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Das Auseinandergehen von Währungsräumen

Title: Das Auseinandergehen von Währungsräumen

Bachelor Thesis , 2012 , 65 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Julian Radlinger (Author)

Economics - Macro-economics, general
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Es lässt sich kaum bestreiten, dass die Gründung der Eurozone eines der ambitioniertesten internationalen Projekte der letzten 20 Jahre war. Kaum ein Jahrzehnt nach der Einführung der gemeinsamen Währung befindet sich das Projekt in einer derart tiefgründigen Krise, dass Robert Zoellick, der Präsident der Weltbank, jüngst in einem Interview mit der Zeitschrift DER SPIEGEL die Frage nach den Folgen eines Austritts Griechenlands mit einem ernüchternden „Niemand weiß das.“ beantwortete. Volkswirtschaftlern wird nachgesagt, Krisen nicht vorherzusehen, sie im Nachhinein aber als unvermeidbar zu bezeichnen. Die Eurokrise ist eine klare Ausnahme. Mahnungen über die Gefahren einer europäischen Währungsunion kamen in den 90er Jahren aus der Wissenschaft und der Politik und es überrascht nicht, dass viele jener Personen in den aktuellen Ereignissen Bestätigung finden.

Zweifelsohne wichtiger ist die Frage nach den Auswirkungen eines Zusammenbruchs der Eurozone. Wenngleich ein isolierter Austritt Griechenlands noch quantifizierbar ist, so wäre der Austritt mehrerer Länder aus der Eurozone oder ein vollkommener Zusammenbruch jedoch ein deutlich komplexeres Phänomen. Die Lehren, die aus historischen Präzedenzfällen gezogen werden, verlieren schnell an Sinnhaftigkeit, wenn eine Wechselkurs- anstatt eine Währungsunion als Vergleichsbeispiel herangezogen wird. Ebenso sollten reine Simulationen aufgrund der Einzigartigkeit der Eurozone stets kritisch hinterfragt werden. Daher werden in dieser Arbeit zwei Fälle im letzten Jahrhundert untersucht, in denen tatsächlich eine gemeinsame Währung aufgegeben wurde: Der Zusammenbruch des Österreichisch-Ungarischen Reichs nach dem Ersten Weltkrieg sowie der Zerfall der Tschechoslowakei im Jahre 1993. Trotz wichtiger Unterschiede bieten die Ähnlichkeiten zur Eurozone – wirtschaftlich starke Währungsräume mit einer gemeinsamen Papierwährung, einer gemeinsamen Zentralbank und mindestens zwei souveränen Mitgliedsländern – die Möglichkeit, einige relevante Schlüsse in Hinblick auf unsere heutige Situation zu ziehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen

2.1 Begriffsdifferenzierung

2.2 Ein historischer Überblick

2.3 Theoretische Grundlagen

3. Das Auseinandergehen der Kronenzone

3.1 Ausgangslage

3.2 Ursachen und Ablauf

3.2.1 Austritt der Tschechoslowakei

3.2.2 Austritt Österreichs

3.3 Folgen

3.3.1 Monetäre Folgen

3.3.2 Wirtschaftliche Folgen

3.4 Implikationen

4. Das Auseinandergehen der Tschechoslowakei

4.1 Ausgangslage

4.2 Ursachen

4.3 Ablauf

4.3.1 Zweifel an der Währungsunion

4.3.2 Währungstrennung

4.4 Folgen

4.4.1 Stabilisierungsmaßnahmen

4.4.2 Entwicklung in den Republiken

4.5 Implikationen

5. Lehren für die Eurozone

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht historische Währungsdesintegrationen des 20. Jahrhunderts, insbesondere den Zerfall der Kronenzone nach dem Ersten Weltkrieg und die Auflösung der Tschechoslowakei im Jahr 1993, um daraus Erkenntnisse für die aktuelle Problematik der Eurozone abzuleiten.

  • Analyse der Ursachen, des Ablaufs und der Folgen historischer Währungszerfälle.
  • Erarbeitung eines theoretischen Modells zur Kosten-Nutzen-Abwägung eines Austritts aus einer Währungsunion.
  • Untersuchung der Bedeutung von Glaubwürdigkeit und makroökonomischer Stabilität nach einer Währungstrennung.
  • Vergleich der verschiedenen Disintegrationsmuster und deren Auswirkungen auf Handelsströme und Geldpolitik.
  • Ableitung von Lehren für die heutige Europäische Währungsunion.

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Austritt der Tschechoslowakei

Die Tschechoslowakei proklamierte am 28. Oktober 1918 ihre politische Unabhängigkeit. Einer Währungsunion standen die führenden Politiker anfangs noch offen gegenüber, jedoch nur unter bestimmten Bedingungen. Finanzminister Alois Rasin formulierte drei spezifische Forderungen an die Österreichisch-Ungarische Zentralnotenbank:

1. Jedes der Mitgliedsländer bekommt ein Mitspracherecht in geldpolitischen Entscheidungen.

2. Die Zentralnotenbank stellt sofort das ungedeckte Drucken von Banknoten sowie die Kreditsicherung von staatlichen Kriegsanleihen ein.

