Der Pontifikat Leos IX. und seine Bedeutung für die Kirchenreform des Hochmittelalters


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Vorgeschichte: Voraussetzungen und Bedingungen für Leo IX
2.1 Das Papsttum vor der Reform
2.2 Zu den Ursprüngen der Reformbewegung und ihrem Einzug in Rom

3. Der Pontifikat Leos IX
3.1 Die Reformen in Rom
3.2 Reisen und Konzilien – Die neue Dimension des Papsttums
3.3 Leos IX. Verhältnis zu Kaiser Heinrich III

4. Die weitere Entwicklung – Langfristige Veränderungen durch Leo IX.?

5. Fazit

Anhang

1. Einleitung

„Fürchten mussten ihn nur die Feinde alle der Kirche, denn als getreulicher Hirt diente er stets seiner Gemeinde. (…) Dem Frevel des Volkes trat Leo entgegen und besänftigte so den Zorn unseres Gottes.“[1]

Als tugendhafter und energischer Verfechter des frommen Glaubens wird Papst Leo IX. (*1002, †1054) in seiner Vita dargestellt. In der Forschung wird er als erster großer Reformpapst anerkannt. Wie aber ist seine Amtszeit als Papst von 1049-1054 im Kontext der Kirchenreformbewegung einzuordnen, der geistlichen Strömung, die von monastischen Frömmigkeitsidealen ausgehend in einem der bedeutendsten machtpolitischen Ereignisse des Mittelalters mündete? Der „Investiturstreit“ zwischen Kaiser Heinrich IV. und Papst Gregor VII. erschütterte das Ordnungsgefüge und den Frieden des Reiches, weil dem weltlichen Herrscher die Sakralität und somit die Legitimation abgesprochen wurde.

Da das Reich im Hochmittelalter ist als „ein vielfältiges und vielschichtiges Beziehungsnetz von Menschen und Personengruppen“[2] anzusehen ist, ist es von Interesse, besondere Persönlichkeiten hervorzuheben und ihr Schaffen zu untersuchen. Wenn man also die frühe Reformbewegung und die Entwicklung des Papsttums bis zum Investiturstreit nachvollziehen will, ist es sinnvoll, den Pontifikat Leos IX. genauer zu untersuchen. Welche Ziele und Maßnahmen zeichneten diesen Papst aus? Was hebt ihn von seinen Vorgängern und Nachfolgern ab? Der Fokus dieser Arbeit soll dabei in erster Linie auf den 5 Jahren seiner Amtszeit in Rom liegen.

Dies erfordert drei wesentliche Schritte. Erstens: Eine kurze Einführung in die Vorgeschichte der Reformbewegung und des Papsttums vor 1049. Den Hauptteil der Arbeit stellt der Pontifikat Leos dar. Schließlich ist die Bedeutung seiner Amtszeit in langfristiger Hinsicht zu beurteilen.

Dabei werden Details zu seinem Wirken als Bischof Bruno von Toul (1026-49) zwar am Rande eine erklärende Funktion haben, jedoch nicht wesentlicher Bestandteil der Arbeit sein. Ebenso werden die Auseinandersetzungen mit der byzantinischen Kirche, die kurz nach seinem Tod zum Schisma führten und die kriegerischen Auseinandersetzungen des päpstlichen Heeres mit den Normannen unter seiner Führung kaum berücksichtig werden können.

2. Vorgeschichte: Voraussetzungen und Bedingungen für Leo IX.

Zunächst muss etwas weiter ausgeholt werden um den Pontifikat Leos IX. in den Kontext dieser Epoche massiver Wandlungs- und Neuordnungsprozesse einzuordnen.

Erstens sind generell die Bedeutung des Papsttums und das Selbstverständnis, mit dem es seine Rolle im Gefüge der christlichen Gesamtkirche bekleidete, herauszustellen. Nur so kann man der Tragweite des Reformpapsttums gerecht werden.

