Unternehmensethik - So denken die zukünftigen Führungskräfte

Empirische Untersuchung


Masterarbeit, 2012
133 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Anlagenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Relevanz, Ziel und Aufbau der Arbeit
1.2 Abgrenzung der Arbeit

2. Theoretische Grundlagen
2.1 Unternehmen - Definition
2.1.1 Unternehmen - Ziele im wirtschaftlichen Kontext
2.1.2 Unternehmen - Ziele im gesellschaftlichen Kontext
2.1.3 Unternehmen - Arten und Kennzeichnungen
2.2 Ethik - Ein Definitionsansatz
2.2.1 Ethik - Deontologisches Konzept
2.2.2 Ethik - Teleologisches Konzept
2.3 Unternehmensethik - Definition
2.3.1 Unternehmensethik - Ziele

3. Stakeholder und ihre Stellung in der Unternehmensethik
3.1 Stakeholder - Wer ist das?
3.2 Stakeholdermanagement

4. Corporate Social Responsibility als Schlüsselbegriff der Unternehmensethik
4.1 Corporate Citizenship
4.2 Corporate Sustainability
4.3 Corporate Governance
4.4 Kernthemen der CSR
4.4.1 Menschenrechte & Arbeitsbedingungen
4.4.2 Umweltschutz
4.4.3 Faires unternehmerisches Handeln
4.4.4 Verbraucherschutz
4.4.5 Soziales Engagement
4.5 Institutionelle CSR-Leitsätze
4.5.1 UN Global Compact
4.5.2 Global Reporting Initiative (GRI)
4.5.3 OECD Leitsätze für multinationale Unternehmen
4.5.4 Kernarbeitsnormen der IAO
4.5.5 Weitere Leitsätze und Normen zu CSR

5. Die Stellung der Führungskräfte im ethisch orientierten Unternehmen
5.1 Führungskräfte im Unternehmen - Begriff und Aufgabe
5.2 Führungskräfte als Kommunikator der Unternehmensethik

6. Praktischer Teil: Empirische Untersuchung
6.1 Rahmendaten der Untersuchung
6.2 Technik der Untersuchung
6.3 Auswertung der Untersuchung
6.4 Ergebnisse der Untersuchung
6.4.1 Ergebnisse: Kernthema „Menschenrechte & Arbeits­Bedingungen“
6.4.2 Ergebnisse: Kernthema „Schutz der Umwelt“
6.4.3 Ergebnisse: Kernthema „Faires unternehmerisches Handeln“
6.4.4 Ergebnisse: Kernthema „Schutz der Verbraucher“
6.4.5 Ergebnisse: Kernthema „Soziales Engagement“
6.4.6 Ergebnisse: Allgemeine ethische Einstellung der zukünftigen Führungskräfte
6.4.7 Zusammenhänge der gegebenen Antworten und dem Angebot von Vorlesungen zum Thema Unternehmensethik

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

Abbildung 1: Unternehmen - Rechtsformen und Größe nach Mitarbeitern

Abbildung 2 : Stakeholder eines Unternehmens

Abbildung 3: System der Corporate Social Responsibility

Abbildung 4: Kinderarbeit weltweit

Abbildung 5: Einstellung der EU-Bürger zum Thema Verant­wortung im Umweltschutz

Abbildung 6: Verbreitung und Wahrnehmung der Korruption

Abbildung 7: Konsumentenvertrauen in Deutschland

Abbildung 8: Die 10 Grundsätze des UN Global Compact

Abbildung 9: Managementmodell für die Zukunft

Abbildung 10: Frage 1

Abbildung 11: Frage 2

Abbildung 12: Frage 28

Abbildung 13: Frage 19

Abbildung 14: Kreuztabelle Frage 1/Frage 19

Abbildung 15: Frage 7

Abbildung 16: Frage 6

Abbildung 17: Frage 24

Abbildung 18: Frage 12

Abbildung 19: Frage 8

Abbildung 20: Frage 11

Abbildung 21: Frage 16

Abbildung 22: Frage 18

Abbildung 23: Frage 26

Abbildung 24: Frage 3

Abbildung 25: Frage 4

Abbildung 26: Kreuztabelle Frage 3/Frage 4

Abbildung 27: Frage 9

Abbildung 28: Frage 20

Abbildung 29: Frage 14

Abbildung 30: Frage 27

Abbildung 31: Frage 17

Abbildung 32: Frage 34

Abbildung 33: Frage 32

Abbildung 34: Frage 10

Abbildung 35: Frage 31

Abbildung 36: Frage 13

Abbildung 37: Frage 22

Abbildung 38: Frage 5

Abbildung 39: Frage 21

Abbildung 40: Frage 30

Abbildung 41: Frage 36

Abbildung 42: Frage 15

Abbildung 43: Frage 35

Abbildung 44: Frage 25

Abbildung 45: Frage 33

Abbildung 46: Frage 29

Abbildung 47: Frage 23

Abbildung 48: Diagramm zur Kreuztabelle der Fragen 4 u. 37

Abbildung 49: Diagramm zur Kreuztabelle der Fragen 19 u. 37

Abbildung 50: Diagramm zur Kreuztabelle der Fragen 28 u. 37

Abbildung 51: Diagramm zur Kreuztabelle der Fragen 36 u. 37

Abbildung 52: Diagramm zur Kreuztabelle der Fragen 8 u. 37

Abbildung 53: Diagramm zur Kreuztabelle der Fragen 23 u. 37

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anlagenverzeichnis

Anlage 1: Die 10 Prinzipien des UN Global Compact

Anlage 2: Fragebogen - Seite 1

Anlage 3: Fragebogen - Seite 2

Anlage 4: Fragebogen - Seite 3

Anlage 5: Fragebogen - Seite 4

Anlage 6: Fragebogen - Seite 5

Anlage 7: Fragebogen - Seite 6

Anlage 8: Fragebogen - Seite 7

Anlage 9: Fragebogen - Seite 8

Anlage 10: Fragebogen - Seite 9

Anlage 11: Statistische Maßzahlen der Auswertung

Anlage 12: Kreuzdiagramme Teil 1 (Frage 2 und Frage 7)

Anlage 13: Kreuzdiagramme Teil 2 (Frage 9 und Frage 12)

Anlage 14: Kreuzdiagramme Teil 3 (Frage 14 und Frage 15)

