Zur Bedeutung kunst- und gestaltungstherapeutischer Methoden im alltäglichen Unterricht

Mit Bezug auf den Sprach- und Fremdsprachunterricht


Seminararbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Bedeutung und Ziele der Kunsttherapie im 21. Jahrhundert
2.1. Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels
2.2. Warum Kinder Fantasie und Kreativität brauchen
2.3. Ziele: Sich selbst finden – allein und in der Gruppe

3. Anwendung kunsttherapeutischer Methoden im alltäglichen Unterricht
3.1. Beispiele zur Darstellung und Festigung des Ichs
3.1.1. „Meine Welt“
3.1.2. Gefühlssterne
3.2. Beispiele zur Herstellung eines Wir-Gefühls
3.2.1. Gruppengestaltungen
3.2.2. „Die Mauer“
3.3. Konflikte thematisieren: Drei Beispiele
3.3.1. „Kummerkasten“
3.3.2. „Spiralen“
3.3.3. „Schutzengel“

4. Schlussfolgerungen

5. Literaturliste

Anhang

1. Einleitung

Seit dem 19. Dezember 2008 gilt für Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention, welche vorsieht, dass alle Kinder in einer gemeinsamen Schule lernen. Diskriminierung aufgrund von Fähigkeiten und Begabung soll damit ausgeschlossen und jedem Kind die Möglichkeit zur freien Entfaltung gegeben werden (vgl. www1). Für Brandenburg ist es deshalb ein Anliegen „die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen und sonderpädagogischen Förderbedarfen in das allgemeine Bildungssystem und damit das gemeinsame zieldifferenzierte Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen in der allgemeinen Schule“ (ebd.) zu ermöglichen.

Eine „Schule für alle“ kann jedoch nur dann realisiert werden, wenn die Lehrkräfte dazu befähigt werden, mit dieser besonderen Situation umzugehen. Vor diesem Hintergrund setzt sich die vorliegende Arbeit das Ziel, Möglichkeiten der Einbeziehung kunst- und gestaltungstherapeutischer Methoden in den alltäglichen Unterricht zu ergründen. Die dabei getroffenen Feststellungen beziehen sich jedoch nicht nur auf die Förderung von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, sondern werden auch als Bereicherung für jene Schüler angesehen, denen keine spezielle Förderung zukommt.

Als Ausgangspunkt soll zuerst nach Gründen für die Notwendigkeit kunst- und gestaltungstherapeutischer Methoden gesucht werden, welche insbesondere im Bereich der kindlichen Bedürfnisse angesiedelt sind. Darauf aufbauend werden Ziele der Kunst- und Gestaltungstherapie beschrieben und im praktischen Teil der Arbeit durch die Einordnung verschiedener therapeutischer Vorgehensweisen ergänzt. Die Schwerpunkte des praktischen Teils spiegeln drei wesentliche Komponenten erfolgreicher Arbeit mit Schülern wider: Selbstwertgefühl, soziale Kompetenz und die Fähigkeit, mit Konflikten umzugehen. Es wird während der Vorstellung dieser Methoden immer wieder versucht, Bezüge zum alltäglichen Unterricht, insbesondere im Bereich der Sprachen, herauszustellen. Abschließend sollen alle gesammelten Ergebnisse zu einem Gesamtbild zusammengefügt und der Nutzen der Kunst- und Gestaltungstherapie für den alltäglichen Unterricht noch einmal reflektiert werden.

Bei der Zusammenstellung des Praxisteils waren insbesondere die Veröffentlichungen von Obday/Ollier und Baer äußerst hilfreich, auch wenn teilweise Anpassungen an die entsprechende Altersgruppe vorgenommen werden mussten.

2. Bedeutung und Ziele der Kunsttherapie im 21. Jahrhundert

2.1 Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels

Bereits am Ende der 1990er Jahre wurde von Seiten der Kunsttherapie darauf aufmerksam gemacht, dass die zeitgenössische Gesellschaft sich entgegen der Bedürfnisse ihrer Kinder entwickelt (vgl. Kramer 1997, S. 32f.). Aufgrund der immer neuen sozialen und technischen Veränderungen, die gerade im 21. Jahrhundert noch einmal stark an Bedeutung zugenommen haben, stehen die heutigen Kinder und Jugendlichen vor einer – für sie nicht als solcher erkennbaren – Belastung. Während die Gesellschaft sich immer weiter entwickelt, bleiben die Grundbedürfnisse der Kinder weitestgehend gleich. Die ursprüngliche Befriedigung dieser, durch sozialen Kontakt in einer harmonischen Familie oder im anregenden Spiel mit Freunden, bleibt vielen jedoch verwährt. Technische Neuerungen erscheinen hier als ein überaus minderwertiger Ersatz.

