Anhand der Theorien zum Erfolg und Scheitern sozialer Bewegungen, soll hier anhand der algerischen Frauenbewegung bezüglich des rückständigen Familiengesetzes von 1984 untersucht werden, wieso diese im Jahre 1984 schließlich nach zumindestens verschiedenen partiellen Erfolgen scheiterte.
Hierfür wird sich auf die Theorien zum Erfolg und Scheitern sozialer Bewegung bezogen, indem jene in der sozialen Bewegungsforschung relevanten Faktoren untersucht werden, die sich vom Erfolg bis zum Scheitern der sozialen Bewegungen änderten und somit konstitutiv für das Scheitern der algerischen Frauenbewegung scheinen. Es kann schließlich festgestellt werden, dass das Scheitern vor allem durch drei Faktoren, bzw. drei große Veränderungen begünstigt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Spezifizierung der Fragestellung
1.3 Relevanz und Erkenntnisinteresse
1.4 Vorgehensweise
2 Analyserahmen
2.1 Begriffsklärung
2.2 Einführung in die Theorie zum Erfolg und Scheitern sozialer Bewegungen
3 Analyse
3.1 Verbündete/Bündnisse
3.1.1 Theorieansatz
3.1.2 Entwicklung der UNFA
3.2 Massenmedien
3.2.1 Theorieansatz
3.2.2 Entwicklung der Medienpräsenz der algerischen Frauenbewegung
3.3 Counter Movement
3.3.1 Theorieansatz
3.3.2 Entwicklung der islamischen Bewegung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche Faktoren in der politischen Umgebung der algerischen Frauenbewegung dazu führten, dass diese 1984 das rückständige Familiengesetz trotz vorangegangener Erfolge bei ähnlichen Gesetzesentwürfen nicht mehr verhindern konnte.
- Analyse der Rolle von Bündnispartnern und der Entwicklung der UNFA
- Untersuchung der Bedeutung der Massenmedien für die Mobilisierung
- Analyse des Einflusses politischer Gegenbewegungen (Counter Movements)
- Überprüfung theoretischer Ansätze zur sozialen Bewegungsforschung anhand algerischer Geschichte
- Identifikation der Ursachen staatlicher Repression auf soziale Bewegungen
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Theorieansatz
Die Rolle von Massenmedien für soziale Bewegungen haben verschiedenste Bewegungsforscher_innen analysiert und interpretiert, so bspw. Rucht, Raschke, Gamson und Wolfsfeld. In zeitgenössischen Gesellschaften haben Massenmedien nach Rucht eine ungeheure Wichtigkeit für fast alle politischen Akteur_innen, in ganz besonderem Maße für soziale Bewegungen und Protestgruppen. Soziale Bewegungen sind nämlich Außenstehende des institutionalisierten, politischen Geschehens und haben nur wenige Mittel, um ihre Forderungen und Aktivitäten an die Öffentlichkeit zu bringen. Eines von diesen wenigen Mitteln sind die Massenmedien. Wenn diese von sozialen Bewegungen und Ereignissen nicht berichten, wissen lediglich die unmittelbaren Teilnehmer_innen und Zuschauer_innen davon, nicht jedoch eine breitere Öffentlichkeit (Rucht 2004: 29). Treffend dazu sagt Joachim Raschke: „Eine Bewegung, über die nicht berichtet wird, findet nicht statt.“ und „Die schlechteste Nachricht [für eine soziale Bewegung] ist keine Nachricht“ (Raschke 1985: 343f).
