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Die RAF und das Problem der Gewalt: Exemplarische Positionen

Title: Die RAF und das Problem der Gewalt: Exemplarische Positionen

Diploma Thesis , 2003 , 142 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Oliver Schirmer (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit ist in sechs wesentliche Abschnitte geteilt. Die Einleitung, der
Abschnitt 0, soll den Leser zum Thema hinführen, die Vorgehensweise erläutern,
die Zielsetzung verdeutlichen und die Schwerpunktliteratur für diese Arbeit
aufzeigen. Der Hauptteil ist in die Abschnitte 1 – 4 unterteilt. Der Abschnitt 1
befaßt sich mit der Begriffsklärung und den theoretischen Grundlagen für diese
Arbeit. In diesem Teil wird der Versuch unternommen die wichtigsten Begriffe,
wie Extremismus, Terrorismus und Gewalt zu definieren. Im weiteren Verlauf soll
dort dann der Gewaltbegriff mit seinen verschiedenen Ausprägungen eine zentrale
Rolle spielen. In diesem einführenden Abschnitt soll eine Art Raster oder Rahmen
geschaffen werden, in dem sich die gesamte Arbeit bewegt. Dabei spielen die
Subjekte, Objekte und Mittel der Gewalt ein wesentliche Rolle. Die Perzeption
und Legitimation von Gewalt sollen diesen Abschnitt beenden.
Im Abschnitt „Theorie der Theorien – und ihre Vorbildschriften“ soll versucht
werden anhand verschiedener „Vorbildschriften“ herauszuarbeiten, worauf das
theoretische Konzept der RAF eigentlich begründet ist. Unter anderem wird auf
„alte“ Theorien, wie von Marx und Lenin eingegangen, es spielen aber auch (für
die damalige Zeit) „aktuelle“ theoretische Konzeptionen und Entwicklungen, wie
der Maoismus, die Theorien von Marcuse, Che Guevara und Marighella, eine
entscheidende Rolle. Interessant ist, daß sich hier die RAF sowohl Theorien
bedient, die weitgehend theoretisch geblieben sind, als auch Theorien, die zu jener Zeit praktiziert wurden. Darauf basierend entstanden die Verschiedenen
ideologischen Positionen der RAF. Dieser Abschnitt soll mit der Erkenntnis
enden, daß die Theorie der RAF eine eklektische Theorie, somit eine „Sammlung“
der besten und treffendsten Argumente und Passagen aus den aufgezeigten
Theorien im gesamten „revolutionären Spektrum“ ist.
Der Abschnitt „Die Entwicklung der RAF“ befaßt sich mit der geschichtlichen
Entwicklung – vom Beginn der Studentenbewegung bis hin zur Selbstauflösung
der RAF. Hier liegt der Schwerpunkt der Betrachtungen in den späten sechziger
Jahren und den ersten Jahren in den Siebzigern. Der Grund hierfür ist, daß sich die
folgenden exemplarischen Positionen in diesem groben Zeitraum entwickelt
haben. Im letzten Abschnitt des Hauptteils beschäftige ich mich mit „Exemplarischen
Positionen zur Gewalt“. Als Beispiele fungieren hier Ulrike Marie Meinhof und
Horst Mahler. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Begriffsklärung und theoretische Grundlagen

