Potentiale und Risiken von Zukunftstechnologien


Hausarbeit, 2012

38 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Technologiegeschichte und Ausblick

2 Nanotechnologie
2.1 Potentiale der Nanotechnologie
2.1.1 Medizinisches Potential
2.1.2 Material- und Ressourcenpotential
2.1.3 Potential im Energiesektor
2.1.4 Umweltschutzpotential
2.1.5 Ausblick
2.2 Risiken der Nanotechnologie
2.2.1 Auswirkungen auf die Gesundheit
2.2.2 Auswirkungen auf die Umwelt
2.2.3 Ausblick

3 Biotechnologie
3.1 Weisse Biotechnologie
3.1.1 Potentiale der weissen Biotechnologie
3.1.1.1 Medizinisches Potential
3.1.1.2 Potential im Energiesektor
3.1.1.3 Umweltschutzpotential
3.1.1.4 Biotechnologischer und chemischer Produktionsprozess im Vergleich
3.1.1.5 Ausblick
3.1.2 Risiken der weissen Biotechnologie
3.1.2.1 Unkontrollierte Freisetzung von Mikroorganismen
3.1.2.2 Verfolgung kriegerischer Absichten
3.1.2.3 Ausblick
3.2 Rote Biotechnologie
3.2.1 Potentiale der roten Biotechnologie
3.2.1.1 Heilung bestimmter Krankheiten
3.2.1.2 Tissue Engineering
3.2.1.3 Ausblick
3.2.2 Risiken der roten Biotechnologie
3.2.2.1 Ethische Problematik
3.2.2.2 Diskriminierung Einzelner aufgrund genetischer Vorbelastung
3.2.2.3 Ausblick

4 Öffentliche Wahrnehmung von Zukunftstechnologien
4.1 Öffentliche Wahrnehmung der Nanotechnologie
4.2 Öffentliche Wahrnehmung der roten Biotechnologie

5 Wie soll in Zukunft mit neuen Technologien umgegangen werden? Der gewissenhafte Umgang mit Zukunftstechnologien

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kondratieff-Zyklen (Bundesministerium für Sicherheit und Informationstechnik 2003)

Abbildung 2: Nanoroboter mit Wirkstoffen (Focus Online 2012)

Abbildung 3: Kohlenstoff-Nanoröhrchen (Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2011)

Abbildung 4: Beispiel einer hervorragenden Dämmung (Fischer 2008)

Abbildung 5: Farbstoffsolarzelle mit Bestandteilen (Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme Freiburg 2006, S. 4)

Abbildung 6: CSIRO-Standort in Newcastle/Australien mit Farbstoffsolarzellen an der Fassade (Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme Freiburg 2006, S. 14)

Abbildung 7: Eindringen von Nanopartikel in eine Zelle (Eidgenössische Technische Hochschule 2008)

Abbildung 8: Durch Nanotitanoxid geschädigt: der Wasserfloh (Aquarium Kosmos 2006)

Abbildung 9: Myxobakterium „Sorangium cellulosum“ (Bundesministerium für Bildung und Forschung, S. 16)

Abbildung 10: Aufwändige Arbeiten bei der Beseitigung von Ölteppichen (Helmholtz Zentrum für Umweltforschung 2009)

Abbildung 11: Modell eines Fermenters (ChemgaPedia 2012)

Abbildung 12: Krankheitserreger könnten im Labor herangezüchtet werden (Greenpeace Magazin 2011)

Abbildung 13: Mehr Acethylcholin durch injiziertes Gen: „Marathon-Maus“ (National Geographic Deutschland 2012)

Abbildung 14: Ablauf des therapeutischen Klonens (Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin (2012)

Abbildung 15: Künstlicher Lungenflügel einer Maus (Blawat 2010)

Abbildung 16: Darstellung des Trolley-Problems (Le Quattro Stagioni 2010)

