In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, ob der (Schul-)Sport die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund der Sekundarstufe I fördern kann. Mit anderen Worten: Entspricht der Terminus „Integration durch (Schul-)Sport“ der Realität oder ist er dem Reich der Mythen zuzuordnen?
Um Antworten auf die Forschungsfrage zu erhalten, werden qualitative Interviews mit vier männlichen Schülern mit Migrationshintergrund durchgeführt, die allesamt in einem Sportverein tätig sind.
Durch die Interviews sollen Einblicke in die individuellen Sichtweisen und Einstellungen von jungen Menschen mit Migrationshintergrund zum Thema Integration geschaffen werden. Außerdem sollen die Jugendlichen mit Migrationshintergrund durch die Gespräche die Möglichkeit haben, ihre persönlichen Erfahrungen zum Thema Integration durch (Schul-)Sport zu äußern. Besonders durch diese intimen Einblicke in die Erfahrungswelt der Schüler, soll die Forschungsfrage beantwortet werden. Neben den Einstellungen und Erfahrungen sollen durch die Interviews auch Wünsche zum Vorschein kommen, die die Schüler mit Migrationshintergrund möglicherweise zu diesem Thema haben.
Ausgangspunkt für die Wahl qualitativer Forschungsmethoden war die Tatsache, dass bisherige Studien zum Thema Integration durch (Schul-)Sport qualitative Forschungsmethoden stark vernachlässigt haben. Dies zieht nach sich, dass Studien bisher einseitig aus der Perspektive der Mehrheitsgesellschaft durchgeführt wurden und daher die persönlichen Einstellungen und Ansichten von Jugendlichen mit Migrationshintergrund kaum berücksichtigt wurden. Der Grund dafür, dass in dieser Untersuchung ausschließlich männliche Jugendliche mit Migrationshintergrund im Zentrum der Betrachtung stehen, ergab sich aus meiner Annahme, dass die Integration von Jungen und Mädchen von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird. Ein weiterer Grund dafür war, dass hinsichtlich einer Integration durch (Schul-)Sport bisher ausschließlich Studien zu Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund vorhanden sind. Männliche Jugendliche kamen zu diesem Thema bisher nicht zu Wort und wurden vernachlässigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Fragestellung der Untersuchung und deren Ausgangspunkt
1.3 Aufbau der Untersuchung
1.4 Lesehinweise
2 Theoretische Perspektiven auf Migration und Integration
2.1 Migration
2.1.1 Begriffsklärung
2.1.2 Verschiedene Migrationsformen
2.1.3 „Ausländer“, „Migranten“ oder „Menschen mit Migrationshintergrund“?
2.1.4 Migration in Deutschland
2.1.5 Zur Situation von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland
2.1.6 Zusammenfassung
2.2 Integration
2.2.1 Integration als eine Form von Eingliederungsprozessen
2.2.2 Entwicklung unterschiedlicher Konzepte und Theorien zu Eingliederungsprozessen
2.2.3 Die Integrationstheorie von Hartmut Esser
2.2.4 Zusammenfassung
3 Integration durch Sport
3.1 Was bedeutet „Integration durch Sport“?
3.2 Das integrative Potenzial des Sports
3.3 Integration durch Schulsport
3.3.1 Chancen und Grenzen
3.3.2 Forschungsstand
3.4 Integration durch Vereinssport
3.4.1 Zur Partizipation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Sportvereinen
3.4.2 Chancen und Grenzen
3.4.3 Forschungsstand
3.5 Zusammenfassung
4 Untersuchungsdesign
4.1 Theoretische Grundlagen des Untersuchungsdesigns
4.1.1 Quantitative Sozialforschung vs. Qualitative Sozialforschung
4.1.2 Methode der Datenerhebung
4.1.3 Methode der Datenauswertung
4.2 Durchführung der Untersuchung
4.2.1 Erstellung des Interviewleitfadens
4.2.2 Auswahl der Interviewpartner
4.2.3 Durchführung der Interviews
4.2.4 Auswertung der Interviews
5 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
5.1 Rafael
5.1.1 Kurzlebenslauf und Interaktion
5.1.2 Deskription
5.1.3 Interpretation
5.2 Petrit
5.2.1 Kurzlebenslauf und Interaktion
5.2.2 Deskription
5.2.3 Interpretation
5.3 Edin
5.3.1 Kurzlebenslauf und Interaktion
5.3.2 Deskription
5.3.3 Interpretation
5.4 Sirak
5.4.1 Kurzlebenslauf und Interaktion
5.4.2 Deskription
5.4.3 Interpretation
6 Fazit
6.1 Zusammenfassung und Diskussion der zentralen Ergebnisse
6.2 Reflexion der Untersuchung
6.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob der (Schul-)Sport die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund der Sekundarstufe I fördern kann. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, ob der Terminus „Integration durch (Schul-)Sport“ der Realität entspricht oder als Mythos zu betrachten ist, indem persönliche Einstellungen, Erfahrungen und Wünsche männlicher Jugendlicher mittels qualitativer Interviews analysiert werden.