Anlage 15: Kreuzdiagramme Teil 4 (Frage 16 und Frage 17)

Anlage 16: Kreuzdiagramme Teil 5 (Frage 21 und Frage 22)

Anlage 17: Kreuzdiagramme Teil 6 (Frage 27 und Frage 30)

Anlage 18: Kreuzdiagramme Teil 7 (Frage 31 und Frage 32)

Anlage 19: Kreuzdiagramme Teil 8 (Frage 35)

1. Einleitung

„Grünenthal entschuldigt sich nach 50 Jahren.“[1]Diese Schlagzeile der Financial Times Deutschland vom 31.08.2012 lässt erkennen, dass sich das ethische Bewusstsein von Unternehmen in den letzten Dekaden weiterentwickelt hat. Grünenthal, verantwortlich für den größten Arzneimittelskandal der Nachkriegsgeschichte, hatte diese Verantwortung zwar zuvor bereits schon eingestanden, eine öffentliche Entschuldigung für die Vorkommnisse in den 1950er und 1960er Jahren blieb bis August 2012 jedoch aus. Dieser Gesinnungswechsel in dem genannten Unternehmen unterstreicht vor allem auch die Entwicklung der Signifikanz der Unternehmensethik, steht diese Ethik im Geschäftsleben doch seit genau jenen 1960er Jahren in der akademischen Diskussion.[2]

Die Wirtschafts welt hat sich seit dieser Zeit enorm verändert. Globalisierung, technischer Fortschritt und die Nutzung nichterneuerbarer natürlicher Ressourcen geben der Unternehmensethik einen breiten Raum und eine Vielzahl neuer Ansatzpunkte.[3]Das ethisch orientierte Unternehmen muss heutzutage über seinen Tellerrand hinaus schauen und neben seinen eigenen Geschäftspraktiken auch die seiner Geschäftspartner moralisch vertreten können. Neben den ökonomischen Zielen rücken somit auch gesellschaftliche Ziele immer mehr in den Fokus der Unternehmensführung. Die über einen langen Zeitraum verfolgte Shareholder-Orientierung ist einer Ausrichtung auf die Anspruchsgruppen des Unternehmens gewichen, dies nicht zuletzt weil diese so genannten Stakeholder einen immer größeren Einfluss auf das Unternehmen haben.

In einer großen Verantwortung stehen hierbei die Führungskräfte des Unternehmens, sind sie doch die Personen, die das Unternehmen führen, eine Philosophie vorgeben, diese vorleben und auch nach außen vertreten. So ist es unerlässlich, diese Verantwortungsträger des Unternehmens bereits während ihrer Ausbildung für untemehmensethische Inhalte zu sensibilisieren.[4]Hieraus geht hervor, dass auch Universitäten eine Verantwortung für ein ethisches und verantwortungsbewusstes Verhalten von Unternehmen tragen, sind es doch die Hochschulen, die den Unternehmen die Führungskräfte von morgen liefern.

1.1 Relevanz, Ziel und Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit dem Thema Unternehmensethik auseinander. Das Ziel ist hierbei zunächst, dem Leser diese Thematik näher zu bringen und deren Schlüsselbegriffe zu erläutern. Der praktische Teil dieser Arbeit setzt sich anschließend mit der ethischen Einstellung der heutigen Studenten, die schließlich die zukünftigen Führungskräfte darstellen, auseinander.

In Kapitel 2 werden dem Leser die theoretischen Grundlagen zum Thema vorgestellt und definiert. Hierbei wird auf die Begriffe Unternehmen sowie Ethik eingegangen und im weiteren Verlauf die Verknüpfung der beiden Begriffe dargelegt.

Kapitel 3 gibt einen Aufschluss über die oben bereits erwähnten Anspruchsgruppen des Unternehmens und einen Ansatz für ein Management dieser Gruppen.

Das Thema Corporate Social Responsibility (CSR), ein Schlüsselbegriff der Unternehmensethik, wird in Kapitel 4 erläutert. Hierzu werden die Kernthemen des CSR aufgeführt, erklärt und mit kurzen Beispielen veranschaulicht.

Kapitel 5 stellt die Stellung der Führungskräfte in einem ethisch orientierten Unternehmen vor und weist abschließend erneut auf die Verantwortung von Hochschulen hin, die zukünftigen Führungskräfte im Bereich der Unternehmensethik zu schulen.

Dieser Arbeit liegt eine empirische Untersuchung der ethischen Einstellung aktueller Studenten der FH-Worms zu Grunde. Die Ergebnisse werden in Kapitel 6 dargestellt. Hierbei wird auch darauf eingegangen, ob Zusammenhänge zwischen der ethischen Einstellung der Befragten und dem Besuch von Vorlesungen zum Thema Unternehmensethik bestehen.

Die aus der primären und sekundären Forschung gewonnenen Erkenntnisse werden in Kapitel 7 schlussbetrachtend zusammengetragen.

1.2 Abgrenzung der Arbeit

Diese Arbeit stellt die Themen Stakeholder-Management, CSR und Führungskräfte nur im Ansatz vor. Es werden hierbei lediglich die, für das Verständnis des praktischen Teils der Arbeit erforderlichen Informationen, aufgeführt und grundlegend im Rahmen ihrer Bedeutung für diese Arbeit erklärt. Um dem geforderten Umfang dieser Arbeit gerecht zu werden, bleibt eine ausführliche Erklärung dieser Themen aus, hierzu zu zählen sind auch weitreichende Definitionen der theoretischen Grundlagen, wie bspw. ein tiefgründiger philosophischer Ansatz der Ethik.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Unternehmen - Definition

Die Begriffe „Unternehmen“ und „Betrieb“ sowie deren Beziehung zueinander werden in der betriebswirtschaftlichen Literatur nicht einheitlich bestimmt.[5]

Korndörfer definiert einen Betrieb als eine durch dispositive Arbeit planmäßig zusammengefasste Einheit, deren Zweck die Produktion von Sachgütern bzw. die Bereitstellung von Dienstleistungen ist.[6]Wöhe beschreibt ein Unternehmen als „einen Betrieb im marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem.“[7]Alisch und Winter sehen den Unterschied zwischen Betrieb und Unternehmen vor allem in der Tatsache, dass das Unternehmen eine „örtlich nicht gebundene, wirtschaftlich-finanzielle und rechtliche Einheit darstellt.“[8]Bea, Helm und Schweitzer unterteilen einen Betrieb in Unternehmen und Haushalte und sehen in einem Unternehmen eine „soziale, ökonomische, technische und umweltbezogene Einheit mit der Aufgabe der Fremdbedarfsdeckung.“[9]