Abbildung 17: Ergebnisse der BfR-Studie zum Nutzen/Risiko der Nanotechnologie (Bundesinstitut für Risikobewertung 2008, S. 16)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Vergleich zweier Studien bezüglich des Bekanntheitsgrades der Nanotechnologie (Eigene Darstellung nach Bundesinstitut für Risikobewertung 2008)

Tabelle 2: Studie zur Akzeptanz der Gentherapie in ausgewählten Ländern (Eigene Darstellung nach Europäische Kommission 2010, S. 140)

Tabelle 3: Studie zur Akzeptanz der Stammzellenforschung in ausgewählten Ländern (Eigene Darstellung nach Europäische Kommission 2010, S. 133)

1 Technologiegeschichte und Ausblick

„Die Technik, welche weder gut noch böse ist, ist ohne Bezug zur Moral. Die Moral steckt nicht in dem Hammer, sondern in dem Menschen, der ihn führt. Die Technik bedarf einer moralischen Instanz, welche eine Kontrolle über ihre Anwendung zum Nutzen des Menschen ausübt.“ (Peter Bamm)(VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG (2012))

Peter Bamm stellt in seinem Zitat über die Technologie fest, dass die Dichotomie der Technologien zwischen Gut (Potential) und Böse (Risiko) nicht von der Technik an sich ausgeht, sondern durch die Gesellschaft, die versucht, sie zu beherrschen, bestimmt wird.

Die Vergangenheit zeigte jedoch, dass die Gesellschaft die Macht mancher Technologien unterschätzt hat und manche Regulationen unzureichend waren. Seien es kleine Unglücke wie der Absturz des Hindenburg-Zeppelins oder größere Katastrophen wie die atomaren GAUs in Tschernobyl und Fukushima. Das Potential mancher Technologien scheint zu verlockend, um die Risiken gewissenhaft abzuwägen. Doch wie soll man in Zukunft mit Technologien umgehen?

Seit Jahrhunderten entwickeln sich Gesellschaften durch innovatives Handeln. Wurde in der Steinzeit noch eine eher primitive (und dennoch bahnbrechende) Erfindung wie das Rad entdeckt, werden heutige Innovationen immer spezieller und komplizierter. Die Innovationen der letzten 200-250 Jahre werden in den sog. Kondratieff-Zyklen (siehe Abb. 1) zusammengefasst. Diese nach dem russischen Wirtschaftswissenschaftler Nikolai D. Kondratieff benannten Zyklen beschreiben Innovationen (Basisinnovationen), die tiefgreifende Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft auslösen und die Innovationen der nächsten 50-60 Jahren bestimmen (Bundeszentrale für politische Bildung 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kondratieff-Zyklen (Bundesministerium für Sicherheit und Informationstechnik 2003)

Jeder Zyklus erfährt einen Boom, nach dem diese Technologie langsam an Bedeutung verliert und einer zukünftigen Basisinnovation weichen muss.

Die gegenwärtige Wirtschaft und Gesellschaft wird derzeit durch den 5. Zyklus, die Informationstechnik, geprägt. Doch diese Periode neigt sich dem Ende zu! (Bundesministerium für Sicherheit und Informationstechnik 2003)

Welche Technologie löst diese ab? Durch welche Technologie wird unser Leben in 10 oder 20 Jahren bestimmt? Während der derzeitige Zyklus unter dem Leitbild der Information steht, wird im 6. Zyklus nach Expertenmeinungen v.a. das Thema Gesundheit eine entscheidende Rolle spielen. 2 Technologien könnten hier besonders in den Vordergrund treten: die Nanotechnologie und die Biotechnologie. Beide Technologien besitzen ein enormes medizinisches Potential, doch auch andere Bereiche des Lebens könnten dadurch beeinflusst werden. (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2011a; Nefiodow 2010) Diese Beeinflussungen des Alltages könnten allerdings nicht nur positiv ausfallen, sondern auch gefährliche Ausmaße annehmen und somit ein Risiko für die Gesellschaft darstellen. (Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden- Württemberg 2011)