3. Die Kreditgewährung an ein Mitgliedsland unterliegt der Zustimmung der anderen Länder.

Ziel Rasins war einerseits die Demokratisierung des geldpolitischen Entscheidungsapparats, andererseits eine Ende der de facto Mitfinanzierung der Kriegsschuld Österreichs und Ungarns der restlichen Staaten in Form einer Inflationssteuer. Während die erste Forderung von der Notenbank akzeptiert und umgesetzt wurde, ignorierte sie die anderen. Als die Bank das Drucken ungedeckter Banknoten fortführte, reagierte Rasin mit der Übernahme der auf dem tschechoslowakischen Staatsgebiet befindlichen Zweigstellen der Notenbank. Damit konnte er zumindest den Anteil der Kriegsschuld, der auf die Tschechoslowakei fiel, auf 472 Mio. Kronen begrenzen (vgl. Muth 1997, S. 149). Der mangelnde Kooperationswille der Zentralnotenbank führte schließlich zum Entschluss, die Währungsunion zu verlassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Ambition der Eurozone und stellt die Forschungsfrage, ob historische Beispiele von Währungsdesintegrationen wertvolle Erkenntnisse für die aktuelle Eurokrise liefern können.

2. Grundlagen: Es werden die begrifflichen Abgrenzungen zwischen Währungs- und Wechselkursunionen vorgenommen und ein theoretisches Modell zur Kosten-Nutzen-Abwägung eines Austritts entwickelt.

3. Das Auseinandergehen der Kronenzone: Dieses Kapitel analysiert den Zerfall des Österreichisch-Ungarischen Reichs, insbesondere die Austritte der Tschechoslowakei und Österreichs, und untersucht die daraus resultierenden monetären und wirtschaftlichen Folgen.

4. Das Auseinandergehen der Tschechoslowakei: Hier wird der friedliche, aber technisch komplexe Auflösungsprozess der Tschechoslowakei im Jahr 1993 sowie die anschließenden Stabilisierungsmaßnahmen der beiden neuen Republiken untersucht.

5. Lehren für die Eurozone: Abschließend werden die Erkenntnisse der beiden historischen Analysen auf die aktuelle Situation der Europäischen Währungsunion übertragen, wobei die Rolle der Glaubwürdigkeit und Fiskalpolitik hervorgehoben wird.

Schlüsselwörter

Währungsunion, Desintegration, Eurokrise, Kronenzone, Tschechoslowakei, Währungstrennung, Stabilisierung, Geldpolitik, Fiskalpolitik, Inflation, Principal-Agent-Beziehung, Österreich-Ungarn, Wechselkurs, Wirtschaftstransformation, Handelsströme

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert historische Fälle des Zerfalls von Währungsunionen, um das Potenzial und die Risiken eines möglichen Auseinandergehens der modernen Eurozone besser zu verstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Ursachen für Währungsdesintegrationen, der technische Ablauf einer Währungstrennung sowie die ökonomischen Folgen für die beteiligten Nationalstaaten nach dem Ende einer gemeinsamen Währung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aus den historischen Erfahrungen des Österreichisch-Ungarischen Reichs und der Tschechoslowakei Lehren für die heutige Europäische Währungsunion zu ziehen und die Anwendbarkeit historischer Modelle auf die aktuelle Krise zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine vergleichende historische Fallstudienanalyse, die durch ein theoretisches Kosten-Nutzen-Modell untermauert wird und aktuelle wirtschaftliche Daten mit historischen Quellen verknüpft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung und zwei detaillierte empirische Analysen: den Zusammenbruch der Kronenzone nach 1918 und die geordnete Währungstrennung der Tschechoslowakei im Jahr 1993.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Währungsunion, Desintegration, Eurokrise, Glaubwürdigkeit, monetäre Stabilität, Transformation und Währungstrennung.

Warum spielt die Tschechoslowakei eine besondere Rolle in der Arbeit?

Sie dient als positives Gegenbeispiel für eine geordnete, kosteneffiziente Währungstrennung, im Gegensatz zur chaotischen Hyperinflation und Desintegration in Österreich nach dem Ersten Weltkrieg.

Welche Bedeutung kommt der "Glaubwürdigkeit" zu?

Die Arbeit betont, dass die Glaubwürdigkeit der neuen nationalen Währung die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche makroökonomische Stabilisierung nach dem Verlassen einer Währungsunion ist.

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Details

Title
Das Auseinandergehen von Währungsräumen
College
LMU Munich  (Seminar für Makroökonomie)
Grade
1,7
Author
Julian Radlinger (Author)
Publication Year
2012
Pages
65
Catalog Number
V207752
ISBN (eBook)
9783656350330
ISBN (Book)
9783656350712
Language
German
Tags
auseinandergehen währungsräumen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julian Radlinger (Author), 2012, Das Auseinandergehen von Währungsräumen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207752
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