Risiken bei Brustvergrößerungen (Augmentationsplastiken) insbesondere bei der Verwendung von Brustimplantaten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

21 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Anatomie der weiblichen Brust

3. Medizinische sowie psychische Gründe für die Entscheidung zur Augmentationsplastik

4. Techniken und Risiken
4.1 Verwendung von Prothesen
4.1.1 Prothesen/Implantate
4.1.2 Methoden und Zugangswege
4.1.3 Risiken
4.1.4 Nachsorge
4.2 Autologe Brustvergrößerung/-rekonstruktion
4.2.1 Autologe Rekonstruktionsmethoden in der Übersicht
4.3 Alternativen zur Brustvergrößerung - ohne Operation

5. Zusammenfassung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Bereits seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts werden Brustvergrößerungen und -anpassungen durchgeführt. Anfangs verwendete man Feststoffe, wie sie in der Natur vorkamen, später wandte man sich weicheren tierischen Produkten zu. Im weiteren Verlauf kamen dann Wachse wie z.B. Paraffine zum Einsatz. Auch Silikonflüssigkeit wurde bereits in den 40er Jahren genutzt, um die Brust künstlich zu vergrößern. Meist wurden diese Stoffe nicht durch Fachkräfte sondern durch sogenannte back-street-doctors1 eingeführt. Ende der 50er Jahre kam das noch heute verwendete Silikon erstmals in der Elektroindustrie zum Einsatz, bevor es dann von der Medizin entdeckt wurde. Zu Beginn wurde es vor allem in Japan erstmalig Frauen injiziert. Erste Wissenschaftler warnten davor, dass diese Technik noch zu unbekannt sei und man noch nicht genug über die Auswirkungen Bescheid wüsste. Jedoch befürwortete die Mehrheit dennoch die Verwendung, da sich die Implantate anders als z.B. autologe Implantate, wie beispielsweise Lipotransplantate, wieder entfernen ließen (Baumeister, 1994, S. 1f).

1963 wurden die ersten Silikon-Brustimplantate (Stilastik) von Cronin und Gerow vorgestellt. Sie bestanden aus einer Silikonmembran und einem Silikongel als Füllung. 1965 stellte Arion eine Prothese mit einem Silikonelastomer vor, welches sich durch Diffusion von außen in die Hülle selbst zur endgültigen Größe füllte. Seit den 70er Jahren gibt es außerdem auffüllbare Implantate, welche mit Kochsalzlösung gefüllt werden (Baumeister, 1994, S. 2). Seit Einführung der Brustvergrößerungen speziell aus ästhetischen Gründen traten immer wieder Komplikationen auf. Zwar konnte die moderne Medizin diese reduzieren, jedoch nicht beseitigen. Im Folgenden soll dieses aus heutiger Sicht besonders gesellschaftsnahe Thema aufgearbeitet werden.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich daher speziell mit den Risiken der Brustvergrößerung, Anpassung (und Rekonstruktion). Da diese Praktiken bereits seit den 60er Jahren angewendet werden, sind heute bereits Langzeitfolgen und Studien bekannt. Auf allen Ebenen wird geforscht und neue Techniken werden angewendet und auch die Implantate werden stets weiterentwickelt, um Risiken zu mindern.

Ist also nach aktuellem Stand von den genannten Operationen abzuraten oder sind die Risiken minimal? Oder ist eine Operation sogar zu empfehlen? Mit welchen bspw. psychischen Verbesserungen ist nach einem Eingriff zu rechnen? Welche Techniken sind zu empfehlen und welchen Patientinnen ist generell von einer Operation abzuraten? Diese Fragen sollen im Folgenden bearbeitet und beantwortet werden. Zu diesem Zweck werden neben Literatur zu diesem Thema hauptsächlich aktuelle medizinische Wissenschaftsmagazine sowie Tagungsprotokolle herangezogen. Zu Beginn wird die Anatomie der weiblichen Brust erläutert, um Zusammenhänge zu verdeutlichen. Wie und warum sich Frauen für eine Brustvergrößerung entscheiden, wird im Anschluss geklärt. Im Hauptteil werden die Techniken und Risiken verglichen, um so am Ende ein schlüssiges Ergebnis zu erhalten. Rekonstruktionseingriffe werden im Allgemeinen mit aufgeführt.