Zusammenfassend kann ein Unternehmen also als eine örtlich ungebundene, ökonomische, soziale, technische, umweltbezogene und rechtliche Einheit, die in einem marktwirtschaftlichen Wirtschaftssystem Sachgüter produziert bzw. Dienstleistungen bereitstellt, um einen Fremdbedarf zu decken, definiert werden.[10]Den Grundstock eines Unternehmens stellt entweder das private Kapital des Unternehmers oder Fremdkapital dar, welches der Führung des Unternehmens anvertraut wurde.[11]Charakterisieren lässt sich ein solches Unternehmen lt. Gutenberg durch das Autonomieprinzip und eine Alleinbestimmung durch die Eigentümer.[12]

2.1.1 Unternehmen - Ziele im wirtschaftlichen Kontext

Das Unternehmen als eine ökonomische Einheit hat die Wirtschaftlichkeit zum Ziel, also das Erwirtschaften eines Gewinnes und dessen Maximierung.[13][14][15]Um dieses Ziel zu erreichen ist es unvermeidlich nach dem ökonomischen Prinzip zu handeln, welches wie folgt untergliedert werden kann:[14] [15]

1. Maximalprinzip - mit einem gegebenen Input einen maximalen Output anstreben[16]
2. Minimalprinzip - mit minimalem Input einen gegebenen Output
erzielen[17]
3. Extremumprinzip - maximieren der Output-Input-Relation[18]

Es ist hierbei festzuhalten, dass heute i.d.R. das Extremumprinzip den komplexen Optimierungsproblemen der betriebswirtschaftlichen Praxis Rechnung trägt, da hier „der gesamte Prozess der Erstellung und des Absatzes von Leistungen auf den Prüfstand einer größtmöglichen Wirtschaftlichkeit gestellt wird.“[19]

2.1.2 Unternehmen - Ziele im gesellschaftlichen Kontext

Die genannten wirtschaftlichen Ziele muss ein Unternehmen auf eine Art und Weise verfolgen die gesellschaftliche Akzeptanz erfährt. Ein dauerhaftes Wirtschaften gegen die Gesellschaft sieht Dietzfelbinger als unmöglich an und verweist auf eine „license to operate“, eine gesellschaftliche Arbeitserlaubnis, die einem Unternehmen nur von außen erteilt werden kann. Das Ziel eines Unternehmens im gesellschaftlichen

Zusammenhang muss also sein, auch den moralischen Anforderungen und Erwartungen dieser Gesellschaft gerecht zu werden.[20]

2.1.3 Unternehmen - Arten und Kennzeichnungen

Spezifisch kennzeichnen lassen sich Unternehmen nach folgender Systematisierung:[21]

- Art der erstellten Leistung - Produktionsunternehmen oder Dienstleistungsunternehmen
- Unternehmensgröße - Große, mittlere und kleine Unternehmen (Kriterien hierbei sind: Umsatz, Bilanzsumme, Börsenwert und Beschäftigtenzahl)
- Rechtsform - Einzelunternehmen, Personengesellschaften, Kapitalgesellschaften, sonstige Formen

Abbildung 1 gibt einen Aufschluss über die zahlenmäßige Verbreitung von Unternehmen in Deutschland, unterteilt nach Rechtsform und Beschäftigtenzahl.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Unternehmen - Rechtsformen und Größe nach Mitarbeitern, Stand 05/2012 Quelle: Statistisches Bundesamt[22]

Gemäß Angaben des statistischen Bundesamtes existieren in Deutschland 3,62 Millionen Unternehmen. Mit 81% aller Unternehmen hat der Dienstleistungssektor hierbei den Löwenanteil.[23] [24]

2.2 Ethik - Ein Definitionsansatz

Der Begriff „Ethik“ wird im allgemeinen Sprachgebrauch häufig mit dem Begriff „Moral“ gleichgesetzt. Während Moral allerdings die „in einer Gruppe oder Organisation tatsächlich geltenden und notfalls erzwingbaren Normen“ bezeichnet,[25] beschäftigt sich Ethik mit der Suche nach einer Begründung dieser moralischen Normen.[26]

Alisch und Winter definieren Ethik deshalb als die Wissenschaft vom menschlichen Handeln gemäß der Unterscheidung von gut (sittlich richtig) und böse (sittlich falsch).[27] [28] Ethik, als Teildisziplin der praktischen Philosophie, untersucht also die Frage, wie Menschen richtigerweise entscheiden bzw. handeln sollen und kann somit auch als die kritische Hinterfragung herrschender Moral definiert werden.[29] [30]

Unterscheiden lässt sich Ethik in folgende 3 Formen:[31]

1. Deskriptive Ethik - beschreibt, mit Hilfe von empirischer Forschung, die ermittelbaren moralischen und ethischen Wert- und Normensysteme innerhalb bestimmter Gesellschaften und Gruppen.[32]
2. Normative Ethik - prüft die bestehende Moral kritisch und gibt begründete und verbindliche Aussagen zu den Prinzipien des richtigen Handelns für Individuen und Organisationen.[33]
3. Metaethik - untersucht die semantische Bedeutung ethischer Aussagen und gibt somit Analysen ethischer Argumentationen.[34]

Metaethik kann als die wahre Wissenschaftstheorie der Ethik bezeichnet werden.[35]

Handlungen können hinsichtlich ihrer Ziele oder Folgen ethisch als „gut oder böse“ beurteilt werden, man unterscheidet hier das „deontologische Konzept“ (Beurteilung hinsichtlich der Folgen einer Handlung - siehe 2.2.1) und das „teleologische Konzept“ (Beurteilung hinsichtlich der Ziele einer Handlung - siehe 2.2.2).[36]Im Folgenden werden die beiden unterschiedlichen Sichtweisen dargestellt:

