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Entwicklung eines Konzepts zur Verbesserung des Leseverstehens chinesischer Deutschlerner

Titel: Entwicklung eines Konzepts zur Verbesserung des Leseverstehens chinesischer Deutschlerner

Doktorarbeit / Dissertation , 2011 , 230 Seiten , Note: cum laude

Autor:in: Feng Hu (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Deutsch als Fremdsprache, DaF
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die große Bedeutung des Leseverstehens für den L2 Spracherwerb ist weitestgehend anerkannt (vgl. Day & Bamford 1998; Grabe 2004) und die erfolgreiche Anwendung der Lesestrategien wird eindeutig als für das Leseverstehen förderlich angesehen, obwohl Lesen eine komplexe Tätigkeit ist, für die viele Kenntnisse und Fertigkeiten kombiniert werden müssen (vgl. Bernhardt 2005; Hudson 2007).
Vor diesem Hintergrund wurden die Lesestrategien, deren Funktionen und Vermittlungsmethoden in dieser Arbeit betrachtet. Im ersten Kapitel wurden die kognitiven und metakognitiven Aspekte des L2-Lesens und deren didaktische Implikationen; die verschiedenen Lesestilarten; der Einfluss neuer Medien auf das Lesen und auf Leseprozesse; Charakteristika des Lesens in der Fremdsprache, die Lernziele und die allgemeinen curricularen Prinzipien im Fremdsprachenunterricht in Bezug auf das Leseverstehen und den Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen erläutert.

Anschließend erfolgte eine Erläuterung zur Funktion von Lernstrategien und Lerntechniken, die eine Überleitung zum Strategie- und Technikbegriff der Fertigkeit des Lesens schafft. In diesem zweiten Kapitel wurden zuerst die Begriffe „Strategien“ und „Lernstrategien“ erläutert. Anschließend wurden die Funktionen von Lernstrategien dargelegt. Danach wurden Lernstrategien klassifiziert. Das Kapitel zwei dieser Arbeit diente auch der genauen Darstellung der verschiedenen Lesestrategien.
Im Kapitel drei wurde die Strategienvermittlung für fremdsprachliches Lesen geschildert. Dann wurden die auszulösenden Lernhandlungen, die Vermittlungsmethode und einige Empfehlungen für die Lesedidaktik nach Bimmel sowie ein kurzer Überblick über die Effektstudien vorgestellt.
Im vierten Kapitel wurden anschließend die Lerntradition und das Lernverhalten der chinesischen Deutschlerner dargestellt; dabei wurden die möglichen Stereotypen der westlichen Lehrenden über die chinesischen Deutschlerner in Frage gestellt; die Didaktik und Methodik im chinesischen DaF-Unterricht sowie die Prinzipien des modernen Fremdsprachenunterrichts erläutert, um den Rahmen der Studie zu verdeutlichen.
Im Kapitel fünf wurden die empirische Studie und deren Ergebnisse vorgestellt und ausgewertet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. L2-Lesen im Hinblick auf die Lehrperspektive

