Die Todesstrafe in der Geschichte der christlichen Glaubenslehre


Hausarbeit, 2009
17 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die allgemeine christliche Sichtweise – Belege aus der Bibel

3. Die Sichtweise der katholischen Kirche
3.1. Die katholische Kirche in der USA
3.2. Weltkatechismus/Katechismus der katholischen Kirche (KKK)

4. Evangelische Kirche

5. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

Sekundärliteratur

Internetquellen

1. Einleitung

In der Geschichte der Todesstrafe spielen verschiedene Länder unterschiedlich große Rollen, wenn es um Abschaffung, Ablehnung oder Anwendung und Befürwortung dieses Strafmittels geht. Was aber alle Länder gemeinsam haben, sind die unterschiedlichen Religionen und ihre Gemeinschaften. Diese haben bestimmte Grundordnungen in ihrem Glauben verankert, die nicht nur Regeln über ihre Lebensweise mit der Religion verfügen. Sie legen auch Auffassungen über allgemeine sittliche und moralische Fragen fest, an denen sich die Gläubigen orientieren können. So wird auch das Thema der Todesstrafe in den geregelten Dogmen behandelt.

In dieser Arbeit soll über die christliche Auffassung der Todesstrafe berichtet werden. Es sollen Beweise gefunden werden, um anhand derer einige Fragen zu klären. Zum Beispiel soll geklärt werden, ob es eindeutige Belege über die Todesstrafe in der Bibel gibt. Gibt es Unterschiede zwischen den Glaubensgrundsätzen der Katholiken und Evangelisten? Und welche Merkmale gibt es in der US- Geschichte der religiös begründeten Todesstrafe? Diese und weitere Fragen sollen in der Untersuchung betrachtet werden.

Zunächst sollen, wie bereits angekündigt, Belege aus der Bibel gefunden werden. Dazu sollen direkte Zitate verwendet und analysiert werden, die entsprechend aus dem Alten und aus dem Neuen Testament entnommen sind. Ein besonderes Augenmerk soll auf dem Unterschied zwischen den beiden Testamenten liegen, da sich sicher eine veränderte Entwicklung in den Büchern darstellen lässt.

Weiterhin soll im dritten Punkt die katholische Sichtweise in Betracht gezogen werden. Diese wird erst allgemein in ihrer Geschichte betrachtet. Dazu sollen vor allem die Argumentationsweisen von verschiedenen Moraltheologen und Päpsten aus unterschiedlichen Jahrzehnten aufgezeigt und miteinander verglichen werden. Zeigt sich auch hier eine veränderte Meinung zur Anwendung der Todesstrafe? Ist selbst die Haltung des Papstes eine veränderte?

In einem Unterpunkt soll die Geschichte der Todesstrafe im Katholizismus der USA als Beispiel herausgenommen werden. Welche Gruppierungen haben sich in diesem Staat ausgebildet? Wie stehen sie sich untereinander gegenüber und welche Argumente dienen ihnen sich für bzw. gegen die Todesstrafe zu positionieren? Möglicherweise gibt es auch den Bezug zu der Veröffentlichung von allgemeinen Menschenrechten, die für eine Abschaffung der Todesstrafe plädieren.

Der zweite Unterpunkt geht spezieller auf den Katechismus der katholischen Kirche ein (KKK) bzw. dem sogenannten Weltkatechismus. Außerdem werden Zusammenhänge zum Erwachsenenkatechismus gezogen. Welche Auffassungen lassen sich in den Absätzen der Grundordnung erkennen? Und wie kann man moralische Fragen damit in Einklang bringen? Dazu sollen speziell die Absatznummerierungen 2264 bis 2267, welche die Todesstrafe explizit behandeln in Betracht gezogen werden.

Schließlich soll im letzten Punkt die evangelische Sichtweise zur Todesstrafe untersucht werden. Auch sollen Vertreter der evangelischen Kirche zu Wort kommen, die sich mit dem Problem der Todesstrafe beschäftigt haben. Lassen sich veränderte Entwicklungen von Auffassungen im Laufe der Zeit erkennen oder bleiben sie gleich? Gibt es auch in dieser Glaubensgemeinschaft gespaltene Meinungen und Argumente die für bzw. gegen die Todesstrafe sprechen?

Nachdem alle Sichtweisen und Belege aufgeführt wurden, sollen im Fazit schließlich Zusammenhänge zwischen den Religionsgemeinschaften und Erkenntnisse über den Gehalt ihrer Grundordnungen gewonnen werden. Möglicherweise können durch die Entwicklungen in der Vergangenheit und unmittelbaren Gegenwart Schlüsse für eine zukünftige Behandlung der Todesstrafe gezogen werden.

