Die Renminbi Öffnung und neue Möglichkeiten der Absicherung im Außenhandel mit China


Bachelorarbeit, 2012
55 Seiten, Note: Gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zentrale Problemstellung und Relevanz der Thematik
1.2 Forschungsfrage und Ziel der Arbeit
1.3 Vorgehensweise und Methodik

2 Der Renminbi (RMB)
2.1 Geschichte des RMB
2.2 Liberalisierung des RMB
2.2.1 Entwicklung des RMB nach Bekanntmachung der Liberalisierungsstrategie
2.2.2 Internationalisierung des RMB
2.2.3 Renminbi Trade Settlement Scheme (RTSS)
2.2.3.1 Entwicklung des Renminbi Trade Settlement Scheme
2.2.3.2 Ablauf von RTSS-Transaktionen
2.2.4 Fester vs. frei konvertierbarer Wechselkurs in Bezug auf China
2.2.4.1 Argumente für ein festes Wechselkurssystem
2.2.4.2 Argumente für ein flexibles Wechselkurssystem
2.2.5 RMB als potenzielle zukünftige Weltwährung
2.2.6 Zwischenresümee

3 Offshore-Markt Hongkong
3.1 Entwicklung des Offshore-Marktes Hongkong
3.2 Ausländische Direktinvestitionen über Hongkong
3.3 Offshore-Währungshandel in RMB
3.4 RMB-Offshore-Konten
3.5 Dim Sum Bonds
3.6 Absicherungsinstrumente
3.6.1 Absicherungsinstrumente allgemein
3.6.1.1 Devisen-Forwards
3.6.1.2 Devisen-Futures
3.6.1.3 Devisen-Optionen
3.6.2 RMB-Absicherungsinstrumente am Finanzplatz Hongkong
3.6.2.1 Non-Deliverable Forwards am Finanzplatz Hongkong
3.6.2.2 CNH-Futures am Finanzplatz Hongkong
3.6.2.3 Weitere Absicherungsinstrumente am Finanzplatz Hongkong
3.7 Zwischenresümee

4 Exkurs: Handelsbeziehung Österreich-China

5 Conclusio
5.1 Resümee
5.2 Ausblick
5.3 Limitationen der Arbeit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wechselkurs RMB pro USD (Federal Reserve 2011)

Abbildung 2: RTSS-Transaktionen Exporteur (Esser 2011, S. 5)

Abbildung 3: RTSS-Transaktionen Importeur (Esser 2011, S. 5)

Abbildung 4: Onshore und Offshore Zahlungsverkehr (Esser 2011, S. 8)

Abbildung 5: Dim Sum Bond Emissionen

(Hong Kong Monetary Authority 2011, S. 25)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Meilensteine des Renminbi Trade Settlement Scheme

(Commerzbank 2012)

Tabelle 2: Vergleich Offshore RMB-Konto mit Onshore RMB-Konto

(Esser 2011, S. 7)

Tabelle 3: Die fünf wichtigsten Handelspartner Österreichs 2011

(Statistik Austria 2012)

1 Einleitung

1.1 Zentrale Problemstellung und Relevanz der Thematik

Die Relevanz der schrittweisen Öffnung des Renminbi und die daraus resultierenden neuen Absicherungsmöglichkeiten für österreichische Unternehmen in China liegen vor allem darin, dass China mittlerweile der zweitwichtigste Außenhandelspartner Österreichs, gemessen am gesamten Außenhandelsvolumen (Importe und Exporte) außerhalb Europas ist, und diese im Jahr 2010 um 40% auf EUR 8,24 Milliarden anstiegen.[1] Österreichs Exporte in die Chinesische Volksrepublik beliefen sich im Jahr 2011 auf 2,40% (Importe: 4,90%) und lagen somit auf Augenhöhe mit den EU-Oststaaten Ungarn, Polen und Slowakei.[2]