2. Anatomie der weiblichen Brust

Die weibliche Brust entwickelt sich aus dem pektoralen Anteil der Milchleiste. Diese erstreckt sich als eine ektodermale Verdickung von Axilla über die Brust, das Abdomen bis zur Vulva und dem Ansatz der Oberschenkelinnenseite. In der frühembryonalen Phase entwickelt sich die ganze Milchleiste, ab der neunten Woche bleibt der pektorale Anteil übrig. Eine Mammillenknospe bildet sich an einer Basalzellenanhäufung. Nach innen sprießen Milchgänge, an der Oberfläche bildet sich ein Plattenepithel. In Folge der Pubertät entwickeln sich aus einfachen epithelialen Gängen Erweiterungen mit Alveolen für die mögliche Milchproduktion. In der Regel entwickelt sich die Brust paarig in der Regio pectoralis. In seltenen Fällen bilden sich auch akzessorische Mamillen entlang ektopischer Lagen. Mammakarzinome können entlang dieser Milchleiste entstehen und sind bei der Diagnose zu berücksichtigen (Weatherley-White, 1980, S. 1f)

Die Brüste, modifizierte Hautdrüsen, befinden sich an der vorderen sowie seitlichen Thoraxwand. Eine Brust reicht nach oben bis zur 2. Rippe, nach unten etwa bis zur 6. Rippe. Medial endet die Brust jeweils beim Sternum und nach außen, lateral, reicht die Brust bis zur mittleren Axillarlinie. Der Nippel-Areola-Komplex befindet sich etwa mittig zwischen 4. und 5. Rippe. Natürliche Hautlinien, die sogenannten Langer-Linien, verlaufen zirkumferent (Kaufmann, Jatoi & Petit, 2007, S. 12).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Kaufmann, Jatoi, & Petit, 2007, S. 2)

Der Drüsenkörper der Brust besteht aus 20 radiär zur Mamille angeordneten Drüsenlappen (Lobi), welche je mit einem Milchgang zur Mamille verbunden sind. Die Drüsenlappen sind weiter in je ca. 30-80 Läppchen (Lobuli) aufgeteilt. Auf den Lobuli aufbauend finden sich die Alveoli. Das System zuführender intra- und extralobulärer Anteile, sowie der terminale Ductuli formieren die terminale ductublolobuläre Einheit (Kaufmann, Jatoi & Petit, 2007, S. 14).

Die Blutversorgung findet hauptsächlich aus der A. mammaria interna und der lateralen A. thoracica statt (Kaufmann, Jatoi & Petit, 2007, S. 16).

Die Mamille wird hauptsächlich von dem Rami cutanei anteriores und laterales des 4. Interkostalnerven versorgt. Zusätzlich beteiligen sich noch der 3. und 5. Interkostalnerv. Die Nerven verlaufen direkt auf der Faszie des M. pectorales major, welcher sich unterhalb der Brust befindet. Sie verlaufen im Anschluss durch das Drüsengewebe bis zur Mamille (Weatherley-White, 1980, S. 6).

3. Medizinische sowie psychische Gründe für die Entscheidung zur Augmentationsplastik

Vorab kann man sagen, dass es aus rein medizinischer Sicht keine ‚wirkliche‘ Notwendigkeit einer Brustvergrößerung oder Anpassung gibt.

Vielmehr sind es psychologische Aspekte, die hier angeführt werden müssen. Die biologische Funktion der Brust hat in der heutigen Gesellschaft eine immer geringere Bedeutung. Viel eher ist sie für die Persönlichkeit der Frau immer mehr entscheidend. Für den Mann stellt sie ein sexuelles Symbol dar. Eine wohl gestaltete Frau gilt immer noch als Begehrteste. Mit Beginn der Brustchirurgie setzten parallel auch psychische Untersuchungen ein. Dort wurde deutlich, dass die Einstellung der Frau gegenüber ihrer eigenen Brust immer auch von der Lebensphase abhängt. Einige sind stolz, andere indifferent. Frauen haben ein differenzierteres Körperbild als Männer und tendierten mehr dazu, ihren Körper zu lieben. 1958 haben Untersuchungen herausgefunden, dass manche Frauen die Größe ihrer Brust als Maß für die Liebe ihres Vaters gegenüber ihnen betrachten. Außerdem empfinden einige Frauen kleine Brüste als Strafe für die liebenden und sexuellen Gefühle ihren Vätern gegenüber. Daraus ergibt sich in vielen Fällen, dass die Chirurgen plötzlich eine Vaterolle einnehmen, weil sie der Frau zu einer größeren Brust verhelfen. Als Ergebnis ließen sich oft veränderte Gefühle der Frauen postoperativ feststellen und auch eine sehr hohe Zufriedenheit mit dem Ergebnis (Baumeister, 1994, S. 38).

