der „Ankoppelung“?
Die Ankoppelung beschreibt die Fähigkeit des Beraters, sich an die Weltsicht und den Kommunikationsstil der Kunden anzupassen; mangelnde Ankoppelung wurde von den Befragten als wesentliche Quelle für Verstörungen identifiziert.
- Citation du texte
- Wolfgang Plasser (Auteur), 2010, „Da brauchst’ einen guten Magen“ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207725