In der Vergangenheit unternahm die chinesische Regierung alles, um die Parität künstlich niedrig zu halten und sich selbst Handelsvorteile zu verschaffen, um die eigenen Exporte anzukurbeln. Das Problem besteht vor allem darin, dass der Renminbi keine vollkommen frei konvertierbare Währung und nach wie vor fest an den US-Dollar gekoppelt ist, und mit einer maximal vorgegebenen täglichen Schwankungsbreite von 1% vom festgelegten Mittelkurs der chinesischen Zentralbank abweichen darf (von 2008 bis 2011 betrug die Schwankungsbreite 0,5%).[3]

Doch die chinesische Zentralbank versucht nach und nach ihre restriktive Haltung zu lockern und die Abwicklung internationaler Transaktionen auch bzw. vor allem in Renminbi zu ermöglichen. Allerdings wird diese Annäherung an eine vollkommen frei konvertierbare Währung einige Gefahren für die chinesische Volkswirtschaft bedeuten, denn dann wäre der Renminbi den Kräften des Marktes ausgesetzt und müsste sich gegenüber dem US-Dollar aufwerten, bis sich das Ungleichgewicht in der Leistungsbilanz ausgleicht (denn diese Überschüsse würden zu einer erhöhten Nachfrage des Renminbi führen). Doch die chinesische Zentralbank versucht dies zu verhindern, indem sie für ausreichend Renminbi-Angebot sorgt und US-Anleihen kauft. Um Chinas Wachstum von einer rein exportorientierten Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen, konsumgetriebenen Wirtschaftswachstum zu verlagern, lässt die chinesische Zentralbank zum jetzigen Zeitpunkt eine Aufwertung in Höhe von 7,60% ihrer Währung gegenüber dem USD zu.[4]

Ein bedeutender Schritt für ausländische Unternehmen war die Einführung des „Renminbi Trade Settlement Scheme“ (RTTS), welches im Jahr 2009 von der chinesischen Zentralbank gestartet wurde. Dieses Programm beinhaltet seit 2010, dass alle Güter- und Dienstleistungstransaktionen zwischen Unternehmen in Festlandchina und anderen ausländischen Unternehmen in Renminbi abgewickelt werden können, jedoch unter strenger Aufsicht der chinesischen Zentralbank. Einen wichtigen Beitrag hierzu liefert die Sonderverwaltungszone Hongkong, welche im Vergleich zum stark regulierten Festlandchina und dem Onshore-RMB (CNY) viel liberaler agiert. Vor Ort hat sich ein Parallelmarkt zum lokalen chinesischen Währungsmarkt entwickelt, der Offshore-RMB (CNH), welcher auch vom Onshore-Kurs abweichen kann und nach dem Transfer ins Ausland frei handelbar ist. Der CNH wird in Hongkong frei gehandelt und unterliegt nicht den Bestimmungen des CNY, wodurch Unternehmen die Möglichkeit haben ihre Devisen- und Geldanlagegeschäfte in CNH durchzuführen.[5]

Das mittel- bzw. langfristige Ziel der Volksrepublik besteht darin, den Renminbi zu einer frei handelbaren Währung zu machen und diesen als Alternative zur Leitwährung USD zu etablieren. Die Voraussetzung, um dies zu verwirklichen, wäre die Akzeptanz von chinesischen Krediten in Entwicklungsländern, abgewickelt in Renminbi und nicht wie bisher in US-Dollar.[6]

Österreichische Exporteure werden durch die Renminbi-Öffnung und die daraus resultierende Aufwertung des Renminbi verstärkt versuchen, den chinesischen Markt zu erschließen. Doch diese Öffnung der Währungspolitik bedeutet nicht automatisch eine Öffnung chinesischer Märkte für ausländische Unternehmen, denn die Regierung will wie in den vergangenen Jahrzehnten durch gezielte Devisenmarktinterventionen alles stark reglementieren, steuern und auch die letzte Kontrolle ausüben.[7]

