Im Rahmen dieser Seminararbeit werde ich die während der Finanzkrise entstandenen Fragilitäten erörtern. Hierzu beleuchte ich die wichtigsten Finanzinnovationen der nahen Vergangenheit sowie eine Modellierung zur Funktionsweise der Schattenbanken und werde folgend die aus meiner Sicht wichtigsten Regulierungsansätze der aktuellen Literatur diskutieren. Hierzu bilden die Ausarbeitungen von Gennaioli, Shleifer, Vishny (2011): A Model of Shadow Banking9 und Gorton, Metrick (2010): Regulating the Shadow Banking System die Grundlagen für meine Ausführungen. Ein Ausblick mit Stellungnahme wird meine Arbeit abschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung der Schattenbanken
2.1. Money-Market Mutual Funds (MMMF’s)
2.2. Der Verbriefungsmarkt
2.3. Der Repomarkt
3. Funktionsweise des Schattenbankensystems
3.1. Aufbau des Modells
3.2. Rationale Erwartungen
3.3. „Local Thinking“ – Fragilität durch unerwartete Schocks
3.4. Langsamer Informationsfluss
4. Regulierung des Schattenbankensystems
4.1. Ein Vorschlag von Gorton, Metrick (2010)
4.2. Aktuelle Regulierungsansätze
5. Ausblick und Stellungnahme
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die Entstehung und Funktionsweise des Schattenbankensystems sowie dessen Rolle in der Finanzkrise ab 2007. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der systemischen Fragilitäten, die durch Finanzinnovationen wie Verbriefungen und Repomärkte entstanden sind, und der Bewertung möglicher Regulierungsansätze zur Stabilisierung der Finanzmärkte.
- Entwicklung und Bedeutung von Money-Market Mutual Funds
- Mechanismen des Verbriefungsmarktes und des Repomarktes
- Modellierung der Funktionsweise des Schattenbankensystems
- Analyse von Fragilitäten durch „Local-Thinking“-Akteure
- Bewertung aktueller Regulierungsansätze wie Basel III und Gorton/Metrick-Vorschläge
Auszug aus dem Buch
3.1. Aufbau des Modells
Das Modell beinhaltet drei Zeitpunkte t=0,1,2 und zwei Arten von Marktakteuren, risikoaverse Investoren und risikoneutrale Intermediäre. Es bestehen drei finale Umweltzustände: Wachstum (g), Abschwung (d) und Rezession (r) sowie zwei Arten von Investitionsprojekten, risikolose mit einem sicheren Ertrag und riskante, welche nur mit einer Wahrscheinlichkeit von auszahlen. Die Anzahl erfolgreicher riskanter Projekte im Umweltzustand ω ist analog der Eintrittswahrscheinlichkeit wie folgt geordnet: g > d > r.
Investoren sparen, indem sie verzinste Mittel an Intermediäre, welchen der Zugang zu Investitionsprojekten vorbehalten ist, vergeben. Die erwartete Rückzahlung risikoloser Projekte ist größer oder gleich als jene der riskanten, sodass Intermediäre die risikolose Investition präferieren. Da diese jedoch limitiert sind, gilt es bei einer Expansion über das gegebene Limit auch riskante Projekte wahrzunehmen. In diesem Zustand sind Intermediäre zusätzlich zum systematischen auch dem unsystematischen Risiko ausgesetzt. Letzteres ist nicht allein mit eigenen Investitionen diversifizierbar, sondern bedarf zusätzlichem Handel riskanter Projekte mit anderen Intermediären. Zudem ist die Höhe der Rückzahlungen aus riskanten Projekten in t=0 nicht bekannt. Diese und der damit verbundene Umweltzustand ω werden von den Akteuren in t=1 gelernt (GSV 2011, S.8-12).
Im Rahmen ihrer Profitmaximierung stehen Intermediäre zwei Restriktionen gegenüber. Erstens müssen ihre Investitionen und Käufe in t=0 durch eigene und fremde risikolose Mittel von Investoren finanziert werden. Letztere sind entweder gegen die sicheren Rückflüsse aus risikolosen Projekten oder durch Verbriefung riskanter Projekte und Verpfändung der Senior Tranche finanzierbar. Hierbei verlangen beide Arten die Zahlung eines Zinses. Da Investoren den Wert des Pools riskanter Projekte im schlechtesten Umweltzustand bewerten, darf zweitens die risikolose Verschuldung der Intermediäre in t=0 maximal der Höhe der Rückzahlungsfähigkeit in diesem entsprechen. Unverbriefte riskante Projekte enthalten unsystematische Risiken und stellen daher keine adäquate Sicherheit für risikolose Verschuldung dar (GSV 2011, S.10-14).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den historischen Kontext der Finanzkrise und definiert das Schattenbankensystem als unregulierten Parallel-Bankensektor, dessen Aktivitäten maßgeblich zur systemischen Instabilität beitrugen.