Im Folgenden sollen Einblicke in die zwei o.g. Technologien (Nano- bzw. Biotechnologie) aufgezeigt werden. Nach einer kurzen Vorstellung soll v.a. auf das Potential und das Risiko, das von der jeweiligen Technologie in Zukunft ausgeht, eingegangen werden. Allerdings sollte beachtet werden, dass aufgrund der breiten Anwendungsfelder dieser Technologien kein kompletter Überblick, sondern nur ein Einblick gegeben werden kann. Hierauf wird der gesellschaftliche Aspekt näher betrachtet, wobei man den Blick auf die öffentliche Wahrnehmung bezüglich der Nanotechnologie und der roten Biotechnologie wirft, welche besonders durch moralethische Belange gekennzeichnet ist. Abschliessend soll auf das anfangs erwähnte Zitat von Peter Bamm eingegangen werden und anhand dessen ein persönliches Fazit gezogen werden, wie man in Zukunft mit der Nano- bzw. Biotechnologie oder allgemein Zukunftstechnologien umgehen könnte/sollte.

2 Nanotechnologie

Der Begriff Nanotechnologie ist sehr schwer zu definieren, da er nicht ein einzelnes geschlossenes Arbeitsfeld umfasst, sondern als Querschnittstechnologie angesehen werden kann, die sich aus unterschiedlichen Disziplinen wie Physik, Chemie und Biologie zusammensetzt. Dabei werden Materialien untersucht, die kleiner als 100nm sind und inwiefern sie sich in Produktionsschritten als nützliche Komponenten erweisen. Um sich diese Dimension vorzustellen: Würde man jeden Menschen, der 2005 auf der Erde lebte auf einen Nanometer verkleinern, könnte man alle Personen ohne Probleme in einem Reiskorn unterbringen. (Bentz 2011, S. 11) Durch diese neu entdeckte Dimension (kleiner als Mikrotechnologie) erhofft man sich, neue Strukturen und Techniken zu erschliessen, die in Wirtschaft und Gesellschaft von großem Nutzen sein könnten. (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 2012)

Um sich den Vorwurf der Beliebigkeit einer Technologie auszusetzen, versuchte man, 1998 im Rahmen der National Nanotechnology Initiative (NNI) in den USA eine Definition aufzustellen, die sich folgendermaßen zusammensetzt (Bentz 2011, S.13):

1. Nanotechnologie beinhaltet Forschung und Entwicklung im Bereich von einem Nanometer (1nm) bis 100nm.
2. Nanotechnologie schafft und arbeitet mit Strukturen, die aufgrund ihrer Größe neuartige Eigenschaften besitzen.
3. Nanotechnologie gründet sich auf das Kontrollieren und Manipulieren von Teilchen auf atomarer Ebene. (Bentz 2011, S. 14)

2.1 Potentiale der Nanotechnologie

„Die Nanotechnologie wird unser Leben in nicht geringerem Maße revolutionieren als es die Mikroelektronik im letzten halben Jahrhundert getan hat. Nur die, die sich jetzt engagieren, werden diejenigen sein, die die zukünftige Entwicklung bestimmen. Lasst uns die Chance ergreifen!“ (Heinrich Rohrer) (Scherzberg & Wendorff 2008, S. 8)

Für den aus der Schweiz stammenden Nobelpreisträger Heinrich Rohrer, aber auch für viele andere Visionäre besitzt die Nanotechnologie das Potential für eine weitere industrielle Revolution in unserer Gesellschaft. Selbst das Bundesministerium für Bildung und Forschung steht dieser Technologie hoffnungsvoll gegenüber und betont immer wieder die Zukunftsfähigkeit dieses Zweiges. (Scherzberg & Wendorff, S. 8)

In der folgenden Ausarbeitung der Potentiale, die die Nanotechnologie mit sich bringt können nur wenige Teilaspekte betrachtet werden, obwohl die Potentiale nahezu unerschöpflich sind. Dabei werden v.a. medizinische, materialspezifische, energetische und den Umweltschutz betreffende Aspekte näher erläutert.