Eng damit verknüpft ist die Frage nach dem Verhältnis Leos zum stadtrömischen Adel und dem Kaiser. Wie beeinflussten weltliche Führungspersonen die Entwicklungen eines so bedeutenden klerikalen Amtes?

Abschluss dieses Kapitels und Überleitung zum Kern der Arbeit wird die Frage sein, wie die Reformbewegung entstand und in Rom zur Entfaltung kam. Gab es vorher schon reformatorische Ansätze und Denkmuster oder ist davon auszugehen, dass Papst Leo IX. damit Neuland betrat?

2.1 Das Papsttum vor der Reform

Der Papst hatte zwar neben der Aufgabe als Bischof von Rom auch den Anspruch, „oberste(r) Hirte der gesamten katholischen Christenheit“[3] zu sein. Auch galt er als Nachfolger des Apostels Petrus und Rom als ein „Ort besonderer Heiligkeit“[4]. Jedoch war die Reichweite päpstlicher Politik eher begrenzt und von geringem Einfluss. Geprägt wurde das Gesamtbild vielmehr durch die Erzbischöfe und Bischöfe im Reich.[5] Auch wenn ein Vorrang des römischen Bischofs akzeptiert war, herrschten statt universaler päpstlicher Dogmatik eher regionale Unterschiede.

„Keiner der Päpste des 10. und frühen 11. Jahrhunderts ergriff irgendeine – als Kirchenpolitik oder gar Kirchenreform zu qualifizierende – Initiative zur Lösung theologischer Streitfragen oder zur Erneuerung kirchlicher Disziplin.“[6]

Die beiden rivalisierenden Familien der Crescentier und der Tuskulaner pflegten, ihnen wohlgesinnte Geistliche zum Amt des Papstes zu verhelfen um ihre Macht abzusichern.[7] Ermöglicht wurde ihnen dies in erster Linie durch gute Beziehungen zum deutschen Kaisertum.[8] 1044 führte diese Praxis jedoch zu Problemen und unklaren Verhältnissen. Nach der Ernennung eines neuen Kandidaten und eines Gegenkandidaten, verbunden mit zweifelhaften Geldbewegungen, gab es drei Päpste mit zweifelhafter Legitimation.[9]

Auf der Synode von Sutri 1046 enthob König Heinrich III. dann alle drei Päpste aus ihren Ämtern und setzte als Nachfolger Bischof Suidger von Bamberg als Papst durch. Dieser krönte ihn als Clemens II. zum Kaiser.[10] Der Einfluss des römischen Adels auf die Päpste war dadurch allerdings nicht gebrochen. Die beiden ersten deutschen Päpste und Vorgänger Leos IX. brachten es wohl nicht nur wegen ihrer sehr kurzen Amtszeiten zu wenig nachhaltigen Reformtätigkeiten, sondern auch aufgrund mangelnder Unterstützung durch den römischen Adel, der ihnen sehr kritisch gegenüberstand.[11] Das wirft die Frage auf, wie Leo IX. den Einfluss der mächtigen Familien Roms und Umgebung überwinden und seine Reformvorhaben umsetzen konnte. (Siehe dazu Kap. 3).

2.2 Zu den Ursprüngen der Reformbewegung und ihrem Einzug in Rom

Als einer von wenigen Historikern hat Ian Stuart Robinson bei der Frage der Entstehung der Reformbewegung den Einfluss wirtschaftlicher Faktoren herausgestellt. Laut Robinson war die Reformbewegung beeinflusst durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum, sowie neue Entwicklungen in der Landwirtschaft und im Handel. Dies führte zu wachsendem Wohlstand der Kirchen, und somit auch zum Bestreben nach Kontrolle der kirchlichen Güter. Die Kleriker traten im Namen der Reform den Ansprüchen säkularer Kräfte auf die Kontrolle kirchlichen Besitzes entgegen. Reform meinte daher die der Verhältnisse eines früheren „goldenen Zeitalters“ des Wohlstandes und der Freiheit.[12] Bei der Klosterreform, die sich über die Kanonikerreform auf die Gesamtkirche ausweitete[13], kam es zu einer Rückbesinnung auf die Benediktinischen Idealen des Mönchtums. Diese Entwicklung ist laut Blumenthal auch ein unbestrittener „Ausdruck der Kirchenfrömmigkeit der Zeit“.[14]