2.2.1 Ethik - Deontologisches Konzept

Das deontologische Konzept bemisst die Richtigkeit (gut oder böse) einer Handlung nach dem grundliegenden Prinzip dem diese folgt. Es steht hierbei also die Handlungsabsicht im Vordergrund.[37]Richtiges Handeln wird dementsprechend allein nach dem guten Willen beurteilt, auch wenn das Ergebnis der Handlung objektiv eher Schaden anrichtet als Gutes bewirkt,[38]ergo, die Konsequenzen der Befolgung dieses Prinzips schlechter sind als jene der Nichtbefolgung.[39]Übertragen auf den Bereich eines unternehmerischen Handelns bedeutet dies bspw., dass eine Befolgung von Verhaltensnormen auf Grund der Einsicht erfolgt, dass ihre generelle Beachtung vernünftig begründet ist, unabhängig von den im Einzelfall wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Befolgung.[40] [41]

Ein Kritikpunkt des deontologischen Konzepts ist darin zu sehen, dass es einem Außenstehenden nicht möglich ist, eine Intention des Handelnden nachzuvollziehen. Erkennbar ist nur das Ergebnis der Handlung, was eine Unterscheidung von moralischem und unmoralischem Handeln unmöglich macht.[42]

2.2.2 Ethik - Teleologisches Konzept

Der teleologische Ansatz beurteilt die Richtigkeit (gut oder böse) einer Handlung hinsichtlich der Folgen und Konsequenzen die sich aus dieser Handlung ergeben. [43] Es werden hier also ausschließlich die

Handlungsfolgen betrachtet um Aussagen über die ethische Qualität einer Handlung zu treffen.[44] Diesem Konzept liegt eine Werttheorie zu Grunde, d.h. „eine Vorstellung darüber, welche Konsequenz für sich gesehen einen eigenständigen Wert hat.“[45] In der Sicht auf den Wert der Konsequenz einer Handlung liegt demzufolge der entscheidende Unterschied zum deontologischen Ansatz begründet.

Als Haupteinwand gegen das teleologische Konzept ist Folgendes anzubringen: „gut“ wird als „gut für“ verstanden, insofern wird „gut“ mit „nützlich“ gleichgesetzt. Dies kann zu einer Aufrechnung von Nutzenquanten gegenüber Leidquanten der jeweiligen Betroffenen führen, was dem Sinne ethischer Argumentation nicht gleichkommt.[46] Des Weiteren ist es im teleologischen Ansatz unerheblich „ob großer Nutzen auf einige Wenige oder kleiner Nutzen auf Viele verteilt wird.“[47] [48]

2.3 Unternehmensethik - Definition

Die Unternehmensethik ist praxisbezogen, stellt den Überschneidungsbereich zwischen Ethik und Betriebswirtschaft dar[49] und befasst sich mit der „Untersuchung normativer Fragestellungen des wirtschaftlichen Handelns von sowie in Unternehmen.“[50]

Definieren lässt sich Unternehmensethik als die Thematisierung des „Verhältnisses von Moral und Gewinn in der Unternehmensführung.“[51] Sie befasst sich mit der Frage, „wie moralische Normen und Ideale unter den

Bedingungen der modernen Wirtschaft von den Unternehmen zur Geltung gebracht werden können.“[52]

Aus dieser Definition geht ein Konflikt zwischen der vom Unternehmen anzustrebenden Gewinnmaximierung und existierenden moralischen Ansprüchen hervor. In Frage gestellt wird hierbei nicht der erzielte Gewinn an sich, es unterliegt viel mehr einer ethischen Analyse, wie der Gewinn erwirtschaftet wurde und wofür er verwendet wird.[53]Maßgebliche Betrachtungsmerkmale einer solchen Analyse stellen Kriterien wie Gerechtigkeit, Vernunft, Angemessenheit und Menschlichkeit dar.[54]

2.3.1 Unternehmensethik - Ziele

Das primäre Ziel der Unternehmensethik ist zunächst die Generierung eines nachhaltigen und im ethischen Sinne vertretbaren Erfolges und somit letztendlich der Erhalt und die positive Entwicklung des Unternehmens.[55][56]

Kunze unterteilt die weiteren Ziele der Unternehmensethik in 4 Themenbereiche:[57]

1. Kultur- und verfassungsbezogene Ziele

Diese stehen in Zusammenhang mit „der verbindlichen Kodifizierung von Werten und Haltungen.“[58]Das Ziel hier ist die Erstellung von vom Unternehmen verbindlich in Kraft zu setzende Normen, meist Kodizes, denen eine Verständigung mit den „vom unternehmerischen Handeln betroffenen Menschen“[59]zu Grunde liegt. Gesetzliche Normen sollen so eingehalten und durch unternehmenseigene Regelungen ergänzt werden.[60]Des Weiteren verfolgt eine unternehmenseigene Kodifizierung von Werten das untemehmensinnenpolitische Ziel der Bildung eines Gemeinschaftsbewusstseins, was eine nachhaltige Aufwertung der Identifikation, Loyalität, Leistungs- und Kooperationsbereitschaft zur positiven Folge hat.[61]

2. Gesellschafts- und reputationsbezogene Ziele

Als solche Ziele sieht Vahrenholt vor allem den Umweltschutz, kulturelles und soziales Engagement, Schutz und Wahrung der Menschenrechte, technische Entwicklung und Transparenz im Unternehmen.[62]Diese Ziele sind ausgerichtet auf die Umwelt des Unternehmens und bestehen zum einen aus ernsthaft verfolgten moralischen Motiven, zum anderen dienen sie dem Ziel das Unternehmen zu einer positiven und marketingwirksamen Außendarstellung zu führen.[63]

Eine Befolgung dieser Ziele hat eine vertrauensbildende Außenwirkung zur positiven Folge und stärkt die Glaubwürdigkeit des Unternehmens.[64]

3. Individuen- und anreizbezogene Ziele

Diese beziehen sich direkt auf die Werte der Charaktere von Mitarbeitern und Führungskräften im Unternehmen und streben gegebenenfalls eine gezielte Veränderung dieser Charakterwerte, also der inneren Einstellung der Mitarbeiter, an.[65]Konkret lassen sich hier Maßnahmen zur Förderung von fachlicher und sozialer Kompetenz, die Vermittlung moralischer Grundlagen und ein analytischer Umgang mit Konfliktsituationen nennen.[66]Der Firmenangehörige soll hierdurch, auch gefördert durch Anreize, eine Bereitschaft und Fähigkeit zum moralischen Handeln entwickeln.[67]Solche Anreize können monetären und sachlichen Charakter haben, aber auch die Karriereplanung und ggf. Beförderungen betreffen.[68]Eine Befolgung dieser Ziele führt zu einer Verbesserung der Integrität im Geschäftsleben, zu einer Abschwächung von Spannungen und zu einer Vermeidung von unbewussten moralischen Verstößen aufgrund von Informationsmangel.[69]

