Die Politisierung des Buddhismus auf Sri Lanka

Ihre Herkunft und Bedeutung für den Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I.: Einleitung

II.: Der Buddhismus Sri Lankas vor der Kolonisierung durch die Europäer
II.1.: Der Sangha in der Theorie
II.2.: Der Sangha auf Sri Lanka
II.3.: Rolle der Mönche
II.4.: Bedeutung des Buddhismus für Sri Lanka

III.: (Re-)Politisierung des Buddhismus
III.1.: Buddhismus und Politik unter britischer Herrschaft
III.2.: Revitalisierung des Buddhismus
III.3.: Dharmapala und seine Ideologie
III.4.: Rolle des politischen Buddhismus unter britischer Herrschaft bis zur Einführung der Selbstverwaltung
III.5.: Buddhismus im politische System und Bedeutung des Buddhismus innerhalb der Politik bis zu Unabhängigkeit

IV.: Auswirkungen der buddhistischen (Re-)Politisierung auf die Gesellschaft

V.: Fazit

VI.: Literaturverzeichnis

I.: Einleitung

Im westlichen Verständnis ist der Buddhismus eine friedfertige und unpolitische Religion.[1] Dass dieses Bild nicht der Wahrheit entspricht soll in dieser Arbeit nun aufgezeigt werden. Im Folgenden wird die Bedeutung des Buddhismus für Sri Lanka herausgearbeitet werden, ebenso wie die Einmischung der Religion in die Politik bis in das Jahr 1948.

Um dies aufzuzeigen gliedert sich die Arbeit in zwei Teile. Dabei soll im ersten Teil das Hauptaugenmerk auf der Geschichte Sri Lankas bis zum ersten Eintreffen der Europäer liegen. Zum Verständnis wird kurz die Theorie des Sangha dargelegt, während daraufhin der reale Sangha auf Sri Lanka beschrieben wird, wie er vor dem 18. Jahrhundert bestand. Weiterhin soll die Rolle des Mönches in dieser Zeit beschrieben werden, seine Tätigkeiten und seine Involvierung in die Gesellschaft. Im letzten Teil dieses Abschnittes des ersten Teiles soll auf die Bedeutung des Buddhismus für Sri Lanka bezüglich und vor allem der Geschichtsschreibung eingegangen werden, da diese die Wichtigkeit des Buddhismus hervorhebt. Gleichzeitig wird diese Bedeutung für den zweiten Teil der Arbeit interessant, da die Historiographie des Buddhismus auf den Konflikt zwischen Sri Lanka und dem kolonisierenden Europa großen Einfluss hatte. Zunächst wird kurz dargelegt, wie sich die Herrschaft der Europäer auf die Gesellschaft und Religion auswirkte, um dann auf die Revitalisierung des Buddhismus im 19. Jahrhundert einzugehen. Neben dem Wiederaufkommen des Buddhismus wird Anagarika Dharmapala aufgrund seiner bedeutenden Ideologie gesondert behandelt, da diese heuten noch von Wichtigkeit ist. Nach dieser Beschreibung wird die Rolle des Buddhismus unter britischer Verwaltung dargelegt. Der letzte Abschnitt dieses Teils legt die Integration des Buddhismus in das politische System dar und soll die Bedeutung des Buddhismus für die Erlangung der Unabhängigkeit aufzeigen.

Im letzten Teil der Arbeit soll beschrieben werden, welche Auswirkungen die Involvierung des Buddhismus in Staatsangelegenheiten und ihre zurück gewonnene Stärke auf die Gesellschaft Sri Lankas hatte und noch immer hat.

Das Fazit behandelt die Frage, inwiefern die Politisierung des Buddhismus eine Erscheinung der Neuzeit ist und wie sehr sie die Konflikte mit den Tamilen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begünstigt.

