Folgen der Globalisierung für den Wohlfahrtsstaat


Essay, 2011
7 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Essay

Globalisierung und die Folgen für den Wohlfahrtsstaat

Deutschland sowie auch viele andere Länder der Europäischen Union sehen sich mit massiven Veränderungen ihrer wohlfahrtsstaatlichen Aufgaben konfrontiert. Diese Veränderungen werden oft auf den demographischen sowie ökonomischen Wandel der letzten Jahre und Jahrzehnte zurück geführt, jedoch spielen auch Einstellungsänderungen, die neuen Lebensformen und der kulturelle Wandel eine wichtige Rolle. Die Globalisierung wird in diesem Zusammenhang oft als negative „Auswirkung für die Weiterentwicklung der Wohlfahrtstaaten“ (Veil 2001: 161) angesehen und dahinter verbirgt sich meist die Angst vor ökonomischen und kulturellen Verlusten. Es stellt sich jedoch die Frage ob die „sozialen Errungenschaften“ weniger werden, aufgrund der Weltmarktintegration? (Appelt/Weiss 2006:7).

Globalisierung ist sowohl eine Zustandsbeschreibung als auch Ursachenerklärung und wird von vielen Autoren vor allem durch ihren ökonomischen Aspekt beschrieben. Dazu zählen Veränderungen wie die Öffnung von Kapital- und Finanzmärkten und die Deregulierung von Gütermärkten, aber auch der rasche Fortschritt der Technik, der Kommunikationstechnologien und der allgemeinen Mobilität von Menschen, was ihren Arbeitsplatz und Wohnort betrifft (Veil 2001: 161). Die Öffnung der Kapital- und Finanzmärkten erleichtert den Standortwechsel von Firmen in Ländern wo die Produktion günstiger ist und die steuerlichen Vorteile attraktiver, bewirkt aber auch eine erhebliche Abhängigkeit der nationalen Politik von den internationalen Finanzmärkten (Appelt/Weiss 2006: 8).

Weitere Aspekte der Globalisierung sind natürlich auch kultureller Art. Dadurch, dass man heute mit jedem alles teilen kann und das in Echtzeit, auch wenn sich die betreffende Person am anderen Ende der Welt befindet, führt natürlich dazu, dass sich kulturelle Besonderheiten uniformisieren oder ganz verloren gehen und wir immer öfter von einer „Weltkultur“ sprechen können. Die Globalisierung bietet viele Chancen, jedoch verlaufen die Prozesse der globalen Integration nicht in allen Ländern gleich ab. Die entwickelten westlichen Staaten integrieren sich viel schneller und einfacher in den Weltmarkt, profitieren von der Öffnung der Finanzmärkten und schlagen durch den so vereinfacht möglichen Standortwechsel Kapital. „rmere Länder hingegen haben oft mehr Probleme mit der Globalisierung und es wird von einer Ausbeutung der Schwellenländer gesprochen, durch Niedriglöhne, erhöhte Umweltverschmutzung usw. (vgl. IMF 2000).

In diesem Essay möchte ich mich mit dem Thema der Globalisierung aus wohlfahrtsstaatlicher Perspektive beschäftigen und sowohl Chancen als auch Risiken dieses Phänomens aus ökonomischer Sicht beschreiben. Zunächst schauen wir uns kurz die unterschiedlichen Eigenschaften der drei Typen von Wohlfahrtsstaaten an: das skandinavische, kontinentale und angelsächsische Modell, die von Swank (2000) beschrieben wurden. Danach werde ich auf die zwei wichtigsten Perspektiven der theoretischen Überlegungen eingehen die Swank (2010) vorgestellt hat: die Race-to-the-Bottom-These und die Kompensationsthese, um danach einen Vergleich anstellen zu können zwischen den Folgen der Globalisierung in entwickelten Demokratien und in weniger entwickelten Ländern.

Durch den ökonomischen Druck den jedes Land zu spüren bekommt und der von der Globalisierung ausgeht, ist es für den politischen Diskurs wichtig geworden einen Strukturvergleich der Systeme vorzunehmen. So unterscheidet Veil (2001) vier Kapitalismusmodelle: das etatistisches Modell (Frankreich), das marktorientierte Modell (angelsächsische Länder), das sozialdemokratische Modell (skandinavische Länder) und das Modell des „rheinischen Kapitalismus“ das in Deutschland zu finden ist. „hnlich unterscheidet auch Scharpf (2000) drei „Cluster“ von Wohlfahrtsstaaten: skandinavisch, kontinental und angelsächsisch (S.192). Beide Differenzierungen beruhen auf Esping- Andersens bekannte Unterscheidung der drei idealtypischen wohlfahrtsstaatlichen Regimes: liberal, konservativ-korporatistisch und sozialdemokratisch. Die typologische Einteilung Esping-Andersens ist jedoch umstritten. Die komplexen Sozialstaaten seien sehr einfach dargestellt und eine Zuordnung sei empirisch nicht belegbar (Preunkert 2009: 31).

In Scharpfs Analyse die wir uns hier näher anschauen wollen handelt es sich durchgehend um kapitalistische Länder die drei grundlegende soziale Ziele verfolgen: Vollbeschäftigung, Sozialversicherung die gegen die Risiken: Krankheit, Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit und Alter absichert und soziale Leistungen die Armut verhindern sollen (Scharpf 2000: 192).

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Folgen der Globalisierung für den Wohlfahrtsstaat
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
7
Katalognummer
V208342
ISBN (eBook)
9783656356509
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Globalisierung, Sozialstaat, Wohlfahrtsstaat, Wohlfahrt, Globale Welt, Governance
Arbeit zitieren
M.A. Michelle Pro (Autor), 2011, Folgen der Globalisierung für den Wohlfahrtsstaat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208342

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