Politik steht in enger Verbindung mit gelingender Kommunikation. Darunter fällt die Kommunikation zwischen politischen Akteuren und Bürgern oder zwischen den Bürgern untereinander. Wenn also technische Entwicklungen die Kommunikation verändern, so verändern sie auch unmittelbar die Politik. Diese Wechselbeziehung ist aus der Geschichte bereits bekannt. Flugblätter dienten zur Information und Mobilisierung während der Französischen Revolution, Zeitungen übernahmen die meinungsbildende Rolle im 19. Jahrhundert und der Rundfunk diente als effektives Mittel zur politischen Propaganda (vor allem im Nationalsozialismus). Auch das Fernsehen zeigte als „das gesellschaftliche Massenmedium“ ab den 1960ern deutlich die Auswirkungen, die neue Kommunikations- bzw. Medientechniken auf die politische Öffentlichkeit haben. In der heutigen Zeit gilt das Internet als wichtigste technische Entwicklung mit Potentialen zur Erneuerung politischer Systeme.
Durch die neuen Potentiale des Internets keimen Hoffnungen für eine informierte und neue Form der Demokratie auf. Vor allem, da in den westlichen Ländern die demokratischen Regierungssysteme als so selbstverständlich wahrgenommen werden, dass oft von Wahlmüdigkeit und Politikverdrossenheit die Rede ist. Meist wird dazu die These vertreten, dass Bürger an politischen Themen zwar interessiert sind, an der staatlichen Politik und deren Parteien jedoch nicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsinteresse und Stand der Diskussion
3. Forschungsfragen und Forschungsziele
4. Demokratie
4.1. Definition
4.2. Bedeutung
4.3. Demokratieformen
4.3.1. Plebiszitäre Demokratie
4.3.2. Repräsentative Demokratie
5. Modelle elektronischer Demokratie
5.1. E-Democracy
5.1.1. Teledemocracy
5.1.2. Cyberdemocracy
5.1.3. Electronic Democratization
5.2. Digital Democracy
6. Entstehung und Hintergründe des Internets
7. Einordnung des Internets in der Kommunikationswissenschaft
8. Potenziale des Internets für politische Kommunikation
9. Interaktive politische Öffentlichkeit durch das Internet
10. Einsatz des Internets in politischen Systemen
10.1. Einfluss des Internets auf das politische System der USA
10.2. Einfluss des Internets auf das politische System Deutschlands
10.3. Vergleich zwischen USA und Deutschland
11. Ausblick und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss des Internets auf die repräsentative Demokratie, wobei insbesondere die Potenziale für politische Kommunikation und Partizipation im Fokus stehen. Ziel ist es, verschiedene Modelle elektronischer Demokratie zu analysieren und deren Anwendbarkeit sowie Unterschiede in den politischen Systemen der USA und Deutschlands kritisch zu beleuchten.
- Grundlagen und Definitionen der Demokratie
- Modelle und Visionen elektronischer Demokratie (E-Democracy, Digital Democracy)
- Analyse der Potenziale des Internets für politische Kommunikation
- Vergleichende Untersuchung der Auswirkungen auf die politischen Systeme der USA und Deutschlands
Auszug aus dem Buch
10.2. Einfluss des Internets auf das politische System Deutschlands
Die deutsche parlamentarische Demokratie in seiner jetzigen Form wurde, wie bereits erwähnt, vier Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gegründet und gilt als eine sehr statische Demokratie. Während die Verfassung der USA nur Grundprinzipien festlegt und viel Freiraum für eine dynamische Evolution der Demokratie lässt, ist in Deutschland der Rahmen für „einfache“ Gesetze ausführlich im Grundgesetz verankert und kann kaum wesentlich geändert werden. Nach der unglücklichen Erfahrung, die die Deutschen mit der Weimarer Republik - von 1920 bis zu ihrer Zerschlagung durch die Nationalsozialisten 1934 - gemacht haben, sind sie mit ihrem derzeitigen Regierungssystem über die letzten 50 Jahre eigentlich recht zufrieden, wenngleich die Integration der vormals „sozialistischen“ DDR ab 1989 noch heute das Staatsganze erheblich belastet. Daher muss praktisch jede Initiative, die neue Praktiken in die deutsche Demokratie einführen will, mit einer grundsätzlich negativen Stimmung kämpfen.
Nach dem Scheitern der Weimarer Republik, in der verhältnismäßig viele direkt-demokratische Elemente einbezogen waren, die von den Nationalsozialisten ausgenutzt wurden, wurde in der neuen Bundesrepublik nach dem zweiten Weltkrieg bewusst jede maßgebliche Form direkter Demokratie im Grundgesetz ausgeschlossen. Daher ist gefühlsmäßig die Skepsis gegenüber direkt-demokratischer Mittel, wie sie das Internet fördern könnte, weit mehr verbreitet als beispielsweise in den USA. Über die Bundesländer bleiben jedoch Möglichkeiten für Initiativen und Formen direkter Demokratie, so wie zum Beispiel bei der jeweiligen Wahl des Bürgermeisters. Wichtige politische Entscheidungen werden jedoch im Parlament ohne direkt-demokratische Beteiligungsformen entschieden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Verbindung von Kommunikation und Politik sowie die Erwartungen, die durch die neuen technologischen Potenziale des Internets für eine Erneuerung politischer Systeme geweckt werden.
