Dieser Aufsatz untersucht mit Hilfe der poststrukturalistischen Diskurs- und Hegemonietheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe wie der Diskurs um „nachhaltige Entwicklung“ hegemonial werden konnte. Die Analyse hat dabei gezeigt, dass vor allem Machtunterschiede, die Versöhnung von Wachstum und Nachhaltigkeit sowie das Vorhandensein des tendenziell leeren Signifikanten ,nachhaltige Entwicklung' für die Hegemonialisierung verantwortlich sind. Der tendenziell leere Signifikant schafft es dabei, partikulare Momente wie Wachstum, Markt, Umweltschutz und Entwicklung als das positive und allgemeinhin Anzustrebende zu repräsentieren. Durch die Analyse wird darüber hinaus gezeigt, was den gegen-hegemonialen und radikaleren Ansätzen fehlt, um mehr Einfluss zu erlangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Abstract / Zusammenfassung
2. Einleitung
3. Theoretischer Rahmen
4. Historischer Hintergrund des Diskurses um „nachhaltige Entwicklung“
5. Momente des Diskurses, Logik der Differenz und tendenziell leerer Signifikant
6. Logik der Äquivalenz
7. Anwendung der neueren Hegemonietheorie von Laclau
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht mit Hilfe der poststrukturalistischen Diskurs- und Hegemonietheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe, wie der Diskurs um „nachhaltige Entwicklung“ eine hegemoniale Stellung erlangen konnte und welche Faktoren zu dieser Hegemonialisierung beigetragen haben.
- Anwendung der Diskurstheorie von Laclau und Mouffe auf den Begriff der nachhaltigen Entwicklung.
- Analyse der hegemonialen Momente durch die Logik der Differenz und Äquivalenz.
- Untersuchung der Rolle des „tendenziell leeren Signifikanten“ bei der diskursiven Machtbildung.
- Herausarbeitung von Machtungleichheiten und Repräsentationsmechanismen im globalen Diskurs.
- Identifikation von Ansatzpunkten für gegen-hegemoniale, radikalere Alternativen.
Auszug aus dem Buch
1. Reform
Eines der wesentlichsten Momente im hegemonialen Diskurs der nachhaltigen Entwicklung lautet Reform. Der Diskurs geht nicht davon aus, dass grundlegende strukturelle Veränderungen der Gesellschaft notwendig sind, um den Problemen im Bereich Umwelt und Entwicklung Herr zu werden (Dingler 2003: 241). Stattdessen sei es ausreichend, wenn die derzeitigen sozioökonomischen Strukturen in den Industrieländern durch Reformen im Sinne nachhaltiger Entwicklung effizienter, besser und ökologischer gestaltet würden (Spehr 1996: 62-63). Dass es lediglich um die Reform bestehender Strukturen geht, wird im Weiteren noch klarer werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Abstract / Zusammenfassung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die wissenschaftliche Untersuchung der Hegemonie des Diskurses „nachhaltige Entwicklung“ unter Anwendung der Theorie von Laclau und Mouffe.
2. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz des Themas ein, stellt die Forschungsfrage nach der Hegemonialisierung des Diskurses und formuliert die zugrunde liegende Hypothese.
3. Theoretischer Rahmen: Hier werden die poststrukturalistischen Grundlagen der Diskurstheorie von Laclau und Mouffe sowie die Konzepte der Logik der Differenz und Äquivalenz erläutert.
4. Historischer Hintergrund des Diskurses um „nachhaltige Entwicklung“: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des Konzepts von den Anfängen der Forstwirtschaft bis zum Brundtland-Bericht und der Rio-Konferenz.
5. Momente des Diskurses, Logik der Differenz und tendenziell leerer Signifikant: Die Analyse identifiziert die zentralen diskursiven Knotenpunkte und untersucht „nachhaltige Entwicklung“ als tendenziell leeren Signifikanten.
6. Logik der Äquivalenz: Hier werden die antagonistischen Gegenpositionen zum hegemonialen Diskurs analysiert und die Logik der Äquivalenz auf die Außenverhältnisse angewendet.
7. Anwendung der neueren Hegemonietheorie von Laclau: Dieses Kapitel prüft, inwiefern die neueren hegemonialen Beziehungen nach Laclau die Machtstruktur des Diskurses erklären können.
8. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und diskutiert Möglichkeiten für ein diskursives Gegengewicht durch alternative Ansätze.
Schlüsselwörter
Nachhaltige Entwicklung, Hegemonietheorie, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, Diskurstheorie, leerer Signifikant, Logik der Differenz, Logik der Äquivalenz, ökologische Modernisierung, Machtverhältnisse, Transformation, Postwachstum, Umweltschutz, globale Entwicklung, Diskursanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch, wie der Begriff „nachhaltige Entwicklung“ eine hegemoniale Stellung im globalen politisch-gesellschaftlichen Diskurs erreichen konnte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstellen von Umweltpolitik, Wirtschaftswachstum, Entwicklungstheorie und poststrukturalistischer Diskurstheorie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hegemonialisierung des Diskurses zu erklären und zu verstehen, warum alternative, radikalere Ansätze bisher weniger Einfluss erlangen konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die poststrukturalistische Diskurs- und Hegemonietheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe als theoretisches Analyseinstrument angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung, eine Analyse der internen Diskursmomente (Logik der Differenz) sowie eine Untersuchung der Abgrenzung zu äußeren Positionen (Logik der Äquivalenz).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Hegemonie, leerer Signifikant, nachhaltige Entwicklung, Diskurstheorie und Machtverhältnisse.
Warum fungiert „nachhaltige Entwicklung“ als „tendenziell leerer Signifikant“?
Weil der Begriff in der Lage ist, sehr unterschiedliche partikulare Interessen – wie Umweltschutz, Markt und Wachstum – unter einer gemeinsamen, positiv besetzten Identität zu vereinen.
Welche Rolle spielen Machtunterschiede bei der Hegemonie?
Machtungleichheiten sorgen dafür, dass bestimmte Akteure und deren Definitionen von „nachhaltiger Entwicklung“ eine höhere Akzeptanz erfahren als konkurrierende, marginalisierte Ansätze.
Könnten alternative Ansätze erfolgreicher sein?
Ja, laut der Analyse könnten sie an Schlagkraft gewinnen, wenn sie einen eigenen, attraktiven „leeren Signifikanten“ etablieren würden, wie es sich ansatzweise in der Postwachstumsdebatte abzeichnet.
Worin liegt der Unterschied zwischen dem hegemonialen Diskurs und seinen Alternativen?
Der hegemoniale Diskurs setzt auf Reform und die Versöhnung von Wachstum und Ökologie, während alternative Ansätze oft strukturelle Transformationen und die Abkehr von Wachstumszwängen fordern.
- Quote paper
- Reinhold Uhlmann (Author), 2010, „Nachhaltige Entwicklung“ - Eine kritische diskurs- und hegemonietheoretische Analyse nach Ernesto Laclau und Chantal Mouffe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208955