1.2 Forschungsfrage und Ziel der Arbeit

„Welche Maßnahmen wurden bis dato von der chinesischen Regierung für die Renminbi-Liberalisierung unternommen und wie werden sich diese auf die Volksrepublik China auswirken?“

„Welche Konsequenzen ergeben sich für österreichische Unternehmen durch die Renminbi-Öffnung?“

Das Ziel dieser Arbeit ist es, mittels sorgfältiger Literaturrecherche, die zurzeit stattfindenden Änderungen der Renminbi-Rahmenbedingungen zu untersuchen und mögliche zukünftige Auswirkungen zu erörtern. Des Weiteren soll die Arbeit einen Überblick über die neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten und Konsequenzen für österreichische Unternehmen aufzeigen, die mit der RMB-Liberalisierung einhergehen.

1.3 Vorgehensweise und Methodik

Um auf das angestrebte Ziel, dementsprechende neue Möglichkeiten im Außenhandel mit China für österreichische Exporteure, aufzeigen zu können, müssen zu Beginn dieser Arbeit mittels sorgfältiger Literaturanalyse der chinesische Markt bzw. dessen Rahmenbedingungen analysiert werden.

Der erste Teil dieser Arbeit wird einen aussagekräftigen Überblick über die gegenwärtige wie auch mögliche zukünftige Entwicklung des chinesischen Währungssystems beinhalten. Hierbei ist es essenziell, auf das „Renminbi Trade Settlement Scheme“ näher einzugehen, da dieses Programm einer der bedeutendsten Schritte in Richtung Renminbi-Öffnung ist und als möglicher Auslöser gesehen wird, den USD als Leitwährung zu verdrängen. Dieses wichtige Maßnahmenpaket bedeutet einen größeren wirtschaftlichen Spielraum bzw. weniger Abhängigkeit gegenüber chinesischen Handelspartnern. Diese Konsequenzen werden in diesem Kapitel beschrieben. Ebenso wie die möglichen langfristigen Folgen einer erfolgreichen Renminbi-Liberalisierung sowie Internationalisierung.

Nach Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird der Finanzplatz Hongkong und dessen Relevanz für Exporteure untersucht. Besonderer Betrachtung hierbei bedarf der Offshore-Renminbi (CNH) und seine Bedeutung für ausländische Unternehmungen, die in China tätig sind.

Der empirische Teil dieser Arbeit baut auf einem Experteninterview mit zwei Wirtschaftsdelegierten der Wirtschaftskammer Österreich (zum einen verantwortlich für Hongkong, Macau und Süd-China, zum anderen zuständig für Shanghai) auf, da diese über umfangreiche und praxisnahe Marktinformationen verfügen. Zudem stehen beide Experten in ständigem Kontakt mit österreichischen Exporteuren sowie dort ansässigen Banken und sind daher mit den aktuellen Geschehnissen in China vertraut. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass beide Experten über die chinesischen Wechselkursproblematiken informiert sind und den österreichischen Exporteuren beratend zur Seite stehen. Diese Experteninterviews dienen dazu, einen tieferen Einblick in die neuen und praxisrelevanten Absicherungsmöglichkeiten für österreichische Exporteure zu bekommen.

2 Der Renminbi (RMB)

2.1 Geschichte des RMB

Die Volksrepublik China war in den vergangenen Jahrhunderten geprägt von zahlreichen Bürgerkriegen und politischen Unruhen, welche sich in einem geldpolitischen Durcheinander widerspiegelten. Im 19. Jahrhundert war China von steigenden Inflationen betroffen, was mehrmals wechselnde Währungen zur Folge hatte.[8] So hieß die offizielle chinesische Volkswährung von 1889 bis 1949 Yuan, dessen Name sich bis heute durchgesetzt hat. Der Renminbi (RMB), auf Deutsch „Volkswährung“, wurde von der chinesischen Volksbank erstmals im Jahr 1948 herausgegeben, um eine einheitliche Landeswährung für die damals neu unter Revolutionsführer Mao Zedong gegründete Volksrepublik China zu gewährleisten.[9]

In der folgenden Abbildung 1 wird der Wechselkurs zwischen dem Renminbi und dem US-Dollar von den Jahren 1981 bis Anfang 2012 dargestellt.

