„Du sollst nicht die Ehe brechen“ lautet eines der zehn biblischen Gebote, die bereits vor Jahrhunderten das Leben von Christen und Juden regelten. Dass sich ein so simpler Grundsatz über einen derart großen Zeitraum in verschiedenen Gesellschaften gehalten hat, verdeutlicht zweierlei: Einerseits die Tradition und andererseits die Bedeutung der Ehe für die Menschen. Während die Ehe jedoch früher als unlösbarer, ewiger Bund verstanden wurde, lässt sich bis in die Neuzeit eine grundsätzliche Wesensänderung beobachten. Heute dient sie vielen als Zweckgemeinschaft, um finanzielle oder steuerliche Erleichterungen zu erhalten, und wird häufig geschieden. Grundlegend und mitverantwortlich für diesen Bedeutungswandel sind die weitreichenden Veränderungen in der Scheidungsgesetzgebung in vielen westlichen Ländern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Breiter Konsens herrscht in der Forschung darü-ber, dass sich die Ehe verändert hat. Welcher Art diese Änderungen jedoch waren, ist Gegen-stand unterschiedlichster Untersuchungen, die zu diversen Theorien und Vermutungen geführt haben. Aufgrund der besseren Verfügbarkeit von Daten und qualitativen sowie quantitativen Analysen sollen im Folgenden diese Arbeiten zum Einfluss des Scheidungsrechts ausschließ-lich in Bezug auf Amerika untersucht werden. Zu diesem Zwecke schließen sich der Einlei-tung vier weitere Kapitel mit den folgenden Inhalten an: Das zweite Kapitel besteht aus einer kurzen Zusammenfassung der Entwicklung der Scheidungsgesetze in Amerika sowie einer modelltheoretischen Untersuchung bezüglich der Konsequenzen für die Verhandlungen in der Ehe, wobei die beiden meistzitierten Modelle zu dieser Analyse herangezogen werden. Die Effekte in der Entwicklung der Scheidungsquote sind Gegenstand des dritten Kapitels. An-schließend werden im vierten Teil der Arbeit die Auswirkungen des Scheidungsrechts auf weiteren Gebieten behandelt, ehe das fünfte Kapitel mit einer Zusammenfassung schließt.
Inhaltsverzeichnis
- Von der Lebensgemeinschaft zur Zweckgemeinschaft
- Änderung des Scheidungsrechts und eheliche Verhandlungen
- „Divorce Revolution“ in Amerika
- Coase-Modell der gemeinschaftlichen Nutzenfunktion
- Modell mit externen Drohpunkten
- Kritischer Vergleich beider Modelle
- Anzahl der Scheidungen im Wandel des Gesetzes
- Entwicklung der Scheidungsquote in den USA
- Kurzfristige Auswirkungen auf die Scheidungszahl
- Längerfristige Umkehrung des Trends
- Andere Interpretationen und Einordnung der Effekte
- Weitere Auswirkungen des Scheidungsrechts
- Rückgang der häuslichen Gewalt
- Beeinflussung der Kinder
- Weitere Konsequenzen innerhalb der Ehe
- Erkenntnisse und Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit der Entwicklung des Scheidungsrechts in Amerika und analysiert die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die Ehe. Die Arbeit untersucht, wie das Scheidungsrecht eheliche Verhandlungen beeinflusst und welche Auswirkungen es auf die Scheidungsquote hat. Darüber hinaus werden weitere Auswirkungen des Scheidungsrechts, wie zum Beispiel auf die häusliche Gewalt und die Kinder, betrachtet.
- Einfluss des Scheidungsrechts auf die Ehe
- Verhandlungsdynamik in der Ehe
- Entwicklung der Scheidungsquote in Amerika
- Auswirkungen des Scheidungsrechts auf die Gesellschaft
- Analyse unterschiedlicher ökonomischer Modelle
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel führt in die Thematik ein und beleuchtet den Wandel der Ehe von einer unlösbaren Lebensgemeinschaft zu einer Zweckgemeinschaft. Kapitel Zwei befasst sich mit der „Divorce Revolution“ in Amerika, die durch die Liberalisierung des Scheidungsrechts in den 1960er und 1970er Jahren eingeleitet wurde. In diesem Kapitel werden zwei wichtige Modelle zur Analyse der ehelichen Verhandlungen vorgestellt: das Coase-Modell der gemeinschaftlichen Nutzenfunktion und das Modell mit externen Drohpunkten. Kapitel Drei analysiert die Entwicklung der Scheidungsquote in den USA und untersucht die kurz- und langfristigen Auswirkungen der Gesetzesänderung auf die Scheidungszahl. Das vierte Kapitel untersucht weitere Auswirkungen des Scheidungsrechts, wie zum Beispiel auf die häusliche Gewalt und die Kinder.
Schlüsselwörter
Die Seminararbeit befasst sich mit den Schlüsselbegriffen Scheidungsrecht, Ehe, Verhandlungen, Scheidungsquote, ökonomische Modelle, Coase-Theorem, externe Drohpunkte, „Divorce Revolution“, häusliche Gewalt und Kinder. Die Arbeit analysiert den Einfluss des Scheidungsrechts auf die Ehe und deren Folgen für die Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Was war die "Divorce Revolution" in den USA?
Dies beschreibt die weitreichende Liberalisierung des Scheidungsrechts in den 1960er und 1970er Jahren, die den Übergang zum verschuldensunabhängigen Scheidungsrecht markierte.
Wie beeinflusst das Scheidungsrecht die Verhandlungen innerhalb einer Ehe?
Ökonomische Modelle zeigen, dass leichtere Scheidungsbedingungen die "Drohpunkte" in Verhandlungen verändern und somit die Machtverteilung und Investitionen innerhalb der Partnerschaft beeinflussen.
Hat die Änderung des Rechts die Scheidungsquote langfristig erhöht?
Untersuchungen zeigen kurzfristig einen starken Anstieg der Scheidungszahlen, während die langfristigen Effekte komplexer sind und oft eine Umkehrung oder Stabilisierung des Trends zeigen.
Welche Auswirkungen hat ein liberales Scheidungsrecht auf häusliche Gewalt?
Studien deuten darauf hin, dass die Möglichkeit einer einfacheren Trennung zu einem Rückgang häuslicher Gewalt führen kann, da Partner eine leichtere Ausstiegsoption haben.
Was besagt das Coase-Modell im Kontext der Ehe?
Das Coase-Modell geht davon aus, dass Partner effiziente Entscheidungen treffen, solange die Transaktionskosten niedrig sind, unabhängig davon, wie das Recht die Zuteilung von Ansprüchen regelt.
- Quote paper
- Daniel Föller (Author), 2010, Trennungsrecht und Scheidungsquote, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208105