2. Die allgemeine christliche Sichtweise – Belege aus der Bibel

In der Bibel erscheint die Todesstrafe als „eine rechtliche Institution [...], die im AT selbstverständlich ist und im NT nur gelegentlich erwähnt wird“[1]. So zum Beispiel in dem Talion „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ aus dem Exodus. Allerdings ist hier nicht die bloße Vergeltung gemeint, sondern es soll eine Art Schadensersatz für das, was genommen wurde, gezahlt werden. Man folgt also den Prinzipien einer materiellen Wiedergutmachung. Im Neuen Testament scheint sich aber schon eine Veränderung vollzogen zu haben. Die Todesstrafe wird hier in Frage gestellt bzw. wird nicht mehr direkt angewendet.[2] Jedenfalls weisen keinerlei Abschnitte mehr auf eine Befürwortung hin, wie das noch zuvor im Alten Testament der Fall war.

Es gibt nur einige Passagen, die aber nicht ausdrücklich oder nur indirekt auf die Todesstrafe verweisen. Zum Beispiel folgende: „[Saint] Paul warns, „But if you do evil, be afraid, for it [civil authority] does not bear the sword without purpose; it is the servant of God to inflict wrath on the evildoer“.[3]

So warnt Saint Paul davor, wenn die Menschen böses täten, dann sollen sie die Staatsgewalt fürchten, welche als Diener Gottes über sie richten würde. Allerdings ist sein Wortlaut sehr wage, da er das Wort „Schwert“ in dem Zitat metaphorisch benutzt wird. Es ist nicht klar, ob die Todesstrafe gemeint ist oder nur eine andere Bestrafung durch den Staat. Joseph Fitzmyer, ein Jesuit meint, dass das Schwert als Todesstrafe interpretiert werden kann, aber dass diese Gewalt zu Pauls Lebzeiten in den Händen bestimmter Machthaber lag, die er nicht gemeint haben kann.[4]

Zwischen Altem und Neuem Testament lässt sich demnach ein großer Unterschied erkennen. Während im Alten Testament Stellen belegbar sind, die eindeutig die Todesstrafe befürworten, ist das im Neuen Testament nicht mehr so, dort gibt es keine Beweise für die Befürwortung oder Ablehnung der Todesstrafe.

Ein Beispiel aus dem Alten Testament ist der Satz: „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden“. Allerdings weißt das 5. Gebot („Du sollst nicht töten“) auf eine ganz andere Sichtweise hin, die zwischen Gegnern und Befürwortern der Todesstrafe eine Diskussion entfachen lassen: Wenn das Gebot nicht eingehalten wird, dann kann die Todesstrafe also zum Einsatz kommen. Und eigentlich ist der Wortlaut auch nur ein Übersetzungsfehler, denn im hebräische Ursprungstext steht nicht „Töten“, sondern „Morden“.[5] Diese beiden Wörter haben zwar die gleiche Bedeutung in der Entsprechung ihrer Endergebnisses, nämlich dass das Leben eines Menschen absichtlich durch die Hand eines anderen genommen wurde, aber dennoch gibt es einen Unterschied. Spricht man vom Morden, dann geschieht die Wegnahme eines Menschenlebens gezielt durch einen Mörder. Benutzt man das Wort Töten, klingt es nicht ganz so nachdrücklich. Es ergibt sich die Frage der Definition, ob die Todesstrafe dann eher Töten bzw. ein berechtigtes „Blutvergießen“ statt Morden wäre. So lässt sich diese Stelle auch so auslegen, dass das vorsätzliche Töten von Menschen zwar ein Vergehen ist, dieses aber durch die gleiche Maßnahme bestraft werden kann, was aber dann unter einem anderen Aspekt geschieht. Hier lässt sich bereits schlussfolgern, dass die Argumente für bzw. gegen die Todesstrafe immer durch Definitionen und Sichtweisen geprägt sind, die zwischen Gegnern und Befürwortern schwer in Einklang zu bringen sind.

[...]


[1] Marianne Heimbach- Steins, Menschenrechte in Gesellschaft und Kirche: Lernprozesse, Konfliktfelder, Zukunftschancen, Mainz, Matthias- Grünewald- Verlag, 2001, S.75

[2] vgl. ebd.

[3] Jozef D. Zalot und Benedict Guevin, Catholic ethics in today’s world, Winona, MN, Saint Mary’s Press, 2008, S. 134

[4] vgl. ebd.

[5] vgl. Wolfgang Bukowski, Normen im Widerspruch, Göttingen [u.a.], Vandenhoeck & Ruprecht, 1981, 3. Auflage., S. 16

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Todesstrafe in der Geschichte der christlichen Glaubenslehre
Hochschule
Universität Erfurt
Note
3,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V208843
ISBN (eBook)
9783656362791
ISBN (Buch)
9783656363200
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
todesstrafe, geschichte, glaubenslehre
Arbeit zitieren
Winifred Radke (Autor), 2009, Die Todesstrafe in der Geschichte der christlichen Glaubenslehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208843

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