Intelligenz und Problemlösekompetenz als Prädiktoren für Innovationskompetenz

Skeptische Betrachtung dreier Konstrukte der Eignungsdiagnostik


Hausarbeit, 2012

31 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Innovation
2.1 Was ist Innovation?
2.2 Innovationskompetenz

3 Intelligenz
3.1 Was ist Intelligenz?
3.2 Wie Intelligenz gemessen wird – IQ-Testverfahren / IQ-Testinventars
3.3 Der Intelligenzquotient – ein streitbares Maß

4 Problemlösefähigkeit
4.1 Was ist ein Problem?
4.2 Der Problemraum
4.3 Komplexe Probleme
4.4 „Lohhausen“ – Ein Experiment

5 Prädiktoren für „gute Innovationsmanager“ ?
5.1 Experimente und Resultate
5.2 Korrellationen zwischen IQ und Problemlösekompetenz am Beispiel
5.3 Prognose versus Ex-post-Facto

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Weitere Verzeichnisse

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung

"Es ist nicht die stärkste Spezie die überlebt, auch nicht die intelligenteste, es ist diejenige, die sich am ehesten dem Wandel anpassen kann."

Charles Darwin (Englischer Naturforscher)[1]

Jede Epoche der Menschheitsgeschichte beansprucht für sich, eine Zeit rasanter Veränderungen, des Wandels, der Entwicklung, der Verbesserung zu sein. Jede Kultur lebt von Veränderung, von Aufbruch, Aufgang, Hochzeit und Niedergang zugunsten einer weiteren, einer neuen, einer anderen Form von Gesellschaft. Begrifflichkeiten wie eben diese, Wandel, Veränderung, Revolution, Entwicklung, Umbruch oder Reformation sind uns bekannt, teilweise auf eine Weise vertraut, die faktisch nur schwer greifbar scheint. Semantisch wird der Großteil dieser Begrifflichkeiten positiv konnotiert, weil die Geschichte zeigt, dass Veränderungen, die sich durchsetzten, weil mehrheitlich gewollt, fast immer einen mehrheitlichen Nutzen und damit einen positiven Output hatten - oder vermeintlich hatten.

Auch in unserer Zeit findet sich querschnittlich medial immer wieder eine Formulierung dessen, wie wichtig Anpassung, Reaktion, Veränderung, Neuausrichtung oder auch Change sei. Für Individuuen und Organisationen die eine Form des Vorteils suchen, scheint also Anpassungsfähigkeit, Veränderungsbereitschaft, Reaktionsgeschwindigkeit und damit schlussendlich die Fähigkeit und Fertigkeit des erfolgversprechenden und auch erfolgreichen Umgangs mit Innovation einerseits als auch das Potential zur Initiation von Change im Sinne von Innovation wesentlich. Wenn Erfolg von Wandel und Wandlungsfähigkeit abhängen sollte – der empirische Beweis ist eher evolutionstheoretischer Natur – dann scheint Innovationsmanagement im gesellschaftlichen Konsens wichtig.

Der optimale Angestellte oder Funktioner in einer Organisation sollte also ein guter Innovationsmanager sein. Aber was genau, welche Skills und das Beherrschen welcher Methoden und Tools macht ihn oder sie nun dazu?

In vielen aktuellen Studiengängen[2] wird Innovationsmanagement angeboten, teils in Zertifikatsstudiengängen, teils sogar auf Masterniveau. Das Angebot konstatiert damit, dass Innovationsmanagement erlernbar sei. Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten unterlegt ein Curriculum nun, um dieses Managementpotential zu erzeugen – und was ist die Ausgangslage? Welche Fähigkeit ist schlussendlich entscheidend?

