Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Kapitalmarktanomalien auf die Renditeentwicklung US-amerikanischer Aktien. Unter Kapitalmarktanomalien werden Renditeverzerrungen verstanden, die im Widerspruch zur Effizienzmarkthypothese und den postulierten Implikationen der klassischen Modelle der Kapitalmarkttheorie stehen. Nach der Beschreibung der klassischen Kapitalmarkttheorie im ersten Teil der Arbeit werden die bekanntesten Kapitalmarktanomalien und deren Erklärungsansätze im zweiten Teil vorgestellt. Angeregt durch die Untersuchung von Bali, Cakici und Whitelaw im Jahr 2011, wonach Aktien mit extrem hohen Renditen im Folgemonat schlechter als der Markt performen wird in dieser Arbeit, neben der Überprüfung dieses Effektes, die Beziehung zwischen extrem niedrigen Renditen und der zukünftigen Rendite im Folgemonat bei amerikanischen Unternehmen im Zeitraum von 1994-2009 untersucht. Grundannahme ist, dass große Tagesverluste Aktien unattraktiv werden lassen und damit zukünftig eine höhere Rendite zur Folge haben. Multivariate Querschnittsregressionen auf Unternehmensebene können die bisherigen empirischen Ergebnisse nicht bestätigen, da nachgewiesen werden kann, dass beide Effekte lediglich Proxy-Variablen für Volatilität sind. Es besteht eine signifikant positive Beziehung zwischen Volatilität und Rendite im Folgemonat.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 KLASSISCHE KAPITALMARKTMODELLE
2.1 DAS PORTFOLIO SELECTION MODELL NACH HARRY M. MARKOWITZ
2.1.1 Effiziente und optimale Portfolios
2.1.2 Bestimmung effizienter Portfolios ohne risikofreie Anlage
2.1.3 Effiziente Portfolios mit risikofreier Anlage
2.1.4 Modellkritik
2.2 DAS CAPITAL ASSET PRICING MODEL
2.2.1 Annahmen und Kapitalmarktlinie
2.2.2 Wertpapierlinie
2.2.3 Modellkritik
2.3 MEHRFAKTORENMODELLE NACH FAMA/FRENCH (1992) UND CARHART (1997)
2.3.1 Das Dreifaktorenmodell nach Fama und French (1992)
2.3.2 Das Vierfaktorenmodell nach Carhart (1997)
2.3.3 Modellkritik
3 KAPITALMARKTANOMALIEN: EMPIRIE UND ERKLÄRUNGSANSÄTZE
3.1 KALENDERANOMALIEN
3.1.1 Januareffekt
3.1.2 Sell in May Effekt
3.1.3 Turn of the month Effekt
3.1.4 Montagseffekt
3.1.5 Pre-Holiday Effekt
3.2 KENNZAHLENANOMALIEN
3.2.1 Kleinfirmeneffekt
3.2.2 Firmenvernachlässigungseffekt
3.2.3 Value Effekt
3.3 TECHNISCHE ANOMALIEN
3.3.1 Winner-Loser Effekt
3.3.2 Momentum Effekt
3.3.3 Index-Effekt
3.3.4 Intraday Effekt
3.3.5 Closed End Fund puzzle
3.3.6 Low Volatility Effekt
3.3.7 MIN/MAX Effekt
3.4 WEITERE ANOMALIEN
3.5 ZUSAMMENFASSUNG UND IMPLIKATIONEN DER ANOMALIEN FÜR HANDELSSTRATEGIEN
4 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG DES MIN EFFEKTES
4.1 DATEN
4.2 CHARAKTERISIERUNG DES PORTFOLIOS
4.2.1 Rendite und Risiko
4.2.2 Saisonale Muster
4.3 MIN EFFEKT
4.3.1 Methodik
4.3.2 Variablendefinition
4.3.3 Ergebnisse
4.4 VOLATILITÄT UND EXTREME RENDITEN
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Kapitalmarktanomalien auf die Renditeentwicklung US-amerikanischer Aktien, mit einem besonderen Fokus auf den sogenannten MIN/MAX-Effekt und die Frage, ob Kursstürze eine Aktie für Anleger attraktiver machen.
- Analyse klassischer Kapitalmarktmodelle (Markowitz, CAPM, Mehrfaktorenmodelle)
- Theoretische Aufarbeitung bekannter Kapitalmarktanomalien
- Empirische Untersuchung des MIN/MAX-Effektes anhand von US-Daten (1994-2009)
- Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Volatilität und Rendite als alternative Erklärung
- Diskussion der Implikationen für Handelsstrategien
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Winner-Loser Effekt
Nach dem Winner-Loser Effekt tendieren Wertpapiere mit langfristig vergleichsweise niedriger Rendite zu einer Gegenbewegung, so dass durch deren Kauf eine Überrendite erzielt werden kann. Entsprechend erfahren Aktien, die in der Vergangenheit besser als der Markt performt haben, häufig Kursrückgänge, so dass ein Leerverkauf dieser Aktien profitabel sein kann (vgl. Holtfort 2009: 90). Somit kann eine Handelsstrategie, die diese Anomalie ausnutzt, als antizyklisch oder Contrarian Strategie bezeichnet werden. Es scheint ein Mean-Reversion Verhalten aufzutreten, bei dem starke Kursbewegungen in eine Richtung durch anschließende Bewegung in die andere Richtung ausgeglichen werden (vgl. De Bondt/Thaler 1985: 795).
