Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen gelten als Inbegriff
für Personalisierung, Medienabhängigkeit und Professionalisierung von Wahlkämpfen.
Im Folgenden soll näher auf die Auswirkungen des technischem Wandels eingegangen werden.
Seit dem Wahlkampf 2008 wird immer offensichtlicher, dass ein Wahlerfolg wesentlich von der Nutzung des Internets abhängt.
Dessen Nutzer unterscheiden sich jedoch in zentralen Punkten entscheidend von anderen Medienkonsumenten...
Inhaltsverzeichnis
1. Die Rolle der Medien im modernen Wahlkampf
2. Die Entwicklung der Massenmedien in den USA bis in die 1990er Jahre. Der Durchbruch des Fernsehens
3. Wer wählt was warum?
4. Das Internet und seine Funktionen im Wahlkampf
5. Neue Formen des Negative Campaigning im Internet
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Wandel der US-Präsidentschaftswahlkämpfe im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung und beleuchtet, wie neue Medien die traditionelle Mediendemokratie beeinflussen und verändern.
- Die historische Evolution der Rolle von Massenmedien in US-Wahlkämpfen.
- Faktoren und Strukturen, die das Wahlverhalten der US-Bürger beeinflussen.
- Die spezifischen Funktionen und Potenziale des Internets im modernen E-Campaigning.
- Die Entwicklung und Ausprägung neuer Formen des Negative Campaigning durch digitale Akteure.
- Das Spannungsfeld zwischen traditioneller politischer Kommunikation und digitaler Partizipation.
Auszug aus dem Buch
4. Das Internet und seine Funktionen im Wahlkampf
Barack Obamas Wahlkampf um den Einzug ins Weiße Haus im Jahre 2008 wurde von der Tatsache überschattet, dass er der erste afroamerikanische Kandidat im US-Präsidentschaftswahlkampf war. Daneben war jedoch auch ein anderes, wichtiges Novum zu beobachten: Die zuvor in diesem Ausmaß nicht dagewesene Nutzung des Internets als Wahlkampfmittel. Obama bzw. seine Wahlkampfstrategen erkannten schon früh die Wichtigkeit dieses neuen Mediums. Bei einer theoretischen Betrachtungen sind vier Komponenten zu nennen die das Internet so besonders machen:
Zum Ersten handelt es sich um das Vorhandensein von Permanenz: Webseiten und E-Mail-Dienste sind rund um die Uhr nutzbar. Kampagnen können sofort reagieren, man muss sich nicht mehr den Sendeschemata von Radio und Fernsehen beugen.31 Allerdings ist zu beachten, dass Permanenz auch bedeutet, dass Bilder oder Texte, die einmal ihren Weg in das world wide web gefunden haben, nicht mehr oder nur unter größten Schwierigkeiten aus diesem Raum zu entfernen sind.
Weiterhin ermöglicht ein zielgruppenorientiertes Vorgehen das Senden direkter Botschaften an bestimmte Gruppen.32 Kommunikation wird so wieder personalisiert. Wähler können dann, nachdem sie z. B. online ihre Daten preisgegeben haben, „in der realen Welt“ von Angehörigen der Parteiortsgruppen auf lokaler Ebene kontaktiert werden.
Durch die Interaktivität des Internets sind dessen Nutzer heutzutage außerdem nicht mehr nur passive Empfänger. Sie können Inhalte selbst generieren33 und werden so zu broadcastern.34 Das sogenannten „berieseln“ des Zuschauers, wie es beim Fernsehen der Fall ist, liegt nur noch in begrenztem Maße vor. Informationen werden selektiv „herausgepickt“. Hieraus resultiert wiederum der Zwang für Wahlkampagnen um die Aufmerksamkeit des Internetnutzers zu kämpfen, da die Wahlmöglichkeiten im digitalen Raum wesentlich die des analogen Fernsehens und Radios übersteigen.
Zuletzt bietet die Dezentralisierung im Internet Möglichkeiten, Kampagnen im großen Maßstab relativ leicht und schnell zu organisieren. Räumliche Entfernungen werden so irrelevant. Im Rahmen des Crowdsourcing können dann Aufgaben von vielen (oftmals freiwilligen) Helfern bearbeitet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Rolle der Medien im modernen Wahlkampf: Dieses Kapitel führt in die wissenschaftliche Bedeutung medialer Einflüsse auf das Wählerverhalten ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der tatsächlichen Macht der Medien.