2.1.1 Medizinisches Potential

Isaac Asimovs Roman „Fantastic Voyage“ aus dem Jahr 1966 eröffnete schon damals eine Zukunftsvision, wie die kommende medizinische Versorgung aussehen könnte: verkleinerte Menschen gleiten in Mini-U-Booten und Nanorobotern durch menschliche Blutgefässe, um dort Krankheiten zu heilen. Vor fast 50 Jahren war dies eine utopische Vorstellung ähnlich jener vor 100 Jahren, man könne zum Mond gelangen. Doch diese Vision sollte sich als realisierbar darstellen, wenn auch keine Miniaturmenschen die Arbeit übernehmen sollen, sondern ferngesteuerte Nanoroboter. Aber die Vision scheint Wirklichkeit zu werden! (Ben et al. 2010, S. 129ff.)

Forscher der Harvard University haben einen Nanoroboter (siehe Abb. 2) entwickelt, welcher eine Größe von 35-45nm und die Form eines Käfigs besitzt und gezielt Krebszellen angreift! Die Roboter sind so „programmiert“, dass sie jede Oberfläche einer Zelle (bei Krebspatienten Krebszellen) erkennen und sich dort festsetzen können. Beim Andocken an die betroffene Stelle konfiguriert sich der Nanoroboter neu und sendet gewünschte Wirkstoffe an eine bestimmte Stelle im Körper. Z.B. molekulare Botenstoffe, die das gestörte Verhalten von Krebszellen unter Kontrolle halten, indem sie das „Selbstmordprogramm“ dieser Zellen wieder aktivieren. Geglückte Versuche bei Leukämie- und Lymphomzellen wurden bereits bekanntgegeben. Zwar wurde diese Methode erst im Labor untersucht, doch die nächste Stufe besteht darin, diese Art der Behandlung an Lebewesen (Tieren) zu testen. Die Forscher versuchen fieberhaft, die Methode auch bei Menschen anzuwenden und falls dies gelingt, wäre dies eine bahnbrechende Erfindung in der Krebstherapie und könnte somit Millionen von Menschen einen Vorteil bringen. (Focus Online 2012)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Nanoroboter mit Wirkstoffen (Focus Online 2012)

Ein weiteres vielversprechendes Verfahren in der Krebstherapie, welches auf Nanotechnologie basiert, ist das sog. Hyperthermieverfahren. Da Tumorgewebe empfindlicher auf erhöhte Temperaturen reagiert als herkömmliches Gewebe, versucht man, mit lokaler Temperatursteigerung gezielt erkranktes Gewebe zu zerstören. Hierbei werden Eisenoxidpartikel in Nanometergröße in das Tumorgewebe injiziert und mittels elektromagnetischer Wechselfelder erhitzt, wobei kein gesundes Gewebe zerstört werden soll, sondern nur das Krebsgewebe. Bei Temperaturen von 44-46° C wird das Gewebe soweit geschwächt, dass es in Verbindung mit einer Chemotherapie signifikante Verbesserungen bei Krebspatienten mit sich brachte. Dies beweist eine vom Berliner Unternehmen „MagForce Nanotechnologies AG“ durchgeführte Studie an Patienten, die an einem Gehirntumor litten. Die Überlebenszeit dieser Patienten war signifikant höher als bei unbehandelten Patienten. (Fauth 2009)

