Die fortschreitende Individualisierung unserer Gesellschaft gepaart mit der so genannten Biographiesierung des Handelns legen die Gestaltung und Gewichtung der Lebensbereiche Beruf und Familie zunehmend in den Verantwortungsbereich des Einzelnen. Diese Arbeit stellt die These auf, dass die Findung einer Work-Life-Balance aufgrund des sozialen Wandels zunehmend zu der entscheidenden Entwicklungsaufgabe im Erwachsenenalter wird.
Nach einer kurzen Darstellung des sozialen Wandels im allgemeinen und dem Modell der Entwicklungsaufgaben von Havighurst werden im Hauptteil der Arbeit das Konzept der Work-Life-Balance, hilfreiche (Coping- (engl. Kompensation)) Strategien und Ressourcen sowie die Rolle sozialer Einflussfaktoren für ein Gelingen skizziert.
Inhaltsverzeichnis
1. Sozialer Wandel und seine Bedeutung für Rollenanforderungen
2. Einfluss auf herkömmliche Entwicklungstheorien
3. Havighursts Modell der Entwicklungsaufgaben
4. Die Rolle von Familie und Beruf im Erwachsenenalter
5. Das Zusammenspiel von Beruf und Familie: Work-Life-Balance
Teil B Ansätze und Strategien
1. Ansätze zur Erreichung einer gelungenen Work-Life-Balance
2. Vorstellungen von einer gelungenen Work-Life-Balance
3. Biographieorientierte Ansätze
4. Stress- bzw. ressourcenorientierte Ansätze
5. Die Rolle von Partnerschaften bei der Work-Life-Balance
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den sozialen Wandel und die damit einhergehende Individualisierung als Faktoren, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – die sogenannte Work-Life-Balance – zu einer zentralen Entwicklungsaufgabe im Erwachsenenalter machen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie Individuen durch verschiedene Strategien und unter Berücksichtigung sozialer Einflussfaktoren diese Balance erfolgreich gestalten können.
- Auswirkungen des sozialen Wandels auf Rollenanforderungen
- Anwendung des Entwicklungsaufgaben-Modells von Havighurst
- Biographische, tätigkeitsregulative und ressourcenorientierte Strategien
- Bedeutung der SOK-Methode (Selektion, Optimierung, Kompensation)
- Einfluss der Partnerschaft auf das individuelle Ressourcenmanagement
Auszug aus dem Buch
4. Stress- bzw. ressourcenorientierte Ansätze
Zur Erfolgsmaximierung existieren diverse copingorientierte Ansätze. Man unterscheidet drei Typen von coping (Erban, WS 2008/09, S. 7). Sie unterscheiden zwischen aktivem (problemgerichtetes, gezieltes Handeln) und internalem (Veränderung der inneren Einstellung zu einem Problem) coping und dem Rückzug von Problemen als Bewältigungsstrategie. Anhand dieser Strategien wird die Gestaltung eines prioritätengemäßen Zeitplanes möglich.
Für eine Work-Life-Balance ist letztlich nicht die Menge der für einen Bereich investierten Zeit entscheidend, sondern die empfundene Belastung in den einzelnen Bereichen und die empfundene Erholung bei den kompensatorischen Tätigkeiten. So können kurze, intensive Erholungsphasen ausreichen, um einer Überlastung vorzubeugen. Ist dies nicht der Fall, kann durch SOK-Methoden (Selektion, Optimierung, Kompensation) negativer Stress (Disstress) minimiert werden. Das heißt, dass die Anzahl der Aufgaben angepasst werden kann („Ich bin jetzt Vater, ich kann mich nicht mehr um die Präsentation unserer Arbeitsergebnisse kümmern.“), dass deren Umsetzung verändert werden kann („Vielleicht sollten wir für diese Sitzungen keine ganzen Abende mehr einplanen, sondern uns in der Mittagspause besprechen, wenn wir ohnehin zusammen sitzen.“) und ein positiver Ausgleich für Belastungen gefunden wird („Nach den Meetings gehe ich immer erst mal zum Boxen, das hält mich fit und hilft mir, mich danach auf meine Familie einzulassen.“).
