Im ersten Teil des letzten Jahrhunderts wurde die Wirtschaft hierzulande hauptsächlich durch Verkäufermärkte geprägt. In dieser Situation überstieg die Nachfrage das Angebot. Für die Kunden zählte nicht so sehr die Qualität oder der Service, viel wichtiger war die Befriedigung der eigenen Nachfrage. Engpassbereiche der Unternehmen waren in der Regel Produktion und/oder Beschaffung. Daher galt die primäre Anstrengung der Erweiterung der Produktionskapazität und der Senkung der Stück- bzw. Grenzkosten. Doch mit der voranschreitenden Erweiterung des Angebots in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts konnte die Nachfrage gedeckt werden. Der Markt wandelte sich zu einem Käufermarkt, jetzt überstieg das Angebot die Nachfrage und somit wurde der Absatz zum Engpassbereich der Unternehmen. Die Kunden konnten von nun an aus einem immer größer werdenden Angebot frei wählen, womit sich auch deren Ansprüche an die Produkte stetig vergrößerten.
Das sogenannte „Industriezeitalter“ gehört also schon länger der Vergangenheit an. Die heutige Gesellschaft lebt im „Informationszeitalter“, das zum Beispiel von zunehmender Globalisierung, von sich weiterhin verkürzenden Produktlebenszyklen und von auf den Kundenwunsch individuell angepassten Produkten und Lösungen geprägt ist. Um in diesem schwierigen Umfeld bestehen zu können, sind Informationen geradezu elementar für den weiteren Erfolg. Dabei ist es nicht immer wichtig, möglichst viele Informationen zu besitzen, sondern es sind die „richtigen“ Informationen notwendig, die eine optimale Entscheidungsgrundlage für ein Problem darstellen. Dieser Gedanke bildete auch eine Grundlage zur Entwicklung der Balanced Scorecard.
Nach der Einleitung werden im zweiten Gliederungspunkt kurz die Ziele und Aufgaben des Controlling dargestellt, außerdem wird eine kurze Einführung in die Instrumente des Controlling gegeben. Im nächsten Gliederungspunkt wird die Balanced Scorecard beschrieben. Zunächst wird die Idee und Konzeption erläutert, wonach auf die Wirkungszusammenhänge und dann auf die Vision und Strategie eingegangen wird. Außerdem wird der Aufbau der Balanced Scorecard dargestellt und ein grober Einblick in die Kennzahlen der einzelnen Perspektiven gegeben. Im vierten Gliederungspunkt wird die Eignung der Balanced Scorecard für das Controlling anhand positiver Aspekte und möglicher Probleme erörtert. Zuletzt wird im Fazit versucht, die Balanced Scorecard zusammenfassend zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen des Controlling
2.1 Controlling – Ziele und Aufgaben
2.2 Instrumente des Controlling
3 Die Balanced Scorecard
3.1 Idee und Konzeption der Balanced Scorecard
3.2 Wirkungszusammenhänge in der Balanced Scorecard
3.3 Vision und Strategie als Ausgangspunkt
3.4 Die vier Perspektiven der Balanced Scorecard
3.4.1 Die finanzwirtschaftliche Perspektive
3.4.2 Die Kundenperspektive
3.4.3 Die interne Prozeßperspektive
3.4.4 Die Lern- und Entwicklungsperspektive
3.5 Anzahl der Perspektiven und Kennzahlen
4 Die Eignung der Balanced Scorecard als Controlling-Instrument
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Studienarbeit ist die Untersuchung der Balanced Scorecard als modernes Instrument der Unternehmenssteuerung. Dabei wird analysiert, inwieweit das Modell geeignet ist, die klassischen Defizite traditioneller, rein finanzorientierter Kennzahlensysteme zu überwinden und eine Brücke zwischen strategischer Planung und operativer Umsetzung zu schlagen.
- Grundlagen und Aufgaben des modernen Controllings
- Kritik an traditionellen, vergangenheitsorientierten Kennzahlensystemen
- Konzeption der Balanced Scorecard und ihre vier Perspektiven
- Zusammenhang zwischen Vision, Strategie und Leistungsmessung
- Eignung der Balanced Scorecard als strategisches Managementinstrument
Auszug aus dem Buch
3.1 Idee und Konzeption der Balanced Scorecard
In vielen Abhandlungen zur Balanced Scorecard wird zur Verdeutlichung der Problematik ein Dialog zwischen einem Passagier und einem Flugzeugpiloten skizziert. Der Pilot steuert sein Flugzeug nur anhand eines Meßinstrumentes, worauf der Passagier verständlicherweise etwas befremdet reagiert. Auch die ausschließliche Orientierung von Unternehmen an einer Meßgröße – beispielsweise dem ROI oder dem Cash Flow – scheint nicht sinnvoll und verkennt die wesentlichen Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge.