2.1.2 Material- und Ressourcenpotential

In den Materialwissenschaften erfährt in letzter Zeit ein nanobasiertes Material enorm viel Aufmerksamkeit: Kohlenstoffnanoröhren (Carbon Nanotubes, CNT)(siehe Abb. 3). Diese könnten sich im Rahmen der Ressourcenknappheit als eines der wichtigsten Materialien des 21. Jahrhunderts herauskristallisieren. Sie bestehen aus einer Art graphithaltigem Kohlenstoff und weisen, wie der Name schon sagt, eine geringe Größe von unter 100nm auf. Obwohl sie bereits 1991 von Sumio Iijima entdeckt wurden, sind die Potentiale bis heute noch nicht einmal annähernd im vollen Umfang erforscht und man erhofft sich in der Werkstofftechnologie ungeahnte Möglichkeiten. Bereits bestehende Erkenntnisse befeuern diese Hoffnungen! Man unterscheidet zwischen einwandigen und mehrwandigen Nanoröhrchen, wobei jedes dieser Röhrchen im Gegensatz zum kristallinen Diamant (ebenfalls Kohlenstoffprodukt) flexibel ist. Die Eigenschaften sind vielseitig. U.a. kann man hier die elektrischen Eigenschaften erwähnen (hohe Stromdichte, hohe Leitfähigkeit etc.), welche manche Wissenschaftler eine neue Chipgeneration prognostizieren lässt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Kohlenstoff-Nanoröhrchen (Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2011)

Doch ein weitaus größeres Anwendungsfeld bedingen die mechanischen Eigenschaften dieser Nanoröhrchen. Diese besitzen eine 400-fach größere mechanische Zugfestigkeit als Stahl, wobei es um einiges leichter ist als Stahl (1/6 der Stahldichte). Diese Eigenschaften ermöglichen einen geringeren Materialaufwand bei gleicher Belastbarkeit und führen somit zu einem ressourcenschonenden Verbrauch von herkömmlichen (seltenen) Metallen. (Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2011). Allgemein ist der ressourcenschonende Verbrauch das Leitbild der Nanotechnologie. Die Entwicklung von nanobasierten Werkstoffen soll die Einsparung oder sogar Substitution von seltenen Rohstoffen gewährleisten. Diese Alternativen sollen die Abhängigkeit von Rohstofflieferungen von z.B. seltenen Erden, die überwiegend in unsicheren Regionen vorkommen (u.a. Demokratische Republik Kongo), minimieren, wenn nicht sogar ganz aufheben. Eine weitere ressourcenschonende Dimension in der Nanotechnologie wird im Recycling erreicht: Durch das sog. Nanokleben werden Produkte an ihrem Produktlebensende zusammengefügt und somit wird materialeffizient gehandelt. (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2011b, S. 14ff.)

2.1.3 Potential im Energiesektor

Im Zeitalter der Energiedebatte werden überall Versuche unternommen, möglichst energieeffizient zu handeln oder sogar Verbesserungen in der Energiegewinnung zu entwickeln. Dabei könnte die Nanotechnologie ein zusätzlicher Schlüssel sein!

Es gibt viele Anwendungsbeispiele, wobei die Gebäudedämmung (siehe Abb. 4) und die effizientere Energiegewinnung bzw. -speicherung v.a. im Bereich der regenerativen Energien am lukrativsten erscheinen. Die BASF erforscht in diesem Zusammenhang an der Universität Straßburg Kunststoffschäume, die aus Poren bestehen, welche nur wenige hundert Nanometer klein sind. Durch diese geringe Größe wird das Zusammenstossen von Gasmolekülen verhindert und somit die Wärmeleitfähigkeit herabgesetzt. Durch solche Innovationen wird der Energieverbrauch der Gebäude deutlich gesenkt, was angesichts der Tatsache, dass ca. 40 % des Energieverbrauchs in Deutschland auf Gebäude entfallen, nicht verachtenswert ist. Durch Altbausanierungen und den konsequenten Einsatz von Nano-Dämmstoffen können somit sowohl energie- als auch klimapolitische Ziele erreicht werden. (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2011b, S. 13f.; Scherzberg & Wendorff 2008, S. 29f.;)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Beispiel einer hervorragenden Dämmung (Fischer 2008)