II.: Der Buddhismus Sri Lankas vor der Kolonisierung durch die Europäer

Der Buddhismus hat innerhalb der Geschichte Sri Lankas eine besondere Rolle inne, da dieser dort bereits sehr früh in Erscheinung tritt. Die Einwohner Sri Lankas unterhielten gute Beziehungen zu Indien, dem Entstehungsort des Buddhismus, sodass der Buddhismus bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. nach Sri Lanka gelangte.[2] Der buddhistischen Tradition nach kam Mahinda, der Sohn des legendären Asokas, [3] mit buddhistischen Mönchen aus Indien nach Sri Lanka und missionierte dort mit Erfolg, sodass der damalige König zum Buddhismus konvertierte. Die nach Sri Lanka gebrachte Form des Buddhismus ist noch heute bekannt als die Tradition des Theravada.[4] Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Buddhismus auf Sri Lanka zu einer festen Institution und verbreitete sich von diesem Standpunkt aus weiter nach Birma und Thailand verbreitete.[5]

Nach dem Eintreffen des Buddhismus wurde die Lage bedrohlicher, da der wirtschaftlich bedeutsame Norden Sri Lankas vom 3. Jahrhundert n. Chr. an immer wieder Opfer von Überfallen der hinduistischen Bevölkerungsgruppen aus dem Süden Indiens wurden. Die hinduistischen Tamilen, die es schon lange auf Sri Lanka gab, unterstützten die Inder und gewannen so Einfluss auf Sri Lanka.[6] Bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts konnten die singhalesischen Machthaber ihre Herrschaft im Kampf gegen die aus Indien kommenden Hindus größtenteils behaupten, nur der Nordteil war zeitweise unter hinduistischer Kontrolle. Parakramabahu I. war es aber möglich, Sri Lanka kurzzeitig wieder zu vereinen. Dennoch herrschten durchgehend Konflikte um den Norden Sri Lankas. Während der Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts veränderte Sri Lanka sich gravierend. Die Singhalesen wurden durch die einfallenden Hindus und Tamilen, die es schafften das Königreich von Jaffna im Norden des Landes zu etablieren, in den Süden des Landes verdrängt. Parakramabahu VI. schaffte es erst im Jahre 1450 wieder die Insel unter singhalesischer Vorherrschaft zu vereinen. Jedoch hatte dieses Königreich nicht lange bestand, kurz nach seinem Tod wurde das Königreich von Jaffna wieder unabhängig. Des Weiteren siedelten sich zunehmend muslimische Händler auf der Insel an und gewannen in ihrer Funktion langsam an Macht. Als die Portugiesen auf Sri Lanka ankamen, befanden sich die drei bestehenden Königreiche in einer politisch instabilen und umkämpften Situation.[7]

II.1.: Der Sangha in der Theorie

Der Sangha bezeichnet die Ordensgemeinschaft des buddhistischen Glaubens, der durch einen Regelkatalog geordnet wird. Innerhalb der Ordensgemeinschaft befinden sich die Mönchs- und Nonnenorden, die für die Aufnahme neuer Mönche und die Einhaltung der Regeln verantwortlich sind und der Idee nach egalitär organisiert waren. Der Orden wurde durch die Gaben der Laien ernährt, da es den Mönchen durch das Vinaya, das Ordensrecht, nicht erlaubt war ihre einstigen Vermögen zu behalten beim Eintritt in den Orden, zu arbeiten oder mit Geld in Berührung kommen. Es war den Laien jedoch gestattet dem Sangha Geschenke zu machen, die nicht nur Verpflegung und Unterkunft umfassen, sondern auch Besitztümer.[8]

II.2.: Der Sangha auf Sri Lanka

Im Gegensatz zur Theorie herrscht auf Sri Lanka eine andere Form des Sangha. Durch Spenden der Laien wurde der Sangha im Laufe der Zeit zunehmend wohlhabender und mächtiger, was vor allem den Besitz von Ländereien angeht. Dies brachte einen Strukturwandel mit sich, da sich einzelne Gemeinden niederließen und dem Mönchsideal entsagten. Im Ceylon des 1. Jahrhunderts ist nachgewiesen, dass die egalitäre Struktur des Sangha unterminiert und ein Klosteroberhaupt eingesetzt wurde.[9] Der Sangha auf Sri Lanka hatte vor der Ankunft Europäer mit Spaltungen zu kämpfen, die oft auch etwas mit der Gunst des Königs zu tun hatte, [10] die sich bis in das 12. Jahrhundert hineinzogen.[11] Die Ordensgemeinschaft konnte aber aufgrund fehlender Institutionen, die im Ordensrecht nicht vorgesehen waren, gegen diese Eventualität nicht vorgehen.[12] Weiterhin zersplitterte der Sangha auf Sri Lanka in kleine Gemeinschaften, was durch die Einsetzung eines Klosteroberhaupts begünstigt wurde. Da es in manchen Klöstern nötig war, seinen Nachfolger als Klosteroberhaupt zu bestimmen, entwickelten sich Dynastien, die über die Klöster herrschten. Diese Dynastien waren auch mit den Herrscherfamilien verbunden und bauten über die Jahrhunderte Prestige und Einfluss auf.[13]