Es sind aber auch noch andere Bedingungen zu berücksichtigen, deren ganzheitliche Steuerung durch das traditionelle Controlling einschränkt ist:
• Änderungen in der Unternehmensumwelt und –innenwelt schlagen sich erst zeitverzögert in den Finanzkennzahlen nieder.
• Vergangenheitsorientierte Ausrichtung des Controlling durch finanzielle Kennzahlen, welche auch nur sehr eingeschränkt über Ursachen informieren.
• Die Unternehmen befinden sich in einer immer komplexer werdenden Umwelt.
• Zu wenig Ausrichtung an langfristigen, strategischen Zielen, statt dessen noch zu sehr an kurzfristigen, taktischen Zielen.
• Die große Bedeutung externer Stakeholder wird ignoriert.
• Die Herstellung eines Konsenses über den tatsächlichen Inhalt von Visionen und Strategien ist schwer.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt und begründet, warum im heutigen Informationszeitalter neue Ansätze zur Unternehmenssteuerung notwendig sind.
2 Grundlagen des Controlling: Hier werden die zentralen Ziele, Aufgaben und die klassischen Instrumente des Controllings definiert, wobei eine Differenzierung zwischen strategischem und operativem Controlling erfolgt.
3 Die Balanced Scorecard: Dieses Kapitel bildet das Kernstück und erläutert die Konzeption, die vier Perspektiven sowie die Bedeutung von Ursache-Wirkungs-Ketten innerhalb des Modells.
4 Die Eignung der Balanced Scorecard als Controlling-Instrument: Es erfolgt eine kritische Würdigung des Modells, wobei sowohl die Vorteile bei der Strategieumsetzung als auch die Herausforderungen bei der Implementierung beleuchtet werden.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, die betont, dass die Balanced Scorecard als innovativer Rahmen für die Unternehmensführung dient, jedoch individuell an das jeweilige Unternehmen angepasst werden muss.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Controlling, Strategische Unternehmensführung, Leistungsmessung, Kennzahlensysteme, Finanzperspektive, Kundenperspektive, Prozeßperspektive, Lern- und Entwicklungsperspektive, Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge, Strategieumsetzung, Managementinstrument, Wettbewerbsvorteil, Leistungstreiber, Unternehmenssteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Balanced Scorecard als einem zeitgemäßen Instrument für das Controlling, das über rein finanzielle Kennzahlen hinausgeht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen des Controllings, die Schwächen traditioneller Kennzahlensysteme sowie der Aufbau und die Implementierung der Balanced Scorecard.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Nutzen und die Eignung der Balanced Scorecard als Instrument zu bewerten, das strategische Unternehmensziele in messbare operative Schritte übersetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender betriebswirtschaftlicher Studien und Konzepte zur strategischen Unternehmensführung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des klassischen Controllings, die detaillierte Vorstellung der vier Balanced-Scorecard-Perspektiven sowie die Erörterung der Eignung dieses Modells für den unternehmerischen Alltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Balanced Scorecard, Strategieumsetzung, Leistungsmessung, Controlling-Instrumente und Kennzahlensysteme.
Warum reicht die Messung über Finanzkennzahlen (z.B. ROI) heute nicht mehr aus?
Finanzkennzahlen sind meist vergangenheitsorientiert und spiegeln die komplexen, zukunftsorientierten Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge in einem dynamischen Marktumfeld nur unzureichend wider.
Was ist der sogenannte "Kennzahlenfriedhof"?
Dies bezeichnet das Problem, dass Unternehmen bei der Einführung der Balanced Scorecard dazu neigen, zu viele irrelevante Kennzahlen zu erheben, was die Übersichtlichkeit und Steuerungsfähigkeit eher behindert als fördert.
- Citation du texte
- Oliver Fendel (Auteur), 2001, Die Balanced Scorecard als Controlling-Instrument, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2089