Mehrfachbelastungen müssen nicht negativ für das individuelle Wohlbefinden sein. Es ist im Gegenteil belegt, dass ein Selbstverständnis in verschiedenen Rollen und „positiver Stress“ (Eustress) zu einer Übertragung positiver Erfahrungen in andere Lebensbereiche, dem so genannten „Spillover“ führen, der als Ressource aktiviert und genutzt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sozialer Wandel und seine Bedeutung für Rollenanforderungen: Dieses Kapitel erläutert den Übergang zur Postmoderne und die daraus resultierenden tiefgreifenden Veränderungen in Familienstrukturen und Arbeitsanforderungen.
2. Einfluss auf herkömmliche Entwicklungstheorien: Hier wird dargelegt, wie sich gesellschaftliche Anforderungen auf die Gewichtung verschiedener Lebensbereiche und die Relevanz von Entwicklungsfaktoren auswirken.
3. Havighursts Modell der Entwicklungsaufgaben: Dieses Kapitel definiert Entwicklungsaufgaben als entscheidende Meilensteine im Leben, deren erfolgreiche Bewältigung maßgeblich zum persönlichen Glück beiträgt.
4. Die Rolle von Familie und Beruf im Erwachsenenalter: Die Analyse konzentriert sich auf den Aufbau und die spätere Konsolidierung dieser zentralen Lebensbereiche im jungen und mittleren Erwachsenenalter.
5. Das Zusammenspiel von Beruf und Familie: Work-Life-Balance: Es wird die These aufgestellt, dass die Work-Life-Balance zur zentralen Entwicklungsaufgabe wird, wobei subjektives Wohlbefinden als Maßstab dient.
Ansätze zur Erreichung einer gelungenen Work-Life-Balance: Das Kapitel kategorisiert grundlegende Konzepte in biographieorientierte, tätigkeitsregulative und ressourcenorientierte Strategien.
Vorstellungen von einer gelungenen Work-Life-Balance: Hier werden ideale Anforderungen und individuelle Belastungsgrenzen im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungsnormen diskutiert.
Biographieorientierte Ansätze: Das Kapitel befasst sich mit langfristigen Lebensentwürfen und der Tendenz, Prioritäten zwischen Karriere und Privatleben zu verschieben.
Stress- bzw. ressourcenorientierte Ansätze: Es wird die Anwendung von SOK-Methoden zur Minimierung von negativem Stress und zur Nutzung von "Spillover"-Effekten erläutert.
Die Rolle von Partnerschaften bei der Work-Life-Balance: Dieses Kapitel betont die Bedeutung der Partnerschaft als entscheidende Ressource für das gegenseitige Ressourcenmanagement.
Schlüsselwörter
Sozialer Wandel, Work-Life-Balance, Entwicklungsaufgabe, Individualisierung, Familie, Beruf, Lebensgestaltung, SOK-Strategie, Bewältigungsstrategien, Ressourcenmanagement, Familiensoziologie, Wohlbefinden, Rollenanforderungen, Postmoderne, Coping.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen dem sozialen Wandel und der zunehmenden Bedeutung der Work-Life-Balance als zentrale Entwicklungsaufgabe im Erwachsenenalter.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel von Familienstrukturen, die Bedeutung beruflicher und privater Anforderungen sowie Strategien zur erfolgreichen Lebensgestaltung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie heute eine entscheidende Entwicklungsaufgabe darstellt, für deren Bewältigung Individuen spezifische Coping-Strategien benötigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer und entwicklungspsychologischer Modelle, insbesondere des Konzepts der Entwicklungsaufgaben von R.J. Havighurst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Konzept der Work-Life-Balance, unterteilt in biographieorientierte sowie stress- und ressourcenorientierte Ansätze zur Erfolgsmaximierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Work-Life-Balance, Entwicklungsaufgabe, Individualisierung, SOK-Strategien, soziales Ressourcenmanagement und der Wandel der Arbeitswelt.
Was besagt die SOK-Methode im Kontext der Work-Life-Balance?
SOK steht für Selektion, Optimierung und Kompensation. Sie dient dazu, durch gezielte Anpassung von Aufgaben und Erholungsstrategien negativen Stress zu minimieren und die Lebensqualität zu erhalten.
Welche Rolle spielt die Partnerschaft bei der Bewältigung von Doppelbelastungen?
Die Partnerschaft fungiert als wesentliche Ressource; das subjektive Wohlbefinden des Partners unterstützt das eigene Ressourcenmanagement bei der Bewältigung von Konflikten zwischen Familie und Beruf.
- Arbeit zitieren
- Uta Rotärmel (Autor:in), 2011, Sozialer Wandel und "Work-Life-Balance" als Entwicklungsaufgabe für das Erwachsenenalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208622