Die Geschichte der Band "Kraftwerk"

Von den Anfängen im Krautrock zur Erfindung der elektronischen Popmusik


Hausarbeit, 2011

24 Seiten


Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Die Geschichte der elektronischen Musik
2.1 Die Anfänge konkreter und elektronischer Musik
2.1.1 Bruitismus
2.1.2 Musique Concrète
2.2 Die Entwicklung der elektronischen Musik in der Rockmusik
2.2.1 Die Avantgarde der Rockmusik
2.2.2 Der Synthesizer
2.2.3 Die deutsche Avantgarde

3.1 Die Anfänge bei der Avantgarde Rock Musik
3.1.1 „Organisation“
3.1.2 Kraftwerk: Gründung und erste Veröffentlichung
3.1.3 Fluktuation und zweites Album
3.1.4 Ralf und Florian
3.2 Der Wandel zur elektronischen Musik
3.2.1 Autobahn
3.2.2 Auslandstournee und Radio-Aktivität
3.2.3 Trans Europa Express
3.2.4 „Die Mensch Maschine“
3.2.5 Computerwelt
3.2.6 Tour de France, Techno Pop und Electric Cafe

4. Image, Stil und Ästhetik
4.1 Das Image
4.1.2 Der Name „Kraftwerk“
4.1.4 Die Mensch-Maschine
4.2 Stil und Ästhetik
4.2.2 Platten Layout

5. Technik
5.1 Die elektronische Instrumentierung
5.2 Das Studio

6. Einfluss auf andere Bands und Genres

7. Fazit

1. Einleitung

„Denkmal für Elektro-Pioniere: Kraftwerk in München“[1] betitelt Fokus am 13.10.2011 seinen Onlineartikel einer 3-D Videoinstallation in einer Münchner Kunstaustellung über Kraftwerk, die Urväter des Elektro, wie sie im weiteren Verlauf des Artikels genannt werden.

Der Guardian schreibt am 16.2.2012 ebenfalls über die Band als Pioniere: „Kraftwerk announce residency at New York's Moma. German electronic music pioneers will play eight of their classic albums at New York's Museum of Modern Art“[2].

Wer sind diese Musiker, die es nach 40 Jahren Bandgeschichte in Kunstgalerien und zum Titel „Pioniere der elektronischen Musik“ geschafft haben? Diese und vor allem die Frage, ob und wenn, welche Innovationen Kraftwerk zu diesem Titel verholfen haben, werden in dieser Arbeit thematisiert.

Im Kapitel 2 wird zunächst ein Einblick in die frühe Entwicklung der elektronischen Musik Anfang des 20. Jahrhunderts in Italien gegeben. Anschließend werden die Geräusch- und Klangexperimente der Musique Concrète in Frankreich und der elektronischen Musik in Deutschland beleuchtet. Diese Experimente werden Ende der 1960er Jahre von den Avantgarde-Rock-Musikern fortgeführt. Es werden im Teil 2.2 zunächst die Entwicklung der elektronischen Musik in der angloamerikanischen Avantgarde sowie die Bedeutung des Moog-Synthesizers beschrieben und anschließend die Entwicklung der elektronischen Musik in der deutschen Avantgarde aufgezeigt.

Der Werdegang der Band Kraftwerk wird im Kapitel 3 chronologisch aufgezeigt. Die Untersuchung befasst sich mit den ersten avantgardistischen Experimenten Kraftwerks, der Wandlung zum Elektropop, dem weltweiten Erfolg, sowie dem zunehmenden Ruckzug der Band.

Im Kapitel 4 werden das Image, der Stil und die Ästhetik der Band analysiert. Kraftwerk schaffen sich durch die Wahl ihres Namens und des Hauptthemas „Mensch und Maschine“ ein besonderes Image, welches in Kapitel 4.1 untersucht wird. Im Teil 4.2 geht es um den Stil und die Ästhetik also die Mode, die Bühnenshows und das Plattenlayout Kraftwerks.

Im Teil 5 wird die besondere Bedeutung der verwendeten Technik für die Musik Kraftwerks erklärt.

Das 6. Kapitel widmet sich der Frage, welche Bands und Genres durch Kraftwerk geprägt und beeinflusst werden. Im Fazit wird dann die Eingangsfrage nach der Pionierleistung der Gruppe erläutert.