Erneuerbare Energien stehen heutzutage vor einer großen Herausforderung: Kontinuität in der Versorgung! Diese kann bei keiner regenerativen Energie (Solarenergie, Windenergie, Wasserkraft etc.) gewährleistet werden und somit ist man auf Speichersysteme angewiesen, die derzeit aber noch nicht so effizient arbeiten, wie man es sich wünscht. Durch Nanotechnologie können diese Systeme unterstützt werden. Neben den Innovationen im Bereich der Lithium-Ionen-Batterien als Speicher sind v.a. Entwicklungen in der Solarenergie erwähnenswert. Hierbei sei als Beispiel die Farbstoffsolarzelle genannt, welche aufgrund von nanobasierten Bestandteilen nicht auf Silizium angewiesen ist. Die Solarzelle beinhaltet mit Farbstoffmolekülen besetzte Titandioxidnanopartikel, welche für die Ladungstrennung zuständig sind. Bei Lichteinfall setzen die Farbmoleküle Elektronen frei, die von den Titandioxidpartikeln aufgenommen werden und über sog. Redoxelektrolyte ihren Weg zur Elektrode finden. Da die Farbstoffmoleküle bei diesem Prozess arg in Mitleidenschaft gezogen werden, bedarf es einer Regeneration, welche durch das beinhaltete Elektrolyt (siehe Abb. 5) gewährleistet wird. Da es auch bei geringem Lichteinfall wenig Energieverlust aufweist, ist es theoretisch auch für Innenraumanwendungen möglich, während die Eigenschaft der Transparenz auch Fassadenfunktionen (siehe Abb. 6) zulässt und somit Farbstoffsolarzellen in Zukunft ein architektonisches Mittel darstellen können. (Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme Freiburg 2006, S. 3ff.; Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung 2008, S. 36ff.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Farbstoffsolarzelle mit Bestandteilen (Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme Freiburg 2006, S. 4)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: CSIRO-Standort in Newcastle/Australien mit Farbstoffsolarzellen an der Fassade (Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme Freiburg 2006, S. 14)

2.1.4 Umweltschutzpotential

Durch die bereits angesprochene Materialeffizienz und den daraus resultierenden geringeren Rohstoffverbrauch wird somit indirekt Umweltschonung betrieben, da bei Produktionsprozessen weniger Emissionen entstehen. Ein von der Bundesregierung in´s Leben gerufene Umweltschutzprogramm namens „NanoNature“ soll nanotechnologische Innovationen in Bezug auf den Umweltschutz fördern. Hauptinteressensgebiete sind hierbei die Gewässer- und Luftreinigung, welche durch nanobasierte Filtertechnik und andere katalytische Verfahren verbessert werden soll. Neben der Bodensanierung ist in Zeiten der Wasserknappheit v.a. auch die Trinkwasseraufbereitung ein sensibles Thema, welches durch Nanofilter durchaus entschärft werden könnte. (Bundesministerium für Bildung und Forschung 2011b, S. 15)

2.1.5 Ausblick

In Hinblick auf zukünftige Entwicklungen in unserer Gesellschaft, aber auch in der Wirtschaft, sind Prognosen von Personen wie Heinrich Rohrer, die eine neue Revolution sehen, keine Utopie! Die Nanotechnologie besitzt in zahlreichen Teilgebieten nahezu unendliche Potentiale, wobei v.a. in der Medizin und der Materialwissenschaft enorme Vorteile aus den nanotechnologischen Innovationen gezogen werden können, welche unseren Alltag in Gesellschaft und Wirtschaft erleichtern und uns nützen werden. Man stelle sich nur vor, dass Nanoroboter im menschlichen Körper nahezu jeden Krankheitsherd gezielt behandeln können! Dies hätte weltweit unvorstellbare Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschheit. Aber auch die (Horror-)Vorstellung, wichtige Rohstoffe aufzubrauchen, könnte durch Substitution mittels Nanotechnologie und den neu entstehenden Werkstoffen auf Nanotubes-Basis wieder ad acta gelegt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Potentiale und Risiken von Zukunftstechnologien
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
38
Katalognummer
V208422
ISBN (eBook)
9783656357773
ISBN (Buch)
9783656359715
Dateigröße
4962 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
potentiale, risiken, zukunftstechnologien
Arbeit zitieren
Andreas Behninger (Autor), 2012, Potentiale und Risiken von Zukunftstechnologien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208422

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