De Bondt und Thaler (1985) untersuchten den Winner-Loser Effekt im Zeitraum von 1926 bis 1985. Dabei ordneten sie die untersuchten Aktien nach ihrer 3-Jahres-Performance (Formationsperiode) und bildeten aus den 35 besten und 35 schlechtesten Aktien ein Gewinner- und Verliererportfolio, welches die folgenden drei Jahre gehalten wurde (Halteperiode). Dabei erreichte das Verliererportfolio eine Überrendite von 19,6 % und das Gewinnerportfolio nur von 5 %, was kumuliert 24,6 Prozentpunkten entspricht. Zusätzlich traten dabei ein Großteil der Überrenditen im Januar auf, was auf einen Einfluss des Januareffektes schließen lässt. Des Weiteren scheint der Winner-Loser Effekt stärker bei Verliereraktien als bei Gewinneraktien aufzutreten, letztere entwickelten sich meist nur geringfügig schlechter als der Markt. Zudem trat der Winner-Loser Effekt größtenteils erst nach einer Haltedauer der Aktien von 2 Jahren auf, was eine Mindesthaltedauer von 3 Jahren empfehlenswert erscheinen lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Thematik der Kapitalmarktanomalien ein und definiert die Forschungsfrage, ob extrem negative Renditen (MIN) Aktien für künftige Perioden attraktiver machen.
2 KLASSISCHE KAPITALMARKTMODELLE: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die theoretischen Grundlagen der Portfoliotheorie und des CAPM sowie deren Erweiterungen durch Mehrfaktorenmodelle.
3 KAPITALMARKTANOMALIEN: EMPIRIE UND ERKLÄRUNGSANSÄTZE: Es erfolgt eine detaillierte systematische Vorstellung bekannter Anomalien, unterteilt in Kalender-, Kennzahlen- und technische Anomalien.
4 EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG DES MIN EFFEKTES: Das Hauptkapitel präsentiert die empirische Datenanalyse der US-Märkte, die Überprüfung des MIN/MAX-Effektes und die Untersuchung des Volatilitätseinflusses.
5 FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die untersuchten Effekte stark mit der Volatilität korrelieren und nicht als eigenständige Anomalien bestätigt werden können.
Schlüsselwörter
Kapitalmarktanomalien, Aktienrenditen, MIN/MAX-Effekt, Volatilität, CAPM, Portfolio Selection Model, Markteffizienz, Behavioral Finance, Contrarian Strategie, Momentum-Effekt, Unternehmensgröße, Value-Effekt, Empirische Finanzmarktforschung, Risikofaktoren, Handelsstrategien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob bestimmte Kapitalmarktanomalien, insbesondere der sogenannte MIN/MAX-Effekt, einen Einfluss auf zukünftige Aktienrenditen haben und ob Investoren dadurch Überrenditen erzielen können.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Arbeit umfasst die klassische Kapitalmarkttheorie, eine breite Übersicht über verschiedene bekannte Anomalien sowie eine empirische Untersuchung von US-Aktien im Zeitraum 1994 bis 2009.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Beantwortung der Frage, ob Kursstürze (extrem negative Tagesrenditen) dazu führen, dass Aktien im Folgemonat attraktiver werden und eine höhere Rendite erzielen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden multivariate Querschnittsregressionen nach dem Fama/MacBeth-Verfahren durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen verschiedenen Variablen und zukünftigen Renditen zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung klassischer Modelle und Anomalien sowie eine eigene empirische Analyse des Datensatzes von 986 US-Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind Kapitalmarktanomalien, MIN/MAX-Effekt, Volatilität, Effizienzmarkthypothese und Performance-Analyse.
Bestätigen die Ergebnisse den MIN/MAX-Effekt als eigenständige Anomalie?
Nein, die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Effekte lediglich als Proxy-Variablen für die Volatilität fungieren und keine neue, eigenständige Anomalie darstellen.
Welche Rolle spielt die Volatilität in der Analyse?
Die Volatilität erweist sich als entscheidender Faktor; es besteht eine signifikant positive Beziehung zwischen der Volatilität und der Rendite im Folgemonat, was die vorher beobachteten Effekte erklärt.
- Arbeit zitieren
- Alexander Ludewig (Autor:in), 2012, Der Einfluss von Kapitalmarktanomalien auf die Renditeentwicklung US-amerikanischer Aktien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208112