Ausdrücke der Zukünftigkeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 1996

27 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bibliographische Angaben

2. Einleitung

3.Strukturvergleich
3.1. Italienische Ausdrücke der Zukünftigkeit
3.1.1. Futur I
3.1.2. Futur II
3.1.3. Futurum der Vergangenheit
3.1.4. Praesens pro futuro
3.1.5. Modalverben
3.1.6. Verbale Ausdrücke mit Infinitiv
3.1.7. Mengenmäßige Verteilung der Formen
3.2. Deutsche Ausdrücke der Zukünftigkeit
3.2.1. Futur I
3.2.2. Futur II
3.2.3. Futurum der Vergangenheit
3.2.4. Praesens pro futuro
3.2.5. Modalverben
3.2.6. Wendungen
3.2.7. „werden“
3.2.8. Mengenmäßige Verteilung der Formen
3.3. Übersetzungsmethoden

4. Schlußbemerkung

1. Bibliographische Angaben

Primärliteratur

Böll, Heinrich: Haus ohne Hüter, dtv, München 1993

Böll, Heinrich: Casa senza custode (I. A. Chiusano), Anrollt Mondadori Editore, Milano 1981

Calvino, Italo: Il lettore sullo scoglio, Der Leser auf der Klippe, Kopierexemplar
Levi, Carlo: Cristo si è fermato a Eboli, Einaudi Tascabili, Torino 1990
Levi, Carlo: Christus kam nur bis Eboli (H. H. Steglich), dtv, München 1994 Rocco e Antonia: Porci con le ali, Schweine mit Flügeln (W. S. Baur), Kopierexemplare

Sekundärliteratur

Battaglia, S. u. Pernicone, V.: La Grammatica Italiana, Loescher-Editore, Torino 1957

Bidoli / Cosciani: Vocabolario italiano tedesco/ tedesco italiano, Paravia, Torino 1969
Bußmann, H.: Lexikon der deutschen Sprachwissenschaft, 1991
Devoto, G. u. Massaro, D.: Grammatica Italiana, La Nuova Itlia, Firenze 1954
Herczeg, G.: Saggi linguistici e stilistici, Leos. Olschki Editore, Firenze 1972
Katerinov, K.: La lingua italiana per stranieri, corso superiore, Edizione Guerra, Perugia 1975
Kipper, B.: Eine Disambiguierungskomponente für Modalverben, 1992
Kühlwein, W.: Kontrastive Linguistik und Übersetzungswissenschaft, 1978
Peruzzi: Problemi di Grammatica Italiana, ERI, Torino 1959
Raymand, F.: Indications temporelles à l’aide des verbes de modalité, Cahiers d’allemand, 1976
Renzi / Salvi: Grande grammatica italiana di consultazione, Il Mulino, Bologna 1991
Reumuth,W./ Winkelmann, O.: Praktische Grammatik der italienischen Sprache, Gottfried Egert Verlag, Wilhelmsfeld 1993
Schwarze, C.: Grammatik der italienischen Sprache, Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1988
Soffritti, M.: La complessità del predicato. Forme compatte e forme estese nel confronto italiano-tedesco, Atesa, Bologna 1990
Storni: Schwierigkeiten des deutsch-italienischen Wortschatzes, Klett, Stuttgart 1978
Thieroff, R.: Das finite Verb im Deutschen, Gunter Narr Verlag, Tübingen 1992
Urbani, S.: Le forme del verbo italiano, Editore Bonaci, Roma 1990
Vater, H.: Werden als Modalverb 1975
Wandruszka,M.: Sprachen vergleichbar und unvergleichlich, R. Piper & Co Verlag, München 1969
Zingarelli: Il nuovo Zingarelli, Zanichelli Editore S.p.A., Bologna 1993

2. Einleitung

Der Titel des Seminars „Strukturvergleich Italienisch - Deutsch“ läßt darauf schließen, daß zwei Sprachen nach ihren linguistischen Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu untersuchen sind, wobei ich für diese Arbeit speziell das Thema: Ausdrücke der Zukünftigkeit gewählt habe.

Sowohl in der italienischen als auch in der deutschen Sprache gibt es verschiedene Möglichkeiten, in der Zukunft liegende Handlungen oder Zustände auszudrücken. Ich werde diese auflisten und mit Beispielen aus folgenden Lektüren belegen, in welchen Situationen sie gebraucht werden: Heinrich Böll: Haus ohne Hüter; Carlo Levi: Cristo si è fermato a Eboli; Italo Calvino: Il lettore sullo scoglio; Rocco e Antonia: Porci con le ali sowie deren Übersetzungen von Italo Alighieri Chiusano (Casa senza custode), Helly Hohenemser Steglich (Christus kam nur bis Eboli), und Wolfgang Sebastian Baur (Schweine mit Flügeln). Gleichzeitig soll vor allem darauf eingegangen werden, ob die diversen Möglichkeiten vom grammatischen Gesichtspunkt her übereinstimmen, also ob etwa die italienische Struktur in Hinsicht auf die Bildung der Zukunftsformen der deutschen gleicht oder nicht und ob sie jeweils der im Original vorgegebenen Formen entsprechend übersetzt sind.