Abbildung 1: Wechselkurs RMB pro USD

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Federal Reserve (2011)

Der nächste Meilenstein in der Geschichte der chinesischen Währung war die Einführung eines dualen Wechselkurssystems im Jahr 1981. Dieses beinhaltete einen vom Staat festgelegten Wechselkurs, sowie einen spezifischen nur für Handelsgeschäfte gedachten Kurs (swap rate), welcher sowohl von den Marktkräften wie auch von staatlichen Interventionen beeinflusst wurde. Dieses duale Wechselkurssystem wurde jedoch im Jahr 1993 beendet, da sich die Swap rate um über 50% unter dem offiziellen Wechselkurs befand und der Markt für Handelstransaktionen immer mehr an Bedeutung gewann. Von diesem Zeitpunkt an existierte nur noch ein einziger Wechselkurs in der Volksrepublik China. Dieses neue System wurde als gemanagter flexibler Wechselkurs bezeichnet, obwohl dieser streng mit einer maximalen Schwankungsbreite von +/-0,30% an den USD gekoppelt war.[10] In diesen Jahren wurde der Wechselkurs des RMB durch gezielte Devisenmarktinterventionen und Kapitalverkehrskontrollen durch die chinesische Zentralbank konstant bei 8,277 Yuan je Dollar gehalten. Das eigentliche Ziel der chinesischen Regierung bestand darin, die steigende Inflation zu bekämpfen bzw. abzuschwächen. Dies gelang der Volksrepublik bereits im ersten Jahr (1995), wobei die Inflationsrate um 13 Prozentpunkte von 25% auf 12% sank. Dieses Wechselkursniveau gegenüber dem USD wurde zehn Jahre konstant aufrechterhalten und überstand selbst die Asienkrise 1997/1998, wobei viele südostasiatische Länder gezwungen waren ihre Währung stark abzuwerten und die Bindung an den USD zu beenden.[11]

Als Indiz einer möglichen Über- oder Unterbewertung gilt die Handelsbilanz eines Staates, welche im Falle Chinas von 2000 bis 2006 stark anstieg und im Jahr 2006 ihren Höhepunkt erreichte. Dies führte zu massiver Kritik von Währungsexperten, da diese von einer Unterbewertung des chinesischen RMB von etwa 40% ausgingen. Als Begründung nannten die Experten, dass sich China zu sehr auf einen stabilen Wechselkurs und eine geldpolitische Unabhängigkeit fokussiere. Die Volksrepublik versuchte dies, indem sie die Kapitalverkehrstransaktionen streng kontrollierte, sowie mithilfe von Interventionen seitens der chinesischen Zentralbank, um den RMB innerhalb der vorgegebenen Bandbreite zu halten.[12] Da die chinesische Regierung durch die gezielte Unterbewertung des RMB die Exporte förderte, mussten besonders die EU und die USA protektionistische Maßnahmen (Strafzölle, Steuern und Antidumpingzölle) ergreifen, um die inländischen Produzenten zu schützen.[13]

Nachdem der Kurs knapp 10 Jahre konstant auf demselben Niveau gehalten wurde, musste sich die chinesische Volksrepublik jedoch dem Druck der USA beugen und den RMB aufwerten. Dies geschah im Juli 2005 und bedeute eine 2,10%ige Aufwertung gegenüber dem USD. Zusätzlich vermeldete die chinesische Regierung, von der ursprünglichen festen Dollarbindung auf eine Kopplung an einen unbekannten Warenkorb überzugehen.[14] Dies hatte zur Folge, dass der RMB zwischen 2005 und 2008 um 21% gegenüber dem USD aufwertete. Jedoch sah sich die chinesische Regierung mit Entstehung der Finanzkrise Mitte 2008 gezwungen, den flexiblen Wechselkurs aufzugeben und zur Dollarbindung zurückzukehren.[15]

