Der Einfluss wirtschaftlicher Freiheiten auf die Treibhausgasemissionen in Industrieländern


Hausarbeit, 2009
40 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Abstract/Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Theorie
3.1 Wirtschaftliche Freiheiten
3.2 Weitere wirtschaftliche Faktoren
3.3 Politische Faktoren
3.4 Strukturelle Faktoren

4. Operationalisierung
4.1 Die Fallauswahl
4.2 Die abhängige Variable
4.3 Wirtschaftliche Freiheiten
4.4 Weitere wirtschaftliche Faktoren
4.5 Politische Faktoren
4.6 Strukturelle Faktoren

5. Datenanalyse
5.1 Univariate Datenanalyse
5.2 Bivariate Datenanalyse
5.3 Weitere Modellspezifikation und multivariate Datenanalyse
5.4 Ergebnisse

6. Schlussbetrachtung

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

1. Abstract/Zusammenfassung

Abstract:

The impact of economic freedoms on the green house gas emissions in industrial countries

This study examines the influence of economic freedom on the green house gas (GHG) emissions in 21 OECD countries between 1990 and 2005. The used method is a statistical comparative time-series cross-section analysis (TSCS). In contrast to other studies the result is that additional economic freedom leads to higher GHG emissions. But the influence of seperate freedoms has to be seen differentiated: A higher freedom in international trade is accomponied by fewer emissions and the share of government expenditures has no significant impact. But the indicators legal security, monetary stability and free markets again support the tendency that higher economic freedom leads to higher emissions. Thus the conclusion is that the fight against climate change, which is a challenge for mankind, cannot be accomponied by economic neoliberalism.

Zusammenfassung:

Der Einfluss wirtschaftlicher Freiheiten auf die Treibhausgasemissionen in Industrieländern

Die Studie untersucht welchen Einfluss verschiedene wirtschaftliche Freiheiten auf den Treibhausgasausstoß in 21 OECD-Ländern im Zeitraum von 1990 bis 2005 haben. Als Methode wird eine statistisch vergleichende Time-Series-Cross-Section-Analyse (TSCS) angewendet. Das Ergebnis zeigt, im Gegensatz zu anderen Studien, dass höhere wirtschaftliche Freiheit mit höheren Emissionen verbunden ist. Jedoch ist der Einfluss der einzelnen wirtschaftlichen Freiheiten differenziert zu sehen. So führt höhere Handelsfreiheit offenbar zu niedrigeren Emissionen und die Höhe der Staatsausgaben hat keinen signifikanten Einfluss. Bei den Indikatoren rechtliche Sicherheit, Geldwertstabilität und Vorhandensein freier Märkte zeigt sich jedoch wieder die Grundtendenz, dashohe wirtschaftliche Freiheit zu mehr Klimagasemissionen führt. Die Schlussfolgerung lautet somit, dass der Kampf gegen die Menschheitsherausforderung Klimawandel nicht mit wirtschaftlichem Neoliberalismus einhergehen kann.

2. Einleitung

Der Klimawandel kann zu den größten Herausforderungen der Menschheit im 21. Jahrhundert gezählt werden (Glenn u.a. 2008: 11-42). Hauptverantwortlich für die globale Erwärmung sind dabei mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die menschlich verursachten Treibhausgase (IPCC 2007: 5). Daher ist es interessant zu fragen, warum in einigen Länder sehr große Mengen an Klimagasen emittiert werden und in anderen weniger große. Besonders stark tragen zum Klimawandel die Industrieländer bei. So lagen die CO2-Emissionen pro Kopf in den hier untersuchten 21 OECD-Ländern im Jahr 2004 im Durchschnitt bei über zehn Tonnen während es in China weniger als vier waren und in Brasilien und Indien sogar weniger als zwei (UN Statistics Devision 2007).