1.1 Kognitive und metakognitive Aspekte des L2-Lesens

1.1.1 Kognitive Aspekte des L2-Lesens

1.1.1.1 Prozesse beim Aufbau eines mentalen Modells

1.1.1.2 Prozesse bei der Konstruktion einer propositionalen Textbasis

1.1.2 Metakognitive Aspekte des L2-Lesens

1.2 Lesestile

1.3 Neue Textformen- neues Leseverhalten?

1.4 Charakteristika des Lesens in der Fremdsprache

1.5 Lernziele und die allgemeinen curricularen Prinzipien im Fremdsprachenunterricht in Bezug auf das Leseverstehen

1.6 Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen

1.7 Zusammenfassung

2. Lernstrategien und Lesestrategien

2.1 Definition und Klassifizierung von Lernstrategien

2.1.1 Zur Definition von Strategien und Lernstrategien

2.1.2 Zur Klassifizierung von Lernstrategien

2.1.2.1 Kognitive Sprachlernstrategien

2.1.2.2 Metakognitive Strategien

2.1.2.3 Affektive Sprachlernstrategien

2.1.2.4 Soziale Sprachlernstrategien

2.2 Funktionen von Lernstrategien

2.3 Definition und Klassifizierung von Lesestrategien

2.3.1 Zeitpunkt des Strategieeinsatzes

2.3.2 Kognitive, metakognitive und sozial-affektive Lesestrategien

2.3.3 Nach den verschiedenen Funktionen

2.4 Zusammenfassung

3. Didaktische Modelle zur Strategienvermittlung

3.1 Was sind die Ziele eines Strategientrainings?

3.2 Modelle für Strategienvermittlung

3.3 Konsequenzen für die Lesedidaktik

3.3.1 Vermittlungsrelevante strategische Lesehandlungen

3.3.2 Orientierung

3.3.3 Bewusstmachung

3.3.4 Lehrer-Feedback

3.4 Kurzer Überblick über die Effektstudien

3.5 Zusammenfassung

4. Zu den Rahmenbedingungen des Deutschstudiums an chinesischen Universitäten

4.1 Curriculare Vorgaben für Deutschstudium an chinesischen Universitäten

4.1.1 C2-Curriculum

4.1.2 C3-Curriculum

4.2 Zum Lernverhalten und zu den Lerntraditionen chinesischer Deutschlerner

4.3 Die Didaktik und Methodik im chinesischen DaF-Unterricht

4.4 Aktuelle didaktische Prinzipien des Fremdsprachenunterrichts

4.5 Die Ebene der methodischen Konzepte und Szenarien

4.6 Zusammenfassung

5. Empirische Studie

5.1 Erkenntnisinteressen

5.2 Versuchsplan

5.2 Versuchspersonen

5.3 Die ausgewählten Lesestrategien und Texte

5.4 Versuchsmaterial

5.4.1 Datenerhebung der Lesestrategienfragebögen

5.4.2 Prozess der Lesestrategievermittlung im Klassenzimmer

5.4.3 Darstellung einer Unterrichtssequenz

5.5 Datenanalyse und Ergebnisse

6. Schlusswort und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Förderung des Leseverstehens bei chinesischen Deutschlernern durch die systematische Vermittlung von Lesestrategien. Angesichts der beobachteten Schwierigkeiten bei der Erfassung von Textstrukturen und dem Fokus auf passiven Dekodierungsprozessen wird eine methodische Neuausrichtung angestrebt, die theoretische Grundlagen des Lesens mit praxisorientierten Trainingsmodellen verbindet.

  • Kognitive und metakognitive Prozesse beim L2-Lesen
  • Klassifizierung und Funktionen von Lern- und Lesestrategien
  • Didaktische Vermittlungsmodelle (insbesondere CALLA)
  • Rahmenbedingungen des Deutschstudiums in China
  • Empirische Untersuchung zur Wirksamkeit des Lesestrategientrainings

Auszug aus dem Buch

1.1.1.1 Prozesse beim Aufbau eines mentalen Modells

Die Aktivierung von topic-spezifischem Vorwissen spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Konstruktion eines mentalen Modells (vgl. Schramm 2006, S.26, Ehlers 1999, S.126). Die Grundthese lautet (s. auch Taylor 1979; Stevens 1982; Karcher 1988): Je mehr Hintergrundwissen ein Leser in Bezug auf den Inhaltsbereich eines Textes hat, desto mehr und besser versteht er (vgl. Ehlers 1999, S.126). Der positive Einfluss des Vorwissens wird in der L2-Leseforschung vor allem mit drei top-down-Prozessen in Verbindung gebracht: dem intendierten Inferieren, dem Elaborieren und dem Hypothesenbilden. Rickheit & Strohner (1990:533) definieren eine Inferenz als ,,die Bildung neuer semantischer Information in einem gegebenen Kontext“. Man unterscheidet intendierte Inferenzen, die zur Bildung der Textbasis dienen, und elaborative Inferenzen, die darüber hinausreichen. Intendierte Inferenzen können auf Wort-, Satz- und Diskursebene gebildet werden.

Elaborative Inferenzen unterscheiden sich nach Mandl (1981:8) von intendierten Inferenzen dadurch, dass sie über den Text hinausgehen und diesen in Verbindung mit verschiedenen Wissensbeständen des Lesers bringen. Sie seien für das einfache Verstehen nicht unbedingt erforderlich, führten aber zu einem tieferen Verstehen. Wolff (1990:615) beschreibt in ähnlicher Weise Elaborationen als eine besondere Art von Inferenzen, ,,die den durch die Sprachstimuli vorgegebenen Verarbeitungsrahmen sprengen und deklaratives Sprach- und vor allem Weltwissen freisetzen, das weit über den Inhalt des Textes hinausgeht.”

Die inhaltliche Hypothesenbildung ist für die L2-Forschung von besonders großem Interesse, weil dabei unsicheres Wissen über die weiteren im Text enthaltenen Informationen generiert wird, das die Entnahme der propositionalen Gehalte erleichtert und die Aufmerksamkeit steuert. Sie geht von dem jeweils aufgebauten Textverständnis bzw. mentalen Modell aus und ist in der oben abgebildeten schematischen Darstellung des Lesens von Schnotz darum der Informationserwartung zuzuordnen, während Inferieren und Elaborieren direkte Prozesse zum Aufbau des mentalen Modells sind.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Germanistik in China sowie die steigende Bedeutung des Deutschlernens und des Leseverstehens als zentrale Fertigkeit für den akademischen und beruflichen Erfolg.