Susanne Bloch-Aupperle (Bloch-Aupperle 1999, S. 13) zufolge besteht ein grundlegendes Konfliktpotential für Kinder vor allem in der Unzufriedenheit mit sozialen, sowie sozio-ökonomischen Bedingungen. Insbesondere die Massenmedien seien demnach Ursprung von Problemen mit der eigenen Lebenswirklichkeit. Edith Kramer beschreibt diesen Umstand am Beispiel der Wirkung des Fernsehens:

„Die immer vorhandene Möglichkeit der Flucht in kommerziell hergestellte Tagträume macht es unnötig, selbständige Lösungen für Konflikte zu finden. Der gesunde Antrieb, Beziehungen zu suchen oder passive Erlebnisse in aktive Bewältigung zu verwandeln, wird dadurch geschwächt. (...) Statt unter gewissem Druck eine Neurose zu entwickeln, werden Kinder, denen dieser Fluchtweg offen steht, sich eher zu einer ungeformten, abhängigen Persönlichkeit entwickeln, weil eigene innere Hilfsmittel fehlen“ (Kramer 1997, S. 32f.).

Sie schildert dabei ferner, dass die durch Medien, wie das Fernsehen oder das Internet, angebotene Befriedigung der Bedürfnisse nach sozialem Kontakt, Bestätigung und Zuwendungen nur scheinbar wirken, da der gewünschte Effekt eher in ein Verlangen nach einer größeren Menge dieser Güter umschlage (ebd., S. 33). Die ständige Beschäftigung mit den Massenmedien bietet den Kindern und Jugendlichen der heutigen Zeit zwar einen Zugang zu immer neuen Informationen und Möglichkeiten, sich selbst in der Welt einzuordnen, dieser Prozess verläuft jedoch meist einseitig. Gerade in dieser Einseitigkeit sieht Bloch-Aupperle die Ursache für die fehlende Fähigkeit vieler Kinder, ihre Welt umfassend wahrzunehmen und mit ihr umzugehen (vgl. Bloch-Aupperle 1999, S. 15).

2.2 Warum Kinder Fantasie und Kreativität brauchen

Am Zentrum des eben beschriebenen Problems setzt die Wirksamkeit der Kunsttherapie ein. Sie gibt den Kindern die Möglichkeit, ihre schöpferischen Möglichkeiten anzuregen und sich selbst nicht nur als passiv-erlebendes, sondern auch als aktiv-gestaltendes Mitglied der Gesellschaft zu verstehen. Infolge der Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Fantasie und Schaffenskraft, werden die Kinder zum Tätigsein und Interpretieren befähigt – zwei Prozesse, die Bloch-Aupperle als Grundlage für Welterfahrung und Weltbewältigung versteht (vgl. ebd., S. 16).

Gerade in Bezug auf das kindliche Spiel kommt der Möglichkeit, Fantasie und Kreativität auszuleben, eine sehr hohe Bedeutung zu. Es wird in der Literatur vielfach darauf hingewiesen, dass das Spiel einen Modellcharakter habe, „da das Kind im Spiel die Bewältigung der Realität durch Planung und Experiment vornimmt, ohne zur konsequenten Durchführung verpflichtet zu sein“ (ebd., S. 27). Die Ermöglichung des Spiels und die Aufforderung zu kreativem Handeln unterstützen Kinder demnach dabei, eine gesunde Persönlichkeit zu entwickeln.

2.3 Ziele: Sich selbst finden – allein und in der Gruppe

Aus entwicklungspsychologischer Perspektive beginnen Kinder bereits früh mit der Entwicklung eines Selbstkonzeptes. Beim Eintritt in die Schule basiert das bestehende Selbstbild vor allem auf Erfahrungen mit der „eigene[n] Leistungsfähigkeit, [dem] Bewußtsein [sic], Kontrolle auszuüben, und [der] Freude am Erfolg“ (Oerter/Montada 1998, S. 292). Die Teilnahme am Unterricht ergänzt diese Einschätzung um das Begabungsselbstbild, welches die Selbsteinschätzung schulischer Leistungen und Fähigkeiten umfasst (vgl. ebd.). Durch die Ermöglichung des Zusammenseins mit Gleichaltrigen ist die Schule weiterhin ein entscheidender Ort zur Ausbildung sozialer Kompetenz. Versteht man diese als Fähigkeit zur Bewältigung sozialer Situationen, dann bildet Schule einen Rahmen, in dem Kindern dabei geholfen werden kann, Wege zur Konfliktlösung zu finden (vgl. ebd., S 295f.). Kunst- und gestaltungstherapeutische Maßnahmen können bei diesem Prozess spielerisch unterstützend wirken und gleichzeitig doch sehr viel mehr erreichen, als eine bewusste Vermeidung problematischer Situationen. Ebenso von Bedeutung für die Entwicklung des Selbstbildes und die Arbeit im Unterricht ist die Identifikation mit der Gruppe (vgl. ebd., S. 298). Der ständige Austausch in einer Gruppe sowie die bewusste Zusammenarbeit kann durch kunst- und gestaltungstherapeutische Methoden ebenfalls gefördert werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Zur Bedeutung kunst- und gestaltungstherapeutischer Methoden im alltäglichen Unterricht
Untertitel
Mit Bezug auf den Sprach- und Fremdsprachunterricht
Hochschule
Universität Potsdam  (Abteilung Sonderpädagogik)
Veranstaltung
Diagnostik, Beratung und Förderung für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V208372
ISBN (eBook)
9783656358459
ISBN (Buch)
9783656360759
Dateigröße
1439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunsttherapie, Gestaltungstherapie, Unterricht
Arbeit zitieren
Janine Börstler (Autor), 2011, Zur Bedeutung kunst- und gestaltungstherapeutischer Methoden im alltäglichen Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208372

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