4. Präventionsbezogene Ziele

Das Ziel hierbei ist eine Vermeidung von Vermögens- und Reputationsverlusten. Betreffende Maßnahmen sind die Implementierung von unternehmenseigenen Richtlinien gegen kriminelles und unmoralisches Handeln, die Kommunikation dieser Richtlinien an die Mitarbeiter, eine Kontrolle der Einhaltung und eine Ahndung von Verstößen gegen diese Richtlinien.[70]

Aus den genannten Zielen der Unternehmensethik geht hervor, dass eine Erfüllung dieser Ziele nur unter Rücksichtnahme auf vom Unternehmen betroffene Anspruchsgruppen, neudeutsch Stakeholder, erfolgen kann. Das folgende Kapitel gibt einen Überblick über diese Stakeholder.

3. Stakeholder und ihre Stellung in der Unternehmensethik

Adressaten einer Unternehmensethik sind die Anspruchsgruppen (Stakeholder) des Unternehmens, die von den Geschäftsaktivitäten (un)mittelbar betroffen sind.[71]In den folgenden Kapiteln wird erklärt, wer diese Anspruchsgruppen sind und wie man ihren Ansprüchen mit Hilfe eines Stakeholdermanagements gerecht werden kann.

3.1 Stakeholder - Wer ist das?

Freeman definiert die Stakeholder eines Unternehmens als alle Personen, Gruppen und Organisationen, die Unternehmensziele beeinflussen können oder durch ein Erreichen dieser Ziele selbst beeinflusst werden.[72]Crane und Matten präzisieren Freemans Ansatz in ihrer Definition: Ein Stakeholder eines Unternehmens ist jedes Individuum (auch Gruppierungen), welches von diesem Unternehmen geschädigt werden bzw. welches von dem Unternehmen profitieren kann oder deren Rechte vom Unternehmen verletzt werden können bzw. vom Unternehmen respektiert werden müssen.[73]Abbildung 2 zeigt die möglichen Stakeholder eines Unternehmens auf.[74]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Stakeholder eines Unternehmens

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Riede

Freeman wie auch Zaremba unterteilen die Anspruchsgruppen eines Unternehmens in externe und interne Stakeholder. Während die internen Stakeholder direkt im zentralen System des Unternehmens stehen, befinden sich die externen Stakeholder dem Namen entsprechend im äußeren Umfeld des Unternehmens.[75] Unter „Speziellen Interessengruppen“ als externe Stakeholder sind Organisationen zu verstehen, die im gesellschaftlichen und politischen Bereich aktiv sind, aber keine staatlichen Organe darstellen. Solche Organisationen, NGO genannt, können bspw. im Umwelt- und Verbraucherschutz tätig sein.[76]

3.2 Stakeholdermanagement

Die Anwendung eines Stakeholdermanagements dient der Qualitätsverbesserung von Beziehungen des Unternehmens zu seinem Umfeld. Wieland sieht darin eine schwierige Aufgabe, die ein „erhebliches Maß an Anstrengung, Fähigkeiten und Planung erfordert.“[77] De Colles Ansatz für ein Stakeholdermanagent definiert diese Anstrengung mit der Vorgabe eines 10 Punkte Modells für die Planung des Umgangs mit den Anspruchsgruppen eines Unternehmens:[78]

1. Identifikation der Stakeholder

Ermittlung und Ausarbeitung aller am Unternehmen beteiligten bzw. aller vom Unternehmen betroffenen Personen und Gruppen.

2. Beurteilung der Ansprüche

Ermittlung und Bewertung von Ansprüchen der jeweiligen Stakeholder.

3. Ermittlung der Unternehmenswerte und bestehender Verpflichtungen

Bestimmung und Anpassung der Wertvorstellungen des Unternehmens sowie Definition von zu den Werten im Widerspruch stehenden Ansprüchen der Stakeholder und Berücksichtigung bestehender Verpflichtungen gegenüber den Anspruchsgruppen.

4. Festlegung der Prioritäten

Entscheidung über die Signifikanz der unterschiedlichen Stakeholder­Ansprüche aufgrund festzulegender Kriterien und Einstufung in Prioritäten bspw. nach „Macht“ der Anspruchsgruppe oder nach „Interesse“ für das Unternehmen.

5. Entwicklung von Strategien

Entwicklung potentieller praktischer Lösungen zugeschnitten auf die Ansprüche der Stakeholder.

6. Festsetzung von Zielen

Festlegung des zu erreichenden Status.

7. Messung der Leistung

Ermittlung des Fortschrittes in Bezug auf die Zielerreichung.

8. Kommunikation und Berichterstattung Publizieren der getätigten Maßnahmen.

9. Überprüfung der Verpflichtungen und Strategien Überprüfung der ursprünglichen Haltung des Unternehmens in Bezug auf ein spezifisches Problem sowie Revision der Unternehmensstrategien auf neue Standpunkte.

10. Andauerndes Engagement

Auseinandersetzung des Unternehmens mit seinen Stakeholdern in jeder Phase des Prozesses.