Durch die Anhäufung von Reichtum, Besitz und Missständen, die gegen das Ordensrecht verstießen, wurde es des Öfteren für nötig Empfunden, dass der Sangha reformiert werden und die Ordinationslinien wiederhergestellt werden müssten. In der Geschichte der Königsherrschaft in Ceylon [14] war dies 16-mal der Fall, wobei vier dieser Könige vor dem Problem standen, dass weniger als fünf ordentlich ordinierte Mönche vorhanden waren und Mönche aus anderen Ordinationslinien [15] herangezogen werden mussten. Der Buddhismus hatte eine privilegierte Position inne, als dass der Staat dem Sangha half und unter staatlicher Patronage stand.[16] Das Prinzip der Sangha-Reformation diente unter Asoka und den Großkönigen aber auch als ein Mittel, um die Mönche aus der Politik herauszuhalten, da die neu ordinierten Mönche sich mehr auf ihre eigentliche Rolle konzentrierten, als dies vorher der Fall war.[17] Es wird deutlich, dass der Sangha bereits vor der Ankunft der Europäer in die Staatsangelegenheiten verwickelt war und diese Rolle auch annahm.

II.3.: Rolle der Mönche

Die Mönche hatten auf Sri Lanka mehrere Aufgaben. Der erste Bereich gründet sich auf die Annahme von Spenden, bei denen die Laien erwarteten, dass die Mönche ihnen etwas zurückgeben würden. Dies war im meisten Fall Unterricht in religiösen Dingen oder die Arbeit als Priester und Prediger. Diese Übernahme von Dienstleistungen hatte zur Folge, dass die Mönche auch innerhalb der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewannen und folglich sich integrierten.[18]

Die zweite Aufgabe kam bereits innerhalb der Beschreibung des Sangha auf Sri Lanka zum Vorschein, nämlich die Verflechtung der Mönche in die Agrarkultur. Neben armen Mönchen, die meist in ländlichen Gegenden lebten, entstanden im Laufe der Zeit in der Nähe der Städte große Ländereien, die den Klöstern gehörten. Durch den Einfluss, den der Sangha durch ihre Besitztümer gewann, wurde dieser zunehmend mächtig und schlüpfte in die Rolle eines Agrarherren, der in der hierarchischen Struktur der Gesellschaft von enormer Bedeutung war.[19]

Freilich starteten die Klöster nicht direkt als Großgrundbesitzer. Innerhalb des Sangha gab es Widerstand gegen diesen Verstoß gegen das Ideal des weltabgewandten und armen Mönch. Doch am Ende des 12. Jahrhunderts war der Sangha zu einem Großgrundbesitzer von entscheidender Bedeutung geworden, dem stellenweise ganze Dörfer gehörten. Im 13. Jahrhundert wurde die soziale Struktur, die bis zu diese Zeitpunkt bestand, jedoch während eines Krieges von Magha, einem südindischen Herrscher, zerstört, ebenso wie ein Großteil der Kultur der Singhalesen.[20] Unter Parakramabahu II. wurde versucht dem Sangha wieder zu alter Macht zu verhelfen, was auch bis in das 18. Jahrhundert stellenweise gelang, ihre Macht jedoch zunehmend unter der Fremdherrschaft der Europäer versiegte. Von Anfang an bestand die Annahme, dass der Buddhismus nicht nur aus religiösen, sondern auch aus politischen Gründen eingeführt wurde und somit eine nicht unwichtige Rolle innerhalb der Politik einnahm. Neben der Beziehung des Sangha zu den Mönchen spielte auch die Beziehung zum König eine bedeutende Rolle. Dieser war ein Laie wie jeder Andere auch, der sich um gutes Karma bemühen musste und somit dem Sangha Spenden zukommen ließ. Auf der anderen Seite verwaltete der Sangha einen Großteil seines Landes, des Weiteren legitimierte der Sangha den König in seiner Herrschaft.[21]

Neben den Mönchen, die sich der Welt zuwandten und mitten in der Gesellschaft lebten, gab es auch Mönche, die dem Idealbild des Mönchs folgten und ein Leben in Abgeschiedenheit führten, dadurch aber politisch irrelevant wurden.[22]

Zu dieser Zeit war die Rolle der Mönche in ihren ersten beiden Punkten besonders wichtig für die Gesellschaft und das Dorf auf Sri Lanka, da sie bis zu der Ankunft der Europäer sich vor allem als Lehrer und religiöse Dienstleister engagierten und so Einfluss auf breite Bevölkerungsschichten ausüben konnten.[23]

[...]