Ein häufig untersuchter Faktor für die Höhe des Treibhausgasausstoßes ist dabei das Wirtschaftswachstum. Jedoch gibt es hierbei unterschiedliche Theorien und Ergebnisse, wie die Diskussion um die Environmental Kuznet's Curve (EKC) zeigt, die im folgenden ebenfalls kurz dargestellt wird. Relativ unstrittig ist dagegen, dass höhere wirtschaftliche Freiheit zu höherem Wirtschaftswachstum beiträgt.[1] Wirtschaftliche Freiheiten müssen allerdings nicht nur über das Wirtschaftswachstum auf die Umwelt wirken, sondern haben laut einiger Thesen auch direkte Einflüsse. Zum einen wird behauptet, dass wirtschaftliche Freiheit grundsätzlich positiv für die Umwelt sei, da es somit zum Beispiel eine effizientere Nutzung der natürlichen Ressourcen gäbe (Carlsson/Lundström 2001: 6). Zum anderen wird argumentiert, dass beispielsweise freie Finanzmärkte ein immer intensiveres Wirtschaften auf der Basis fossiler Brennstoffe verlangen (Altvater 2006: 46). Die Frage lautet also „wether increased governmental control helps or harms the environment“ (Stroup 2004: 79).

In der Literatur gibt es nach meinem Kenntnisstand, im Vergleich zur Fülle von Arbeiten auf anderen Gebieten wie der EKC, nur relativ wenige Beiträge, die sich direkt mit diesem Thema beschäftigen (z.B. Stroup 2004; Block 1998; Altvater/Mahnkopf 1999: 443-516; Altvater 2006). Noch weniger Aufsätze gehen dabei wie dieser quantitativ vergleichend vor, denn ich konnte nur zwei Arbeiten dieser Art ausmachen (Carlsson/Lundström 2001; Stroup 2005). Beide befassen sich fast nur mit Thesen, nach denen wirtschaftliche Freiheit positiv für die Umwelt ist und beide kommen auch empirisch grundsätzlich zu diesem Ergebnis. Die Modelle dieser Studien untersuchen dabei nur die Einflüsse auf ein bestimmtes Treibhausgas. Im vorliegenden Aufsatz werden dagegen alle relevanten Treibhausgase erfasst und gehen als CO2-Äquivalent[2] in das Modell ein.

Die Forschungsfrage lautet somit: Welchen Einfluss haben wirtschaftliche Freiheiten auf den Treibhausgasausstoß in Industrieländern? Diese Arbeit möchte so zur bisher offensichtlich nicht sehr ausführlichen Forschung in diesem Gebiet beitragen. Neben der bisher nicht verwendeten abhängigen Variable Treibhausgasausstoß stellt dieser Aufsatz eine Neuerung dar, in dem einige Thesen verschiedener theoretischer Annahmen gegenübergestellt werden. Außerdem findet im Gegensatz zu den bisherigen Studien eine relativ ausführliche Diskussion der sonstigen Faktoren statt, die für Unterschiede bei der Höhe der Treibhausgasemissionen verantwortlich sein können. Denn nur durch Betrachtung möglicher Kontrollvariablen kann bestimmt werden, ob die wirtschaftliche Freiheit in einem Y-zentrierten (also auf die abhängige Variable ausgerichteten) Forschungsdesign (Sieberer 2007) neben anderen Einflussfaktoren einen signifikanten Einfluss auf die Klimagasemissionen hat. Nachdem gezeigt wurde, wie die theoretisch gefundenen Indikatoren operationalisiert werden, erfolgt die uni- und bivariate Datenanalyse. Hierdurch ergeben sich weitere Hinweise darauf, welche Variablen in welcher Form in das Regressionsmodell eingehen. Analyseeinheit werden 21 OECD-Länder im Zeitraum von 1990 bis 2005 sein, sodass eine Paneldaten- beziehungsweise Time-Series-Cross-Section-Analyse (TSCS) angewendet werden kann. In Folge von Debatten der letzten Jahre zur ökonometrischen Modellspezifikation bei TSCS-Analysen werden vier verschiedene Regressionsmodelle berechnet[3]. Am Ende werden die Ergebnisse zusammengefasst, auf die theoretischen Annahmen bezogen und es werden weitere Schlussfolgerungen gezogen. Außerdem soll ein kleiner Ausblick gegeben werden, wo in diesem Gebiet weiter geforscht werden könnte.

3. Theorie

Um den Einfluss wirtschaftlicher Freiheiten auf die Klimagasemissionen zu untersuchen, ist es, wie bereits erwähnt, notwendig alle Faktoren in Betracht zu ziehen, die einen Einfluss auf die Höhe der Emissionen haben könnten. Dabei soll als erstes geklärt werden, welche Bereiche überhaupt einen Einfluss haben um dann zu diskutieren, was genau beeinflussend ist. Ronald B. Mitchell (2003: 449)entwirft dazu eine Matrix mit wirtschaftlichen, politischen, sozialen und demographischen Faktoren, die unter anderem nach Charakteristik des Landes und internationalem Kontext unterteilt werden. Laut Lyle Scruggs (2003:6) wurden in der bisherigen Literatur vor allem strukturelle, kulturelle und institutionelle Erklärungen verwendet. Er selbst diskutiert strukturellen Wandel, öffentliche Meinung und Mobilisierung sowie wirtschaftliche und politische Institutionen als Faktoren für den Umweltzustand (Scruggs 2003: 1 – 18). Jahn (1998: 115) nennt als Erklärungen für Umweltperformanz strukturelle und ökonomische Veränderungen, institutionelle Faktoren (politische Konstellationen) und die Macht- und Ressourcen-Mobilisierung. Letzteres meint dabei die „power relations of social movements and social classes, interest groups and parties“ (Jahn 1998: 115).

Die möglichen Erklärungsfaktoren für unterschiedlich hohe Luftverschmutzung werden hier im Folgenden unter die drei Bereiche Wirtschaft, Politik und Struktur gefasst, womit die meisten der oben genannten Faktoren und Bereiche eingeschlossen werden. Diese Einteilung kommt auch der Studie „The Politics of Climate Change“ von Detlef Jahn (2008) recht nah, an der sich die Arbeit zum Teil orientieren wird. Ein wichtiger demographischer Faktor, die Bevölkerungsdichte, wird dabei im Bereich Struktur behandelt. Kulturelle Faktoren wie der Postmaterialismus-Index (siehe z.B. Abramson/Inglehart 1995) werden weitgehend außen vor gelassen. Denn bei Scruggs (1999: 16 – 18; 2003: 78 - 121) zeigte sich lediglich eine geringe Erklärungskraft des Postmaterialismus für Umweltperformanz. Zudem wurden derartige kulturelle Faktoren z.B. bei Neumayer (2003) und Jahn (1998; 2008) ebenfalls nicht in Betracht gezogen. Auf den Einfluss von Umweltbewegungen, den Scruggs unter Mobilisierung fasst (Scruggs 2003: 10 -12), wird bei den politischen Faktoren eingegangen.

Zu Beginn erfolgt die Diskussion direkter Einflüsse wirtschaftlicher Freiheiten auf den Treibhausgasausstoß. Danach komme ich zu den weiteren wirtschaftlichen Einflussgrößen sowie zu den politischen und strukturellen Faktoren.

3.1 Wirtschaftliche Freiheiten

Zum einen wird diskutiert, welchen Einfluss die allgemeine Kategorie wirtschaftliche Freiheit auf die Umwelt hat. Wirtschaftliche Freiheit lässt sich aber auch in bestimmte Bereiche gliedern. So finden sich Thesen, dass die Aspekte Staatsausgaben, Stabilität, Handel und Märkte jeweils einen eigenen Einfluss auf die Umwelt haben.

Wirtschaftliche Freiheit im Allgemeinen

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wird angenommen, dass wirtschaftliche Freiheit im Allgemeinen einen positiven Einfluss auf den Wohlstand hat. Als Gründe werden angeführt, dass z.B. niedrige Steuern und stärkerer Wettbewerb Anreize für die Wirtschaftsteilnehmer sind, mehr zu produzieren, womit auch mehr Wirtschaftswachstum erreicht wird (Berggren 2003: 196-197). Welchen Einfluss der Wohlstand auf die Umwelt haben kann, wird allerdings unter 2.2 bei den weiteren wirtschaftlichen Faktoren dargestellt. Die Wirtschaft muss aber nicht nur einen Einfluss auf die Umwelt bzw. die Umweltpolitik haben, laut Randall Holcombe (2002) kann es nämlich auch anders herum sein. Denn eine Politik, die stärker auf Regulation setzt um zum Beispiel Luftverschmutzung anzugehen, mündet in einer Einschränkung bestimmter wirtschaftlicher Freiheiten, insbesondere bei Eigentumsrechten und beim Zivilrecht (Stroup 2005: 12). Jedoch bemerkt z.B. Posner (1998) dass Umwelt-Externalitäten[4] erfolgreich in private Verträge internalisiert werden können, was für ein erfolgreiches Angehen von Umweltproblemen bei wirtschaftlicher Freiheit sprechen würde. Einen genaueren Einblick in das Wirken wirtschaftlicher Freiheit auf die Luftverschmutzung erhält man bei der Betrachtung einzelner Aspekte wirtschaftlicher Freiheit.

Staatsausgaben

Bei den Staatsausgaben erwarten Carlsson und Lundström (2001: 5-6) einen umgekehrt U-förmigen Verlauf. So wird angenommen, dass Erhöhungen der Ausgaben bei niedriger Staatsquote vor allem zu Investitionen in Infrastruktur und Industrie, also zu mehr Emissionen führen. Bei einem hohen Niveau an Staatsausgaben würde es anders aussehen. Denn wenn der Bedarf an öffentlichen Gütern durch den Staat gestillt ist, würde auch eher eine intakte Umwelt nachgefragt werden. Außerdem würden Ausgabenerhöhungen bei hohem Niveau zu mehr Umverteilung und Einkommensgerechtigkeit beitragen. Dies würde zu einem erhöhten Verlangen nach sauberer Umwelt führen. Die Überlegungen von Carlsson und Lundström beziehen sich auf 75 Länder, wohingegen hier nur 21 Industrieländer untersucht werden, die ein höheres Niveau an Staatsausgaben haben. Daher wird hier angenommen, dass höhere Staatsausgaben bei den 21 OECD-Ländern zu geringeren Treibhausgasemissionen führen.

Eigentumsrechte und Stabilität

Laut Richard L. Stroup (2004: 79) können Märkte nur richtig funktionieren, wenn private Eigentumsrechte gesichert seien. Zudem würden garantierte Eigentumsrechte dazu führen, dass jeder klagen kann, wenn er sich durch die Umweltverschmutzung eines anderen beeinträchtigt fühlt. Dabei wird erwartet, dass sich dann auch das Verhalten von Fabrikanten, Transportunternehmen etc. ändert (Block 1998: 1890). Jedoch ist hier zu fragen, wie heutzutage ein asiatischer Bauer, der zum Beispiel vom steigenden Meeresspiegel bedroht ist, gegen die Verursacher in Industrieländern klagen soll. Ein weiterer Effekt von sicheren Eigentumsrechten und Verträgen ist laut Carlsson/Lundström (2001: 7), dass damit eher längerfristige Investitionen getätigt werden. Dazu zählen solche, die stärker die Umwelt berücksichtigen und sich daher allerdings erst später auszahlen. Ebenfalls zu langfristigeren und effizienteren Investitionen würden niedrigere Inflationsraten führen, da somit Unsicherheiten minimiert werden. Allerdings wird gleichzeitig eingeräumt, dass die erhöhte Stabilität in zusätzlichen, eher umweltschädlichen Investitionen mündet (Carlsson/Lundström 2001: 6-7), wovon eher ausgegangen werden kann.

Handel

Auch beim Einfluss des internationalen Handels gibt es unterschiedliche Thesen. Die eine Argumentationslinie, die als Trading-Up-Hypothese (Jahn 2008: 14) bezeichnet wird, besagt, dass mehr Handel die Umwelt positiv beeinflusst. So führt laut Carlsson und Lundström (2001: 6) Handelsliberalisierung zur effizienteren Ressourcenverteilung, Umweltressourcen inbegriffen. Zudem könne Handel die Verfügbarkeit umweltfreundlicher Güter und Dienstleistungen erhöhen und deren Kosten senken, was als technischer Effekt bezeichnet wird (WTO/UNEP 2009). Eine weitere Überlegung ist der sogenannte 'composition effect'. Er besagt, dass sich die Länder aufgrund erhöhten internationalen Handel auf die Bereiche konzentrieren in denen sie komparative Kostenvorteile haben. Dabei ist zu beachten, dass „the effect on a country's greenhouse gas emissions will depend on whether a country has a comparative advantage in emission-intensive sectors and whether these sectors are expanding or contracting“ (WTO/UNEP 2009: xi-xii). Jedoch gibt es auch Überlegungen, die einen eindeutig negativen Zusammenhang zwischen mehr Handel und Treibhausgasemissionen sehen. So könne es zu einem „Race to the Bottom“ kommen, indem Länder versuchen die eigene Wirtschaft durch geringe Umweltstandards konkurrenzfähig zu halten (Péchoux/Pouyet 2002). Außerdem gäbe es aufgrund des Skaleneffekts, das heißt durch mehr Handel, eine höhere wirtschaftliche Aktivität die wiederum zu mehr Energieverbrauch und damit zu mehr Emissionen führt (WTO/UNEP 2009: xi).

Märkte

Zum einen wird angenommen, dass Wettbewerbsmärkte im Sinne wirtschaftlicher Freiheit positive Einflüsse für die Umwelt haben. Damit würden Ressourcen effektiver genutzt, politischen Regulationen könnte besser begegnet werden und mit der Nachfrage nach umweltfreundlichen Gütern (soweit vorhanden) könne besser umgegangen werden (Carlsson/Lundström 2001: 6). Dagegen argumentieren Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf, dass „die auf globalen Märkten angestrebte Wettbewerbsfähigkeit nur auf dem Fundament der Industriegesellschaft“ (Altvater/Mahnkopf 1999: 464) möglich sei. So lange allerdings kein post-industrieller und post-fossilistischer Ausweg eingeschlagen wird, würde der industrielle Weg weiter zur Erschöpfung der natürlichen Ressourcen führen (Alvater/Mahnkopf 1999: 453), wozu auch die Atmosphäre zählt. Zudem übten die Finanzmärkte über die geforderten hohen Zinsen einen Druck auf die Realwirtschaft aus, dem nur durch die intensive Nutzung fossiler Brennstoffe begegnet werden könne (Altvater 2006: 46).

3.2 Weitere wirtschaftliche Faktoren

Bei den weiteren wirtschaftlichen Faktoren wird zunächst auf die inländischen und später auf die internationalen Einflüsse eingegangen.

Wie bereits erwähnt ist der Wohlstand gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein oft diskutierter Einflussfaktor für Umweltperformanz. Dabei gibt es zum einen die Prosperity-Pollution-Hypothese. Sie besagt, dass steigender Wohlstand aus einer erhöhten Produktion resultiert, die jedoch gleichzeitig eine höhere Umweltverschmutzung als Ergebnis hat (Jahn 2008: 3). Zum anderen gibt es die Prosperity-Cleaning-Up-Hypothese. Demnach führt wirtschaftliche Entwicklung zu neuen Technologien und zu einem Strukturwandel vom Industrie- zum Servicesektor, womit Emissionsreduzierungen erwartet werden. Außerdem gibt es in wohlhabenderen Gesellschaften einen größeren Anteil von Postmaterislisten. Dabei ist die Hypothese, dass die Umwelt bei Postmaterialisten einen höheren Stellenwert hat und sie dementsprechend Umweltparteien wählen. (Jahn 2008: 3). Jedoch halten Altvater und Mahnkopf dem entgegen, dass „selbst die Tertiarisierung der Arbeit und die 'Postmoderne'[5] der individuellen Lebensstile […] auf der Varietät von Konsumgütern [gründet], die nur industriell hergestellt werden können“ (Altvater/Mahnkopf 1999: 464). Der positive Zusammenhang zwischen mehr Einkommen und höherer Nachfrage nach sauberer Umwelt wird zudem für den hier untersuchten Bereich Klimawandel stark in Frage gestellt. Schließlich entweichen die Emissionen in die Atmosphäre und die Folgekosten werden zum Teil von anderen Gesellschaften getragen, weshalb die Anreize nicht so stark sind wie bei lokalen primär sichtbaren Umweltschäden (WTO/UNEP 2009: xii). Die Prosperity-Pollution-Hypothese und die Prosperity-Cleaning-Up-Hypothese werden dabei oft im Modell der Environmental Kuznet's Curve (EKC) kombiniert. Demnach trifft in Gesellschaften mit geringem Wohlstand die Prosperity-Pollution-Hypothese zu und in solchen mit einem größeren BIP die Prosperity-Cleaning-Up-Hypothese (Jahn 2008: 3).

Nach der Betrachtung des eher indirekten Einflussfaktors Wohlstand wird nun der Faktor Energiepreise betrachtet, der einen direkteren Einfluss auf den Treibhausgasausstoß hat (Jahn 2008: 14). Generell wird in der Ökonomie angenommen, dass eine Ware bei steigendem Preis in immer geringerer Menge nachgefragt wird. Die Hypothese lautet also, je höher die Energiepreise, desto weniger Energie wird verbraucht, dementsprechend müssten höhere Energiepreise mit geringeren Emissionen einhergehen.

Ein weiterer Erklärungsfaktor für Luftverschmutzung könnte die Arbeitslosenquote sein. Dabei lautet die These: „high unemployment might put pressure on social actors to advance economic aspects over environmental ones“ (Jahn 2009: 4)

Detlef Jahn (2008: 14) schlägt außerdem den internationalen Ölpreis als erklärende Variable vor. Der methodologische Vorteil sei, dass dadurch externe Schocks besser kontrolliert werden könnten, da dieser Preis bei allen Ländern gleich ist. Aufgrund des negativen Verhältnisses von Preis und Nachfrage wird erwartet, dass ein steigender Ölpreis zu geringerem Ölverbrauch und damit zu geringeren Emissionen führt.

[...]


[1] Für einen Überblick siehe Berggren (2003).

[2] Wenn zum Beispiel Lachgas (Distickstoffmonoxid N2O) 310 mal klimaschädlicher als CO2 ist, so geht eine Tonne Lachgas als 310 Tonnen CO2-Äquivalent in den Variablenwert ein.

[3] Dies geschah bei Carlsson/Lundström (2001) und Stroup (2005) offensichtlich nicht.

[4] Eine Externalität entsteht, wenn die Gesellschaft bei einer Handlung positiv oder negativ beeinflusst, dies aber nicht im Marktpreis enthalten ist.

[5] Die Begriffe Postmodernisierung und Postmaterialismus stehen in sehr engem Zusammenhang wie das Buch „Modernisierung und Postmodernisierung“ von Inglehart (1998) verdeutlicht.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss wirtschaftlicher Freiheiten auf die Treibhausgasemissionen in Industrieländern
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Politik- und Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Politics of Climate Change (Modul: Vergleichende Politikwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
40
Katalognummer
V208952
ISBN (eBook)
9783656376606
ISBN (Buch)
9783656376750
Dateigröße
664 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirtschaftliche Freiheit, Treibhausgasemissionen, klima, vergleichende politikwissenschaft, time-series-cross-section, industrieländer, oecd, länder, paneldaten, regression
Arbeit zitieren
Reinhold Uhlmann (Autor), 2009, Der Einfluss wirtschaftlicher Freiheiten auf die Treibhausgasemissionen in Industrieländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208952

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