2. Die Geschichte der elektronischen Musik

2.1 Die Anfänge konkreter und elektronischer Musik

2.1.1 Bruitismus

Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt die Geschichte der elektronischen Musik mit der Möglichkeit der Aufzeichnung und der Bearbeitung von Klangereignissen sowie deren elektronischer Erzeugung als elektro-akustische und elektro-mechanische Musik[3]. Als Voraussetzung dafür ist die Entwicklung der Elektronenröhre zwischen 1903 und 1913, welche die Erzeugung, Verstärkung und Modulation von Schwingungsvorgängen ermöglicht sowie die Entwicklung der Magnetaufzeichnung und deren Veränderung und Montage zwischen 1927 und 1939 zu nennen[4]. Diese Musik zeichnet sich zunächst durch die Einbeziehung von Geräuschen in die musikalische Produktion aus, die auf den von Luigi Russolo mit seinem 1913 veröffentlichten Manifest „Die Kunst der Geräusche“ begründeten „Bruitismus“[5] zurückgeht.

2.1.2 Musique Concrète

In Frankreich experimentieren Pierre Henry und Pierre Schaeffer, die Begründer der Musique Concrète, seit 1943 mit unterschiedlichen Geräuschen des städtischen Alltags und der Natur sowie mit gezielt hervorgerufenen Tönen, die unter anderem durch die Verwendung von präparierten Instrumenten erzeugt werden. Die Geräusche werden im Tonstudio, der von Schaeffer eigens dafür gegründeten Forschungsstelle für Radiophonische Kunst (Studio d’Essai), manipuliert und in Tonbandcollagen mit kompositorischer Absicht montiert[6]. Als „Concrète“ wird die Musik bezeichnet, da das Klangmaterial, mit dem gearbeitet wird, konkret vorhanden ist, d.h. über eine Mikrofonaufnahme gewonnen wird, bevor die eigentliche Realisation einer Komposition beginnt. Konkret auch insofern, als sich die aufgenommenen Klänge der Schriftlichkeit entziehen, d.h. keine dem Klangobjekt entsprechende Partitur geschrieben werden kann und da das Klangmaterial nach der Mikrofonaufnahme „konkret“ auf einem Tonträger existiert. Schaefer geht von der Vorstellung aus, dass die elektroakustisch aufgenommenen Klänge und Geräusche, losgelöst von ihrem ursprünglichen Kontext, bei der Reproduktion eine eigene Sprache entwickeln. Pierre Schaeffer und seine Pariser Schule locken viele Komponisten an. So realisiert auch der Deutsche Karlheinz Stockhausen sein erstes elektroakustisches Stück „Etude“ (1952) in Schaeffers Pariser Studio[7].

2.1.3 Die elektronische Musik

Nach dem Motto „Alle Klänge und Geräusche sind Musik“ beschäftigt sich Stockhausen, nach seiner Rückkehr von Paris nach Köln, fortan mit den Grundelementen synthetischer Musik und deren elektronischer Weiterverarbeitung. Durch Überlagerung von Sinustönen erschafft er neue Klangspektren, welche er durch Filterung, Verzerrung, Überlagerung, Verhallung, Verdichtung, Rückkopplung oder Verkürzung elektronisch bearbeitet[8]. Stockhausen ruft die sogenannte „Kölner Elektronikschule“ ins Leben, deren Wirkungsstätte das Studio des Nordwestdeutschen Rundfunks ist. Seit 1951 wird dort, in einem eigens für elektronische Musik[9] eingerichteten Studio, unter der Leitung von Herbert Eimert mit elektronischen Klängen experimentiert. Im Unterschied zur Musique Concrète verwenden die MusikerInnen hier anstatt konkretem Material ausschließlich künstliche, durch präparierte Generatoren erzeugte elektronische Töne, die aufgezeichnet und bearbeitet werden. Die Kölner Studios nehmen über Jahre hinweg weltweit eine führende Stellung bei der Forschung und Entwicklung elektronischer Geräte, Klänge und Musik ein. Einen wesentlichen Faktor bilden dabei die festangestellten MusikerInnen und WissenschaftlerInnen, die sich völlig auf die Arbeit mit der neuen Materie konzentrieren[10].