Anhand der umfangreichen Materialsammlung wird es möglich sein, durch die aufgeführten Beispiele Regelmäßigkeiten auszumachen. Diese können zwar nicht allgemein repräsentativ sein, da weder alle diatopischen, diaphasischen noch diastratischen Phänomene in den Primärtexten vertreten sind, doch sie sind vielfältig und zahlreich genug, um einige Übersetzungsschemata erkennen zu lassen.

3. Strukturvergleich

3.1. Italienische Ausdrücke der Zukünftigkeit:

3.1.1. Futur I:

Das Futur I kann man immer verwenden, um bevorstehende Handlungen oder Zustände zu bezeichnen, jedoch im richtigen sprachlichen Ko- und Kontext auch, um Vermutungen oder Befehle auszudrücken. Zur Bildung des Futur I affigiert man die Flexionsmorpheme „-i/erò, -i/erai, -i/erà, -i/eremo, -i/erete, -i/eranno“ an die Verbwurzel.

„Nella prima coniugazione si ha am e invece di am a, per il cambiamento di -a- in -e- dovuto molto probabilmente all’influsso della consonnante r.“[1]

Die Suffixe entsprechen denen der konjugierten Präsensformen von „avere“, mit Ausnahme der ersten und zweiten Person Plural: „Nella prima e seconda persona plurale è presente con forme ridotte (-emo da avemo, -ete da avete [...])“[2]

Vgl.: „canterò, canterai, canterà, canteremo, canterete, canteranno;

crederò, crederai, crederà, crederemo, crederete, crederanno;

capirò, capirai, capirà, capiremo, capirete, capiranno“

Ausgenommen von dieser Regel sind die unregelmäßigen Verben wie „volere“, „sapere“, „andare“ etc.

A) Einfache Zukünftigkeit, sichere Ankündigung:
1. „Ad ogni modo qui mi troverò bene.“ (C. Levi, Cristo si è fermato..., S. 12, Z. 18)
2. „Guarirai, sta’ sicura.“ (C. Levi, Cristo..., S. 87, Z. 38 - S. 88, Z. 2)
3. „Egli ne sarà davvero molto lieto.“ (C. Levi, Cristo..., S. 12, Z. 27)
4. „Ci spaccheremo la testa.“ (C. Levi, Cristo..., S. 21, Z.11-13)
5. „Sono dei mali inevitabili, ci sono sempre stati e ci saranno sempre.“ (C. Levi, Cristo..., S. 67, Z. 34-35)

B) Futurum der Vermutung:

Die italienische Bezeichnung für ein Futurum I oder II mit modaler Natur, das eine subjektive Schlußfolgerung des Sprechers wiedergibt, ist das futuro epistemico; es drückt keine Nachzeitigkeit aus.[3]

1. „Ogni tanto capiterà anche alle femministe, no?“ (R.&A.,Porci con le ali, S.65, Z.25-26)
2. „Dio, ci saranno trecento ragazze ma è come ce ne fosse nessuna.“ (R.&A., Porci..., S. 21, Z.8-9)
3. „Ci avrò messo quindici secondi.“ (R.&A., Porci..., S: 24, Z. 1)

In diesen Sätzen mit dem sogenannten Futurum der Vermutung stehen zwar die grammatischen Formen der Zukünftigkeit, das worauf sich die Verben aber beziehen, ist entweder die Gegenwart, wie in den ersten beiden Beispielen, oder die Vergangenheit, wie im letzten Beispiel. Nach Mario Wandruszka[4] hat sich dies aus längeren Formulierungen wie: „L’avvenire confirmerà che ogni tanto capita anche alle femministe.“ oder: „Se conto, vedrò che sono trecento ragazze ma è...“ oder: „Se avessi guardato l’orologio avrei visto che ci ho messo...“ entwickelt.

Dieses Futurum drückt also aus: „Certo che capita, sicuramente ci sono, probabilmente ho messo...“ Die Kürze und Einfachheit des Futurums der Vermutung hat es zu einer geläufigen Ausdrucksweise gemacht.

C) Futurum des Befehlens, Aufforderns, Bittens, Warnens:

1. „Il 21 giugnio voglio essere anch’io sotto Botteghe Oscure. Ci sarai?“ (R.&A., Porci..., S.185, Z.18-19)
2. „[...], e verrai da sola, fino a casa mia [...] a salutarmi.“ (C. Levi, Cristo..., S. 88, Z.1-2)
3. „E così non te ne andrai più, resterai sempre con noi.“ (C. Levi, Cristo..., S. 231, Z. 7-8)

In Beispiel 1 erkennt man die Bitte nur, wenn man durch das vorherige Lesen des Romans die Geschichte der beiden Hauptfiguren erfahren hat; man weiß nämlich, daß der Schreiber des Briefes sehr interessiert an der angesprochenen Person ist. Ähnlich verhält es sich mit Beispiel 2, denn der Sprecher, der Autor des Buches, ist der Arzt der kranken alten Frau und versteht selbst erst, daß seine Worte, die er ihr zur Aufmunterung gesagt hat, von ihr als eine Art von Befehl aufgefaßt worden sind, als sie schon die Mühe des langen Marsches zum Beweis ihrer Dankbarkeit auf sich genommen hat und an seiner Tür erscheint. In Beispiel 3 wird das Flehentliche der Aussage auch ohne Kontext deutlich sichtbar.

