Schrippen versus Wecken: Ein innerdeutsches Dilemma


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2013

18 Seiten


Leseprobe

Von Schrippen und Wecken und ihrer tieferen kulturellen Bedeutung

Die kulturelle Interpretation einer intrakulturellen Nord-Süd Verwerfung

« Vérité en-deçà des Pyrénées, erreur au-delà. »

„Die Wahrheit diesseits der Pyrenäen ist ein Irrtum jenseits der Pyrenäen.“

(Blaise Pascal, mathématicien, philosophe)

(Blaise Pascal, Mathematiker und Philosoph)

Panem nostrum cotidianum da nobis hodie - unser tägliches Brot gib uns heute… so lehrt es das Vaterunser und einzige Gebet, das uns von dem Mensch gewordenen Schöpfer dieser Welt als dem Menschen gebührendes Gebet, als Vermächtnis und Ermächtigung, den Schöpfer in unser tägliches Leben und auch in die zentrale Frage der Sicherstellung und Verfügbarkeit von Leben erhaltendem Brot einzubeziehen, hinterlassen hat. Der Mensch ist so geschaffen, dass er ohne das, was wir als Brot, in der Bedeutung von physischer, wie auch geistiger Nahrung, verstehen, nicht überleben kann.

Alles im Leben hat jedoch eine kulturelle Ausprägung, da der Mensch ein zeit- räumlich bedingtes Wesen ist. So auch das Brot, inklusive seiner Bezeichnungen, die zwangsläufig raum-zeitlich-kulturell relative Prägungen annehmen. Und ebenso damit einher geht eine kulturell diverse Prägung des Menschen und die daraus entstandene mentale Software oder die kulturelle Konditionierung durch den gesamtkulturellen Kontext, die der Mensch über Generationen internalisiert hat. Diese Verstärkung der Konditionierung durch den vitalen Kontext des Menschen wird mit der Zeit gewissermaßen somatisiert und bedingt sogar nicht nur die mentale Software des menschlichen Geistes, sondern aufgrund der Wechselwirkung zwischen Geist und Körper auch die Nuancen der gesamten psychophysischen Prägung des Menschen. Und die Sprache bildet gewissermaßen das Bindeglied zwischen Geist und Körper und bedingt deren Strukturen und Funktionen mit.

Wenn man also von der Tatsache der das Köperschema mitbedingenden Kultur, wovon die Sprache aufgrund ihrer die Gestalt des Menschen im weiteren Sinne bedingenden Wirkung auf der Basis der Tatsache, dass sie die singuläre kulturelle Prägung zum Ausdruck bringt und somit ein strukturell-funktionell prägendes Potential besitzt, ausgeht, dann kann man die Echauffierung der Gemüter in Zusammenhang mit kulturellen Missverständnissen und Kommunikationsfehlleistungen im Bereich des unabdingbar vitalen Brot für den Menschen recht einordnen.

Das Brot an der Nahtstelle der biologischen und deren singulären kulturell ausgeprägten Existenz kann in der Tat kulturelle Verwerfungslinien biologisch potenziert aufwerfen. Dies kann auch, wie es viele Völker und nicht nur unser deutsches Volk kriegsbedingt erfahren haben, durch die im Unterbewusstsein gespeicherte und immer noch, insbesondere beispielsweise bei kulturellen Herausforderungen in diesem Bereich, verstärkt werden und Konflikte mitlauslösen, die man in der Überflussgesellschaft nunmehr bewältigt glaubte, die aber nach wie vor, global betrachtet, wenn auch hier gesellschaftskulturell verdrängt, noch eine Rolle spielen und die auch hier wieder jederzeit eine existenzielle Dimension annehmen können, wie uns die wissenschaftlichen Umwelt- und Zukunftsszenarien nahelegen.

Um einen scheinbar geringfügeigen Auslöser eines intrakulturellen Konfliktes zu verstehen ist es zunächst erforderlich, den Gesamtkontext zu verstehen, der sich somit, unter anderen, aus den erwähnten Faktoren ergibt:

1. Die universelle Dimension des Brotes, die physische und geistige
2. Die kulturelle, identitätsstrukturierende Ausprägung der universellen Dimension
3. Die geschichtliche Erfahrung der Präkarität des Brotes und der damit einhergehenden Erfahrung der Verknüpfung des Brotes mit der Permanenz individueller Permanenz der Existenz.
4. Die Sicherung dieses Brotes in der Zukunft, die durch diverse wissenschaftliche Zukunftsszenarien gespeist über Kulturen und Zivilisationen hinweg nicht gewährleistet ist.

Wenn das Vaterunser diese Realität des Brotes anspricht, dann hat sie - und der Mensch erkennt es immer wieder und nicht zuletzt auch in dem im Titel angesprochenen kulturellen Scharmützel um die kulturell angemessene Terminologe für dieses vitale Quid oder gewisse Etwas, ohne das der Mensch nicht existenzfähig wäre - gewiss eine überzeitliche Bedeutung für den Menschen. Die hohe kulturelle Sensibilität in diesem Bereich ist also unter biologischen, kulturellen und überzeitlichen Gesichtspunkten durchaus verständlich. Eine oberflächliche Attribuierung als intrakulturelles Kommunikationsmissmanagement und kultureller Fauxpas wird der Sache nicht ganz gerecht.