Wieland und de Colle verweisen darauf, dass diese 10 Schritte von jedem Unternehmen speziell auf seine Anforderungen im Umgang mit den betroffenen Stakeholdern abgestimmt werden sollten, die Abfolge der 10 Schritte variabel ist und für jeden Schritt die jeweilige Bedeutung bestimmt werden muss.[79]

4. Corporate Social Responsibility als Schlüsselbegriff der Unternehmensethik

Gabler bezeichnet Corporate Social Responsibility (CSR) als den Schlüsselbegriff der Unternehmensethik.[80]CSR greift hierbei die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung des Unternehmens im ethischen Sinne auf.[81][82] Müller und Schaltegger bezeichnen CSR deswegen auch als ein „Konzept, das Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“[83]

Spricht man in der Literatur oder in der öffentlichen Fachdiskussion von Corporate Social Responsibility, meint man häufig auch Corporate Citizenship (CC), Corporate Governance (CG) oder Corporate Sustainability (CS). Abgrenzungen zu diesen Begriffen bleiben in der Fachliteratur häufig unklar und Definitionen überschneiden sich.[84] Vor allem in Deutschland hat sich CSR als Oberbegriff für ein ethisches Handeln des Unternehmens eingebürgert. Ethisches Handeln umschreibt hierbei die Verantwortung, die ein Unternehmen gegenüber seiner Gesellschaft übernimmt sowie auch seine diesbezüglichen Aktivitäten. Folgende Abbildung demonstriert das System der CSR.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: System der Corporate Social Responsibility

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Bassen, Jastram, Meyer[85]

Es lässt sich erkennen, dass das System der ethischen unternehmerischen Verantwortung auf einem 3-Säulen-Modell aufgebaut ist. Die 3 Bestandteile dieses Modells sind neben der sozialen und ökologischen Komponente auch die der Ökonomie.[86]Glombitza gibt dazu an, dass keine dieser 3 Dimensionen unabhängig von den anderen anzusehen ist und zwischen den verschiedenen Säulen Wechselwirkungen bestehen.[87]

Kapitel 4.1 bis 4.3 dieser Arbeit stellen Definitionsansätze zu den Begriffen CC, CS und CG vor. Diese Begriffe beziehen sich auf eine oder mehrere Säulen des Modells und dienen des Weiteren der Erklärung des Schlüsselbegriffs „CSR“.

4.1 Corporate Citizenship (CC)

CC beschreibt ein Engagement des Unternehmens, welches über seine herkömmliche Geschäftstätigkeit hinausgeht und der Lösung sozialer Probleme im direkten Umfeld des Unternehmens dienen soll. Ein solches Engagement kann sich bspw. durch Sponsoring, Spenden oder gemeinnützige Stiftungen ausdrücken.[88]Mit CC-Aktivitäten soll neben einem Nutzen für das Gemeinwesen auch ein Imagegewinn für das Unternehmen erreicht werden. Hierzu bedarf es bei CC einer bewussten und zielgerichteten Kommunikation der sozialen Aktivitäten gegenüber den Zielgruppen.[89]

4.2 Corporate Sustainability (CS)

Im Deutschen als unternehmerische Nachhaltigkeit bezeichnet,[90]berücksichtigt CS u.a. auch die Überlebensfähigkeit des Öko-Systems.[91]Im Fokus steht hierbei ein verantwortungsvolles Haushalten mit nichterneuerbaren natürlichen Ressourcen.[92]Des Weiteren respektiert CS die Gesellschaft, deren Kulturkreise und achtet, mit einer fokussierten dauerhaften Fortführung der Unternehmenstätigkeit, auch auf die Funktionsfähigkeit des Wirtschaftsraumes.[93]CS umschreibt hierbei nicht nur eine Verantwortung gegenüber den Stakeholdern des Unternehmens sondern auch ein Pflichtbewusstsein des Unternehmens gegenüber der gesamten Menschheit und deren zukünftigen Generationen.[94]

4.3 Corporate Governance (CG)

CG umschreibt ein verantwortungsbewusstes Führen und Überwachen des eigenen Unternehmens.[95]Dörner bezeichnet CG in diesem Sinne auch als Verfassung des Unternehmens,[96]die dessen rechtlichen und faktischen Ordnungsrahmen bildet.[97]CG stellt dementsprechend also auch eine Kontrolle der Unternehmenstätigkeit dar, hierunter ist vor allem die Überwachung von Entscheidungsmaßstäben und Verhaltensempfehlungen für die jeweiligen Organe des Unternehmens (interne CG) zu verstehen, aber auch eine Kontrolle der Beziehungen des Unternehmens zu seinen Share- und Stakeholdern (externe CG).[98]

4.4 Kernthemen im Bereich der CSR

Bleibt man bei der in der deutschsprachigen Fachliteratur allgemein verankerten Ansicht und sieht CSR somit als Oberbegriff für nachhaltige Aktivitäten eines Unternehmens[99], so lassen sich als zu beachtende Themen im Bereich des CSR die folgenden nennen: Menschenrechte & Arbeitsbedingungen, Umweltschutz, Verbraucherschutz, ein faires unternehmerisches Handeln und soziales Engagement.[100]In den nachfolgenden Kapiteln wird auf diese CSR-Kernthemen eingegangen, wobei das Augenmerk vornehmlich auf die Erkenntnisse Hardtkes gerichtet wird.

4.4.1 Menschenrechte und Arbeitsbedingungen

„Kinderarbeit bei Samsung“[101], „Autos auf Kosten der Menschenrechte“[102], „EM-Sponsoren klammern Menschenrechte aus“[103], „Unmenschliche Arbeitsbedingungen bei Paketzusteller“[104], „Merkel in China - Wirtschaftsbeziehungen statt Menschenrechte.“[105]Dies sind Schlagzeilen die in den vergangenen Wochen in den Medien zu finden waren und gerade diese beweisen die Dringlichkeit der Thematik um Menschenrechte und Arbeitsbedingungen im Bereich der CSR.

Keinert sieht in der CSR eine weitreichende menschenrechtliche Relevanz und begründet dies vor allem mit der internationalen Wirtschaftstätigkeit der Unternehmen und deren weltweiten Supply-Chains.[106]Auch für Schauder schließt CSR eine Überprüfung der Supply-Chains mit ein, also auch eine Kontrolle der globalen Lieferanten und Vertragspartner auf Einhaltung von international anerkannten Mindeststandards im Bereich der Menschenrechte und Arbeitsbedingungen.[107]

Solche Mindeststandards schreiben bspw. Verbote von Kinderarbeit vor. Gerade in diesem Bereich müssen vor allem die Lieferanten aus Ländern der Dritten Welt unter die Lupe genommen werden. Abbildung 4 gibt einen Überblick über die weltweite Verbreitung von Kinderarbeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Grafik zeigt, dass der Anteil an arbeitenden Kindern gerade in den so genannten Billiglohnländern enorm hoch ist. China, Exportweltmeister 2011,[108] veröffentlicht keine Zahlen zu seiner nationalen Verbreitung von Kinderarbeit, NGO sprechen bei China von 6% der unter 14 jährigen, also 18 Millionen arbeitenden Kinder.[109]