Im September 2008 wiederfuhr China eine starke Aufwertung des RMB, nachdem der USD aufgrund der Lehman-Brothers-Pleite als Fluchtwährung stark nachgefragt wurde und sich daraus resultierend kurzfristig verteuerte. Dies änderte sich jedoch im Frühjahr 2009, als der USD wegen der Finanzkrise seine Talfahrt fortführte und abwerten musste. Die Volksrepublik trotzte dieser Abwertung des USD und behielt die Kopplung zu 6,83 Yuan bei, was zur Folge hatte, dass der RMB gegenüber dem USD aufwertete. Wenn der Wert des USD jedoch wieder anstieg und aufwertete, unterbrach die chinesische Zentralbank diesen Prozess sofort ohne zu zögern.[16]

Da zu diesem Zeitpunkt die chinesische Währungspolitik immer lauter und heftiger kritisiert wurde, entschloss sich die chinesische Zentralbank am 19. Juni 2010, genau eine Woche vor dem Wirtschaftsgipfel, den Wechselkurs des RMB in Zukunft flexibilisieren zu wollen.[17]

2.2 Liberalisierung des RMB

2.2.1 Entwicklung des RMB nach Bekanntmachung der Liberalisierungsstrategie

Die von der chinesischen Zentralbank angekündigte Liberalisierung des RMB im Juni 2010 löste zahlreiche Diskussionen unter Währungsexperten aus, da sich diese nicht im Klaren waren was diese Ankündigung bzw. dieses Versprechen genau bedeuten würde. Einerseits gingen einige Experten davon aus, dass dies der schon lange herbeigesehnte Schritt in Richtung vollkommene Liberalisierung des RMB sein könnte. Auf der anderen Seite gaben Experten zu Protokoll, dass dies eine bloße Kundmachung sei, um die Märkte zu beruhigen und in Wirklichkeit gar nichts dahinterstecke bzw. die Volksrepublik alles beim Alten belassen wolle. Nach Bekanntgabe der angekündigten Liberalisierung durfte der RMB um maximal 0,50% pro Tag aufwerten, wurde jedoch regelmäßig durch Interventionen der chinesischen Zentralbank gebremst, um nicht allzu viel zu steigen. Innerhalb eines halben Jahres nach Einführung dieser Flexibilisierungs-Strategie legte der RMB lediglich um 1% zu. Im Jahr 2011 verkündete die chinesische Regierung, dass das Fluktuationsspektrum für den täglichen Handel zwischen RMB und USD auf eine Bandbreite von +/-1,00% vergrößert werden sollte. Dies führte jedoch nur zu einer geringen Aufwertung des RMB gegenüber dem USD und lag zwischen Mitte 2010 und Anfang 2012 bei +7,50%. Dies sind klare Indizien, dass die chinesische Regierung diesen Aufwertungsprozess so langsam wie möglich vollziehen will.[18]

Als dieser langsame Prozess von Seiten diverser Staaten kritisiert wurde, konterte der chinesische Regierungschef Wen Jiabao, dass der Wechselkurs seit März 2005 um 30% zugelegt habe und sich zum jetzigen Zeitpunkt möglicherweise auf einem ausgeglichenen Niveau befinde. Dies rechtfertigte er mit beidseitigen Schwankungen am Finanzplatz Hongkong, sowie dem aktuell stattfindenden Rückgang chinesischer Exporte. Zusätzlich argumentierte er, dass die vollzogene Erhöhung der Schwankungsbreite auf 1% zu einer besseren Orientierung chinesischer Marktpreise führe und sich dadurch der RMB stärker aufwerten könnte.[19]