In erster Linie war das Ziel der Reform die Befreiung des Klerus aus der „Unterdrückung“, oder gar „tyrannischer Sklaverei“, wie Papst Gregor VII. es im fortgeschrittenen Konflikt zwischen Klerus und Adel polemisch darstellte.[15] Um Freiheit zu erlangen war für die Reformer eine Ausmerzung schlechter Gewohnheiten und laxer moralischer Zustände erforderlich. Dies war nur durch die einzigartige Autorität des Papstes möglich.[16] Simonie, der Erwerb von kirchlichen Ämtern gegen Bezahlung, und Nikolaitismus (Priesterehe) wurden als Häresie verurteilt.[17] Besondere Brisanz kam der Frage der Laieninvestitur zu. Die Einsetzung geistlicher Ämter durch einen Weltlichen, also einen Laien, wurde von klerikalen Reformern zunehmend kritisiert und kam im so genannten Investiturstreit repräsentativ für den Konflikt zwischen kirchlicher und weltlicher Macht zum Ausdruck. In erster Linie ging es um die Lösung des Papsttums aus der Bevormundung weltlicher Herrscher wie eben jener Tuskulaner.[18]

[...]


[1] Krause, Hans-Georg (Hg.): Die Touler Vita Leos IX., Hannover 2007, S. 81. - Verse über das Leben Papst Leos IX.

[2] Weinfurter, Stefan: Wendepunkte der Reichsgeschichte im 11. und 12. Jahrhundert, in: Weinfurter, Stefan / Siefarth, Martin (Hg.): Macht und Ordnungsvorstellungen im hohen Mittelalter : Werkstattberichte, Neuried 1998, S. 20.

[3] Goez, Werner: Kirchenreform und Investiturstreit 910-1122, Stuttgart 2008, S.93.

[4] Johrendt, Müller, 1.

[5] Kaufhold, Martin: Wendepunkte des Mittelalters. Von der Kaiserkrönung Karls des Großen bis zur Entdeckung Amerikas, Ostfildern 2004, S. 32.

[6] Seibert, Hubertus: Das Papsttum und die neuen religiösen Bewegungen im 12. Jahrhundert, in: Weinfurter, Stefan / Siefarth, Frank Martin(Hg.), Macht und Ordnungsvorstellungen im hohen MA. Werkstattberichte, Neuried 1998, S. 147.

[7] Schimmelpfennig, Bernhard: Das Papsttum. Grundzüge seiner Geschichte von der Antike bis zur Renaissance, Darmstadt 1984, S. 128.

[8] Schimmelpfennig, S. 128.

[9] Schimmelpfennig, 128.

[10] Goez, 91.

[11] Goez, 96.

[12] Robinson, Ian Stuart: The Papal Reform of the Eleventh Century. Lives of Pope Leo IX. and Pope Gregory VII. Manchester 2004, 1.

[13] Blumenthal, Uta-Renate: Der Investitutstreit, Stuttgart 1982, 78.

[14] Blumenthal, 75.

[15] Robinson, S. 2-3. - Gregor in einem Brief an Kleriker und Laien in Ravenna.

[16] Robinson, S. 2.

[17] Robinson, S. 4.

[18] Schimmelpfennig, S. 147.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Pontifikat Leos IX. und seine Bedeutung für die Kirchenreform des Hochmittelalters
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V208919
ISBN (eBook)
9783656363798
ISBN (Buch)
9783656363972
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hochmittelalter, Investiturstreit, Kirchenreform, Leo IX.
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Volker Sundermann (Autor:in), 2009, Der Pontifikat Leos IX. und seine Bedeutung für die Kirchenreform des Hochmittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208919

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