3.1.2. Futur II:

Das Futur II wird gebraucht, um Handlungen zu beschreiben , die in der Zukunft abgeschlossen sein werden. Zusätzlich kann das Futur II oder futuro anteriore Vorzeitigkeit in Bezug auf einen anderen, ebenfalls in der Zukunft liegenden Akt ausdrücken. Man bildet es mit der Futur I Form von „avere“ bzw. „essere“ und dem Partizip Perfekt eines Verbs.

1. „[...] tu sarai già ridotto a trapiantarti [...]“ ( R.&A., Porci..., S. 26, Z. 11-13)
2. „Quando avrà visto che cos’è la vita in questo paese, [...]“ (C. Levi, Cristo..., S. 21, Z.16-19)
3. „[...] sarà stato concepito [...]“ (Böll, Casa senza custode, S. 64, Z. 31-33)

In der gesprochenen Sprache neigen das Italienische dazu, das futuro anteriore durch das futuro semplice zu ersetzen: „Ci assicura che appena finirà, verrà.“

Häufig wird das Futur II mit dem passato prossimo ausgetauscht, das an dieser Stelle die gleiche Funktion hat:

1. „Quando ho finito gli studi, andrò a lavorare a Milano.“
2. „Quando hai fatto, dimmelo.“[5]

3.1.3. Futurum der Vergangenheit:

Das Futurum der Vergangenheit wird verwendet, wenn in einem in der Vergangenheit geschriebenen Text auf etwas zwar aus Sicht des Autors schon Geschehenes, aber für den Leser und die handelnden Personen noch Unbekanntes und Bevorstehendes hingewiesen werden soll. Seine Form ist die des Konditional II, also die Konditional I Form von „avere“ oder „essere“ in Verbindung mit einem Partizip Perfekt. Ob dieses Konditional als Futurum der Vergangenheit oder als Irrealis der Vergangenheit zu verstehen ist, läßt sich anhand des Kontextes klären. Um seine Verwendung in der futuristischen Funktion erläutern zu können, muß man auf die Entwicklung des lateinischen Futurs eingehen. Aus den Formen mit dem an den Stamm affigierten „-bi-“ und den Präsensendungen „-o, -s, -t, -mus,

-tis, -unt“ in der a- und e- Konjugation und dem an den Stamm angehängten „-e-“ in den übrigen Konjugationen (Ausnahme erste Pers. Sing.: „-am“), bildete man der Einfachheit halber ein neues Futurum, das aus dem Infinitiv eines Verbs vor einer im Präsens konjugierten Person von „habere“ bestand: „scribere habeo“.[6] Diese Methode übernahmen vermutlich die Italiener, indem sie die Präsensformen von „avere“ direkt an den Stamm anhängten. Die Vergangenheit dieser Formen ergibt sich also einfach, wenn man das suffigierte „avere“ in der Vergangenheit, bzw. im passato remoto, flektiert: „scribere habebat > scriverebbe“. Auch hier wird das „-a-“ im Infinitiv der a- Konjugation zu „-e-“, und an die erste und zweite Person Plural werden reduzierte Formen gehängt: „-emmo“ von „avemmo“ und „-este“ von „aveste“; das „-ei“ in der ersten Person Singular steht kurz für ebbi[7]. Daraus wird deutlich, daß das Konditional II ein Präteritum des Futurs für etwas, das im Laufe der nachfolgenden Zeit abgeschlossen sein wird, geworden ist:

„Il condizionale [...] diventa semplicemente un tempo dell’indicativo, pur restendo formalmente quello che è, cioè passato del condizionale, ciò avviene quando nelle proposizione precedenti figurano predicati verbali al passato, per cui le azioni sono situate nel passato.“[8]

[...]


[1] siehe Battaglia u. Pernicone: La Grammatica Italiana, S. 285

[2] vgl. Battiglia u. Pernicone: La Grammatica Italiana, S. 285

[3] vgl. Renzi u. Salvi: Grande grammatica italiana di conversazione, S. 118

[4] vgl. Wandruszka: SPRACHEN vergleichbar und unvergleichlich, S. 381

[5] vgl. Katerinov: La lingua italiana per stranieri, S. 35

[6] vgl. Wandruszka: SPRACHEN vergleichbar und unvergleichlich, S. 375

[7] vgl. Battaglia u. Pernicone: La Grammatica Italiana, S. 285

[8] siehe Herczeg: Saggi linguistici e stilistici, S. 597

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Ausdrücke der Zukünftigkeit
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Romanistisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar: Strukturvergleich Italienisch-Deutsch
Note
2
Autor
Jahr
1996
Seiten
27
Katalognummer
V2078
ISBN (eBook)
9783638112772
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Futur; Praesens pro futuro; Übersetzungsbeispiele
Arbeit zitieren
Martina Ochs (Autor), 1996, Ausdrücke der Zukünftigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2078

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