Doch diese langsame Annäherung an die Währungsflexibilisierung könnte einige Gefahren mit sich bringen, da dies eine Verschlechterung der Exportwirtschaft anderer Staaten bedeuten würde. Diese wiederum würden Vergeltungssanktionen starten, um dies mit allen möglichen Mitteln zu verhindern.[20]

Durch diesen bewusst niedrig gehaltenen Wechselkurs gehen einige Ökonomen davon aus, dass China den RMB als Waffe benutzt, um deren Exportwirtschaft ungerechte Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Diese in kleinen Schritten angekündigte Währungsflexibilisierung und die damit verbundene Aufwertung des RMB würde zu Exportrückgängen der chinesischen Volksrepublik führen, was jedoch nicht automatisch bedeuten würde, dass China seine Wettbewerbsvorteile in Exportgeschäften verliert. Die Begründung liegt darin, dass China die Mehrheit seiner Exportgüter aus angrenzenden asiatischen Ländern importiert und in der Volksrepublik lediglich weiterverarbeitet bzw. veredelt. Bei einer 10%igen Aufwertung des RMB würden die Kosten der Exportwaren um nicht mehr als 3% ansteigen.[21]

In der Vergangenheit wurden internationale Handelsgeschäfte mit chinesischen Unternehmen überwiegend in Euro oder USD abgewickelt, da der RMB nicht frei handelbar war bzw. teilweise noch immer nicht ist. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass ausländische Unternehmungen verstärkt daran interessiert sind, ihre Handelsgeschäfte in RMB abzuwickeln, da der chinesische Markt in deren Expansionsstrategien unumgänglich sein wird. Außerdem sind Unternehmungen nicht mehr den USD-Wechselkursschwankungen ausgesetzt und können vom kontinuierlich steigenden Wert des RMB gegenüber dem USD und Euro profitieren.[22] Um diese internationalen Handelsgeschäfte in RMB abwickeln zu können, wurde von der chinesischen Regierung im Jahr 2009 ein Pilotprojekt mit dem Namen „Renminbi Trade Settlement Scheme“ gestartet. Dieses wird als Meilenstein für die Internationalisierung des RMB gesehen und dient nicht nur dazu, chinesische Unternehmen in internationalen Geschäften zu unterstützen, sondern soll gezielt auch ausländischen Exporteuren das Handeln mit dem RMB erleichtern.[23] [24]

2.2.2 Internationalisierung des RMB

Eine internationale Währung definiert sich laut Chen et al (2011) durch ihre inner- sowie außerstaatliche Anwendung und wird durch deren Bereitwilligkeit, Zugänglichkeit und Häufigkeit von international durchgeführten Transaktionen charakterisiert. Die internationale Bedeutung einer Währung steht in enger Verbindung zu einigen Grundfunktionen des Geldes[25]:

- Die staatliche und private Nutzung der Währung, um in inländische Devisenmärkte eingreifen zu können
- Fixierung der lokalen Währung
- Halten internationaler Währungsreserven
- Durchführung von internationalen Handels- und Beteiligungstransaktionen
- Abrechnung von internationalen Transaktionen in lokaler Währung

Wenn man die Entwicklung des RMB betrachtet, bemerkt man, dass ausländische Unternehmen verstärkt daran Interesse zeigen, die chinesische Volkswährung anstelle vom USD oder EUR zu nutzen. Daran wird ersichtlich, dass das Vertrauen in den RMB stetig zunimmt. Der zurzeit stattfindende Abkopplungsprozess vom USD stellt eine wichtige Voraussetzung dar, um die nötigen Rahmenbedingungen für eine Internationalisierung des RMB zu schaffen. Tatsache ist jedoch, dass das Nichtvorhandensein der Kapitalkonvertibilität ein wesentliches Hindernis für Chinas RMB-Internationalisierungsprozess darstellt. Dies führt bei steigender Nachfrage des RMB dazu, dass die internationalen Finanzmärkte nicht marktkonform auf diesen Anstieg reagieren können und somit diesen Prozess verlangsamen. Um diese Kapitalkonvertibilität gewährleisten zu können, müssen die Aufsicht und die Regulierung für Finanzinstitutionen sowie für staatliche Unternehmen verstärkt werden. Um die freien Kapitalflüsse angleichen zu können, muss die RMB-Flexibilisierung beschleunigt werden.[26]