Wenn Veränderung oder Innovation ein fakultätsübergreifendes Problemfeld sei, spielte dann die Problemlösefähigkeit im Sinne Dietrich Dörners[3] oder Heinz-Martin Süß[4] nicht eine wesentliche Rolle? In leitenden Positionen ist es wichtig, ein guter „Problemlöser“ zu sein. Ebenso wird zweifelsfrei wert darauf gelegt, dass eine hohe Intelligenz mitgebracht wird. Intelligenz und Problemlösefähigkeit sind Begrifflichkeiten die im akademischen Kanon des Themenfeldes Changemanagement, Projektmanagement wie auch Innovationsmanagement immer wieder zu finden sind.

Aber was genau macht einen Menschen nun genau dazu? Und vor allem: Woran lässt sich dies festmachen bzw. erkennen bzw. messen? Wie lässt sich die individuelle Fähigkeit in einem Bereich durch die Andere vorhersagen? Was ist überhaupt Intelligenz und was Problemlösefähigkeit und wodurch unterscheiden sich diese Begriffe von einander? Was sind demnach Prädiktoren für Prolemlösekompetenz und gehört Intelligenz dazu? In den Bereichen von Personalauswahl, Personalentwicklung wie auch Organisationsentwicklung findet sich eine Vielzahl Tests, deren prognostische Qualität wie auch generelle Güte an sich bereits anzuzweifeln ist – und nach Dörner wäre sogar „die den Intelligenztests zugeschriebene Bedeutsamkeit [..] unverdient, wenn es mit Ihnen nicht möglich wäre, wesentliche Charakteristika des Denkens und Problemlösens zu prognostizieren“[5]

Im Zuge des Performance Management Studienganges der Leuphana Professional School 2012 wurde die Fragestellung des Zusammenhanges zwischen messbaren Größen der Eignungsdiagnostik und Innovationsfähigkeit wieder aufgegriffen und in das Ziel überführt, es in einer aktualisierten Arbeit zu behandeln.

Der Bereich der wissenschaftlichen Arbeiten hierzu ist weiterhin noch relativ überschaubar, zwischen 2006 und 2012 wurde dieses Themengebiet eher wenig weiter verfolgt.

Arbeiten zu den Teilnereichen finden sich weiterhin vor allem bei Dörner, Süß, Kluwe und Schaub, die sich unter anderem mit einem eventuellen signifikanten korellativen Zusammenhang von Intelligenz und Problemlösekompetenz beschäftigten. Es gibt allein in diesem Bereich etliche Fragen, die bisher nicht zufrieden stellend, geschweige denn mit allgemeiner Gültigkeit, beantwortet werden konnten und somit weitere Forschungspotentiale offen gelassen haben, auch aktuelle diagnostische Inventars lassen lediglich Tendenzaussagen zu.

Einige der Antworten, die bisher gefunden wurden, schwerpunktlich bei Dr. phil. Julia Verena Hardt[6] unter anderem auch in einer eigenen Forschungsarbeit[7] und die einen zumindest tendenziellen Charakter haben, werden im Rahmen dieser Arbeit zusammengefasst, erweitert, kritisch betrachet und im Schwerpunkt auf ihre aktuelle Verwendbarkeit für das Themenfeld der Innovation beleuchtet wohlwissend, dass ihre statistische Validität künftig noch zu prüfen sein wird.

2 Innovation

2.1 Was ist Innovation?

Der Begriff der Innovation, abgeleitet vom lateinischen „innovare“, erneuern, beschreibt eine Erneuerung im Sinne einer Veränderung sei es in individuellen, interindividuellen oder organisationellen Systemen. Positiv konnotiert unterliegt der Innovationsbegriff einer Semantik, welche von Verbesserung, Evolution, Optimierung, Lösung von Problemen und kompetetiver Performanzsteigerung begleitet wird, ohne dass der neutrale Begriff als solcher hierauf angewiesen wäre. Faktisch neutral könnte auch ein Konkurs eine Innovation sein, wenn sich eine Marktsituation auf diese Weise erneuert. Im Rahmen der vorliegenden Betrachtung soll allerdings der positive Aspekt der Innovation, allgemeiner Erwartung und habituiertem Sprachgebrauch folgend, im Fokus bleiben.