2. Forschungsinteresse und Stand der Diskussion: Hier wird der theoretische Kontext des Themas innerhalb des Magisterseminars skizziert und der aktuelle Stand der Debatte zwischen euphorischen Visionen und einer realistischeren Einschätzung des Internet-Einflusses dargestellt.
3. Forschungsfragen und Forschungsziele: In diesem Kapitel werden die drei zentralen Forschungsfragen der Arbeit definiert, die sich mit neuen Demokratiemodellen, den Potenzialen für politische Kommunikation und dem Systemvergleich USA-Deutschland befassen.
4. Demokratie: Es erfolgt eine begriffliche Definition von Demokratie sowie eine Systematisierung ihrer verschiedenen Formen, um die theoretische Basis für die Untersuchung elektronischer Ansätze zu legen.
5. Modelle elektronischer Demokratie: Das Kapitel stellt verschiedene Modelle und Strömungen vor, darunter E-Democracy und Digital Democracy, um die Bandbreite der theoretischen Konzepte aufzuzeigen.
6. Entstehung und Hintergründe des Internets: Hier werden die Ursprünge des Internets vom ARPANET bis zum World Wide Web kurz skizziert, um ein Verständnis für die technologische Basis zu schaffen.
7. Einordnung des Internets in der Kommunikationswissenschaft: Das Internet wird anhand von Parametern wie Teilnehmerzahl, Richtung der Kommunikation und zeitlichem Faktor als Massenmedium systematisiert.
8. Potenziale des Internets für politische Kommunikation: Das Kapitel erläutert die Potenziale des Internets unter den Schlagworten Information, Kommunikation und Partizipation und ordnet diese kritisch ein.
9. Interaktive politische Öffentlichkeit durch das Internet: Hier wird der Fokus auf die Veränderung des öffentlichen Raums durch das Internet und die damit verbundenen Anforderungen an eine demokratische Öffentlichkeit gelegt.
10. Einsatz des Internets in politischen Systemen: Dieser Hauptteil analysiert und vergleicht den Einfluss des Internets auf die politischen Systeme der USA und Deutschlands unter Berücksichtigung nationaler Besonderheiten.
11. Ausblick und Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Erreichung der Forschungsziele und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit weiterer empirischer Untersuchungen.
Schlüsselwörter
Internet, Demokratie, E-Democracy, Digital Democracy, Politische Kommunikation, Partizipation, Repräsentative Demokratie, USA, Deutschland, Politische Öffentlichkeit, Interaktivität, Netzöffentlichkeit, Politische Systeme, Medienpolitik, Bürgerbeteiligung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Internet die politische Kommunikation und Partizipation innerhalb repräsentativer Demokratien beeinflussen kann und welche neuen Demokratieformen dadurch entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Demokratie, verschiedene Modelle elektronischer Demokratie, die kommunikationswissenschaftliche Einordnung des Internets sowie den Vergleich der politischen Systeme der USA und Deutschlands.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das primäre Ziel ist es, die Potenziale des Internets für die Erneuerung der repräsentativen Demokratie zu skizzieren und zu zeigen, dass Konzepte elektronischer Demokratie nicht ohne Berücksichtigung nationaler Gegebenheiten übertragen werden können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine Literaturanalyse, um den Stand der Forschung darzustellen und die drei Forschungsabschnitte theoretisch zu untermauern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Demokratie, der Analyse von Modellen wie E-Democracy und Digital Democracy, der kommunikationswissenschaftlichen Systematisierung des Internets und einem detaillierten Vergleich zwischen dem US-amerikanischen und dem deutschen politischen System.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie E-Democracy, Digital Democracy, Partizipation, Politische Öffentlichkeit und den Systemvergleich zwischen USA und Deutschland charakterisiert.
Warum spielt das Alter einer Demokratie laut der Arbeit eine Rolle für den Einfluss des Internets?
Die Arbeit argumentiert, dass historisch gewachsene Erfahrungen mit Regierungsformen, wie beispielsweise die gescheiterte Weimarer Republik in Deutschland im Gegensatz zur langjährigen Tradition in den USA, die Offenheit oder Skepsis gegenüber direkt-demokratischen, internetbasierten Experimenten maßgeblich beeinflussen.
Wie unterscheidet sich der Einfluss des Internets in den USA von jenem in Deutschland laut dieser Seminararbeit?
In den USA fördern technisch versierte Repräsentanten das Internet zur direkten Kommunikation mit Bürgern (politische Unternehmer), während in Deutschland das parteienzentrierte System und eine geschichtlich begründete Technologie-Skepsis den Einsatz eher auf PR-Maßnahmen beschränken.
- Arbeit zitieren
- Oliver Schmidt (Autor:in), 2010, Einfluss des Internets auf die repräsentative Demokratie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207729