1.1. Extremismus

1.2. Terrorismus

1.3. Gewaltbegriff

1.3.1. Definition Gewalt

1.3.2. Subjekte der Gewalt

1.3.3. Objekte der Gewalt

1.3.4. Mittel der Gewalt

1.3.5. Perzeption und Legitimation

1.3.5.1. Perzeption der politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit

1.3.5.1.1. Ideologische Sichtweise

1.3.5.1.2. Lageanalyse

1.3.5.1.3. Zielsetzung

1.3.5.1.4. Strategische Optionen

1.3.5.2. Legitimationsstrategien

1.3.5.2.1. Gegengewalt

1.3.5.2.2. Revolutionäre Gewalt

1.3.5.2.3. Unterstützungsgewalt

1.4. Zusammenfassung

2. Theorie der Theorien – und ihre Vorbildschriften

2.1. Vorbildschriften

2.1.1. Marxismus / Leninismus

2.1.2. Maoismus

2.1.3. Herbert Marcuse

2.1.4. Ernesto Che Guevara

2.1.5. Carlos Marighella

2.2. Ideologische Positionen

2.2.1. Vorstellungen über den Imperialismus

2.2.2. Faschismusdeutung

2.2.3. Befreiung

2.2.4. Vorstellungen von Revolution und Umsturz

2.3. Eine eklektische Theorie

3. Die Entwicklung der RAF

3.1. Studentenbewegung

3.2. Die erste Generation

3.2.1. Kaufhausbrand und Befreiung

3.2.2. Der Aufbau

3.2.3. Der Mai 1972 und das Ende der ersten Generation

3.3. Die zweite Generation

3.4. Die dritte Generation bis zum "Ende"

4. Exemplarische Positionen zur Gewalt

4.1. Ulrike Marie Meinhof

4.1.1. Kurzbiographie

4.1.2. Die Schriften/Kampfschriften der Meinhof unter Berücksichtigung der Gewalt

4.1.2.1. Bis 1970

4.1.2.2. Das Konzept Stadtguerilla

4.1.2.3. Stadtguerilla und Klassenkampf

4.1.2.4. Bis zu ihrem Tod

4.1.3. Fazit

4.2. Der "linke" Horst Mahler

4.2.1. Kurzbiographie

4.2.2. Mahlers Schriften

4.2.2.1. Kollektiv RAF: Über den bewaffneten Kampf in Mitteleuropa – Hauptschrift der RAF

4.2.2.2. Mahlers Kritik

4.3.2. Fazit

5. Zusammenfassung / Schlußbemerkungen

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Ziel dieser Arbeit ist es, die Rote Armee Fraktion (RAF) anhand von zwei exemplarischen Positionen mit dem Problem der Gewalt in Verbindung zu bringen. Es soll analysiert werden, ob und wie die Anwendung von Gewalt in den wesentlichen Schriften der RAF propagiert und begründet wurde, wobei die theoretischen Grundlagen der Organisation kritisch hinterfragt werden.

  • Theoretische Grundlagen und Begriffsdefinitionen von Extremismus, Terrorismus und Gewalt.
  • Analyse der "Vorbildtheorien" (Marxismus, Leninismus, Maoismus, Marcuse, Guevara, Marighella) für das RAF-Gedankengut.
  • Geschichtliche Entwicklung der RAF von der Studentenbewegung bis zur Selbstauflösung.
  • Detaillierte Untersuchung der Positionen von Ulrike Meinhof und Horst Mahler zur Gewaltanwendung.

Auszug aus dem Buch

1.3.1 Definition Gewalt

Eine allgemein akzeptierte Definition von Gewalt gibt es nicht. Während manche Wissenschaftler/innen die Unterschiedlichkeit von Formen der Gewalt betonen, plädieren andere für eine strikte Beschränkung des Gewaltbegriffs auf direkte physische Schädigungen. Das Problem der strukturellen Gewalt bleibt darin aber unberücksichtigt. Hier möchte ich nun den Versuch einer Definition von Gewalt vornehmen. Im Brockhaus steht dazu: „Gewalt, Anwendung von phys. und psych. Zwang gegenüber Menschen; umfasst 1) die rohe, gegen Sitte und Recht verstoßende Einwirkung auf Personen; 2) das Durchsetzungsvermögen in Macht und Herrschaftsbeziehungen (z. B. Staats-G.); 3) übertragene Bedeutung: auch im Sinne von Kraft (z. B. Natur-G.), Verfügungsmacht.“ Diese Definition leitet sich von den lateinischen Begriffen „potentia“, „vis“ und „violentia“ her. „Potentia“ bedeutet soviel wie Macht und der Begriff Gewalt ist hier mit Herrschaft gleichzusetzen. „Vis“ bedeutet physische Stärke und Kraft, „violentia“ hingegen steht für die Anwendung physischer Kräfte gegen andere Lebewesen.

Es wird immer Gewalt angewendet, um andere Menschen zu schädigen. Bei der Anwendung von Gewalt im Beisein von mindestens zwei Personen, findet fast immer eine Verschiebung der Machtverhältnisse statt. Eine der beiden Konfliktparteien ist am Ende benachteiligt – und man kann davon ausgehen, daß von der unterlegenen Partei ein Versuch gemacht werden wird, die alten „Verhältnisse“ wiederherzustellen. Die Gewalt ist immer gegen andere Menschen und deren Willen gerichtet. Sie ist eine Handlung, die von außen kommt und eine direkte physische Einwirkung auf Lebewesen, Personen oder deren Eigentum hat. Es gibt auch psychische Gewalt. Darunter versteht man zum Beispiel Beleidigungen, Drohungen oder Verachtung.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, Vorgehensweise und Einordnung der Literatur zum Thema RAF und Gewalt.