Julia Hardt führt aus, dass Innovationsprodukte und Innovationsprozesse die Reaktion auf Veränderungsdynamik und Veränderungserforderlichkeit in internationalen Märkten ebenso wichtig wie gewinnsteigernd seien[8] und wie unerlässlich es sowohl für Start-Ups als auch für etablierte Unternehmen die Fähigkeit zur Generierung und Implementierung von Veränderungen und evolutionären Innovationen stetig zu steigern. „Mit der Frage, wie Unternehmen in die Lage versetzt werden Innovationen hervorzubringen, beschäftigen sich seit Jahrzehnten zahlreiche Forschungsteams […] Forschungen zu der Frage welche Faktoren in Unternehmen maßgeblich dazu beitragen, dass Innovationen generiert werden, haben zu heterogenen Befunden geführt“[9] Eine einfache Zuweisung, im Sinne eines „wenn jemand über mehr X verfügt, liefert er mehr Innovationskompetenz“ ist demzufolge nicht haltbar.

2.2 Innovationskompetenz

Innovationskompetenz bezeichnet laut Julia Hardt die „Fähigkeit von Individuen, innovative Ideen zu generieren und umzusetzen“.[10] Obgleich auf diese Weise eine essentielle Ressource für Wettbewerbsfähigkeit beschrieben und erfasst werden könnte, existiert bis dato kein standardisiertes, etabliertes und wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Diagnose der Innovationskompetenz von Individuen. Gleiches gilt für Diagnoseverfahren zur Innovationsfähigkeit von Teams oder Organisationen, die Termini Innovationskompetenz oder Innovationsfähigkeit beschreiben in der bestehenden Literatur vielmehr die Fähigkeit von Organisationen, innovativ zu werden.

Hardt beruft sich auf Studien von Anderson[11], denen zur Folge die Ebene Person, Team und Organisation Einfluss auf Innovationen im System ausüben. Folgelogisch wäre Innovationskompetenz nicht nur dahingehend zu prognostizieren, in wie weit das Individuum Probleme lösen kann, sondern auch, wie es um die Teamsitutation, die Teamrollen, das ggf. erforderliche Teambuilding und die Organisationsstruktur stünde. „In den letzten Jahren ist die Individualebene dabei immer mehr in den Vordergrund gerückt. Innovation wird nicht mehr alleine als Leistung von Unternehmen gesehen, sondern als Resultat zahlreicher individueller Beiträge“[12], so eine These Hardts, gestützt auf Bergman et. Al.

Julia Hardt misst Innovationskompetenz im ersten Ansatz eines neuen Inventars durch die Faktoren Methodenkompetenz, soziale Kompetenz, personale Kompetenz, individuelle Innovation, Eigeninitiative, Leistungsmotivation und schlägt eine Brücke zu Innovationsklima im Unternehmen.[13]

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt ebenfalls auf der Ebene des Individuums. Im Kontrast zu Julia Hardt, welche sich mit Innovation und Kompetenz als zwei modularen, getrennten Bausteinen beschäftigt, wird davon ausgegangen, dass es Innovationskompetenz im Hardtschen Sinne gibt, und beleuchtet erweiternd die Frage, in wie weit Intelligenz und Problemlösefähigkeit als Prädiktoren betrachtet werden könnten.

3 Intelligenz

3.1 Was ist Intelligenz?

Der Begriff oder besser noch das Konstrukt der Intelligenz ist sowohl im Alltag wie auch in der Pädagogik und Psychologie querschnittlich allgegenwärtig und unterliegt so einer Form von Dauergebrauch. Vieles wird mit diesem Begriff assoziiert, manche Unterschiede, Defizite oder Erwartungen eben damit begründet, und oft wird einem Inidividuum ex post facto Intelligenz zugeschrieben oder ex ante abverlangt – doch auf eine sehr einfache Frage scheint es eine ebenso einfache Antwort kaum zu geben: Was ist Intelligenz?