1. L2-Lesen im Hinblick auf die Lehrperspektive: Kapitel 1 analysiert das Lesen in der Zweitsprache als aktiven, kognitiven und metakognitiven Prozess und erörtert verschiedene Lesestile sowie den Einfluss neuer Medien.

2. Lernstrategien und Lesestrategien: Hier werden Definitionen und Klassifizierungen von Lern- und Lesestrategien dargelegt, um das theoretische Fundament für die anschließenden Trainingsmodelle zu schaffen.

3. Didaktische Modelle zur Strategienvermittlung: Dieses Kapitel widmet sich den Zielen eines Strategientrainings und stellt verschiedene Vermittlungsmodelle vor, die für die Lesedidaktik relevant sind.

4. Zu den Rahmenbedingungen des Deutschstudiums an chinesischen Universitäten: Kapitel 4 untersucht die curricularen Vorgaben, das Lernverhalten und die Lerntraditionen in China, um den spezifischen Kontext der Studie zu verdeutlichen.

5. Empirische Studie: Dieses zentrale Kapitel beschreibt die empirische Gruppenuntersuchung zur Wirksamkeit der Lesestrategievermittlung an der Fremdsprachenuniversität Tianjin mittels eines Pretest-Posttest-Vergleichsgruppenplans.

6. Schlusswort und Ausblick: Das Schlusswort resümiert die Ergebnisse der Arbeit und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit weiterer Forschung zur kognitiven Verarbeitung beim L2-Lesen.

Schlüsselwörter

Leseverstehen, L2-Lesen, Lesestrategien, Lernstrategien, Strategievermittlung, CALLA-Modell, chinesische Deutschlerner, Metakognition, Kognitive Aspekte, Fremdsprachendidaktik, Lernerautonomie, Handlungsorientierung, Empirische Untersuchung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Konzepts zur Verbesserung des Leseverstehens von chinesischen Deutschlernern unter besonderer Berücksichtigung der Vermittlung von Lern- und Lesestrategien.

Was sind die zentralen Themenfelder der Dissertation?

Die zentralen Themen umfassen die kognitiven und metakognitiven Grundlagen des L2-Lesens, didaktische Modelle zur Strategienvermittlung, spezifische Lernbedingungen in China sowie eine empirische Überprüfung der Wirksamkeit von Strategietrainings.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, chinesischen Deutschstudenten durch den bewussten Einsatz von Lesestrategien zu einer aktiveren und erfolgreicheren Bedeutungskonstruktion beim Lesen deutscher Texte zu verhelfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?

Es wird eine empirische Gruppenuntersuchung mit einem Pretest-Posttest-Vergleichsgruppenplan an der Fremdsprachenuniversität Tianjin durchgeführt, ergänzt durch qualitative Methoden wie Interviews und Analysen von Unterrichtssequenzen.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Leseprozessen, Lern- und Lesestrategien, die Analyse der Lernbedingungen in China sowie die Durchführung und Auswertung des Lesetrainings in der Praxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Untersuchung?

Die wichtigsten Schlagworte sind Leseverstehen, L2-Lesen, Lesestrategien, Strategievermittlung, CALLA-Modell, chinesische Deutschlerner, Metakognition und Lernerautonomie.

Welche Rolle spielt das CALLA-Modell in der Untersuchung?

Das CALLA-Modell dient als theoretischer und praktischer Rahmen für das Strategietraining, da es ein rekursives Vorgehen (Vorbereitung, Präsentation, Übung, Evaluation, Expansion) bietet, das ideal für die didaktische Vermittlung ist.

Wie wird das "passive" Lernverhalten chinesischer Studierender in der Arbeit bewertet?

Die Autorin stellt fest, dass das oft als "passiv" wahrgenommene Verhalten weniger auf mangelndes Interesse, sondern auf traditionelle Lerntraditionen und fehlende methodische Anleitung zurückzuführen ist, die durch gezielte Strategienvermittlung aktiv transformiert werden kann.

Warum ist die Unterscheidung zwischen "Sachtexten" und "fiktiven Texten" im Kontext der Strategien wichtig?

Die Arbeit betont, dass unterschiedliche Textsorten auch unterschiedliche Verarbeitungsstrategien erfordern; die Lernenden müssen befähigt werden, flexibel zwischen Lesestilen zu wechseln, anstatt alle Texte "Wort für Wort" zu bearbeiten.

Ende der Leseprobe aus 230 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Entwicklung eines Konzepts zur Verbesserung des Leseverstehens chinesischer Deutschlerner
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (philosphische Fakultät)
Note
cum laude
Autor
Feng Hu (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
230
Katalognummer
V208875
ISBN (eBook)
9783656363644
ISBN (Buch)
9783656364030
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leseverstehen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Feng Hu (Autor:in), 2011, Entwicklung eines Konzepts zur Verbesserung des Leseverstehens chinesischer Deutschlerner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208875
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Leseprobe aus  230  Seiten
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