[1] vgl. Hierzu: Oliver Freiberger und Christoph Kleine: Buddhismus. Handbuch und kritische Einführung, Göttingen 2011, S. 467ff., im Folgenden zitiert als: Freiberger: Buddhismus.

[2] Freiberger: Buddhismus, S. 55.

[3] Asoka lebte von 273-236 v. Chr. und war indischer Großkönig. Besonders bedeutend ist er für seine buddhistischen Missionierungen, unter anderem nach China, vgl. Freiberger: Buddhismus, S. 112.

[4] Richard F. Gombrich: Theravada Buddhism. A social history from ancient Benares to modern Colombo, Oxon 22006, S. 148-150, im Folgenden zitiert als: Gombrich: Theravada.

[5] Freiberger: Buddhismus, S. 57.

[6] K. M. de Silva: Art. History to Independece. Sri Lanka, in: Francis Robinson (Hg.): The Cambridge Encyclopdia of India, Pakistan, Bangladesh, Sri Lanka, Nepal, Bhutan and the Maledives, Cambridge 1989, S. 149, im Folgenden zitiert als: Silva: Sri Lanka.

[7] Silva: Sri Lanka, S. 150-152.

[8] Freiberger: Buddhismus, S. 293-295.

[9] Heinz Bechert: Buddhismus, Staat und Gesellschaft in den Ländern des Theravada-Buddhismus, Band 1, Frankfurt am Main/Berlin 1966, S. 11-13, im Folgenden zitiert als Bechert: Staat.

[10] Michael B. Carrithers: „Sie werden die Herren der Insel sein“: Buddhismus in Sri Lanka, in: Heinz Bechert/Richard Gombrich (Hgg.): Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart, München 22002, S. 159 im Folgenden zitiert als: Carrithers: Herren.

[11] Freiberger: Buddhismus, S. 55-58.

[12] Bechert: Staat, S. 12.

[13] Ananda S. Kulasuriya: Regional Independence and Élite Change in the Politics of the 14th-Century Sri Lanka, in: Journal of the Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland, Nr. 2 1976, S. 141-148.

[14] Die Königsherrschaft beginnt mit Dutthagamani im 1. Jahrhundert v. Chr. und endet schließlich 1620 mit den Untergang des Königreichs von Jaffna, vgl.: Silva: Sri Lanka, S. 147-149.

[15] Ordinationslinien bezeichnet die Legitimierung der Tradition, indem sich die Mönche möglichst bis auf den Buddha berufen, von dem sie gelernt haben, vgl. Freiberger: Buddhismus, S. 309f.

[16] Bechert: Staat, S. 30-31.

[17] Bechert: Staat, S. 33.

[18] Carrithers: Herren, S. 142-146.

[19] Carrithers: Herren, S. 146-147.

[20] Carrithers: Herren, S. 142 (Kultur) und 153 (soziale Struktur).

[21] Carrithers: Herren, S. 148-156.

[22] Carrithers: Herren, S. 160-161.

[23] Gombrich: Theravada, S. 146f.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Politisierung des Buddhismus auf Sri Lanka
Untertitel
Ihre Herkunft und Bedeutung für den Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Centrum für religionswissenschaftliche Studien)
Veranstaltung
Wechselwirkung III: Religion, Politik und Staatlichkeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V208076
ISBN (eBook)
9783656354666
ISBN (Buch)
9783656354864
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Religion, Buddhismus, Dharmapala, Tamilen, Singhalesen, Sri Lanka, Politik
Arbeit zitieren
Christoph Kohls (Autor), 2012, Die Politisierung des Buddhismus auf Sri Lanka, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208076

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Politisierung des Buddhismus auf Sri Lanka


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden