Sprechstilwechsel in Gesprächen und deren interaktive Bedeutung


Referat (Ausarbeitung), 2012
13 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Code-Shifting
2.1 Die grammatische Rekonstruktion des Code-Shifting
2.2 Die konversationsanalytische Rekonstruktion

3. Code-Switching und Code-Fluktuation

4. Zusammenfassung und Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Anhänge

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit ist eine Ausarbeitung des Referats „Sprechstilwechsel in Gesprächen und deren interaktive Bedeutung“, welches im Wintersemester 2011/2012 am 22. November 2011 von Christian Bogner, Nicole Lorenz und Svenja Gerbendorf in Prof. Dr. Seltings Kurs „Deutsche Sprache der Gegenwart 2: Text, Gespräch, Varietäten Teil 2“ gehalten wurde.

„Mit 'Stilwechsel' (oder Stilverschiebung) soll im folgenden der Wechsel von einem Sprechstil zu einem anderen im Kontext desselben Sprech- oder Kommunikationsereignisses bzw. derselben Kommunikationssituation, ggf. gegenüber ein- und demselben Kommunikationspartner, bezeichnet werden.“1

Es wird von vielen Sprachwissenschaftlern von einem erheblichen Unterschied zwischen der Syntax der geschriebenen und der gesprochenen Sprache ausgegangen. In der vorliegenden Arbeit geht es um die gesprochene Sprache, denn Sprechstilwechsel ist - wie der Name schon sagt - nur in dieser möglich.

„Sprecher, die einen Dialekt aktiv beherrschen, haben die Möglichkeit, vom Dialekt zur Standardsprache und umgekehrt von der Standardsprache zum Dialekt zu wechseln. Dies kann schlagartig geschehen (Code-Switching) oder langsam (Code- Shifting)“2

schreibt Johannes Schwitalla in seiner Einführung „Gesprochenes Deutsch“. Diese Phänomene, wie auch die Code-Fluktuation, die einen ständigen Wechsel der Sprechstile beschreibt, behandelt diese Hausarbeit. Dabei wird es vor allem um Code-Shifting gehen, auf die sich der erste Teil der Arbeit bezieht. In diesem wird auch auf die grammatische und konversationsanalytische Rekonstruktion eingegangen, also darauf, wie Code-Shifting nachzuweisen ist. Über Code- Switching und Code-Fluktuation wird im zweiten Teil nur ein allgemeiner Überblick gegeben.

Als Literaturgrundlage dafür dient vor allem Peter Auers „Konversationelle Standard/Dialekt-Kontinua“ von 1986. Auer versucht hier anhand der Art und Weise, in der Interaktionsteilnehmer Sprechstilwechsel benutzen, herauszufinden, welche Bedeutung die Anwendung dieses Mittels hat. Er stellt heraus, dass über die Bedeutung von Sprechstilwechseln eindeutige Aussagen getroffen werden können.

Weiter Literaturgrundlagen sind Margret Seltings „Institutionelle Kommunikation:

Stilwechsel als Mittel strategischer Interaktion“ von 1983, die oben genannte Einführung Johannes Schwitallas von 2012 und das Studienbuch Linguistik aus dem Jahr 1991 von Angelika Linke, Markus, Nussbaumer, Paul R. Portmann.

2. Code-Shifting

Diese Form ist die am häufigsten vorkommende und damit auch die am meisten untersuchte Form des Sprechstilwechsels. Deshalb ist das Code-Shifting bei diesem Thema von besonderer Bedeutung und wird hier eingehend behandelt. Code-Shifting bezeichnet einen allmählichen Übergang von einem Sprechstil zu einem anderen. Dieser Wechsel von einer Varietät in die andere erfolgt meist völlig automatisiert.3 Laut Peter Auer findet Code-Shifting dann statt, wenn das Ausgesagte als bedeutungsvoll oder bedeutungserweiternd interpretiert werden kann.4

Die Analyse muss eine Rekonstruktion der grammatischen Prozesse sein, die den Eindruck einer zunehmenden Dialektalisierung bzw. Standardisierung erwecken. Zum anderen muss sie eine Rekonstruktion der interaktiven Prozesse sein, die den Kontext für die Verständlichkeit von Code-Shifting liefern.5 Also 1. der grammatische Rahmen, innerhalb dessen das Code-Shifting stattfindet, und 2. der interaktive Prozess, der den Grund des Code-Shiftings deutlich macht.