Und im Zuge der epochalen Säkularisierung und Relativierung dieses überzeitlichen

Wertes des physisch-geistig-kulturellen Brotes, geht auch der Sinn der geistigen Dimension des Brotes verloren, denn der Mensch lebt nicht nur von diesem Brot mit seinen kulturellen Ausprägungen allein, sondern auch vom Wort des Schöpfers im absoluten Sinne, das als die Quelle von Schöpfung und Leben im christlichen Sinne betrachtet werden kann:

Aus dieser Zusammenfassung ergibt sich also ein interdependenter physisch-geistig- kultureller Komplex, den man in die Betrachtung der Frage des Brotes einbeziehen sollte. Geschieht dies im Bewusstsein der Akteure und isoliert man nicht das eine zugunsten des anderen, so können beispielsweise kulturelle Verwerfungslininen, die an der kulturellen Oberfläche auftreten können, leichter überbrückt werden.

Die damit einhergehende Echauffierung der kulturrelativen Gemüter, die über die kulturadäquate oder nichtadäquate Terminologe ausgelöst werden kann, ist über die Frage nach der gesamtmenschlichen Identität und der tiefen emotionalen Verankerung in kulturellen Wertepräferenzen zu verstehen. Aufgrund der transgenerationalen psychophysischen und somit identitätsstiftenden kulturellen Konditionierung, die im Wege eines die Lebensbasis tangierenden Rituals - wie beispielsweise beim Brotkaufen - mit dem Sinn, Zweck und Ziel der kulturellen Identitätserneuerung und Festigung inszeniert wird, kann man das Konfliktpotential einer die kulturelle Identität berührenden Sache ermessen.

Wird das Ritual nicht korrekt vollzogen, so wird es als die kulturelle und somit individuell singuläre Identität der Akteure unterminierend statt konsolidierend erfahren, das heißt, in einer die gesamtmenschliche Identität korrumpierender Weise. Die Sprache als Trigger und Auslöser kulturkonformer oder nichtkonformer und somit identitätsstiftender und konsolidierender oder untergrabender Erfahrung spielt als Epitom und daher als Steuerungselement der kulturellen Identität eine Rolle aufgrund ihres Geist-Köper integrierenden Dimension, könnte man sagen; also aufgrund ihres Kreativpotentials. Und dies umsomehr, als der deutsche Kommunikationsstil von Kulturforschern, wie dem Anthropologen Edward Hall als kontextarm, das heißt schwerpunktmäßig text- oder sprachfokussiert eingeordnet wird. Nachfolgend sei die Kommunikationskulturforschung des Anthropologen kurz zusammen gefasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der amerikanische Anthropologie Edward T. Hall definierte Kultur als Kommunikation und Kommunikation als Kultur. Demnach würde die Art und Weise der Kommunikation einer der maßgeblichsten Parameter für die Kulturforscher im Hinblick auf die Bestimmung des Kulturprofils einer Kulturgruppe sein. Basierend auf dieser Kulturdefinition hat er alle Kulturen der Welt auf einem bipolaren Kontinuum von kontextarm bis kontextreich positioniert.

Kontextreichere versus kontextärmere Landeskulturen

Higher versus Lower Context Communication Countries (Siehe Abb. auf folgender Seite)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anm.: Die high context oder kontextreichen Kulturen am oberen Ende kommunizieren vor allem über den Kontext, während die low context oder kontextarmen Kulturen am unteren Ende schwerpunktmäßig über das gesprochene und geschriebene Wort kommunizieren; man kann auch von impliziter vs. expliziter Kommunikation sprechen.

Quelle: WorldWork Ltd, London

Die kontextarmen Kulturen (low context) kommunizieren vornehmlich über das gesprochene und das geschriebene Wort, während die kontextreichen (high context) Kulturen vornehmlich über den Kontext, der alles umfasst, was nicht sprachliche Kommunikation ist, kommunizieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Schrippen versus Wecken: Ein innerdeutsches Dilemma
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V208254
ISBN (eBook)
9783656356417
ISBN (Buch)
9783656566458
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
intrakulturell, innerdeutsch, Kulturkampf, Regional/Lokal Kultur, kulturelle/Sprachliche Diversität, intrakulturelles Diversitätsmanagement, national/gesellschaftskulturelle Verwerfung, deutscher intrakultureller Kulturkonflikt, Kulturelle Dilemmalösung, interkulturelles Management
Arbeit zitieren
D.E.A./UNIV. PARIS I Gebhard Deißler (Autor:in), 2013, Schrippen versus Wecken: Ein innerdeutsches Dilemma, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208254

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