Durch die zurzeit stattfindenden währungspolitischen Maßnahmen Chinas erkennt man, dass die chinesische Politik große Hoffnungen in die Internationalisierung des RMB setzt. Denn das Ziel ist es, Shanghai als weltweit führendes Finanzzentrum bis zum Jahr 2020 zu etablieren. Dies impliziert, dass China einen liquiden Finanzmarkt für internationale Investoren bzw. Unternehmen schaffen muss. Die Volksrepublik verfügt bereits über zahlreiche Vorteile gegenüber anderen Staaten, um diesen Zielen gerecht werden zu können. Zum einen ist China mittlerweile die zweitgrößte Volkswirtschaft weltweit und kann auf einen hohen Handelsbilanzüberschuss verweisen. Darüber hinaus verfügt China über zwei wichtige Institutionen, die Zentralbank und die „State Administration of Foreign Exchange“ (staatliche Wechselkursinstitution), welche aktiv in den Onshore sowie Offshore RMB-Markt intervenieren.

Dabei haben diese beiden Behörden einige Hindernisse zu bewältigen. Dies wäre der zurzeit sehr kleine und überschaubare Markt (Marktkapitalisierung 2010: USD 2,50 Trillionen) für festverzinsliche Papiere, der besonders für ausländische Investoren von Bedeutung ist bzw. wäre. Wenn man den chinesischen Anleihenmarkt mit dem der USA vergleicht (25 Trillionen USD), wird ersichtlich, dass ein hohes Wachstumspotenzial besteht. Die Wachstumsraten von Chinas Anleihenmarkt betrugen seit der Jahrtausendwende jährlich um die 30%.[27]

Ein wichtiger Schritt in Richtung Internationalisierung des RMB wäre die Aufnahme in den SDR (Special Drawing Right), welcher im Jahr 1969 vom IMF (Internationaler Währungsfonds) als künstliche Währungseinheit gegründet wurde. Der SDR hat die Aufgabe, einen gewissen Reservebestand an Währungen aufrechtzuerhalten und ist an einen Währungskorb gebunden, der alle fünf Jahre vom IMF Executive Board auf Richtigkeit bzw. Aktualität überprüft wird. Um in diesen Währungskorb aufgenommen zu werden, muss es sich um eine international bedeutende Währung handeln. Die letzte Überprüfung des IMF Executive Board fand im November 2010 statt und bestimmte vier zum SDR zugehörige Währungen, nämlich USD, Euro, Pfund und den japanischen Yen. Diese Währungen bzw. Länder werden aufgrund ihrer Größe des Exportsektors sowie deren freien Konvertibilität in diesen Währungskorb aufgenommen und je nach Bedeutung dieser beiden Faktoren beurteilt (USD 41,90, EUR 37,40, GBP 11,30, JPY 9,40). Obwohl die Volksrepublik China mit 3,64 Trillionen USD die zweitgrößte Volkswirtschaft (gemessen an Importen und Exporten) ist, wurde der RMB nicht in den SDR aufgenommen. Dies begründet sich darin, dass der RMB nach wie vor nicht vollkommen frei konvertierbar ist. Jedoch sind sich Währungsexperten einig, dass der RMB in absehbarer Zeit im SDR inkludiert sein wird.[28]