"Tatsächlich gibt es bis heute keine einheitliche Definition, was unter Intelligenz zu verstehen ist. "Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst", behauptete bereits 1923 der US-amerikanische Psychologe Edwin Boring. Und ob sich Intelligenz überhaupt messen lässt - also die Verstandeskraft oder die kognitive Leistungsfähigkeit eines Menschen - an dieser Frage scheiden sich die Geister schon seit mehr als 100 Jahren."[14] Mit dieser Passage gibt Cordula Sailer, Redakteurin der Süddeutschen Zeitung eine sowohl richtige, wie auch wenig brauchbare Antwort. Grund hierfür ist eine Fülle verschiedener Intelligenzdefinitionen in der wissenschaftlichen Literatur, welche Intelligenz als Wert beschreibt, der von einem reinen Messwert für kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit bis hin zum „Leistungsgrad psychischer Funktionen beim Lösen neuer Probleme“[15] reicht. Der Begriff per se leitet sich vom lateinischen Wort intelligentia ab, welches für Einsicht, Verständnisvermögen und Erkenntnisvermögen steht.

Im Konsens und im Rückgriff auf frühere Vergleiche[16] findet sich jedoch ein wesentlicher Grundzug: Allgemeine Intelligenz beschreibt eine Art von geistiger, psychischer und im Schwerpunkt kognitiver Leistungsfähigkeit. Unterstellt wird ein messbares und damit interindividuell vergleichbares Potential zur Bewältigung kognitiver Tasks in Relation zu einem festgelegten Zeitraum. Der Konstruktbegriff der Intelligenz an sich, im allgemeinen Sprachgebrauch häufig semantisch gleichgesetzt mit Klugheit, Cleverness oder Schläue, bewegt sich in Bereichen, die von Verarbeitungskapazität, Verarbeitungsgeschwindigkeit bis hin zu Gedächtnis und Einfallsreichtum reichen – und dabei noch in verschiedene Kategorien zu unterscheiden sind: Verbal, figural / bildhaft und numerisch – lehnt man sich an das Berliner Intelligenzstrukturmodell, siehe rechts im Bild, nach Jäger an[17]. Dieses Modell basiert auf drei

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3‑1 Berliner Intelligenzstrukturmodell

Grundthesen:

[...]


[1] {über Veränderung #1}

[2] Referenzjahr: 2012

[3] Dörner, Dietrich, Psychologische Rundschau, 1983

[4] Süß, 1996

[5] Dörner, Dietrich, Psychologische Rundschau, S.185

[6] Hardt, 2011

[7] Hosang, 2006

[8] Hardt, S.10

[9] Ebenda.

[10] Hardt, S. 51

[11] Vgl. Hardt, S.10

[12] ebenda

[13] Vgl. Hardt, S. 51ff

[14] Süddeutsche.de GmbH

[15] Rohracher, 1971, in Dörner, Lohhausen

[16] Hosang, 2006

[17] Abbildung aus Süß, S.34

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Intelligenz und Problemlösekompetenz als Prädiktoren für Innovationskompetenz
Untertitel
Skeptische Betrachtung dreier Konstrukte der Eignungsdiagnostik
Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg  (Institut für Performance Management)
Veranstaltung
Ü2.3 Innovationsmanagement (WS 2012/2013)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
31
Katalognummer
V208837
ISBN (eBook)
9783656369738
ISBN (Buch)
9783656369899
Dateigröße
1051 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Intelligenz, Problemlösekompetenz, Innovationskompetenz, Innovation, Problemlösen, Eignungsdiagnostik, Konstrukte, Operationalisierung
Arbeit zitieren
Sven Hosang (Autor), 2012, Intelligenz und Problemlösekompetenz als Prädiktoren für Innovationskompetenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208837

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