2. Die Entwicklung der Massenmedien in den USA bis in die 1990er Jahre. Der Durchbruch des Fernsehens: Hier wird die historische Evolution von Wahlkampfinstrumenten nachgezeichnet, wobei der Fokus auf der technologischen Revolution durch Radio und insbesondere Fernsehen liegt.
3. Wer wählt was warum?: Das Kapitel untersucht die Faktoren des Wahlverhaltens in den USA, von sozioökonomischen Variablen bis hin zur Bedeutung der Parteiidentifikation und Wählertypologien.
4. Das Internet und seine Funktionen im Wahlkampf: Diese Analyse identifiziert die vier Kernkomponenten Permanenz, Zielgruppenorientierung, Interaktivität und Dezentralisierung als Erfolgsfaktoren für das moderne E-Campaigning.
5. Neue Formen des Negative Campaigning im Internet: Das Kapitel befasst sich mit der virtuellen Ausprägung von negativen Kampagnen, einschließlich der Rolle von Internet-Memes und der Anonymität im digitalen Raum.
6. Fazit: Das Fazit resümiert die Auswirkungen des Internets auf die US-Mediendemokratie und prognostiziert eine verstärkte Professionalisierung durch die Verlagerung von Ressourcen in den digitalen Raum.
Schlüsselwörter
US-Präsidentschaftswahlkampf, Mediendemokratie, Wahlverhalten, E-Campaigning, Internet, Negative Campaigning, politische Kommunikation, Massenmedien, Agenda-Setting, Wählertypologie, Digital Natives, Politische Partizipation, Online-Wahlkampf, Wahlkampfstrategien, Personalisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht den Wandel der US-Präsidentschaftswahlkämpfe im 21. Jahrhundert, insbesondere den Übergang von einer traditionellen, fernsehgeprägten Mediendemokratie hin zu einer durch das Internet und soziale Online-Aktivitäten geprägten Wahlkampflandschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Massenmedien in den USA, den soziologischen und psychologischen Determinanten des Wahlverhaltens, den spezifischen technischen Möglichkeiten des Internets im Wahlkampf sowie den neuen, teils aggressiven Formen der politischen Kommunikation (Negative Campaigning).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu klären, in welchem Ausmaß Medien den Ausgang eines Wahlkampfes beeinflussen können und wie der technische Wandel – speziell durch das Internet – die etablierten Strategien und Spielregeln der politischen Kommunikation verändert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Wahlforschung und politische Kommunikationswissenschaft, ergänzt durch die Auswertung existierender Studien und die Analyse aktueller Beispiele aus den US-Wahlkämpfen (z.B. 2008 und 2012).
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung des Medieneinsatzes, die Typologie von Wählergruppen, die theoretischen Funktionen des Internets im Wahlprozess sowie eine detaillierte Untersuchung der „digitalen Schlammschlachten“ und ihrer Instrumente.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie E-Campaigning, Agenda-Setting, Negative Campaigning, digitale Mediendemokratie und politische Partizipation charakterisiert.
Warum wird im Dokument explizit das Beispiel von Mitt Romney aus dem Jahr 2012 angeführt?
Das Beispiel „Binders Full of Women“ dient als illustrativer Beleg für die Dynamik des Negative Campaigning im Internet, bei dem innerhalb weniger Stunden eine politisch belastende Botschaft durch die Internet-Community viral gehen kann.
Welche Rolle spielen laut Autor die „Digital Natives“ für die Zukunft des Wahlkampfes?
Die „Digital Natives“ gewinnen als Wählergruppe und potenzielle aktive Wahlkampfhelfer an Bedeutung, da sie ihre Informationen primär aus digitalen Quellen beziehen, was einen strategischen Fokus der Kampagnen auf den digitalen Raum erzwingt.
Inwiefern hat das Internet laut der Arbeit die „Unschuld verloren“?
Der Autor stellt fest, dass die anfängliche Hoffnung auf einen sachorientierten und provokationsfreien Online-Wahlkampf durch eine Zunahme virtueller Attacken und diskreditierender Kampagnen enttäuscht wurde.
Gilt die traditionelle Rolle des Fernsehens als überholt?
Nein, der Autor betont, dass das Fernsehen trotz der Digitalisierung weiterhin eine zentrale, wenn nicht sogar die dominierende Rolle für die „Public Agenda“ spielt, weshalb Kandidaten weiterhin massiv in TV-Werbung investieren müssen.
- Quote paper
- Nils Wöhnl (Author), 2013, Der US-Präsidentschaftswahlkampf im 21. Jahrhundert - die digitalisierte Mediendemokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208493