Als weitere Punkte in denen ein CSR-orientiertes Unternehmen im Bereich der Menschenrechte und Arbeitsbedingungen tätig werden muss, seien hier die Unterbindung von Zwangsarbeit, die Anerkennung des Rechts auf gewerkschaftliche Betätigung der Beschäftigten und ein Ausschließen von Diskriminierungen in Bezug auf Beschäftigung und Beruf, worunter auch die Gleichberechtigung der Geschlechter fällt, zu nennen.[110]

Aktivitäten der CSR dürfen sich in Bezug auf die Einhaltung von Menschenrechten nicht nur auf etwaige Geld- und Sachspenden an Hilfsorganisationen oder die Unterstützung karitativer Projekte seitens des Unternehmens beschränken. Viel mehr wird von einem CSR-orientierten Unternehmen verlangt, dass es intern tätig wird, Verstöße aufdeckt und beseitigt, sei es im eigenen Unternehmen oder in Unternehmen, die mit dem eigenen in geschäftlicher Beziehung stehen.[111]

Hardtke gibt im Umgang mit Menschenrechten und Arbeitsbedingungen die Handlungsempfehlung, dass nationale Gesetze vom Unternehmen eingehalten werden müssen, unabhängig davon ob sie auch von den betreffenden nationalen Behörden eingehalten werden. Wo nationale Gesetze nicht existieren oder qualitativ unterhalb der internationalen Rechtsnormen liegen, müssen diese internationalen Rechtsnormen respektiert werden. Steht nationales Recht im Konflikt zu Prinzipien der internationalen Rechtsnormen, „sollte der Geist der internationalen Menschenrechtsnormen die Grundlage für unternehmerisches Handeln sein“. [112] [113]

In diesem Bereich wurde in den letzten Jahren besonders die Textilindustrie kritisiert. Die Bundeszentrale für politische Bildung gibt an, dass gerade in diesem Sektor „internationale Menschen- und Arbeitsrechte mit den Füßen getreten werden.“[114] In China bspw. verstoßen 25% der Textilunternehmen selbst gegen die unter dem internationalen Standard liegenden, landeseigenen Gesetze des Menschen- und Arbeitsrechts.[115] Vergütungen unterhalb der nationalen Mindestlöhne, Wochenarbeitszeiten von über 70 Stunden, keinerlei Urlaubsanspruch, gefängnisähnliche Bedingungen, Kinderarbeit sowie finanzielle Strafen bei Nichteinhaltung der Zeitverträge oder bei Krankheitstagen sind weit verbreitet.[116] Anzumerken ist hierbei, dass eine Verantwortung für die dortigen Arbeitsverhältnisse vor allem auch bei den westlichen Auftraggebern liegen sollte, denen eine Überwachung ihrer Produktionsstätten in den Billiglohnländern obliegt. In den Blickpunkt sind hier auch bekannte Markenhersteller wie H&M,[117]GAP,[118]Esprit,[119]C&A[120]und Ralph Lauren[121]geraten. Ausnahmslos alle diese Unternehmen publizieren jährliche Nachhaltigkeitsberichte, die ihre Tätigkeiten im Bereich der ethischen Unternehmensverantwortung hervorheben sollen.[122]Nachweisliche Verbesserungen bleiben jedoch aus.[123]

4.4.2 Umweltschutz

Der Umweltschutz muss von jedem verantwortungsbewussten Unternehmen berücksichtigt und vorangetrieben werden.[124]Das Bundesministerium für Umwelt gibt für diese ökologische Dimension des CSR vor allem 3 Handlungsfelder an, namentlich der betriebliche Umweltschutz, Umweltschutz bei Geschäftspartnern und eine umweltverträgliche Produktgestaltung.[125]

Kirchhoff sieht in einem umweltbewussten Verhalten von Unternehmen die Möglichkeit zu einem Reputationsgewinn, eine Minderung finanzieller Risiken im Zusammenhang mit Unfällen bzw. daraus resultierender Rechtsstreitigkeiten und auch Wettbewerbsvorteile, die durch eine frühzeitige Einstellung auf bevorstehende umweltrechtliche Vorschriften entstehen können.[126]

[...]


[1]Financial Times Deutschland (12.10.2012); http://www.ftd.de

[2]Vgl. Solberg S0ilen (2010), S.89

[3]Vgl. Schmitt (2005), S.1f

[4]Vgl. Thiede (2008); S. 1

[5]Vgl. Korndörfer (2003), S.13

[6]Vgl. Korndörfer (2003), S.13

[7]Wöhe (2010), S.30

[8]Alisch, Katrin; Winter, Eggert (2004), S.3076

[9]Bea; Helm; Schweitzer (2009), S.386

[10]Vgl. Becker (2006), S.9

[11]Vgl. Dietzfelbinger (2007), S.189f

[12]Vgl. Gutenberg (1983), s.460f

[13]vgl. Dietzfelbinger (2007), S.190

[14]vgl. Weber; Kabst (2008), S.3

[15]vgl. Corsten; Gössinger (2008), S.630

[16]vgl. Wildmann (2010), S.10

[17]vgl. Tauberger (2008), S.125

[18]vgl. Herdzina (2009), S.21

[19]Töpfer (2007), S.64

[20]vgl. Dietzfelbinger (2007), S.191

[21]vgl. Becker (2006), S.9f

[22]Statistisches Bundesamt; DeStatis (12. Oktober 2012); https://www.destatis.de

[23]vgl. Bundesverband der Dienstleistungsunternehmen; BDD (12. Oktober 2012); http://www.bdd-online.de

[24]Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft; BdWi (12.Oktober 2012) http://www.bdwi-online.de/