Beim Code-Shifting wird über eine Reihe von aufeinander folgenden sprachlichen Einheiten eine Verlagerung in eine bestimmte Richtung entschieden, entweder zur Standardisierung oder zur Dialektalisierung.

Wenn ein sprachlicher Prozess weitere Prozesse bedingt, spricht man von einer Kookkurrenzrestriktion. Diese sind bei der Bewertung von Sprechstilwechseln als Indikatoren von besonderer Bedeutung.

Das Code-Shifting soll anhand des Beispiels in Anhang 1 verdeutlicht werden.

2.1 Die grammatische Rekonstruktion des Code-Shifting

Der erste Schritt der grammatischen Rekonstruktion ist die Festlegung des Standard-/Dialekt-Kontinuums der jeweiligen Sprechergemeinschaft innerhalb der festgelegten Sequenzen und eines bestimmten Sprechers. Das heißt jedoch nicht, dass es einer Analyse bzw. Beschreibung eines gesamten Dialektes bedarf, sondern die verwendeten Konstruktionen innerhalb des festgelegten Abschnitts sollten tabellarisch festgehalten werden.6

Man muss zunächst jedoch festhalten, dass die grammatische Rekonstruktion Grenzen aufweist: Das Code-Shifting erweist sich als ein sehr komplexes kommunikatives Phänomen, sobald es genauer zu rekonstruieren ist. Außerdem gibt es, wenn nur auf grammatische Kriterien zurückgegriffen wird, keine trennscharfe Abgrenzung zu verwandten Phänomenen, wie dem Code-Switching und der Code-Fluktuation, auf die später noch genauer eingegangen wird.

Die Einzelprozesse müssen auf ihre Dialektspezifität überprüft werden. Hier gibt es drei Kategorien:

- Ein dialektunspezifischer Prozess folgt den ‚Schnellsprechregeln’, die zum Deutschen gehören und folglich auch von Sprachteilnehmern und Sprachteilnehmerinnen gebraucht werden können, die keinen Dialekt sprechen (können). Ein Beispiel hierfür ist die posttonische Schwa- Tilgung, wie in [ha:bәn] zu [ha:bn].7
- Ein Prozess, der zwischen dialektspezifischen und dialektunspezifischen Prozessen liegt, d.h. er folgt zwar nicht den allgemein-deutschen ‚Schnellsprechregeln’, kann jedoch von Standarddeutsch sprechenden Menschen verstanden werden. Ein Beispiel hierfür ist die finale CH- Tilgung, also [IÇ] zu [I].8
- Dialektspezifische Prozesse sind charakteristisch für einen bestimmten Dialekt, zum Beispiel die L-Vokalisierung im Bairischen, also [fıl] zu [fᴜı.]9

[...]


1 Selting, Margret: 1983: Institutionelle Kommunikation: Stilwechsel als Mittel strategischer Interaktion. In: Linguistische Berichte 86: S. 29-48

2 Schwitalla, Johannes 1997: Gesprochenes Deutsch. Eine Einführung

3 Linke, Nussbaumer, Portmann 1991: Studienbuch Linguistik. S. 316

4 Auer, Peter 1986: Konversationelle Standard/Dialekt-Kontinua (Code Shifting). In: Deutsche Sprache 2. S. 98

5 Vgl. ebd. S. 105

6 Vgl. ebd. S. 106f

7 Vgl. ebd. S. 121

8 Vgl. ebd. S. 122

9 Vgl. ebd. S. 121

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Sprechstilwechsel in Gesprächen und deren interaktive Bedeutung
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik )
Veranstaltung
Deutsche Sprache der Gegenwart II: Text, Gespräch, Varietäten Teil 2 (GM-SW2)
Note
3,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V208563
ISBN (eBook)
9783656359203
ISBN (Buch)
9783656360179
Dateigröße
3184 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprechstilwechsel, gesprächen, bedeutung
Arbeit zitieren
Svenja Gerbendorf (Autor), 2012, Sprechstilwechsel in Gesprächen und deren interaktive Bedeutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208563

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