Die Vertreterinnen der konkreten und der elektronischen Musik stehen sich lange unversöhnlich gegenüber und propagieren jeweils ihre eigene Ausrichtung als die zeitgemäßere musikalische Ausdrucksweise. Entscheidend für die Annährung und die spätere Verschmelzung der beiden Ansätze wird das von Stockhausen 1956 veröffentlichte Stück „Gesang der Jünglinge“, in dem sowohl elektronisches als auch bearbeitetes konkretes Material Verwendung findet[11].

Das Studio des Nordwestdeutschen Rundfunk wird zum Vorbild für die Gründung weiterer Studios in Mailand (1955), Genf (1959-62), Eindhoven (1957-60), Tokio (1956), Warschau (1957) oder Utrecht (1961-86), die sich ebenfalls mit der Erforschung elektronischer Musik beschäftigen.

2.2 Die Entwicklung der elektronischen Musik in der Rockmusik

2.2.1 Die Avantgarde der Rockmusik

Die experimentellen Ansätze der Musique Concrète und der elektronischen Musik verlagern sich Mitte der 1960er Jahre auf die verschiedenen gegenkulturellen Strömungen der Rockmusik[12]. Die MusikerInnen übernehmen Elemente der elektronischen und der konkreten Musik, um sie in einzelne Stücke zu integrieren oder eigenständig weiter zu entwickeln. So verwenden die Beatles in ihrem 1967 veröffentlichten Album „Sgt. Pepper’s Lonley Heart Club Band“ rückwärtslaufende Bänder und Klangverfremdungen sowie bei „Revolution 9“ konkrete Geräusch-Collagen[13]. Weitere Vorreiter sind Frank Zappa, der mit komplizierten Rhythmusstrukturen, Verfremdungen sowie der Montage von Geräuschen, Stimmen und Songfragmenten arbeitet sowie Pink Floyd, die mit Naturgeräuschen und aufwendigen Filmprojektionen bei Konzerten sowie als einer der ersten mit der neuen Synthesizer Technik arbeiten[14].

2.2.2 Der Synthesizer

Eine Klangrevolution der 1970er Jahre stellt der Synthesizer dar. Zwar hat sich die Forschung bereits seit den 1930er Jahren mit der Erzeugung synthetischer Klänge beschäftigt, doch erst seit den 1960er Jahren ist es möglich, die Töne auch in Echtzeit zu erzeugen. Außerdem bleiben die Geräte anfangs aufgrund ihrer Größe und Komplexität experimentelle Einzelstücke[15].

1964 führt Robert Moog den ersten modularen und in Serie produzierten sogenannten „Minimoog“ Synthesizer ein. Durch seine kompakte Bauweise und Konfigurierbarkeit wird er sowohl in den Heimstudios als auch bei der elektronischen Klangerzeugung in der Unterhaltungsmusik verwedet[16].

[...]


[1] Focus.de 13.10.2011

[2] Guardian.de 16.2.2012

[3] Meyer S. 36

[4] Batel/Salbert S. 8f

[5] Der Bruitismus (von französischen bruit: Lärm) war eine von den italienischen Futuristen gegründete Bewegung, welche erstmals den Lärm und die Geräusche der industrialisierten Welt in Musik umzusetzen begann bzw. diese als Musik selbst begriff. (Brockhaus Infothek: Techno S. 1)

[6] Sterneck S. 118

[7] Supper S. 19f

[8] Feige S. 17

[9] Der Begriff „elektronische Musik“ wird heute für nahezu jede Ausprägung Elektroakustischer Musik verwendet, war jedoch in den 1950er Jahren fast ein Synonym für die elektroakustische Musik der sogenannten Kölner Schule (Supper S. 22)

[10] Sterneck S. 119f

[11] Sterneck S. 120

[12] Koch S. 10f

[13] Sterneck S. 121

[14] Coers S. 15

[15] Dedekind S. 22

[16] Meyer S. 37

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Band "Kraftwerk"
Untertitel
Von den Anfängen im Krautrock zur Erfindung der elektronischen Popmusik
Hochschule
Universität Hamburg
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V208989
ISBN (eBook)
9783656363774
ISBN (Buch)
9783656364986
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kraftwerk, anfängen, krautrock, erfindung, popmusik
Arbeit zitieren
Dario Calay (Autor), 2011, Die Geschichte der Band "Kraftwerk", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208989

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