[25]Berkel; Herzog (1997), S.43

[26]vgl. Berkel; Herzog (1997), S.43

[27]vgl. Alisch, Katrin; Winter, Eggert (2004), S.458

[28]vgl. Göbel (2010), S.14

[29]vgl. Faust (2003), S.18

[30]vgl. Ricken (2003), S.11 ff

[31]vgl. Faust (2003), S.18

[32]vgl. Göbel (2010), S.14

[33]vgl. Göbel (2010), S.15

[34]vgl. Göbel (2010), S.16

[35]vgl. Staffelbach (1994), S.146

[36]vgl. Alisch, Katrin; Winter, Eggert (2004); S.458ff

[37]vgl. Höffe (1981), S.65

[38]vgl. Aßländer (2011), S.23

[39]vgl. Birnbacher (1997), S.49

[40]vgl. Hax(1993), S.770

[41]vgl. Faust (2003), S.19

[42]vgl. Aßländer (2011), S.26

[43]vgl. Faust (2003), S.20

[44]vgl. Aßländer (2011), S.27

[45]Faust (2003), S.20

[46]vgl. Faust (2003), S.20

[47]Faust (2003), S.20

[48]vgl. Höffe (1981), S.57

[49]vgl. Kunze (2008), S.106

[50]Küpper (2006), S.29

[51]Homann; Blome-Drees (1992), S.117

[52]Homann; Blome-Drees (1992), S.117

[53]vgl. Kunze (2008), S.106

[54]vgl. Leisinger (1997), S.19

[55]vgl. Kunze (2008), S.110

[56]vgl. Schmidt (2001), S.210

[57]vgl. Kunze (2008), S.112ff

[58]Kunze (2008), S.112

[59]Leisinger (1997), S.18

[60]vgl. Noll (2002), S.107

[61]vgl. Dietzfelbinger (2002), S.153

[62]vgl. Vahrenholt (2000), S.33

[63]vgl. Kunze (2008), S.113

[64]vgl. Kunze (2008), S.114

[65]vgl. Kunze (2008), S.114

[66]vgl. Fassbender-Wynands (2001), S.76

[67]vgl. Wieland (2004), S.9

[68]vgl. Kunze (2008), S.116

[69]vgl. Wissenswert; Uni-Hamburg (12. Oktober 2012); http://www.uni-hamburg.de

[70]vgl. Kunze (2008), S.116

[71]vgl. Müller (2009), S.115

[72]vgl. Freeman (2004), S.228ff

[73]vgl. Crane; Mattern; (2004), S.50

[74]vgl. Riede (2012) S.26

[75]vgl. Freeman (2004), S.228ff

[76]vgl. Schuppisser (2003), S.4

[77]vgl. Wieland (2004), S.546

[78]vgl. de Colle (2010), S.311ff

[79]vgl. Wieland (2004), S.550

[80]vgl. Pieckenbrock (2010), S.85

[81]vgl. Schindler; Liller (2012), S.410

[82]vgl. Klein (2012), S.50

[83]Europa - Zusammenfassung der EU-Gesetzgebung (12. Oktober 2012) http://europa.eu

[84]vgl. Müller; Schaltegger (2008), S.17f

[85]vgl. Bassen; Jastram; Meyer (2005), S.235

[86]vgl. Schmied; Götz; Kreilkamp; Bucheri; Hellwig (2009), S.24

[87]vgl. Glombitza (2012), S.24

[88]vgl. Boms (2008), S.69

[89]vgl. Tropp (2011), S.481

[90]vgl. Bulmann (2007), S.8

[91]vgl. Zirnig (2009), S.11

[92]vgl. Bulmann (2007), S.8

[93]vgl. Elkington (2007), S. 133

[94]vgl. Bassen; Jastram; Meyer (2005), S.234

[95]vgl. Werder; Hommelhoff; Hopt (2009) S.4ff

[96]vgl. Dörner; Orth (2005), S.3

[97]vgl. Werder (2006) S.1137

[98]vgl. Kirchwehm (2010), S.6

[99]vgl. Baumgartner; Biedermann (2007), S.40f

[100]vgl. Hardtke; Kleinfeld (2010), S.103ff

[101]Spiegel Online (12. Oktober 2012); http://www.spiegel.de

[102]Frankfurter Rundschau Online (12. Oktober 2012); http://www.fr-online.de

[103]Berliner Zeitung (12. Oktober 2012); http://www.berliner-zeitung.de

[104]Focus Online (12. Oktober 2012); http://www.focus.de

[105]Tagesspiegel Online (12. Oktober 2012); http://www.tagesspiegel.de

[106]vgl. Keinert(2008), S.75f

[107]vgl Lukatsch (2010), S.34

[108]vgl. N.TV (12. Oktober2012); http://www.n-tv.de

[109]vgl. Earthlink EV - Aktiv gegen Kinderarbeit (12. Oktober 2012); http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de

[110]vgl. UN Global Compact - Praxisratgeber (12. Oktober 2012) http://www.unglobalcompact.org

[111]vgl. Schneider; Schmidtpeter (2012), S.765

[112]vgl. Hardtke; Kleinfeld (2010), S.119

[113]Hardtke; Kleinfeld (2010), S.119

[114]vgl. Bundeszentrale für politische Bildung - bpb (12. Oktober 2012); http://www.bpb.de

[115]vgl. Spiegel Online (12. Oktober 2012); http://www.spiegel.de

[116]vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (12. Oktober 2012); http://www.bpb.de

[117]vgl. ARD-Mediathek - Der H&M Check (12. Oktober 2012); http://www.ardmediathek.de

[118]vgl. Spiegel Online (12. Oktober 2012); http://www.spiegel.de

[119]vgl. Stern Online (12. Oktober 2012); http://www.stern.de

[120]vgl. WDR Monitor - Verdammt hoher Preis (12. Oktober 2012); http://www.wdr.de

[121]vgl. NBC NEWS Online (12. Oktober 2012); http://www.msnbc.msn.com

[122]vgl. Zeit Online (12. Oktober 2012); http://www.zeit.de

[123]vgl. Handelsblatt Online (12. Oktober 2012); http://www.handelsblatt.com

[124]vgl. Müller-Christ; Rehm (2010), S.18

[125]vgl. Bundesministerium für Umwelt (12. Oktober 2012); http://www. Bmu.de

[126]vgl. Kirchhoff (2006), S.16

Ende der Leseprobe aus 133 Seiten

Details

Titel
Unternehmensethik - So denken die zukünftigen Führungskräfte
Untertitel
Empirische Untersuchung
Hochschule
Fachhochschule Worms
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
133
Katalognummer
V209013
ISBN (eBook)
9783656368748
ISBN (Buch)
9783656369646
Dateigröße
7277 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
CSR, Unternehmensethik, Business Ethics, Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship, Corporate Governance, Corporate Compliance, Ethik, Management, Strategisches Controlling, Empirische Studie, Wirtschaftsethik
Arbeit zitieren
Stephan Sitzler (Autor), 2012, Unternehmensethik - So denken die zukünftigen Führungskräfte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209013

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