Neben dem Versuch der immer brustbewussteren Gesellschaft zu gefallen, wie es die Literatur nennt, sind es auch Verluste, welche einen Wunsch der Rekonstruktion mit sich bringen. Brustkrebs ist die gefürchtetste Krankheit vieler Frauen. Der Verlust der Brust ist für die meisten ein traumatisches Ereignis. Die Phasen der Verarbeitung dieser Tatsache werden gleichgesetzt mit Reaktionen auf Tod und Sterben. Angst, Wut und Depressionen sind oft die Folge. Die Reaktion ist zudem maßgeblich vom Alter abhängig. Während junge Frauen heftig reagieren, verläuft es bei älteren Frauen weniger stark. In Verbindung mit der Brustrekonstruktion stellte sich heraus, dass mit Hilfe einer zeitnahen Operation und Widerherstellung der Brust, das ÄPostmastektomie-Syndrom“2 gemildert werden konnte. Der Psychologe Dean (et. al) konnte zusammenfassend feststellen, dass die Entscheidung über eine Rekonstruktion getrost der Patientin überlassen werden kann, da sie schon wisse, wie wichtig ihr ihre eigene Brust sei (Baumeister, 1994, S. 39ff).

Im Allgemeinen stellt man jedoch fest, dass Frauen, welche den Wunsch der Vergrößerung haben, grundsätzlich psychische Probleme aufweisen. Denn anatomische Fehler lagen gemäß Studien durch Edgerton grundsätzlich nicht vor. Generell belasten anatomische Fehlbildungen, wie Asymmetrien oder das Poland-Syndrom, die Psyche mancher Frauen hingegen sehr. Daher kam man zu dem Ergebnis, dass eine Zusammenarbeit von Chirurgen und Therapeuten sinnvoll wäre. Patientinnen, welche nach psychiatrischer Untersuchung für eine Operation empfohlen worden waren, waren mit dem Ergebnis überaus zufrieden. Weiterhin fanden Wissenschaftler heraus, dass, anders als erwartet, die Zufriedenheit nicht zeitnah abklingt, sondern noch lange Bestand hat. Selbst nach 4 Jahren sind die Patientinnen noch zufrieden mit dem Ergebnis (Baumeister, 1994, S. 45).

ÄDaraus kann gefolgert werden, daß eine operative Korrektur der weiblichen Brust bei Beachtung vorhandener Kontraindikationen psychosomatisch-therapeutisch sinnvoll und indiziert ist und eine ‚effektive Hilfe bei der Bewältigung psychischer und psychosozialer Beeinträchtigungen durch Fehlbildungen der Mammae‘ darstellen kann“ (Baumeister, 1994, S. 45).

Kontraindikationen für kosmetische Chirurgie der weiblichen Brust finden sich im Anhang.

4. Techniken und Risiken

Aktuell gibt es sehr unterschiedliche Techniken der Brustvergrößerung bzw. Anpassung. Man unterscheidet grundsätzlich in zwei Arten, in autologe Verfahren, bei dem Eigengewebe verwendet wird und das klassische Verfahren, bei dem Prothesen aus unterschiedlichen Materialien, zumeist Silikone, eingesetzt werden. In der wiederherstellenden Chirurgie gibt es weitere Verfahren die insbesondere der Rekonstruktion dienen.

[...]


1 Scharlatane und Nicht-Mediziner praktizierten auf Hinterhöfen (Baumeister, 1994)

2 Schmerzvolle Verarbeitungsphase, beim Verlust der Brust (Baumeister, 1994, S. 39)

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Risiken bei Brustvergrößerungen (Augmentationsplastiken) insbesondere bei der Verwendung von Brustimplantaten
Hochschule
Universität Rostock
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V208008
ISBN (eBook)
9783656353386
ISBN (Buch)
9783656354741
Dateigröße
972 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brustimplantate, Brustvergrößerungen, PIP
Arbeit zitieren
Christoffer Robeck (Autor), 2013, Risiken bei Brustvergrößerungen (Augmentationsplastiken) insbesondere bei der Verwendung von Brustimplantaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208008

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