Ein weiterer wichtiger Indikator, um eine Währung eines Staates anhand seiner internationalen Bedeutung zu klassifizieren, ist die Höhe der fakturierten Handelsgeschäfte in dessen lokaler Währung. Auch wenn sich diese Kennzahl nur schwer überprüfen lässt, gibt es aktuelle Berichte, die den USD gefolgt vom EUR und dem japanischen Yen als führende rechnungslegende Währungen in internationalen Handelsgeschäften beziffern. Der chinesische RMB wurde in der Vergangenheit selten bis gar nicht als fakturierende Währung bei Auslandsgeschäften verwendet. Dies jedoch versuchte die „China State Administration of Foreign Exchange“ im Jahr 2003 zu ändern, indem sie neue Gesetze schuf, um den RMB als rechnungslegende Währung in Import- sowie Exportgeschäften zu etablieren. Dieses Vorhaben betraf allerdings nur den Handel mit grenznahen Staaten, wie Kambodscha, Mongolei, Vietnam und Russland. Da der Handel mit diesen Nachbarländern von relativ geringer Bedeutung war, versprach man sich mit einem im Jahr 2009 initiierten Pilotprogramm, dem „Renminbi Trade Settlement Scheme“ (RTSS), den RMB als fakturierende Handelswährung in weiteren Staaten einführen zu können.[29]

[...]


[1] vgl. Somweber (2012)

[2] vgl. Statistik Austria (2012)

[3] vgl. Steurer (2012)

[4] vgl. Morrison/ Labonte (2011) S. 1

[5] vgl. Hong Kong Monetary Authority (2012a) S. 2

[6] vgl. Rohde (2012)

[7] vgl. Kopitzki (2012) S. 12ff in Susbielle (2007) S.67

[8] vgl. Eckert (2012) S. 89

[9] vgl. Lexikon Universal-Wissen (2011)

[10] vgl. Novaczyk (2010) S.9f in Herr (2008)

[11] vgl. Kopitzki (2010) S. 4 in Blanchard/ Illing (2009) S. 641

[12] vgl. Körnig (2011) S. 16 in Goldstein (2008) S. 19

[13] vgl. Kopitzki (2010) S. 6 in Blanchard/ Illing (2009) S. 642

[14] vgl. Novaczyk (2010) S. 10 in Geiger (2002) S. 3

[15] vgl. Kopitzki (2010) S. 7 in Blanchard/ Illing (2009) S. 642

[16] vgl. Eckert (2012) S. 115f

[17] vgl. Sato et al (2010) S. 2

[18] vgl. Eckert (2012) S. 114ff

[19] vgl. Yükyapan (2011)

[20] vgl. Eckert (2012) S. 144f

[21] vgl. Kopitzki (2010) S. 11 in Blanchard/ Illing (2009) S. 643ff

[22] vgl. Körnig (2011) S. 25 in Ba et al (2010) S. 189

[23] vgl. Koll (2011)

[24] Für weitere Ausführungen zum Renminbi Trade Settlement Scheme sei der Leser auf Kapitel 2.2.3 verwiesen

[25] vgl. Chen/ Cheung (2011) S. 2f

[26] vgl. Körnig (2011) S. 26 in Ba et al (2010) S. 189

[27] vgl. Eichengreen (2011) S. 5f

[28] vgl. Chen/ Cheung (2011) S. 5f

[29] vgl. Chen/ Cheung (2011) S. 7

[30] vgl. Park/ Song (2011) S. 42ff

[31] vgl. Körnig (2011) S. 28

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Die Renminbi Öffnung und neue Möglichkeiten der Absicherung im Außenhandel mit China
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien  (BWL des Außenhandels)
Note
Gut
Autor
Jahr
2012
Seiten
55
Katalognummer
V208164
ISBN (eBook)
9783656364498
ISBN (Buch)
9783656364993
Dateigröße
917 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
renminbi, öffnung, möglichkeiten, absicherung, außenhandel, china
Arbeit zitieren
Stefan Maurer (Autor), 2012, Die Renminbi Öffnung und neue Möglichkeiten der Absicherung im Außenhandel mit China, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208164

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