2. Entwicklung der Schattenbanken: Das Kapitel erläutert die wichtigsten Finanzinnovationen – MMMF's, Verbriefungsmärkte und Repomärkte – die zur Entstehung und zum massiven Wachstum des Schattenbankensektors in den letzten Jahrzehnten führten.
3. Funktionsweise des Schattenbankensystems: Auf Basis theoretischer Modelle wird analysiert, wie das System unter rationalen und nicht-rationalen Erwartungen funktioniert und warum insbesondere „Local Thinking“ zur Fragilität bei unerwarteten Schocks führt.
4. Regulierung des Schattenbankensystems: Hier werden Regulierungsansätze wie Basel III, der Dodd-Frank-Act sowie spezifische Reformvorschläge von Gorton und Metrick zur Einbindung des Schattenbankensektors in ein stabiles Regulierungsnetz diskutiert.
5. Ausblick und Stellungnahme: Abschließend wird bewertet, inwiefern die vorgeschlagenen Maßnahmen regulatorische Lücken schließen können und welche Herausforderungen durch Interessenkonflikte und Regulierungsarbitrage weiterhin bestehen.
Schlüsselwörter
Schattenbankensystem, Finanzkrise, Verbriefung, Repomarkt, Money-Market Mutual Funds, Regulierung, Basel III, Systemische Risiken, Fragilität, Kreditintermediation, Finanzinnovationen, Regulierungsarbitrage, Liquiditätsengpässe, Leverage-Effekt, Marktakteure
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Schattenbankensystem als wesentlichen Faktor der globalen Finanzkrise und analysiert dessen Funktionsweise sowie Möglichkeiten zu seiner effektiven Regulierung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Finanzinnovationen (Verbriefung, Repos), die Modellierung systemischer Risiken im Schattenbankensektor und die institutionelle Bankenregulierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ursachen für die Fragilität des Schattenbankensystems zu ergründen und zu bewerten, wie zukünftige systemische Krisen durch regulatorische Reformen verhindert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es wird eine modelltheoretische Analyse auf Basis aktueller ökonomischer Literatur, insbesondere der Arbeiten von Gorton, Metrick und Gennaioli et al., durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entwicklung der Schattenbanken, die theoretische Modellierung ihrer Funktionsweise inklusive Verhaltensannahmen sowie die Diskussion konkreter Regulierungsansätze.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Begriffe wie Verbriefungsmarkt, Regulierungsarbitrage, systemische Fragilität und Finanzinnovationen stehen im Zentrum der Analyse.
Was bedeutet in diesem Kontext das „Local Thinking“-Modell?
Das „Local Thinking“-Modell beschreibt Akteure, die unwahrscheinliche, aber potenziell katastrophale Umweltzustände wie eine Rezession vernachlässigen, was in guten Zeiten zu einer riskanten Überausweitung der Bilanzen führt.
Warum ist die Verbriefung laut Autor ein Treiber der Anfälligkeit?
Die Verbriefung führt durch Carry Trades zu höheren Verschuldungsgraden, was das System anfällig für plötzliche, unerwartete Schocks macht, wenn die vermeintlich sicheren Sicherheiten bei einer Marktwende an Wert verlieren.
Was schlagen Gorton und Metrick konkret vor?
Sie schlagen vor, bankähnliche Schattenbanken in regulierte Einheiten (Narrow Saving/Funding Banks) umzuwandeln, die unter Aufsicht stehen und Zugang zu Zentralbankmitteln erhalten, um die Transparenz zu erhöhen.
Welche Rolle spielen Zentralbanken laut dem Ausblick?
Zentralbanken werden als makroprudentielle Regulierer gesehen, die aufgrund ihrer Datenhoheit und Liquiditätsfunktion am besten geeignet sind, systemische Risiken zu überwachen und Rahmenbedingungen zu setzen.
- Arbeit zitieren
- Daniel Fischer (Autor:in), 2011, Das Schattenbankensystem - Funktionsweise und Regulierungsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209030