- Theoretische Grundlagen zu Migration und Integration
- Das integrative Potenzial von Schulsport und Vereinssport
- Qualitatives Untersuchungsdesign und problemzentrierte Interviews
- Einzelfallanalysen zur Integration von vier Jugendlichen
- Diskussion der Rolle von Sport für soziale und kulturelle Eingliederung
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Begriffsklärung
Der Begriff der Migration ist auf das lateinische Wort „migrare“ bzw. „migratio“ (wandern, wegziehen, Wanderung) zurückzuführen. Durch den Einfluss des viel verwendeten englischen Wortes „migration“ hat der Begriff, sowohl in der deutschen Alltagssprache als auch in der Begriffssprache der Sozialwissenschaften seinen Platz eingenommen (vgl. Han, 2010, S. 5).
Im sozialwissenschaftlichen Diskurs ist eine Reihe von verschiedenen Migrationsdefinitionen mit unterschiedlichen Ansätzen zu finden. Die Definitionen des Begriffs unterscheiden sich je nach verwendeter Literatur. Hieraus lässt sich schließen, dass es keine einheitliche Definition des Begriffs Migration gibt.
Definitionen der Sozialwissenschaftler unterscheiden sich hauptsächlich nach den Kriterien der von den Migranten zurückgelegten Entfernungen, der Aufenthaltsdauer an dem Zielort und den Unterschieden zwischen Herkunfts- und Zielregion. Jedoch sind bei allen Definitionen von Migration die Aspekte des Wechsels bzw. Veränderung und der Bewegung elementar (vgl. Treibel, 2003, S. 19).
Daraus lässt sich schließen, dass folgende Dimensionen für eine Definition des Migrationsbegriffs grundlegend sind:
- Raum und Zeit (Wohnortsänderung bzw. Versetzung des Lebensmittelpunkts, Aufenthaltsdauer),
- Grenze (Überschreitung politisch administrativer Trennlinien),
- Sozialstruktur (Statusordnung),
- Kulturelles System (Werte- und Normensystem) (vgl. Reinprecht & Weiss, 2011, S. 15; Oswald, 2007, S. 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die demografische Situation und die Bedeutung der Integration von Schülern mit Migrationshintergrund ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2 Theoretische Perspektiven auf Migration und Integration: Das Kapitel erläutert grundlegende Migrationsbegriffe, deren historische Einordnung in Deutschland sowie die Integrationstheorie nach Hartmut Esser als analytischen Rahmen.
3 Integration durch Sport: Es wird das theoretische Potenzial von Schul- und Vereinssport für die Förderung der Integration untersucht und der aktuelle wissenschaftliche Forschungsstand kritisch reflektiert.
4 Untersuchungsdesign: Dieser Abschnitt begründet die Wahl qualitativer Forschungsmethoden, insbesondere problemzentrierter Interviews, für die empirische Datenerhebung und -auswertung.
5 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse: Die Ergebnisse der vier durchgeführten Interviews werden in Einzelfalldarstellungen präsentiert und mithilfe des theoretischen Bezugsrahmens interpretiert.
6 Fazit: Die zentralen Erkenntnisse aus den Interviews werden diskutiert, die Untersuchung reflektiert und ein Ausblick auf weitere Forschungsbedarfe gegeben.
Schlüsselwörter
Migration, Integration, Sport, Schulsport, Vereinssport, Migrationshintergrund, qualitative Sozialforschung, Identifikation, Interaktion, Kulturation, Plazierung, problemzentriertes Interview, Assimilation, Diskriminierung, Sozialintegration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit Sport als Mittel der Integration für Schüler mit Migrationshintergrund in der Sekundarstufe I fungiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf Migration, Integrationstheorien (insb. Hartmut Esser), der Bedeutung von Schulsport und Vereinssport sowie der qualitativen Analyse von Schülerperspektiven.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob der Begriff „Integration durch (Schul-)Sport“ eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten darstellt oder eher als Mythos zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein qualitatives Untersuchungsdesign gewählt, das auf problemzentrierten Interviews mit vier männlichen Schülern basiert, um deren individuelle Erfahrungen und Einstellungen abzubilden.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine sportsoziologische Analyse des Integrationspotenzials von Sport, die Darstellung des methodischen Vorgehens und die detaillierte Auswertung der geführten Interviews.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Migration, Integration, (Schul-)Sport, Kulturation, Interaktion, Identifikation und Plazierung.
Wie unterscheidet sich der Schulsport vom Vereinssport in der Arbeit?
Die Arbeit differenziert zwischen dem verpflichtenden Charakter des Sportunterrichts (Schulsport) und dem organisierten, freiwilligen Engagement in Sportvereinen hinsichtlich ihrer integrativen Wirkkraft.
Welche Rolle spielt die Integrationstheorie von Hartmut Esser?
Essers Theorie der Sozialintegration dient als essenzielles Analyseinstrument, um die Interviews entlang der vier Dimensionen Kulturation, Plazierung, Interaktion und Identifikation auszuwerten.
- Arbeit zitieren
- Michael Breckner (Autor:in), 2012, Integration durch (Schul-)Sport - Realität oder Mythos?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208532