Auch Gamson und Wolfsfeld betonen die Wichtigkeit von Massenmedien für soziale Bewegungen. Ihrer Meinung nach benötigen soziale Bewegungen Medien wegen drei verschiedener Gründe. Erstens benötigen sie die Medien, um ihre Anhängerschaft überhaupt zu erreichen. Eine Demonstration ohne Berichterstattung z.B. kann die Anhängerschaft der Bewegung nicht mobilisieren. Zweitens bestätigen die Medien dadurch, dass sie über soziale Bewegungen und ihre Aktivitäten berichten, dass diese wichtige Akteure darstellen. Soziale Bewegungen benötigen die Medienpräsenz folglich u.a. damit die einflussreiche Zielgruppe, die sie zu erreichen versuchen, sie anerkennt und sich überhaupt mit ihren Forderungen auseinandersetzt. Drittens erweitern die Medien die Einflussnahme einer sozialen Bewegung, indem sie von ihr und ihrem Konflikt mit den Zielpersonen berichten, da sich so z.B. dritte Personen finden, die der Bewegung als Vermittler_in oder Anhänger_in behilflich sind. Das bedeutet, dass soziale Bewegungen von den Medien abhängig sind um öffentliche Sympathie für ihre Ziele zu erreichen (Gamson/Wolfsfeld 1993: 116).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Situation des algerischen Familiengesetzes von 1984 ein und definiert die zentrale Fragestellung bezüglich des Scheiterns der Frauenbewegung.
2 Analyserahmen: Das Kapitel erläutert die theoretischen Definitionen für soziale Bewegungen und führt in die wissenschaftlichen Ansätze zum Erfolg bzw. Scheitern von Bewegungen ein.
3 Analyse: Die Analyse untersucht kritisch die drei zentralen Vermittlungsfaktoren (Bündnisse, Massenmedien und Gegenbewegungen) und deren Veränderung im Kontext der algerischen Frauenbewegung.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und schlussfolgert, dass vor allem der Wegfall der Medienpräsenz und das Erstarken der islamischen Gegenbewegung für das Scheitern verantwortlich waren.
Schlüsselwörter
Algerien, Familiengesetz 1984, soziale Bewegungen, Frauenbewegung, UNFA, politische Umgebung, Massenmedien, Counter Movement, islamische Bewegung, staatliche Repression, politische Partizipation, Erfolg und Scheitern, Bewegungsforschung, Scharia, politische Elite
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründe für das Scheitern der algerischen Frauenbewegung, die 1984 trotz früherer Erfolge die Verabschiedung eines rückständigen Familiengesetzes nicht verhindern konnte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Rolle von Bündnissen, die Bedeutung der Massenmedien sowie der Einfluss von Gegenbewegungen im Kontext staatlicher Repression.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu verstehen, welche Faktoren sich zwischen den erfolgreichen Protesten der 1960er/70er Jahre und dem Scheitern im Jahr 1984 in der politischen Umgebung verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretisch fundierte Analyse durchgeführt, basierend auf der Literatur von Bewegungsforschern wie Raschke, Burstein, Rucht und anderen, um die soziopolitische Entwicklung in Algerien zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der drei Faktoren Bündnispartner (UNFA), Medienpräsenz und islamisches Counter Movement.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie soziale Bewegungsforschung, staatliche Repression, Frauenrechte, islamische Bewegung und politisches System in Algerien charakterisiert.
Warum war die Organisation UNFA für die Frauenbewegung so wichtig?
Die UNFA fungierte anfangs als wichtigster Bündnispartner und einziger Versammlungsort, verlor jedoch durch staatliche Kontrolle und Kooptation ihre Unabhängigkeit und damit ihre unterstützende Funktion.
Wie veränderte sich die Rolle der Massenmedien für die Bewegung?
Die Medienpräsenz wurde von der Regierung systematisch unterbunden, was zu einer "toten" Berichterstattung führte, wodurch die Bewegung ihre Mobilisierungskraft und Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit verlor.
Welchen Einfluss hatte die islamische Bewegung auf das Ergebnis?
Die islamische Bewegung agierte als starkes Counter Movement, das durch Gewalt und Druck auf die Regierung dazu führte, dass diese sich zur Besänftigung auf die Seite der konservativen Kräfte schlug.
- Arbeit zitieren
- Elisa Herbst (Autor:in), 2012, Soziale Bewegungen und das Familiengesetz in Algerien von 1984, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208915