1. Begriffsklärung und theoretische Grundlagen: Definition zentraler Begriffe wie Extremismus, Terrorismus und verschiedener Gewaltformen zur Schaffung eines theoretischen Analyserahmens.

2. Theorie der Theorien – und ihre Vorbildschriften: Herleitung der ideologischen Grundlagen der RAF durch eine Analyse klassischer revolutionärer Vorbildtheorien.

3. Die Entwicklung der RAF: Historischer Abriss der Entstehung, Entwicklung und späteren Auflösung der RAF von den späten 1960er bis in die 1990er Jahre.

4. Exemplarische Positionen zur Gewalt: Analyse und Vergleich der gewaltbezogenen Schriften und Positionen von Ulrike Meinhof und Horst Mahler.

5. Zusammenfassung / Schlußbemerkungen: Synthese der Forschungsergebnisse und Reflexion über die Angemessenheit und Wirksamkeit der von der RAF propagierten Gewalt.

6. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen wissenschaftlichen Werke und Internetquellen.

Schlüsselwörter

RAF, Rote Armee Fraktion, Gewalt, Terrorismus, Extremismus, Klassenkampf, Stadtguerilla, Ulrike Meinhof, Horst Mahler, Ideologie, Marxismus, Leninismus, Maoismus, Widerstand, Politische Gewalt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die theoretische Begründung und die praktische Anwendung von Gewalt durch die Rote Armee Fraktion (RAF) in der Bundesrepublik Deutschland.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?

Im Mittelpunkt stehen die begriffliche Klärung von Terrorismus und Gewalt, die ideologischen Vorbilder der RAF sowie die Schriften ihrer zentralen Theoretiker.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die RAF durch die Untersuchung von zwei exemplarischen Positionen (Meinhof und Mahler) mit dem Gewaltbegriff in Verbindung zu bringen und aufzuzeigen, wie Gewalt in ihren Schriften propagiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Es erfolgt eine intensive Literaturanalyse, die theoretische Texte und Schriften der RAF sowie wissenschaftliche Abhandlungen zum politischen Extremismus und zur Gewaltforschung vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen des Gewaltbegriffs, die Analyse revolutionärer Vorbildtheorien, die historische Entwicklung der RAF und die detaillierte Betrachtung der Positionen von Ulrike Meinhof und Horst Mahler.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Terrorismus, Stadtguerilla, Klassenkampf, ideologische Legitimation, revolutionäre Gewalt und die historische Entwicklung des Linksterrorismus in Deutschland.

Inwiefern unterscheidet sich die Gewaltauffassung von Ulrike Meinhof von der von Horst Mahler?

Während Meinhof Gewalt als Instrument der Bewusstseinsbildung und der "Speerspitze" sah, die sich nach ihrer Inhaftierung in einer "Alltagstheorie" verlor, versuchte Mahler, Gewalt theoretisch durch Lenin-Zitate als notwendigen Bestandteil von Massenkämpfen zu rechtfertigen, bis er sich später vollständig von diesen Ansichten distanzierte.

Welche Rolle spielte der "Flickenteppich" der RAF-Ideologie?

Die Autorin argumentiert, dass die RAF eine eklektische Theorie verfolgte, bei der widersprüchliche Lehren (Marxismus, Maoismus, Anarchismus) willkürlich selektiert wurden, um das eigene gewaltsame Handeln im Nachhinein zu legitimieren.

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Details

Title
Die RAF und das Problem der Gewalt: Exemplarische Positionen
College
University of the Federal Armed Forces München  (Politik)
Grade
1,7
Author
Oliver Schirmer (Author)
Publication Year
2003
Pages
142
Catalog Number
V20773
ISBN (eBook)
9783638245654
Language
German
Tags
Problem Gewalt Positionen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Schirmer (Author), 2003, Die RAF und das Problem der Gewalt: Exemplarische Positionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20773
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